Kleine Zahlen, viele Prozente

In der Sitzung des Landsberger Stadtrats am gestrigen Mittwoch wurde sie gleich mehrfach zitiert, die aktuelle Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW): In der Lechstadt fehlten viele Wohnungen mit ein bis vier Zimmern, nur Häuser mit fünf Zimmern gebe es mehr als genug. „Wir müssen jetzt viele kleine Wohnungen bauen“, schlossen Teilnehmer daraus. Doch Vorsicht: Die Medien gehen mit der Untersuchung fahrlässig um.

Dazu beigetragen hat vor allem die Süddeutsche Zeitung, die am 20. Juni eine große Tabelle veröffentlichte. Darin heißt es, im Landkreis Landsberg sei der Bedarf an Ein-Zimmer-Wohnungen nur zu 70 Prozent gedeckt. Der Bedarf an Zwei-Zimmer-Wohnungen sei nur zu 56 Prozent erfüllt. Bei Drei-Zimmer-Wohnungen seien nur 61 Prozent der benötigten Wohnungen vorhanden. Bei Vier-Zimmer-Wohnungen sei nur 60 Prozent der Nachfrage gedeckt.

Das sind dramatische Werte: Wir sind offenbar in eklatanter Wohnungsnot. Nur bei Fünf-Zimmer-Wohnungen (zumeist in Form von Häusern) gebe es kein Defizit, im Gegenteil: Dort werde das Soll um 178 Prozent übererfüllt.

Viel Lärm um Nichts

Das klingt nach einer Titelseiten-Nachricht, aber wer sich die Studie anschaut, der sieht, dass hier viel Lärm um Nichts gemacht wird. Es geht nämlich um kleine absolute Zahlen; die Dramatik entsteht erst durch die Umrechnung in Prozent. Konkret „fehlen“ im ganzen Landkreis Landsberg nur sechs Ein-Zimmer-Wohnungen – 21 würden benötigt, 15 werden gerade gebaut. Man kann daraus einen Deckungsgrad von 70 Prozent und im Umkehrschluss einen Wohnungsfehlbestand von 30 Prozent konstruieren. Aber solche Umrechnungen ohne Nennung der absoluten Zahlen suggerieren eine Dimension, die es gar nicht gibt.

Grafik: Institut der Deutschen Wirtschaft

Das zweite Problem: Die Untersuchung bezieht sich auf den ganzen Landkreis. Welcher konkrete Bedarf in der Großen Kreisstadt, den Märkten und den Gemeinden besteht, ist daraus nicht abzulesen. In Dörfern ist es schwieriger, eine Zwei-Raum-Wohnung zu finden, weil es dort keinen oder wenig Geschosswohnungsbau gibt. Umgekehrt ist es in Landsberg äußerst schwer, einen Bauplatz für ein Einfamilienhaus zu ergattern. Wer daraus konstruiert, dass insgesamt zu wenig Geschosswohnungsbau und insgesamt zu viel Einfamilienhausbau erfolgt, erliegt dem Fluch des Durchschnitts und vergisst, dass Stadt und Land nur selten vergleichbar sind.

Wirtschaftliche Betrachtung

Nächstes Thema: Die Studie ermittelt einen abstrakten Bedarf und stellt ihn der aktuellen konkreten Bautätigkeit gegenüber. Sie sagt sinngemäß: Eigentlich würden (unter Berücksichtigung der Familiengröße) im Landkreis Landsberg nur 150 Einfamilienhäuser mit fünf Zimmern benötigt, gebaut werden aber 268. Daraus folge, dass die jetzigen Bauherren bei einem späteren Verkauf ihrer Immobilie Probleme haben könnten, den gewünschten Preis zu erzielen.

Diese wirtschaftliche Betrachtung mag richtig sein; wer heute „groß“ baut, muss wissen, dass ein Weiterverkauf zu gleichen Preisen schwierig wird. Doch dieser Gedanke ist für viele Bauherren nachrangig; die meisten denken nicht investiv, sondern erfüllen sich mit dem Hausbau einen Lebenstraum. Bei nahezu jedem Domizil, das zurzeit gebaut wird, stehen bereits die künftigen Bewohner fest; entweder die Bauherren ziehen selbst ein oder das Haus ist verkauft, bevor der Aushub erfolgt. Es werden also nicht zu viele Häuser gebaut, sondern genau die richtige Zahl.

Im Übrigen bildet die Studie nur die Baugenehmigungen ab, nicht die Bauleitplanung. Selbst wenn allein in Landsberg tatsächlich 50 Drei-Raum-Wohnungen fehlen würden: Beim Urbanen Leben am Papierbach entstehen sie demnächst allemal.

Natürlich ist der Haus- und Wohnungsmarkt permanent in Bewegung und viele Faktoren prägen ihn, auch Mobilität, Migration, alternde Gesellschaft und der Trend zu kleineren Haushalten. Kein Stadt- und Gemeinderat kann sich zurücklehnen und das Thema abhaken. Aber dieser Studie, vor allem den Prozentsätzen, sollte niemand aufsitzen. Sie ist politisch gesehen eine von den Medien aufgebauschte Nullnummer. Die Empfehlung kann nur heißen: Genau hinschauen und ruhig bleiben. Werner Lauff

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Der Beitrag stammt aus dem KREISBOTEN.

Nur im Gleichklang

Weitere Baugebiete in Landsberg? Bitte nur entsprechend der Binnen-Nachfrage und mit weniger Verkehr, meint Werner Lauff.

Am Wiesengrund, Reischer Talweg, Staufenstraße, Pfettenstraße, Ahornallee: Die Stadt Landsberg ist drauf und dran, nach dem Mega-Projekt „Am Papierbach“ weitere Wohngebiete zu schaffen. Ist das eigentlich vernünftig?

Ohne Zweifel: Die zunehmende Wohnbebauung bringt Vorteile.

• Die Stadt erzielt Verkaufserlöse für städtische Grundstücke; sie trägt damit zur Finanzierung allgemeiner kommunaler Aufgaben bei.

• Handelt es sich um privaten Grund, schöpft die Stadt nach der SoBoN-Richtlinie den größeren Teil des entstehenden Wertzuwachses des Grundstücks ab. Sie bewirkt damit den Bau von geförderten, preisgünstigen Wohnungen und finanziert die projektnotwendige Infrastruktur.

• Mit der Ausweisung neuer Wohngebiete steigert die Stadt das Angebot an Wohnungen, reduziert den Nachfragedruck und dämpft Preissteigerungen für Wohnraum (ohne sie allerdings aufzuhalten).

• Die Stadt schafft durch die Baugebiete Wohnungen für Neubürger, die bei Unternehmen in der Region arbeiten, und für Migranten mit Bleiberecht.

• Sie ermöglicht ihren Einwohnern, entsprechend ihrer Lebenssituation Wohnraum zu wechseln und Eigentum zu erwerben.

• Sie reduziert die Notwendigkeit zur kleinflächigen Nachverdichtung innerhalb bestehender Siedlungen.

• In einigen Fällen (beispielsweise bei der Pflugfabrik) bewirkt die Stadt deutliche städtebauliche Verbesserungen.

Die geplante Wohnbebauung hat aber auch Nachteile.

• Neue Wohnbebauung heißt auch mehr Straßenverkehr.

• Wohngebiete, die an bestehende Siedlungen anschließen, wirken großflächig nachverdichtend und sind oft mit dem Verlust von Grünflächen, Sichtabständen, Parkplätzen und Ruhe verbunden.

• Siedlungsferne neue Wohngebiete vermeiden diese Nachverdichtung, führen aber zu Zersiedelung, Bodenversiegelung und Flächenfraß. Sie programmieren unnötige Verkehrsbewegungen.

• In Städten der Metropolregion München bewirkt mehr Wohnraum automatisch mehr Zuzug; das Angebot löst Nachfrage aus. Das unterscheidet Landsberg von Städten in anderen Landstrichen.

• Wirtschaftlich anlasslose Zuzüge führen vor allem zu neuen öffentliche Lasten (Kinderkrippen, Schulen, Straßen …) und machen eine Stadt langfristig zur Schlafstadt.

Hinzu kommt: Der Zeitpunkt ist nicht gerade günstig.

• Die niedrigen Zinsen für Baudarlehen und die verfügbaren Vermögen der Erbengeneration führen zu großer Nachfrage (Zeitfenster fürs Bauen, Geldanlage) und damit hohen Grunderwerbskosten.

• Die Baukosten werden durch regulatorische Einflüsse (zum Beispiel EnEV) in die Höhe getrieben.

• Dies führt dazu, dass Bauträger stark kostenorientiert bauen müssen, um die Mieten nicht in die Höhe zu treiben. Manche Häuser und Wohngebiete dürften den Anforderungen an das wohnliche Umfeld dann irgendwann nicht mehr genügen.

• Aus der allgemeinen Kostenentwicklung folgt auch ein eklatanter Mangel an preisgünstigen Wohnungen – trotz des Baubooms.

• Hinzu kommt: Bund und Länder haben den Sozialen Wohnungsbau unattraktiv werden lassen. Und die Finanzlage der Kommunen erlaubt kaum eigene Ersatz-Wohnbautätigkeit.

Kein Baustopp, aber …

Die Stadt Landsberg sollte nicht – wie andere Kommunen im Speckgürtel Münchens – einen bauplanungsrechtlichen Baustopp vornehmen. Das wäre aus mehreren Gründen verfehlt:

• Generell haben Eigentümer das Recht, Bau-Investitionen vorzunehmen; es muss gute Gründe geben, Vorhaben im Innenbereich zu verweigern.

• Landsberg ist noch eine Einpendlerstadt – und selbst im Landkreis sind die Pendlerströme nicht übermäßig in Richtung München orientiert.

• Manche Kritik an Bauvorhaben ist egozentrisch motiviert (Schutz des eigenen Wohngebiets, freie Fahrt und einfaches Parken, Erhaltung des Status quo).

• Wer benötigte Wohngebiete nicht schafft, verstärkt unerträgliche Verdichtung in vorhandenen Strukturen.

Stadtrat und Verwaltung müssen aber auch die Risiken der Bebauung, die Manchen bereits zügellos erscheint, in den Griff bekommen – und zwar bereits in der Planungsphase.

Den Bestand erhalten

Zunächst gilt: Neue Bebauung sollte sich auf den notwendigen Umfang beschränken.

• Der Erhaltung des Wohnbestands (vor allem auch des kommunalen Wohnbestands) muss größere Aufmerksamkeit gewidmet werden.

• Wohnen in der Altstadt sollte attraktiver werden.

• Beratungsangebote der Stadt sollten (analog dem Denkmalschutz) intensiviert werden, etwa durch einen „Wohnraumkümmerer“, der gleichzeitig Marktbeobachter, Fördertopf-Scout und Ratgeber ist.

Preisgünstige Wohnungen präferieren

Der aktuelle Schwerpunkt beim Wohnungsbau muss auf preisgünstigen Wohnungen liegen. Da die Stadt selbst nicht als Bauherrin auftreten kann und will, muss sie einfache Modelle entwickeln, die dazu führen, dass Dritte kostengünstig bauen, sich zu bestimmten Mietpreisen verpflichten und der Stadt das Belegungsrecht einräumen.

Solange der Fehlbestand an Sozialwohnungen nicht gedeckt ist, sollte – selbst in einer SoBoN-Stadt – die weitere Planung von hochpreisigen Wohngebieten mit Zurückhaltung betrieben werden.

Quartiere schaffen

Sofern neue Wohngebiete erforderlich ist, müssen sie lebenswerte Quartiere sein.

Dazu gehören Angebote zur Nahversorgung, Gastronomie sowie Flächen und Räume mit mehr als nur theoretischer Aufenthaltsqualität. Außerdem sind Wohnen, Fachgeschäfte, Dienstleister und emissionsarme Gewerbe miteinander zu verbinden. Beispiele dafür gibt es genug, künftig mit dem „Urbanen Leben am Papierbach“ selbst in der eigenen Stadt.

Kindertageseinrichtungen und Grundschule müssen fußläufig erreichbar sein. Parkmöglichkeiten sind an den Wohnhäusern zu schaffen (bei Geschosswohnungsbau in Tiefgaragen); Zweit- und Drittwagen können in Quartiersparkhäusern untergebracht werden, in denen auch Besucher-Parkplätze zur Verfügung stehen. Parallel muss dafür gesorgt werden, dass Wohnquartiere eine praktikable Anbindung mit Bus und Fahrrad an die Innenstadt erhalten.

Erst Arbeit, dann Wohnraum

Neue Wohngebiete sollten vor allem dann geplant werden, wenn die Binnen-Nachfrage nicht mehr zu angemessenen Preisen gedeckt werden kann. Mit Binnen-Nachfrage ist die Nachfrage von Personen gemeint, die im Landkreis oder der Stadt Landsberg erwerbstätig sind. Es kann nicht die Aufgabe der Stadt Landsberg sein, das Wohnungsdefizit von München zu mildern.

Verträgliche Mobilität herstellen

Weitere Voraussetzung für die Erschließung neuer Wohngebiete ist die Verwirklichung eines Konzepts „verträglicher Mobilität“. Damit ist eine Situation gemeint, in der alle Bürger (unter Berücksichtigung des geplanten Bevölkerungszuwachses und der generierten zusätzlichen Verkehrsströme) kostengünstig und umweltschonend beweglich sind und ohne unzumutbare Wartezeiten an ihr Ziel kommen.

Verträgliche Mobilität ist auch ein Hebel für die aktive Nutzung der Innenstadt. Nur wenn der „Preis“ (die Kombination aus Fahrzeit und Parkkosten) gering ist, fällt der Entschluss zum Besuch der Innenstadt leicht.

Die Lage hat durchaus Dramatik. In Landsberg gibt es neuralgische Stellen, die immer wieder zu Verkehrsproblemen führen. Diese Probleme werden sich mit zunehmender Bebauung zwangsläufig verstärken. Es handelt sich insbesondere um

• Behinderungen durch Staus auf der Neuen Bergstraße, der Katharinenstraße, am Hauptplatz und der Augsburger Straße,

• Parksuchverkehr und Lärmbelastung an Vorder- und Hinteranger

• komplizierte und überlastete Kreuzungen an der Schwaighofstraße / von-Kühlmann-Straße, Postberg, Königsberger Platz, Danziger Platz, Spöttinger Straße / Katharinenstraße und Spöttinger Straße / Hindenburgring.

• Außerdem gibt es eine Reihe von Fehlnutzungen, unter anderem der Iglinger Straße durch LKW,

• der Iglinger Straße zwischen Augsburger Straße und Lechwiesenstraße zur Vermeidung der Augsburger Straße und der Kreuzung Augsburger Straße / Carl-Friedrich-Benz-Straße

• sowie die Nutzung der Ahornallee zur Vermeidung der Strecke Holzhauser Straße / Augsburger Straße.

Einige der Probleme lassen sich dadurch mildern, dass man, wie bereits geplant oder erwogen,

• den Vorder- und Hinteranger nur noch zum Halten freigibt, was den Parksuchverkehr vermeidet,

• Kreisverkehre einrichtet (Schwaighofkreuzung, neuer Spöttinger Kreisel, Augsburger Straße / Carl-Friedrich-Benz-Straße)

• den LKW-Verkehr an der Iglinger Straße ausschließt – aufgrund eines dann umfassenden Verkehrskonzepts, das verkehrsrechtliche Einschränkungen zur Unterstützung einer geordneten städtebaulichen Entwicklung ermöglicht (§ 45 Absatz 1b Satz 1 Ziffer 5 Alternative 2 der StVO)

• vom Krankenhaus zu den Lechwiesen am gesamten existierenden und geplanten Wohngebiet Ahornallee vorbei einen Bypass baut.

Denkbar ist auch, die Nutzung des letzten (südlichen) Stücks der Lechwiesenstraße zu sperren, um Fahrten durch das Gewerbegebiet bzw. die Augsburger Straße zu erzwingen. Letztlich geht aber kein Weg daran vorbei,

• Anreize zur stärkeren Nutzung des Fahrrads zu schaffen

• die Innenstadt für Fußgänger vom Osten leichter zugänglich zu machen (Schrägaufzug?)

• den öffentlichen Nahverkehr zu verbessern

• einfache Carsharing-Konzepte zu verwirklichen

• leicht nutzbare Parkplätze für Einpendler und Besucher zu schaffen

• und – letztlich, nach allen anderen Maßnahmen – die Fahrt mit dem eigenen Auto unattraktiver zu machen.

Dabei werden Kombinationen aus der Nutzung unterschiedlicher Verkehrsmittel maßgeblich zur Lösung beitragen. So ist beispielsweise die Abfolge „Kurzstrecke Fahrrad bis zur Bushaltestelle, Langstrecke (oder Bergstrecke) Bus“ unter bestimmten Bedingungen attraktiv – dann nämlich, wenn an Haltestellen Fahrradstellplätze vorhanden sind, der Takt des Busfahrplans hoch genug ist und der Fahrpreis die Parkgebühren deutlich unterschreitet.

Das Fazit

Mit dem Areal der Pflugfabrik hat die Stadt Landsberg ein atypisches Gelände überplant. Die Industriebrache war ein Fremdkörper in der Stadt. Der Investor verwirklicht hohe Stadtplanungsqualität. Die Infrastruktur (Lechsteg) ist per se fußgänger- und fahrradorientiert. Und zentrumsnahe Wohngebiete sind immer besser als zentrumsferne.

Zwar sind an einigen Stellen zusätzliche Verkehrsbelastungen zu erwarten; sie gibt es aber schon lange und man hätte die Probleme schon früher angehen müssen. Dennoch war es legitim, das Papierbach-Areal so zu überplanen, wie es geschehen ist – mit unerledigten Aufgaben im Gepäck.

Auf vollständigen Konsens kann die Stadt dabei freilich nicht setzen, auch wenn das zuweilen den Anschein hat. Es gibt durchaus selbst beim Papierbach-Projekt Kritiker und Skeptiker, die sich eine gleichzeitige Behandlung aller Themen gewünscht hätten.

Bei anderen Baugebieten lässt sich diese Abfolge aber nicht wiederholen.

In diesen Fällen gilt es, die Themen im Zusammenhang und umfassend zu betrachten. „Mehr bauen“ muss mit den Parametern „Binnen-Nachfrage“ und „Verkehrsreduzierung“ im Gleichklang sein.

Wiesengrund, Reischer Talweg, Staufenstraße, Pfettenstraße, Ahornallee, das ist nur eingebettet sinnvoll. Ohne komplette Folgenabwägung und ohne Berücksichtigung des städtischen „Ökosystems“ geht die Stadt bei der Planung neuer Baugebiete ein hohes Risiko ein – und läuft in ein Akzeptanzproblem.

Die zweite Hälfte

Die Pfingstferien sind zu Ende; der Stadtrat nimmt seine Arbeit wieder auf und startet in die zweite Hälfte seiner Amtsperiode. Die Agenda ist gefüllt: Neben den Mega-Themen Stadtstrategie, Wohnungsbau, Umsetzung der Papierbach-Planung, Verkehrskonzept und „Nachnutzung in Penzing“ sind Grundsatzentscheidungen zu treffen. Wie nutzen wir den Schlossberg? Soll das Stadtmuseum bleiben, wo es ist? Halten wir Wirtschaft und Wohnen in Balance? Wie kann man das gespannte Verhältnis von Kreis und Stadt verbessern? Diese und andere Themen werden für volle Tagesordnungen sorgen.

An diesem Mittwoch geht es im Stadtrat zunächst um die Vorschläge, die vor der Pfingstpause noch nicht entscheidungsreif waren. Kann man in der Nähe der Hubschrauberlandestelle am Krankenhaus per Bebauungsplan Villen genehmigen, ohne öffentlich-rechtlich sicherzustellen, dass spätere Eigentümer keine Einschränkung des Rettungsbetriebs fordern können? Ist es eine gute Idee, neu entstehende Straßen im Papierbach-Areal nach Heinrich dem Löwen und Ludwig dem Bayern zu benennen? Muss man den Preis für die Mittagessen an den Landsberger Grundschulen und der Mittelschule wirklich erhöhen, obwohl die Stadt durch die Beauftragung eines Dienstleisters doch Einsparungen erzielt? Allerdings: Ist es überhaupt zulässig, über das gleiche Thema ohne Sachverhalts-Änderung zweimal zu beraten und zu beschließen?

Beim Thema „sozialer Wohnungsbau“ besteht unstreitig Handlungsbedarf; hier kann man sogar von einer Hängepartie sprechen. Zwar hat der Stadtrat mit der Regelung der Sozialen Bodennutzung (SoBoN) den Bau geförderter Mietwohnungen angestoßen. Das allein reicht aber nicht, um den Bedarf zu decken. Daher hat die Stadt bereits ein Grundstück (das südliche Baufeld des Gebiets „Am Wiesengrund“) für Sozialwohnungen vorgesehen. Offen ist aber noch, wer es bebaut. Einigkeit besteht lediglich dahingehend, dass die Stadt wegen der entstehenden Kapital­bindung und der notwendigen Kreditaufnahme nicht selbst als Bauherrin auftreten soll.

Drei Lösungsvorschläge stehen im Raum: Die Landsberger Mitte (vertreten durch Wolfgang Weisensee) befürwortet, das Grundstück an denjenigen zu vergeben, der die meisten Wohneinheiten zum geringsten Mietzins erstellt und der Stadt die längste Belegungshoheit einräumt. Die ÖDP (vertreten durch Stefan Meiser) regt an, mit dem Augsburger St. Ulrichswerk „oder einem anderen interessierten Wohnungsbauunternehmen“ einen Vertrag zu schließen, in dem sichergestellt wird, das nach den Vorgaben des bayerischen Wohnbauprogramms Wohnungen mit gedeckelten Mieten und einem Belegungsrecht der Stadt entstehen. Die dritte (grundsätzlichere) Idee stammt von der UBV, vertreten durch Christoph Jell. Die UBV will sozialen Wohnungsbau sowie den Erhalt von Sozialwohnungen in einer neu zu gründenden kommunalen Wohnungsbaugesellschaft bündeln.

Alle drei Ideen werden in der Stadtratssitzung an diesem Mittwoch beraten, aber sicher noch nicht entschieden. Dazu kommt, dass Sozialwohnungen am Wiesengrund wohl nur mit Befreiungen vom planerisch anspruchsvollen Bebauungsplan realisierbar sind. Solche Befreiungen hatte der Stadtrat bei den angrenzenden Baufeldern aber abgelehnt, worauf wbl und Acredo Rückzieher gemacht hatten. Wie die Stadt aus diesem Dilemma herauskommt, ist bislang ungeklärt.

Ebenfalls schon lange schwelt das Thema des Straßenausbaus. Auslöser ist massiver Protest an der Max-Friesenegger-Straße gegen die dortigen Planungen. Die Anwohner befürchten eine Verschlechterung (insbesondere durch den letztlich drohenden Wegfall von Parkmöglichkeiten), den sie auch noch bezahlen sollen. Die Stadtverwaltung greift das Thema nun generell auf und stellt im Stadtrat zur Debatte, in welcher Form Bürger (die bislang nach den Beschlussfassungen nur informiert wurden) künftig von vorneherein in die Planungen einbezogen werden sollen. Davon würden auch die Anlieger der Altöttinger Straße, von-Eichendorff-Straße und Pössinger Straße profitieren. Ein spannender Mittwoch-Abend ist garantiert.

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Der Artikel erscheint auch im KREISBOTEN.

Das Amt aus der Retorte

Die Neubaupläne des Landratsamts werden immer konkreter. Zwar geht es derzeit nur um die Zusammenfassung der verstreuten Außenstellen auf dem vom Landkreis erworbenen Grundstück am Penzinger Feld.  Aber jeder muss wissen: Wer diesem Vorhaben zustimmt, bahnt die komplette Verlegung des Amts an die östliche Stadtgrenze an.

Wie das Großgebäude aussehen könnte, ist skizzenhaft schon illustriert. Der Gedanke, Renovierungen im Haupthaus zu vermeiden und „draußen“ neu und modern anzubauen, wird schon bald dominieren. Umso mehr, als sich für das Grundstück an der von-Kühlmann-Straße sicher Investoren finden lassen.

Natürlich steht nirgendwo geschrieben, dass ein Landratsamt mitten im Zentrum sein muss. Selbst unseres war, als es gebaut wurde, peripher positioniert. Wer sich in den Großen Kreisstädten Bayerns umsieht, stellt aber fest, dass das Landratsamt, von Kraftfahrzeug-Zulassungsstellen abgesehen, fast immer problemlos zu Fuß erreichbar ist. Ob am Platz der Deutschen Einheit in Neuburg an der Donau, am Marienplatz in Bad Kissingen oder an der Katharinenstraße in Traunstein – stets ist das Landratsamt nur ein paar Minuten zu Fuß entfernt.

In all diesen Fällen ging es Landräten und Oberbürgermeistern nicht nur um räumliche Nähe. Es geht auch um persönliche Präsenz. Der Landrat und die Mitarbeiter des Landratsamts sind für viele Themen zuständig. Zum Beispiel für Abfallentsorgung, Asyl, Ausbildungsförderung, Ausländer, Betreuungen, Führerscheine, Gesundheit, Gaststätten, Gewerbe, Jugend und Familie, Naturschutz, öffentliche Sicherheit, Schülerbeförderung, Sozialwesen und Wirtschaftsförderung. Das sind Themen mitten aus dem Leben. Passt das Amt aus der Retorte wirklich dazu?

Wir haben ein Landratsamt, das in die große Kreisstadt Landsberg integriert ist.  Das wird sich noch verstärken, denn hundert Meter weiter entsteht am Papierbach ein Quartier, das das Zentrum von der Altstadt über den Lech hinweg erweitert. Merkwürdig: Das Leben rückt heran und der Landrat ergreift die Flucht.

Eines stört dabei am meisten: Uns ist kein Fall in Deutschland bekannt, bei dem Kreisstadt und Landkreis den Standort des Landratsamts nicht im Konsens festgelegt haben. Dass man sich darüber streitet, das gibt es nur hier.

Wenn Medien schweigen

Warum kommentieren Sie nicht die geplante Sparkassen-Fusion Landsberg-Dießen / Dachau / Fürstenfeldbruck? Warum unterdrücken Sie dieses Thema? Diese Fragen richten zwei Landsberger Bürger wiederkehrend und zunehmend nachdrücklich an den landsbergblog. Andere Medien dürften ähnliche E-Mails erhalten. Die Fusion sei doch eindeutig überflüssig und schädlich. Gespräche darüber dürften gar nicht erst stattfinden. Schon wer – wie Oberbürgermeister Mathias Neuner – für die Sondierung sei, handele „menschenverachtend“ und „geldgierig“.

Tatsächlich haben die Landsberger Medien, soweit ersichtlich, nur einmal in nennenswertem Umfang über die mögliche Fusion berichtet, nämlich nachdem die drei Verwaltungsräte im November 2016 jeweils einstimmig beschlossen haben, „in den nächsten Monaten ein konkretes Gesamtkonzept zu erarbeiten“. Was aber hätten sie sonst noch zu Papier bringen sollen?

Wenn Medien bei einer solchen Ausgangslage schweigen, dann unterdrücken sie lediglich eines: die phantasierte Vorwegnahme der Gesprächsergebnisse. Ob die Partner zusammenpassen, die Portfolios sich ergänzen und man eine gemeinsame Linie für die Zukunft findet, ist noch zu ermitteln und abzuwägen. Erst wenn die drei Sparkassen darlegen, dass, warum und wie sie fusionieren wollen, melden wir vom landsbergblog uns wieder zu Wort.

Natürlich könnten wir täglich dazu etwas philosophieren. Gestern hat ein Vorstandsmitglied der Deutsche Bundesbank jedes zweite Geldinstitut, insgesamt rund 800, als Häuser mit erhöhtem Risiko eingestuft. Besonders bei kleinen und mittelgroßen Banken – darunter fallen auch Sparkassen – stehe die Ampel auf Gelb: „Wir wissen, dass sie bei Zinsänderungen verwundbar sind.“

Ob damit auch unsere Sparkasse gemeint war, wissen wir nicht. Ehrlich gesagt wollen wir es gar nicht wissen. Aber wir bitten darum, dass die Vorstände, Verwaltungsräte und politischen Gremien der Gebietskörperschaften in dieser turbulenten Zeit alles tun, um die solide Wirtschaftlichkeit unserer Sparkasse dauerhaft sicherzustellen – entweder allein oder fusioniert, je nachdem, wie das Ziel am besten erreichbar ist.

Dabei ist es naiv und viel zu kurz gedacht, zur Begründung der Fusionsablehnung heutige Bilanzkennzahlen heranzuziehen und zu sagen „es geht uns doch gut“. Wir müssen auf die Bilanzkennzahlen von morgen schauen; wie geht es uns dann? Auch ist uns völlig egal, ob ein Vorstandsmitglied nach der Fusion aufgrund der dann höheren Bilanzsumme von Gesetzes wegen mehr verdient als vorher. Und die Behauptung, Fusionen reduzierten Arbeitsplätze, kann, muss aber nicht stimmen – sie vergisst zudem vollkommen, dass finanziell herausgeforderte Arbeitgeber die schlechtesten Arbeitgeber sind.

Sollten die Fusionsgespräche zum Vorschlag einer Fusion führen, würden wir gerne wissen: Was kann eine fusionierte Sparkasse besser? Welche Risiken sind reduziert? Welche Handlungsoptionen eröffnen sich? Welche Gegenargumente haben die Vorstände und Verwaltungsräte abgwogen, aber verworfen? Welche Perspektiven bietet die neue Sparkasse für Wirtschaft, Privatkunden und Mitarbeiter?

Sollten die Fusionsgespräche nicht zum Vorschlag einer Fusion führen, ist die Sache nicht etwa erledigt. Dann müssen, bezogen auf das allein bleibende Institut, die gleichen Fragen beantwortet werden.

Wann auch immer das sein wird: Dann werden wir und andere Medien uns mit Berichten, Analysen und Kommentaren wahrscheinlich geradezu überschlagen. Bis dahin aber lassen wir Weissagungen Weissagungen sein und melden uns in dieser Sache ab.

Aspekte einer Anklage

Die Staatsanwaltschaft Augsburg erhebt offenbar Anklage gegen den ehemaligen Landsberger Kämmerer Manfred Schilcher sowie gegen drei damalige Mitarbeiter der inzwischen liquidierten Tochtergesellschaft des Bankhauses Hauck & Aufhäuser. Die Betroffenen sind darüber seit einer Woche informiert.

Für diese Anklage wird es höchste Zeit. Jeder Beschuldigte hat Anspruch darauf, dass ein strafrechtlicher Vorwurf alsbald geklärt wird. Fünf Jahre hat die Staatsanwaltschaft in diesem Fall gebraucht, um zu ermitteln, ob Schilcher in den vielleicht fünf Tagen, an denen er über den fatalen Derivate-Doppelswap entschied, unaufmerksam oder untreu war – so komplex ist die Materie. Jetzt kommt das Verfahren endlich weiter. Das ist eine gute Nachricht für alle Beteiligten.

Die Anklage gegen die damaligen Mitarbeiter der Banktochter lässt tief blicken. Die Staatsanwaltschaft ist offenbar der Meinung, dass die drei Vertreter der Bank die Begrenzung der Befugnisse des Kämmerers kannten und das Geschäft trotzdem abwickelten; anders kann man den Tatbestand der Beihilfe zur Untreue wohl nicht verwirklichen. Bisher hatte die Bankenseite immer argumentiert, öffentlich-rechtliche Beschränkungen und das Innenverhältnis Stadtrat – Kämmerer seien für sie irrelevant; Kenntnis darüber habe nicht bestanden.

Für die Mitarbeiter ist die Anklage bitter: Es könnte sein, dass die Bank sich aufgrund der Liquidation der Beratungstochter aus der Affäre zieht und die Belastung allein bei den ehemaligen Arbeitnehmern bleibt. Fair ist das nicht.

Aber das Bankhaus hat im Moment andere Themen. Ihm wird vorgeworfen, zwischen 2003 und 2005 in Island bei der Privatisierung der Banken als Strohmann fungiert und das Gesetz umgangen zu haben. Involviert war, einem Bericht der Süddeutschen Zeitung zufolge, auch der vom Oberlandesgericht München im Landsberger Derivatprozess als Zeuge gehörte Bank-Justitiar Martin Zeil.

Stillstand für alle

Ein Kommentar von Werner Lauff

Die Nachricht schockt: Der Fliegerhorst Penzing wird nach dem Abzug des LTG 61 auf absehbare Zeit nicht für eine zivile Nutzung freigegeben. Er soll vielmehr im Eigentum der Bundeswehr verbleiben und einer „Stillstandswartung“ zugeführt werden.

Anders ausgedrückt: Der Fliegerhorst wird Reservist.

Die meisten Verantwortlichen auf kommunaler Ebene haben von diesem Sinneswandel des Verteidigungsministeriums erst heute aus dem KREISBOTEN erfahren (dessen aktualisierten Artikel lesen Sie hier). Das ist vollkommen inakzeptabel; das Ministerium nimmt die Kommunen und ihre Repräsentanten nicht ernst.

Aber es geht nicht nur um eine Stilfrage. Die Gemeinde Penzing hat im Vertrauen auf die angekündigte Konversion erhebliche Aufwendungen gehabt. Sie hat Gutachten in Auftrag gegeben, Rechtsberatung in Anspruch genommen, Konzeptionen prüfen lassen. Erstattet der Bund der Gemeinde Penzing den entstandenen Schaden?

Das größte Problem entsteht durch den nun drohenden Leerstand. Ein Bundeswehrgelände ohne Soldaten, das ist nicht Fisch und nicht Fleisch. Arbeitskräfte und Kaufkraft gehen ohne Aussicht auf Ersatz verloren. Soldaten und zivile Bedienstete abzuziehen, aber das Gelände nicht freizugeben, das ist nicht fair: Die Bundeswehr produziert damit Stillstand für alle.

Dies gilt um so mehr, als sich der Fliegerhorst für wenige Dinge eignet. Fluggeräte, für die er passt, sind nicht in Sicht. Umbauten sind wegen des Denkmalschutzes nicht einfach möglich. Es spricht vieles dafür, dass Penzing brach liegt, weil es Strategie ist, nicht abzurüsten. Penzing wird Opfer von Grundsätzlichkeit.

Nun sind die Bayerische Staatsregierung und die Abgeordneten des Deutschen Bundestages gefordert. Es darf keine Geisterstadt „Fliegerhorst“ geben. Das Ministerium muss Farbe bekennen: Wozu bitte soll Penzing künftig dienen? Wenn es darauf keine nachvollziehbare Antwort gibt, geht an einer Freigabe kein Weg vorbei.

Penzing bleibt militärisch

Der Fliegerhorst Penzing steht in absehbarer Zeit nicht für eine zivile Nachnutzung zur Verfügung. Das Bundesministerium der Verteidigung möchte das Areal auch nach dem Abzug der Transall für militärische Zwecke vorhalten. Diese Information der KREISBOTEN wurde heute vom Lufttransportgeschwader 61 bestätigt. Damit sind zunächst alle Pläne der Gemeinde Penzing und der Stadt Landsberg zum Erwerb und zur zivilen Nachnutzung des Geländes hinfällig. Erste Informationen dazu erhalten Sie hier, weitere folgen.

Sparkasse Landsberg-Dießen will fusionieren

Die Sparkassen Landsberg-Dießen, Dachau und Fürstenfeldbruck wollen fusionieren. Dies teilten die drei Anstalten des Öffentlichen Rechts am Nachmittag mit. Der Verwaltungsratsvorsitzende der Sparkasse, Oberbürgermeister Mathias Neuner, und der Vorstandsvorsitzende, Thomas Krautwald, erklärten einer Presseerklärung zufolge, niedrige Zinsen, hohe regulatorische Anforderungen, der demographische Wandel sowie die fortschreitende Digitalisierung legten ein gemeinsames Vorgehen nahe. Die Entscheidungen in den Verwaltungsräten, hierzu ein „konkretes Gesamtkonzept“ auszuarbeiten, sei in den drei Verwaltungsräten einstimmig getroffen worden.

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Das ist schon lange her: „Sparkassen geben der Bevölkerung Gelegenheit zur sicheren und verzinslichen Anlegung von Ersparnissen. Sie fördern den Sparsinn der Bevölkerung und den bargeldlosen Zahlungsverkehr. Sie dienen dem örtlichen Kreditbedürfnis.“

Was da (immer noch) in Artikel 2 des Bayerischen Sparkassengesetzes steht, ist längst überholt. Geldanlagen sind kaum noch verzinslich; eher droht der Strafzins für Anleger. Mit Krediten ist seit Jahren kaum noch Geld zu verdienen; langfristige Mittelvergaben können im Hinblick auf irgendwann steigende Zinsen sogar Zeitbomben sein. Der Sparsinn der Bevölkerung ist hinreichend entwickelt; zuweilen bedarf es eher des Konsumanreizes. Girokonten ohne Gebühren sind inzwischen fast nirgendwo mehr zu bekommen. Und bargeldlos ist Zahlungsverkehr nun inzwischen allemal – das haben die Sparkassen (und andere Institute) so durchschlagend gut geschafft, dass 73 Prozent der Internet-Nutzer ihre Bankgeschäfte inzwischen online tätigen.

Die Welt ist anders geworden. In dieser Zeit müssen auch Kunden ihre Präferenzen ändern. Zwar wünschen sich alle eine Sparkasse mit vielen Filialen, hilfreichen örtlichen Mitarbeitern und intensiver Beratung in der Nachbarschaft. Allerdings wohl eher als Option; nur die wenigsten nehmen diese Leistungen tatsächlich in Anspruch. Der wirkliche Wert einer Sparkasse liegt aber darin, dass sie in schwieriger Zeit wettbewerbsfähig bleibt. Selbst „local heroes“ brauchen daher Strukturen, die es ihnen ermöglichen, das, was erarbeitet wurde, langfristig zu sichern. Sonst ist es mit dem „local hero“-Dasein bald vorbei.

Über die jetzt bekannt gegebene Entscheidung in Richtung „Fusion“ ist schon vor einem Jahr berichtet worden, unter anderem im Münchner Merkur. Dass alle drei Institute den Weg nun tatsächlich gehen, ist zu begrüßen. An Strukturen festzuhalten, die nicht zukunftsfähig sind, wäre romantisch, aber nicht hilfreich. Die Player im Finanzbereich sind heute völlig anders aufgestellt als noch vor Jahren. Stehen bleiben ist in diesem Umfeld keine Option.

Landsberg unter der Lupe

In der fünfteiligen KREISBOTEN-Serie „Landsberg unter der Lupe“ hat Werner Lauff in den vergangenen Wochen analysiert, welche aktuellen Herausforderungen der Stadtrat und die Stadtverwaltung in Landsberg bewältigt haben und welche noch zu lösen sind. Im Fokus standen dabei die Stadt- und Regionalplanung (Folge 1 in der Internet-Fassung des KREISBOTEN), Wirtschaft und Finanzen (Folge 2), die Infrastruktur (Folge 3), Soziales (Folge 4) sowie Altstadt, Tourismus und Kultur (Folge 5). Der letzte Beitrag erscheint in der morgigen Printausgabe. Wenn Sie etwas davon verpasst haben: Hier finden Sie alle fünf Folgen am Stück.


Stadt- und Regionalplanung


Da mag man Wachstum mögen oder nicht – es ist in Landsberg unvermeidlich. Viele Unternehmen in der Lechstadt und dem Landkreis haben Erfolg und expandieren. Und mit der Konversion des Fliegerhorstes Penzing ergibt sich die Chance für ein neues wirtschaftliches Aktionsfeld, das viele weitere Arbeitsplätze schafft. Folglich muss in Landsberg immer mehr Wohnraum entstehen. Doch damit nicht genug: Ist dieser Wohnraum auf der Skala von „einfach“ bis „Luxus“ aufgefächert genug, ist er auch für Münchener attraktiv, die sich die Landeshauptstadt nicht mehr leisten wollen. Damit schaukelt sich Landsberg einwohnermäßig in den nächsten Jahren hoch. Eine Herausforderung, auf die die Politik jetzt reagiert.

Im Juni 2013 war es noch ein Schock: Landsberg rutschte aufgrund des „Zensus 2011“ kurzzeitig unter 27.000 Einwohner. Die Broschüren, in denen von 28.000 Einwohnern die Rede war, mussten wieder in die Setzerei. Das ist längst Schnee von gestern: Seit einigen Tagen hat die Große Kreisstadt die Marke von 29.000 Einwohnern überschritten. Das ist ein Plus von über 2.000 Einwohnern in fünf Jahren. Rechnet man das hoch, werden 2026 mindestens 33.000 Menschen in der Lechstadt beheimatet sein.

Diese Entwicklung zeichnete sich bereits ab, als der derzeitige Stadtrat im Jahr 2014 in sein Amt kam. Wohnungsbau war da eine vordringliche Angelegenheit. Stark steigende Immobilienpreise verdeutlichten den Mangel ebenso wie lange Wartelisten auf Sozialwohnungen. Hinzu kam, dass der Markt für Kaufimmobilien aufgrund der Finanzkrise kaum noch existent war. Der einzige Ausweg schien die Verdichtung zu sein, das Hineinpressen von Wohnraum in vorhandene planerische Strukturen. Allerdings können sich weder der Stadtrat noch die Verwaltung damit wirklich anfreunden. Zuletzt lehnte der Bau-, Planungs- und Umweltausschuss des Gremiums das „übermäßige“ Füllen einer Baulücke am Hopfengarten einstimmig ab. Das war mehr als eine Einzelfallentscheidung; es war ein Signal.

Inzwischen hat der Stadtrat – teils öffentlich durch Aufstellungsbeschlüsse für Bebauungspläne, teils nichtöffentlich durch vorbereitende Maßnahmen wie Grundstückskäufe – neun neue Wohnquartiere konzipiert, die insgesamt bis zu 5.000 zusätzliche Wohnungen schaffen. Grundlage dafür sind die spezifisch für Landsberg erstellten Prognosen des Nürnberger Büros für Stadtentwicklung „Planwerk“. Dessen neueste Studien liegen gerade auf dem Schreibtisch von Oberbürgermeister Mathias Neuner; sie sollen nach der Sommerpause dem Stadtrat vorgestellt werden. Die Gutachten umfassen zum einen Berechnungen über die Schülerzahlen in den Grund- und Mittelschulen, enthalten in einem zweiten Papier aber auch Angaben zum Wohnbedarf. Wie viele Wohnungen werden benötigt? Welchen Zuschnitt sollten sie haben? Welcher Flächenbedarf besteht jetzt und in Zukunft pro Person?

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Stadtrat und Verwaltung orientieren sich an solchen Prognosen, weil sie weder zu wenig noch zu viel Wohnraum schaffen wollen. Beides hätte negative Auswirkungen. Zu wenig Wohnraum führt zu hohen Preisen. Zu viel Wohnraum führt zum Preisverfall und dann zum Ausbluten weniger attraktiver Gebiete innerhalb der Stadt.

Von den neuen Projekten ist das inzwischen auch überregional Aufmerksamkeit erregende „Urbane Leben am Papierbach“ auf dem Gelände der ehemaligen Pflugfabrik am weitesten fortgeschritten. Es ist für die Stadt in dreifacher Hinsicht ein Glücksfall. Zum einen ist es Pflugfabrik-Besitzer Heinz Pöttinger gelungen, einen Projektentwickler zu finden, der nicht einfach kommt, baut, verkauft und wieder geht, sondern nachhaltig plant und in Landsberg bleibt. Im Grunde ist ehret + klein aus Starnberg keine Immobilienfirma, sondern ein Unternehmen zur Verwaltung großer Vermögen. Zwar werden Michael Ehret und Stefan Klein viele Grundstücke und Gebäude weiterveräußern; sie behalten aber auch Teile und sind damit dauerhaft auf dem Areal präsent.

Der zweite Glücksfall besteht darin, dass ehret + klein die Zeichen der Zeit erkannt hat. Dazu gehört es, nicht erneut Wohngebiete ohne Einkaufsmöglichkeit, ohne Kultur, ohne Achse und ohne Identität zu bauen, wie die Stadt Landsberg es an den Oberen Wiesen getan hat. Dazu gehört auch, Bürger und ihre Interessen, aber auch ihre Sprachrohre, ernst zu nehmen. Insofern hat die Pflugfabrik für Landsberg Maßstäbe gesetzt – die Gefahr des Rückfalls in die Reißbrett-Zeit ist eher gering.

Dritter Punkt: Mit dem „urbanen Leben“ kam auch SoBoN in die Stadt, die soziale Bodennutzung. Wenn ein Nicht-Baugebiet zum Baugebiet wird, müssen dort „auch“ Sozialwohnungen entstehen. Wohlgemerkt: Nicht „nur“ Sozialwohnungen, denn das würde zu Effekten wie in den Vororten von Paris führen – Ziel ist die Durchmischung. An der von-Kühlmann-Straße wird es sündhaft teure Penthouses mit Dachterrassen geben, aber eben auch erschwingliche Wohnungen mit eher bescheidenem Balkon. SoBoN ist seit der Pflugfabrik für Landsberg Maßstab und Konzept – inzwischen wird die Richtlinie sogar schon dort angewendet, wo sie gar nicht greift (zum Beispiel am Schongauer Dreieck, also dem Danziger Platz). Der zweite Effekt von SoBoN besteht in der geregelten Abschöpfung. Unter Abschöpfung versteht man die Beteiligung der Stadt an den Gewinnen, die das Baurecht mit sich bringt. Die ist nun einerseits gerichtsfest legitimiert, gleichzeitig aber auch begrenzt und kanalisiert. Die Zeit des Kuhhandels ist damit vorbei.

Kaum jemand hat damit gerechnet, dass die Pflugfabrik in absehbarer Zeit zum Wohnquartier werden würde. Ebenso wenig schien eine Lösung für die Freistaat-Enklaven in Landsberg in Sicht: Bayern besaß nördlich der Justizvollzugsanstalt und westlich der Ahornallee, also jeweils in guter Lage, große Grundstücke und ließ sie brachliegen.

Dass die Pfettenstraße nun überplant wird (dort ist ein Anteil von 40 Prozent Sozialwohnungen ins Auge gefasst) und die Konzeption des Bereichs Ahornallee bald beginnen kann, ist auf zwei Einflüsse zurückzuführen. Zum einen hat Oberbürgermeister Mathias Neuner bei einer der regelmäßigen Konferenzen des bayerischen Ministerpräsidenten mit den Stadtchefs deutlich auf die Brache hingewiesen. Zum anderen war der Freistaat mit seiner Baugesellschaft IMBY plötzlich drauf und dran, auf den beiden Arealen Asylunterkünfte zu errichten und sie somit für die langfristige Nutzung der Landsberger Bürger zu „sperren“. Die Stadt hat dagegen protestiert und eine Einigung erzielt. Nun werden die Gebiete bebaut und stehen allen Wohnungssuchenden zur Verfügung.

Acht von den neun Wohngebieten unterschiedlicher Größe finden sich im Landsberger Westen; dies wird bei der Diskussion darüber, wo Krippenplätze entstehen sollen, noch eine Rolle spielen. Ein umfangreicheres Gebiet ist für den Osten geplant: Dort vereint die Stadt zurzeit eigene und private Grundstücke, um das Baugebiet „Reischer Talweg“ entstehen zu lassen. Auch dabei ist eine Durchmischung geplant – „Eigenheimnutzer“ und Bewohner von Mehrfamilienhäusern sollen nah beieinander wohnen. Freilich geht die Tendenz eher in Richtung „Eigenheim“, ebenso wie an der Bürgermeister-Dr.-Hartmann-Straße südlich des Krankenhauses und an der Erpftinger Straße gegenüber der Firma Dittel. Letztlich kommt es Stadtrat und Verwaltung darauf an, alle Segmente des Wohnens abzudecken. Ein Geschosswohnungsbau (Ulrichswerk, wbl, Sozialwohnungen der Stadt) an der Schongauer Straße erlaubt dann eben auch mal den Neubau von Einfamilienhäusern anderswo.

So logisch diese Politik sein mag; sie ist auch ein Chamäleon. Sie befriedigt Nachfrage aus der Stadt und schafft gleichzeitig Nachfrage von außen. Manch anderer Ort in der Metropolregion München hat vor dem zweiten Aspekt Angst, tritt auf die Bremse und lehnt neue Bauvorhaben ab. In Landsberg ist die Sache anders: Der Großteil des Wachstums kommt aus der Stadt selbst. Immerhin ist Landsberg eine Einpendlerstadt – es kommen morgens mehr Menschen in die Stadt hinein als aus der Stadt herausfahren. Oberbürgermeister Mathias Neuner formulierte es so: „Wir bauen nicht, um Menschen aus München anzulocken; wir wollen keine Bettenburg der Landeshauptstadt werden. Wir halten aber mit den Unternehmen Schritt und sagen neuen Firmen: Landsberg hat die Infrastruktur, die Sie brauchen“.

Es gibt aber auch noch völlig unklare Baustellen: Was geschieht mit der Bosse-Wiese? Wie kann man das Schulgebäude an der Pössinger Straße erweitern – da sind doch eingewachsene Kleingärten? Was geschieht mit der Schlossbergschule? Dabei hängt alles mit allem zusammen: Die Finanzlage der Stadt mit der Kreisumlage, die Kreisumlage mit den Plänen zum Neubau eines Gebäudes des Landratsamtes und die Neubaupläne mit der Nutzung des bislang unbefestigten Parkplatzes am Schlüsselanger. Die Erweiterung der Grundschulen hängt von der Nutzungsänderung des Schlossbergs ab und der Frage, ob dort ein Hotel entsteht. Wer heute Mitglied im Stadtrat ist, der muss Visionen haben, muss mit Gebäuden und Nutzungen im Kopf jonglieren. Wie sieht künftig unser Stadtmuseum aus und wo gehört es hin? Hat die Volkshochschule genug Entwicklungspotential? Wo ist demnächst unser Stadtarchiv, wo das Museumsdepot?

Aber es wird noch komplizierter als bisher erkennbar war: Keine der Bevölkerungsprognosen berücksichtigt die wohnungspolitischen Effekte der Arbeitsplätze, die in Penzing auf dem Gelände des Fliegerhorstes entstehen könnten. Zwar wird nicht jeder, der dort eine Tätigkeit ausübt, nach Landsberg ziehen; aber ein großer Teil wird die Vorteile des Oberzentrums mit seinen kulturellen Einrichtungen, seinen Geschäften und seiner Gastronomie, seiner Verkehrs-Infrastruktur und seinem Freizeitwert gerne in Anspruch nehmen.

Was kommt nach Penzing? Fest steht bislang nur: Die Gemeinde Penzing und die Stadt müssen sich darauf verständigen, denn Teile des Gebiets gehören Landsberg. In Landsberg gibt es klare Visionen: Moderne forschende Industrie könnte sich dort niederlassen und die Infrastruktur, auch das Flugfeld, nutzen. Nicht zuletzt für den shooting star „3C Carbon“ wäre das eine Option – ist man dort nicht gerade auf der Suche nach einer Produktionsstätte für das Mega-Motorrad „Horex“? Es ist eine Floskel, aber: Auf die Entwicklung in Penzing darf man wirklich gespannt sein.

Der Stadtrat wird also in den nächsten Jahren noch eine Menge in Sachen „Stadt- und Regionalplanung“ zu tun haben. Es gilt, Wachstum zu planen und gleichzeitig den Charakter Landsbergs zu erhalten. Geht es mit dem Zuzug so weiter, dann kommt allerdings bald Verstärkung. Nach der Bayerischen Gemeindeordnung hat der nächste Stadtrat dann zehn Mitglieder mehr.


Wirtschaft und Finanzen


Über die Wirtschaft gibt es in der Lechstadt fast nur positive Nachrichten. Ob Rational, 3C Carbon oder SIP Scootershop: Viele Unternehmen wachsen beständig, vergrößern ihre Produktionsstätten und schaffen neue Arbeitsplätze. Landsbergs Arbeitslosenquote liegt aktuell 17 Prozent unter der Bayerns und 54 Prozent unter der des Bundes. Die Zufriedenheit der Mittelständler ist groß. Nur die öffentliche Hand hält da nicht mit. Trotz hoher Gewerbesteuereinnahmen und beträchtlicher Erlöse aus Grundstücksverkäufen ist die Lechstadt finanziell noch immer auf Reformkurs. Nun gerät auch der Kreis stärker in die Diskussion.

Fragt man Landsbergs Gewerbetreibende nach Wünschen an die Stadt oder den Kreis, gibt es aktuell kaum substantielle Antworten. Fast immer wird die gute Zusammenarbeit mit den Verwaltungen der beiden Gebietskörperschaften gelobt. Strukturell heben Unternehmer die gute Erschließung über die Autobahn und die inzwischen ausgebaute B17, die beeindruckende Lage und die hohe Lebensqualität Landsbergs hervor.

Allerdings weisen nicht nur Rational und 3C Carbon auf steigenden Flächenbedarf hin, der mittelfristig wohl nicht mehr in den bisherigen Industrie- und Gewerbegebieten erfüllt werden kann. Einige Firmen haben sogar signalisiert, an der Teilnutzung des Fliegerhorsts Penzing nach seiner Räumung im Jahr 2018 interessiert zu sein. Allerdings gehören 90 Prozent der Fläche zum Gemeindegebiet Penzing und die Stadt Landsberg wird ihre Unternehmen nicht einfach dorthin weiterreichen. Zu diesem Thema sind zuvor politische Lösungen erforderlich.

Ein offenes Thema, vor allem bei kleineren Gewerbebetrieben, ist die Anbindung ans Internet. Sie ist bei niedrigen Preisen zu langsam und bei dedizierten Leitungen zu teuer. Kein klassischer Internet-Provider wie die Deutsche Telekom oder Kabel Deutschland sah an den Lechwiesen bislang genug Potential, um zusätzliche Kabelverzweiger oder Kupferkoaxialnetze zu bauen. Das ändert sich nun. Die Deutsche Telekom wird die Stadt innerhalb der nächsten vier Jahre unter Einschluss der Gewerbegebiete komplett mit VDSL versorgen und damit Bandbreiten von 30 bis 50 Megabit ermöglichen.

Mit dieser Verpflichtung zum „eigenwirtschaftlichen Ausbau“ ist die Deutsche Telekom einer Ausschreibung und anschließenden Beauftragung von Wettbewerbern zuvorgekommen. Gleichzeitig hat sie die Stadtfinanzen entlastet, denn bereits eingeplante Zuschüsse entfallen dadurch. Freilich ist das für Landsberg Kleinunternehmen und Freiberufler nur vorübergehend eine gute Nachricht. VDSL ist eine alte Technologie, die auf den letzten Metern doch wieder die klassische Kupfer-Doppelader nutzt. Deren Kapazität ist aber begrenzt. Der Bandbreitenbedarf nimmt so zu, dass fast jedes Unternehmen in absehbarer Zeit Glasfaseranschlüsse benötigt. Das „Hineingrätschen“ der Telekom in die Breitbandförderung verzögert diese Infrastruktur um geschätzte zehn Jahre.

Kostengünstig Abhilfe könnten die Stadtwerke schaffen, die im Rahmen ihrer Kanalsanierungen am Hauptplatz, an den Oberen Wiesen und in anderen Straßen Glasfaserstränge bis ins Grundstück gelegt haben. Allerdings handelt es sich noch um eine „dark fibre“, eine unbeschaltete Glasfaser ohne Anbindung an einen Internet-Backbone. Das derzeitige Angebot eines Dienstleisters zur Beschaltung ist für viele Haushalte unattraktiv, weil sie entweder bereits hohe Bandbreite von Vodafone (Kabel Deutschland) erhalten oder mit der niedrigen Bandbreite der Telekom zufrieden sind. Die technische Aktivierung der Stadtwerke-Glasfaser ist daher eine noch zu lösende Herausforderung.

Generell sieht es so aus, dass die Stadtwerke auf einem guten Weg sind. In den Jahren 2006 bis 2013 hatte das Kommunalunternehmen insgesamt 11,8 Millionen Euro Verlust gemacht. Etwa die Hälfte davon hat die Stadt finanziell ausgeglichen; dafür musste sie teilweise Kredite aufnehmen. Das Jahresergebnis 2014 war dann mit 1,25 Millionen Euro positiv. 2015 betrug der Gewinn 248.000 Euro.

Allerdings erfordern die Stadtwerke weiterhin die volle Aufmerksamkeit des Verwaltungsrats, der zwischenzeitlich verkleinert und durch externe Experten ergänzt wurde. Zwar hat das Kommunalunternehmen seine Verbindlichkeiten auf 32 Millionen Euro gesenkt und die Eigenkapitalquote auf 39 Prozent erhöht. Aber diese Quote ist noch unterdurchschnittlich und das Plus im Jahr 2015 ist im Wesentlichen durch Entgelte für die Wasserversorgung und Entwässerung entstanden – die dürfen aber nur kostendeckend sein. Die Stadtwerke werden in Form einer Preissenkung nachregulieren. „Wasser wird wieder günstiger“ ist eine gute Nachricht für die Landsberger Haushalte, aber eine Hypothek für die Stadtwerke.

2016 schlägt der zweite Abschnitt der Sanierung der Lechgarage zu Buche; er kostet 765.000 Euro. Die dritte Phase folgt 2017. In diesem Jahr wird dann wohl auch das Inselbad anstehen – hier geht es um eine beträchtliche Summe, jedenfalls, wenn man die bisherigen Angaben zum erwarteten Aufwand summiert. Hätte das Kommunalunternehmen von der Stadt nicht die beiden Verlustbringer Inselbad und Parkgaragen aufs Auge gedrückt bekommen, läge der Gewinn 2014 bei 1,9 Millionen und 2015 bei 1,1 Millionen Euro.

Unter Druck ist auch das zweite große Unternehmen, an dem die Stadt (neben dem Kreis und dem Markt Dießen) als Gewährträger beteiligt ist: die Sparkasse Landsberg-Dießen. Zwar erfüllt sie die gesetzlich vorgeschriebene Eigenkapitalquote quasi spielend; auch lassen die für den Sparkassenvergleich (2014: Platz 202 von 416) relevanten Indikatoren Bilanzsumme, Kundeneinlagen und Kundenkredite leichtes Wachstum erkennen. Angesichts der niedrigen Zinsen und der steigenden gesetzlichen Anforderungen stehen die Zeichen der Zeit aber weiterhin auf Thesaurierung, also der Zuführung von Mitteln zur Rücklage. Die für die Kunden guten Zeiten der kostenlosen Girokonten und EC-Karten sind bei der Sparkasse Landsberg-Dießen inzwischen auch vorbei. Nach wie vor war die Sparkasse im Jahr 2015 allerdings in der Lage, das Kapital der Sparkassenstiftung um 500.000 Euro zu erhöhen und knapp 400.000 Euro zu spenden.

Mit der Übernahme des Betriebs des Heilig-Geist-Spitals durch die Caritas fällt für die Heilig-Geist-Spitalstiftung, die derzeit als nichtrechtsfähige Stiftung der Stadt geführt wird, ein Verlustbringer weg; außerdem wird das bisherige Spitalgebäude für unterschiedliche Nutzungen, auch Vermietungen, frei. Damit ist ein wichtiger Schritt erreicht: Der Gedanke, dass die öffentliche Hand selbst Alten- und Pflegeheim betreiben muss, stammt aus dem Mittelalter. Heute gibt es freie Träger und Unternehmen wie die Pichlmayr-Gruppe, außerdem erfordern Gesetzgebung und Sozialsystem mittlerweile größere Einheiten und ein spezialisiertes Management.

Der Wegfall des Spitals ist gleichzeitig auch eine Herausforderung. Die Stiftung muss sich nun neu aufstellen, denn ihre Einnahmen, vor allem aus Waldbesitz, müssen dem Stiftungszweck entsprechend verwendet werden. Nur: wofür? Gleichzeitig wäre es an der Zeit, die Rechtsnatur der Stiftung zu ermitteln: Ist sie nun eigentlich rechtsfähig oder nicht?

Ein früherer Klärungsversuch über das Landratsamt versandete, offenbar weil seitens eines Teils der Stadtverwaltung kein Interesse an einer Änderung bestand. Im Laufe der Jahre war man mit der finanziellen Gemengelage wohl ganz zufrieden; das Kapital der Stiftung diente zuweilen als Reserve, um anstehende städtische Maßnahmen zu bezahlen. „Beim Heiligen Geist vorbeischauen“ habe man diese Inanspruchnahmen damals in der Verwaltung genannt.

Heute ist die Kapital-Trennung weitgehend abgeschlossen. Die Bitte, nun auch rechtlich Klarheit zu schaffen, richtet sich an die staatlichen Stellen in Bayern. Dabei wird auch zu beurteilen sein, welche Wirkungen ein nationalsozialistischer Auflösungsbeschluss und ein in der Nachkriegszeit gefasster Wiederherstellungsbeschluss gespielt haben.

Der Stadt Landsberg selbst geht es inzwischen deutlich besser als noch vor einigen Jahren. Als Oberbürgermeister Mathias Neuner (CSU) im Jahr 2012 sein Amt antrat, war sie finanziell in desolatem Zustand. „Die Lage der Stadt ist sehr angespannt … Die Leistung des Schuldendienstes ist nicht mehr gewährleistet … Die Stadt hat eine negative Liquidität … Alle Investitionen und Aufwendungen aus dem Nachtragshaushalt müssen über Kredite finanziert werden.“ hieß es in Unterlagen im September 2012. Nach und nach wurde klar: Die Verwaltung hatte Jahresabschlüsse verschleppt, hohe Kassenkredite aufgenommen, den Wechsel von der Kameralistik zur Doppik nicht abgeschlossen und zudem noch Geld bei Derivatgeschäften verspekuliert. Der damalige Stadtrat hat das Meiste davon nicht mitbekommen.

Inzwischen hat Kämmerer Peter Jung mit Unterstützung der Gremien die Jahresabschlüsse nachgeholt, die Doppik fest verankert, die Kassenkredite praktisch auf Null reduziert und einen Teil der Schulden vorzeitig getilgt. Jetzt herrscht Transparenz; jedes Mitglied des Stadtrats kennt die finanzielle Lage der Stadt. Sie gibt nach wie vor etwas zu viel Geld aus; die eigentliche Herausforderung aber ist die Liquiditätssteuerung. Allerdings bewegt sich Landsberg damit bereits auf hohem Controlling-Niveau. Der Kämmerer, Haushaltsreferent Christian Hettmer (CSU) und der Vorsitzende des Rechnungsprüfungsausschusses Stefan Meiser (ÖDP) haben das gleiche Ziel: „Wir wollen nicht mehr über unsere Verhältnisse leben“.

Diesen Maßstab legen die Landsberger Stadträte und Oberbürgermeister Mathias Neuner nun auch an den Landkreis an, der die Kreisumlage für 2016 erhöht hat und dessen geplante Ausgaben für die nächsten Jahre nichts Gutes verheißen. Erstmalig gab es kürzlich ein Krisengespräch zwischen dem Oberbürgermeister, dem Kämmerer der Stadt sowie dem Landrat. Zwar betonte Thomas Eichinger (CSU) anschließend, zu irgendwelchen Versprechungen gar nicht befugt zu sein; dennoch dürfte das Gespräch Wellen geschlagen haben. Mitglieder des Kreistags stellen beantragte Maßnahmen der Schulen in Frage und sind auch dagegen, mit einer Kreditaufnahme für einen Neubau des Landratsamts den finanziellen Spielraum für die nächsten Jahre zu verengen.

Das Fazit: Der Stadt geht es viel besser, der Wirtschaft richtig gut – wer in Landsberg lebt, hat keinen Grund, zu hadern. In den letzten vier Jahren hat sich viel verändert und die Herausforderungen der kommenden Jahre lassen sich bewältigen.


Infrastruktur


Analysiert man, was Stadtrat und Verwaltung in den vergangenen vier Jahren in Landsberg erreicht haben, kommt man bei den Themen Wohnen sowie Wirtschaft und Finanzen zu positiven Ergebnissen. In Sachen Infrastruktur bleibt dagegen noch viel zu wünschen übrig. Das Megathema der nächsten Jahre ist die Neuordnung des Landsberger Westens.

Landsberg ist infrastrukturell gesehen eine Autofahrerstadt und dafür auch gut gerüstet. Wer hier oder hierhin auf vier Rädern unterwegs ist, profitiert von der A96 und der ausgebauten B17 sowie von innenstadtnahen Parkmöglichkeiten – unter anderem in zwei Tiefgaragen, die in Sachen Kapazität und Zentralität Maßstäbe setzen.

Zwar war die Erhöhung der Parkgebühren, die zur Minderung des Defizits erforderlich war, umstritten; der Stadtrat musste eine erste Gebührenneuordnung sogar korrigieren. Inzwischen gibt es aber kaum noch Kritik, zumal jeder selbst entscheiden kann, wieviel ihm Bequemlichkeit Wert ist. Oberirdisch oder unterirdisch, kurzer oder längerer Fußweg – die Staffelung vom teuren Parken am Vorder- oder Hinteranger über die Parkgaragen und die Waitzinger Wiese bis hin zum kostenlosen Parkplatz an der Max-Friesenegger-Straße ist vielfältig. Hinzu kommen die großzügige Landsberger Auslegung der Verweildauer im eingeschränkten Halteverbot und Kurzparkzonen auf Parkscheibenbasis.

Am Thema „Parken“ lässt sich illustrieren, wie stark Stadtrat und Stadtverwaltung bei der Verkehrspolitik Interessen ausgleichen müssen. Ein aktuelles Beispiel ist die Nutzung der Schwaighof- und der Altöttinger Straße durch Mitarbeiter des Landsberger Einzelhandels. Die Benutzer dieser entgeltfreien Ausweichmöglichkeiten argumentieren, es sei ihnen nicht zuzumuten, jeden Tag die maximale Tagesgebühr von zwei Euro für die Waitzinger Wiese auszugeben. Die Anwohner hingegen verweisen auf die Lärmbelastung und die Tatsache, dass sie für ihre Fahrzeuge keine Stellplätze auf öffentlichem Grund mehr finden.

Kommunalpolitiker, die den Einzelhändlern Recht geben, treffen im Grunde eine Subventionsentscheidung; faktisch befürworten sie, dass die Kommune das Parken von Händlern und ihrer Mitarbeiter begünstigt. Wer mehr auf der Seite der Anwohner ist, muss sich vorhalten lassen, dass er eine private Aufgabe kommunalisiert, denn Bauherren sollen ja eigentlich Stellplätze auf ihren Grundstücken schaffen. Wie man es macht, macht man es verkehrt; manchmal ist es dann einfacher, sich auf das Thema gar nicht einzulassen.

Die Erfahrung der letzten Jahre zeigt: Letztlich können einfache Lösungen wie eine Anwohnerparkzone oder ein Tempolimit nur Symptome lindern. Sie bekämpfen die Krankheit nicht und schaffen oft neue Probleme. Verkehr lässt sich nur durch wirklich gute Maßnahmen lenken. Schlechte führen nicht zu verändertem Fahrverhalten, sondern erschweren die Mobilität auf gleich gebliebenem Weg. Wer wie an der Iglinger Straße Parkplätze auf der Fahrbahn ausweist, so dass Begegnungsverkehr nur möglich ist, wenn eines der beiden fahrenden Fahrzeuge anhält, produziert eine Schikane, veranlasst aber niemanden zum Wechsel der Route und trägt wohl auch kaum zur Lärmreduzierung oder Umweltschonung bei.

Daher besteht inzwischen in den Stadtratsfraktionen weitgehende Einigkeit: Die Verkehrsprobleme im Landsberger Westen lassen sich nur lösen, wenn man Ahornallee, Iglinger Straße, Lechwiesenstraße und Augsburger Straße gemeinsam betrachtet und zusätzlich die Bauprojekte „Ahornallee“ und „Pfettenstraße“ einbezieht: „Wir brauchen einen großen Wurf“. Hinter den Kulissen entwickeln Verkehrsplaner derzeit eine Lösung, die Jahre, bis zur Perfektion Jahrzehnte braucht. Teile davon sind bereits bekannt geworden, weil sie zum Projekt „Soziale Stadt“ gehören; andere Teile werden noch als Ideenskizze behandelt.

Die Gewerbebebauung auf der Ostseite der Augsburger Straße soll zum Straßenrand hin vorgezogen werden. Dadurch kann eine weitere Straße parallel zu den Bahngleisen entstehen. Sie entlastet die Augsburger Straße; da der Abbiegeverkehr wegfällt, verbessert sich der Verkehrsfluss zusätzlich. Die Kreuzung mit der Carl-Friedrích-Benz-Straße wird als Kreisverkehr gestaltet. So wird die Route über die Augsburger Straße ins Gewerbegebiet attraktiver. Die Ausweichroute über die Iglinger und die Lechwiesenstraße verliert ihren Reiz.

Freilich entsteht dann ein neues Problem an der ohnehin stark frequentierten Kreuzung der Carl-Friedrich-Benz- mit der Lechwiesenstraße. Das legt eine weitere Überlegung nahe: Wenn man die Lechwiesenstraße auf der Höhe des Zebrastreifens abriegelt, würde man nicht nur diese Kreuzung entlasten – damit würden faktisch die Route Augsburger Straße – Iglinger Straße – Lechwiesenstraße sowie Ahornallee – Iglinger Straße – Lechwiesenstraße obsolet.

Die Iglinger Straße würde damit wieder zur Verbindungsstraße für die reduzierte Zahl von Verkehrsteilnehmern, die aus der Innenstadt heraus nach Igling oder in den Frauenwald wollen. Tempo 30 sowie „rechts vor links“ könnten entfallen. Gleichzeitig würden sämtliche breite Straßen des Gewerbegebiets endlich ihrer Bestimmung als Hauptverkehrswege im Gewerbegebiet zugeführt. Schon am Danziger Platz würden sich Autofahrer für die Route Hindenburgring / Augsburger Straße statt für die Wegführung Breslauer Straße / Ahornallee entscheiden.

Für die Ahornallee ist diese Entlastung nur eine von zwei angedachten Maßnahmen. Durch das Wohngebiet Pfettenstraße, das wohl von der Akazienstraße und damit von der Ahornallee aus erschlossen wird, nimmt der Verkehr wieder zu. Gleichzeitig entsteht auf dem Gelände des Freistaats westlich der Ahornallee, praktisch in Verlängerung der Birkenstraße, ein weiteres großes Wohngebiet. Denkbar wäre daher, einen Bypass zur Ahornallee zu bauen, vom Klinikum zu Rational mit einer Abbiegemöglichkeit nördlich der Birkenstraße. Erste Überlegungen dazu gibt es bereits.

Das zweite große Thema ist die Erweiterung der Fußgängerzone in der Altstadt. Prämisse ist, dass die Verkehrsführung Neue Bergstraße / Schlossergasse / Hinteranger / Sandauer Tor ebenso bleibt wie der Durchgangsverkehr über den Hauptplatz – Gedankenspiele für eine neue Ost-West-Verbindung sind definitiv ad acta gelegt. Als dringende Aufgabe sehen es die Verantwortlichen aber an, den Vorder- und Hinteranger zu beleben sowie die Lärmbelastung im Hinteranger zu reduzieren.

Auch hier geht es wieder um ein Maßnahmenbündel. Erwogen wird, den Vorderanger zur Fußgängerzone zu machen; er soll nur noch zu bestimmten Zeiten befahrbar sein. Einzelhändler aus anderen Städten würden gerne nach Landsberg kommen, ist zu hören; sie setzen aber ein Ladenlokal in der Fußgängerzone voraus. Gleichzeitig ist beabsichtigt, das Parken am Hinteranger einzuschränken (nur das Halten sowie Be- und Entladen soll möglich sein) und das Pflaster auszutauschen. Viele Läden im Hinteranger würden inzwischen von Dienstleistungsanbietern genutzt. Doch zu viel Haarschnitt, Massage oder Maniküre führen, so die Experten, letztlich zu einer Spirale in Richtung „Randnutzung“ und damit auch zu einer geringeren Besucherfrequenz. Mit beiden Maßnahmen sollen auch der Parksuchverkehr in diesem Bereich reduziert und die Schulgasse entlastet werden.

Nicht aufgegeben haben Landsbergs Stadtplaner die Idee, die Ost-West-Verbindung für Fußgänger und Radler zu verbessern. Auch die Verwirklichung dieses Projekts hängt allerdings wieder mit anderen Überlegungen zusammen, nämlich mit der künftigen Nutzung der Spitalplatzschule. Wird sie für kulturelle Zwecke verwendet, könnte ein „Schrägaufzug“ vom ehemaligen Schulhof zum Heilig-Geist-Spital machbar werden.

Nach sukzessiver Fertigstellung des Projekts „Urbanes Leben am Papierbach“ wird die Verkehrssituation rund um die ehemalige Pflugfabrik kritisch geprüft werden müssen. Die dortigen Probleme werden sich verstärken: Die Schwaighofkreuzung ist ohnehin stark belastet und unfallträchtig, die Anbindung der Spöttinger Straße an den Hindenburgring schon immer problematisch. Zudem wird der Schlüsselanger (die Bosse-Wiese) überplant und neu genutzt werden, möglicherweise für das Zweitgebäude des Landratsamts. Erwogen wird nur noch eine Zufahrt vom Hindenburgring, verbunden mit einem weiteren „Kreisel“. Letztlich hängt auch hier wieder alles zusammen: Wer sich zum Schutz der Altstadthändler bemüht, größeren Einzelhandel vom Papierbach fernzuhalten, produziert mehr Autoverkehr, den er dann wieder kanalisieren muss.

Eine weitere Herausforderung der nächsten Jahre besteht darin, die Stadt deutlich fahrradtauglicher zu machen als sie es bisher ist. Am Papierbach haben die Planer durch die Breite des neuen Lechstegs, die Erreichbarkeit des Bahnhofs „Landsberg Schule“, die direkte Zufahrt zum Landratsamt und einige bauliche Vorschriften die Radfahrer häufig „auf dem Radarschirm“ gehabt. Bei der Verkehrsführung auf der Augsburger Straße (kreuzende Autofahrer) oder der Iglinger Straße (gemeinsamer Geh- und Radweg ohne Vorfahrt an Kreuzungen) wird aber deutlich, wie stark die Interessen von Anwohnern und Gewerbetreibenden mit denen von Radlern kollidieren können.

Letztes großes Thema aus dem Bereich Infrastruktur ist die künftige Erhebung der Straßenausbaubeiträge. Hier gibt es zwei Optionen, von denen eine in Landsberg praktisch schon ausgeschieden ist: Keine Fraktion und kein Mitarbeiter der Verwaltung will auf das System der „wiederkehrenden Beiträge“ umsteigen, bei dem Straßenerneuerungen von jedem Bürger (auch „Nichtbetroffenen“) bezahlt werden. Gründe sind der hohe Verwaltungsaufwand und die fehlende Rechtssicherheit. Außerdem ist fraglich, was mit den Haus- und Wohnungseigentümern geschieht, die bereits individuelle Zahlungen für „ihre“ Straße geleistet haben. Erfolgversprechend ist hingegen die Verrentung der Beiträge, also die Möglichkeit, die Zahlungen in teils fünfstelliger Höhe auf zehn Jahre zu strecken. Problematisch ist noch die Frage der Absicherung: Muss dieser faktische Kredit der Stadt wirklich kostenpflichtig ins Grundbuch eingetragen werden?

Das Fazit: Vom Hauptplatz abgesehen ist in den zurückliegenden Jahren infrastrukturell in Landsberg nicht viel geschehen. Die Herausforderungen stehen noch bevor. Dabei ist Bürgerbeteiligung unumgänglich; Bürgerbegehren sind nicht ausgeschlossen. Denn beim Thema Infrastruktur kann jeder mitreden. Und es ist anzunehmen: Jeder macht es auch.


Soziales


Ob es um Kindergärten oder Kinderkrippen geht, um preisgünstige Wohnungen, Obdachlosigkeit, Asyl oder Pflege – der Bereich „Soziales“ steht im Stadtrat immer öfter auf der Tagesordnung. Dabei bedient sich die Politik unterschiedlicher Instrumente; teils handelt sie selbst, teils machen das private Investoren und sogar der Freistaat Bayern für sie. Nur so sind, angesichts geringer Liquidität in der Stadtkasse, die Herausforderungen im Sozialbereich finanzierbar.

Das beste Beispiel für dieses Spiel mit verteilten Rollen ist die vor einem Jahr erfolgte Einführung der Sozialen Bodennutzung (SoBoN). Wird ein größeres Grundstück durch die Entscheidung der Stadt erstmals bebaubar, gewinnt es an Wert. Projektentwickler und Bauträger, die davon profitieren, müssen in Landsberg seit Kurzem nicht nur die notwendigen städtischen Infrastrukturmaßnahmen erstatten, sondern auch 30 Prozent der Wohnflächen für Sozialen Wohnungsbau reservieren. Die hohen Gewinne werden damit für öffentliche Zwecke „abgeschöpft“. Freilich geht auch der jeweilige Investor nicht leer aus: Mindestens ein Drittel des Bruttowertzuwachses des Bodenwertes verbleibt garantiert bei ihm.

Oberbürgermeister Mathias Neuner (CSU) hat diese Form der Sozialpolitik aus München abgeschaut und an Landsberg angepasst. Stadtbaumeisterin Birgit Weber, die zuvor in der Landeshauptstadt tätig war, fand bei ihrem Amtsantritt daher ein vertrautes Thema vor. Beim ersten großen Anwendungsfall „Urbanes Leben am Papierbach“ – dort geht es um 82.000 Quadratmeter Geschossfläche mit einem Endwert von rund 40 Millionen Euro – hat die SoBoN-Richtlinie gut funktioniert. Kurz vor der Zustimmung zum Städtebaulichen Vertrag zwischen der Stadt und Investor ehret + klein konnten sich Stadträte durch Einsicht in Prüfungsunterlagen davon überzeugen, dass die Planer das Optimum realisiert haben – die Drittel-Regelung war in diesem Fall fast erreicht. Das ist eher Zufall, denn die Stadt darf nicht auf eine maximale Abschöpfung „hinsteuern“; insbesondere die infrastrukturellen Maßnahmen müssen in jedem einzelnen Fall erforderlich sein.

In Kürze entstehen daher in Landsberg jede Menge Sozialwohnungen, neben dem Papierbach-Quartier (Bauherr: Privatwirtschaft) unter anderem auch an der Pfettenstraße (Bauherr: IMBY, also Freistaat Bayern) und an der Schongauer Straße (Bauherr: Kommune, also Stadt Landsberg). Außerdem haben sich einzelne Bauträger zur freiwilligen Anwendung der SoBoN-Richtlinie verpflichtet, zum Beispiel am Danziger Platz. Die Stadt legt Wert auf soziale Durchmischung; die vereinzelt im Stadtrat erhobene Forderung, Sozialwohnungen an einer Stelle zu konzentrieren, ist nicht mehrheitsfähig.

Der Nachholbedarf an Sozialwohnungen – zurzeit stehen in Landsberg 200 Personen auf der Warteliste – resultiert vor allem aus der Bundespolitik, die steuerliche Anreize aus früheren Jahren abgebaut hat. Im Zuge der Anerkennung und Duldung von Flüchtlingen wird der Bedarf noch viel größer. Asylbewerber werden dann in den staatlichen oder Landkreis-Unterkünften zu Fehlbelegern und müssen von der Stadt in Wohnungen untergebracht werden. Zwar übernimmt der Bund auf Initiative Bayerns die städtischen Unterbringungskosten für drei Jahre komplett und entlastet die Kommunen dadurch. 2016 werden nach dem Königsteiner Schlüssel über die Bundesländer 400 Millionen Euro verteilt, 2017 sind es 900 Millionen, 2018 wohl weitere 1,3 Milliarden. Aber was nützt diese Unterstützung, wenn keine Wohnungen verfügbar sind? Landsberg hat also spät, aber wohl gerade noch rechtzeitig gehandelt, nicht zuletzt aufgrund dringender Appelle im Stadtrat.

In der Sache „Asyl“ ist Landsberg mit den Standorten Hochbauamt, Münchener Straße, Iglinger Straße und dem Tauscher-Gebäude im Gewerbegebiet Lechwiesen aufgrund des stagnierenden Stroms der Flüchtlinge derzeit gut aufgestellt. Die vom Stadtrat einstimmig getroffenen Entscheidungen zur Schaffung weiterer Unterkünfte – unter anderem am Penzinger Feld und an der alten Schule in Pitzling – sind zu Vorratsbeschlüssen geworden. Nicht viele Städte und Gemeinden haben es geschafft, ein heikles Thema so gut und sozialverträglich zu lösen wie Landsberg, zumal hier mit dem Freistaat Bayern als Grundstückseigentümer noch ein dritter Spieler beteiligt war. Der Asylbeauftragte des Stadtrats, Jost Handtrack (Grüne), und der Oberbürgermeister haben hier gute Arbeit geleistet.

Sobald allerdings die eigentlichen staatlichen oder städtischen Pflichtaufgaben beendet sind, nimmt das finanzielle und organisatorische Engagement der Gebietskörperschaften deutlich ab. Die Integration anerkannter Flüchtlinge, die Asylbetreuung und die Asylsozialberatung sind derzeit noch nicht zufriedenstellend organisiert. Das gilt auch für die Koordination des Ehrenamts. Wer die Ausgrenzung der Neu-Ausländer in Form eigener sozialer Strukturen und Subkulturen verhindern will, muss deutlich mehr tun, als zurzeit in
Landsberg geschieht.

Nächstes Thema im Stadtrat wird die Auswertung von zwei Gutachten von „Planwerk“ zur Bevölkerungsentwicklung in der Stadt sein. Schon jetzt ist klar: Landsberg braucht sieben weitere Krippengruppen; eine entsprechende Bestätigung des für die Bedarfsermittlung zuständigen Landratsamts liegt vor. Die Stadt deckt bislang nur 30 Prozent des theoretischen Bedarfs ab. Das entspricht zwar in etwa dem Bundesdurchschnitt. In mit Landsberg vergleichbaren bayerischen Städten sind es aber 50 Prozent.

Oberbürgermeister Mathias Neuner plädiert dafür, den Bedarf nicht nur durch die Schaffung weiterer Kapazitäten bei freien Trägern, etwa beim Heilig-Kreuz-Kindergarten in der Malteserstraße, sondern auch durch eine bauliche Aufstockung des Kinderhauses an den Römerauterrassen zu decken. Im Stadtrat ist das umstritten: Mehrere Mitglieder sehen den Bedarf eher im Osten; allerdings spricht die Neubaugebietskarte („Landsberg unter der Lupe“, Teil 1) mehr für zusätzlichen Bedarf im Westen.

Im Hintergrund scheint die Stadtverwaltung ihre Haltung zur Kinderkrippen-Alternative „Tagespflege“ geändert zu haben. Bislang wurde die Arbeit der Tagesmütter eher zurückhaltend betrachtet. Nun hebt die Verwaltung hervor, dass die durch die Tagespflege erbrachte Betreuung zeitlich besonders flexibel ist. Der Bedarf soll daher künftig zum Teil auch in Form der Großtagespflege gedeckt werden.

Auch bei Kindergärten fehlen offenbar Plätze, wenn auch nicht in einem solchen Umfang wie im Bereich der Krippen. Rechnerisch reichen die über 800 Kindergartenplätze eigentlich aus. Aber offenbar gibt es Unwägbarkeiten, die derzeit besonders stark wirksam werden. Man weiß nie, wie viele Menschen zuziehen und wegziehen, wie viele Kinder von Einpendlern aus dem Umkreis in einen Landsberger Kindergärten gehen und wie viele Landsberger Kinder morgens von ihren Eltern in Nachbargemeinden mitgenommen werden; außerdem variiert das Eintritts- und das Austrittsalter.

Zusätzlichen Bedarf gibt es wohl auch bereits jetzt bei den Grundschulen. Die Plat
anenschule ist aber nicht mehr ausbaubar und die Spitalplatzschule ist auf zwei Gebäude verteilt. Das Schulhaus auf dem Krachenberg an der Pössinger Straße wäre zwar erweiterbar, dann müssten aber Kleingärten weichen. Deswegen böte es sich an, mit der Nutzung der frei werdenden Schlossbergschule die Raumprobleme zu lösen. Dann könnte die Spitalplatzschule anders genutzt werden; Interesse aus den Bereichen Volkshochschule und Museen gibt es bereits. Aus Reihen der CSU-Fraktion ist aber die Überlegung eingebracht worden, auf dem Schlossberg ein „Schlosshotel“ zu errichten.

Ein langjähriges Problem im sozialen Bereich hat die Stadt bereits vor geraumer Zeit gelöst: Mit der Übergabe des Betriebs des Heilig-Geist-Spitals in die Hände der CAB Caritas Augsburg entfällt der Verlustbringer „Spital“. Gleichzeitig werden dadurch Räume für die kulturelle Nutzung und die Volkshochschule frei; andere Teile des Gebäudes werden vermietet. Auch die Landsberger „Tafel“ wird künftig dort untergebracht sein. Sie muss an ihrem derzeitigen Standort an der von-Kühlmann-Straße weichen.

Das ist nicht die einzige Veränderung, die das Projekt „Urbanes Leben am Papierbach“ mit sich bringt. Das Jugendzentrum wird in der Lechstraße auf Kosten des Investors neu errichtet. Im Areal der Pflugfabrik entstehen zwei Kindertageseinrichtungen, eine größere an Stelle des jetzigen Jugendzentrums, eine kleinere im nordöstliche Bereich an der von-Kühlmann-Straße.

Über die Trägerschaft beider Einrichtungen wollte Investor ehret + klein eigentlich nach Beratung mit der Stadt selbst entscheiden. Eine knappe Mehrheit im Stadtrat hat dieses Verhandlungsergebnis aber aufgehoben. Nun baut der Investor die Gebäude und übereignet sie anschließend kostenlos an die Stadt. Damit ist Landsberg ein Grundstückserlös entgangen; in Sachen SoBoN ging die Sache aber offenbar noch einmal gut. Der Investor zahlt außerdem eine festgelegte Summe an die Stadt, die ebenfalls auf SoBoN angerechnet wird, um weitere Grundschulplätze zu bauen; wenn 1.500 Menschen in 800 Wohnungen einziehen, sind eine Menge Grundschulkinder dabei und weitere werden im Laufe der Zeit auf die Welt kommen.

Zieht man in sozialer Hinsicht Bilanz, kann man durchaus der Meinung sein, dass Landsberg auf die Herausforderungen spät reagiert hat. Bei der Kinderbetreuung hat die Abstimmung zwischen Stadt und Kreis sowie der Stadt und den freien Trägern nicht gut funktioniert; erst jetzt bahnt sich die Anwendung eines einheitlichen EDV-Systems an. Auch im sozialen Wohnungsbau handelte die Stadt in letzter Minute, was auch auf ihre finanzielle Lage zu Beginn dieses Jahrzehnts zurückzuführen ist. Manches hätte man schon früher angehen können; dazu zählt auch der Neubau der Obdachlosenunterkünfte.

Im Ergebnis aber wird die Stadt in wenigen Jahren hinsichtlich ihrer sozialen Einrichtungen gut aufgestellt sein: Sie hat dann eine neue Mittelschule unter einem Dach, Grundschulen mit ausreichend Plätzen, genug Kinderkrippen und Kindergärten sowie Tagespflegeplätze und ein neues Jugendzentrum. Nun muss sie es noch schaffen, den Bereich der sozialen Arbeit besser zu fördern, der nichts mit Einrichtungen und Organisationen zu tun hat – die soziale und unbürokratische ehrenamtliche Hilfeleistung der Menschen untereinander; denn auch das ist Sozialpolitik.


Altstadt, Tourismus und Kultur


In kultureller Hinsicht ist die Stadt Landsberg eine Lebenskünstlerin: Aus ungünstigen Voraussetzungen macht sie immer irgendwie das Beste. Das gilt für ihre Museen wie für ihre Konzerte, für ihre Denkmäler wie für ihre Events. Freilich wäre in Sachen Tourismus noch mehr drin; die Frage ist nur: Wollen wir das überhaupt? Und die Altstadt hat ein grundsätzliches Problem: Sie macht zu wenig aus sich.

Das beste Beispiel dafür, dass Landsberg kulturell gesehen eine Lebenskünstlerin ist, bietet das Neue Stadtmuseum. Mit welch intelligentem Trotz die Museumsleitung auf die Schließung der Dauerausstellung in den Obergeschossen reagiert hat, ist beachtlich. Im Erdgeschoss mit Ausstellungs-Highlights wie „So ein Lech“, „Don’t take your guns to town“, „Typisch Landsberg“ sowie „Landsberg und das Salz“ immer wieder von sich reden zu machen und neue Ereignisse zu schaffen, die den Horizont der Besucher, nicht zuletzt vieler Schüler, erweitern – das ist schon eine besondere Kunst bei der Präsentation von Geschichte und Kultur.

Jetzt müsste es der Stadt nur noch gelingen, diesen Ideenreichtum bei der Planung des „neuen Neuen Stadtmuseums“ aufrecht zu erhalten. Viele Landsberger machen keinen Hehl daraus: Manchmal ist die behördliche Anordnung der Schließung eines Gebäudeteils wegen Brandschutzes auch eine Chance. Es darf bezweifelt werden, dass das überladene und angestaubte Sammelsurium, das man im alten Neuen Stadtmuseum betrachten konnte, in absehbarer Zeit ohne einen solchen Impuls in Frage gestellt worden wäre. Nun aber ergibt sich die Möglichkeit, ganz neu an die Sache heranzugehen.

Wie erfrischend ein Museum sein kann, lässt sich am Herkomerpark erkennen. Man hätte die Besucher bei der Neugestaltung, die vor allem aus baulichen Gründen notwendig war, auch nur mit Gemälden und ein paar Utensilien des „fin de siècle“ versorgen können. Aber Herkomer war ja in der Tat, wie der Ausstellungstitel sagt, „a man of many parts“, ein Mann mit vielen Talenten. Die Macher haben sich daher konsequent gegen den oberflächlichen Blick auf ein Lebensambiente und für den konsequenten Blick auf eine Lebensleistung entschieden. Wer das Herkomer Museum jetzt besucht, lernt das Denken und Handeln einen Menschen kennen und hätte, wenn man ihn denn persönlich im Park auf einer Bank anträfe, mit ihm Gesprächsstoff für einen ganzen Tag.

Das umgestaltete Herkomer Museum ist auch deshalb eine Errungenschaft der Landsberger Kultur, weil es in einer Zeit entstanden ist, als in der Lechstadt nicht daran zu denken war, Kulturausgaben aus der Stadtkasse zu finanzieren. Die Neugestaltung des Museums beruht ganz wesentlich auf privaten Spenden. Das macht es noch wertvoller. Umso erstaunlicher ist es, dass viele Landsberger das Museum noch nicht kennen. Selbst viele Mitarbeiter des schräg gegenüber liegenden Landratsamts haben es noch nicht geschafft, einen Blick hineinzuwerfen. Ein wenig mehr Öffentlichkeitsarbeit täte dem Museum sicher gut.

Nebenbei: Auch dem derzeit laufenden zweiten Projekt der Bürgerfinanzierung ist Erfolg zu wünschen. Die Rathauskonzerte im Festsaal des Historischen Rathauses sind wesentlicher Bestandteil des kulturellen Lebens der Stadt; allein es fehlt ein Flügel, der hohen künstlerischen Maßstäben genügt. Der von Bürgermeister Axel Flörke gegründete „Förderverein Rathauskonzerte Landsberg“ sammelt derzeit Spenden, um ein neues Instrument zu erwerben.

Wer auf Ideensuche für das „neue Neue Stadtmuseum“ ist, sollte einen kurzen Ausflug ins Büro von Oberbürgermeister Mathias Neuner machen, in dem mehrere Bilder der Künstlervereinigung „Scholle“ zu sehen sind. Weitere Werke im Besitz der Stadt gibt es im für die Öffentlichkeit nicht zugänglichen Museumsdepot in der Lechrain-Kaserne. Die Stadt Landsberg hat nach wie vor die Möglichkeit, der zentrale Ausstellungsort für die verstreuten Werke der im November 1899 gebildeten Gruppierung zu werden – angemessene Räumlichkeiten vorausgesetzt.

Und noch ein weiteres Thema ist bei der Konzeption des neuen Stadtmuseums zu beachten. „Landsberg hat wie keine andere Stadt Aufstieg, Schrecken und Fall des Nationalsozialismus hautnah erlebt. Den Aufstieg mit der Festungshaft Hitlers, den Schrecken mit den Außenlagern, den Fall mit den Displaced Persons und den Todesurteilen gegen NS-Verbrecher“, hat Oberbürgermeister Mathias Neuner vor einem Jahr gesagt. Wie und wo machen wir diese Epoche anschaulich? Punktuell an den Tonröhrenbauten an der Erpftinger Straße, in der Welfenkaserne und am Spöttinger Friedhof? So verdienstvoll die dortigen Arbeiten und Führungen auch sind und so wichtig es ist, die verstreuten „Kauferinger“ Außenlager in Beziehung zu setzen, so wenig kann man diesen Teil der Geschichte aus dem Stadtmuseum ausblenden.
Deswegen wünschen sich viele Stadträte, die bei von der Verwaltung organisierten Museumsbesuchen in anderen Städten dabei waren, ein Museum, das „keine Fossilien zeigt, kein Mobiliar präsentiert und keine Münzen zur Schau stellt“, sondern neue Zeitgeschichte erlebbar macht. Dies wird eine der anstehenden kulturellen Herausforderungen in Landsberg sein.

Zur Kultur gehört auch, die historische Bausubstanz Landsbergs zu erhalten. Vorübergehend sah es so aus, als würde dies nicht gelingen – die finanziellen Mittel für den Erhalt der Denkmäler waren dezimiert. Inzwischen ist mit der Restaurierung des Bayertors ein Anfang gemacht. Auch hier sind Spenden im Spiel. Noch steht Vieles auf der Wunschliste, beispielsweise die Fassade des Historischen Rathauses.

Attraktive Museen und gepflegte Denkmäler sind auch Voraussetzungen für den Tourismus. Bürgermeister Flörke überraschte in einer Sitzung des Stadtrats mit der Mitteilung, der Tourismus sei in der großen Kreisstadt leicht zurückgegangen. Das hat einige Stadträte nachdenklich gemacht. Andere allerdings sagen, sie wünschen sich keine Zunahme des Tourismus in der Stadt. Zwar seien Besucher gut für den Einzelhandel und die Gastronomie. Gleichzeitig verursache der Tourismus aber Infrastrukturkosten, belaste die Straßen und führe möglicherweise zu einer Überfüllung der Innenstadt.

Im Rahmen seiner Strategiediskussion wird der Stadtrat auch über dieses Thema in den nächsten zwölf bis 18 Monaten eine Entscheidung treffen müssen. Die Positionen treffen aufeinander: „Tourismus ist als Wirtschaftsfaktor zu vernachlässigen“, sagen die einen, „viel wichtiger ist es, dass wir ein Wirtschaftsstandort sind“. Andere meinen: „Tourismus schafft Arbeitsplätze und ist ein Türöffner für Investitionen. Wer Landsberg nicht kennenlernt, wird Stadt und Region als Standort nicht erwägen“.

Bei der Frage der Nutzung des Schlossberges wird man so grundsätzlich nicht diskutieren müssen. Gelänge es, dort ein „Vier Sterne plus“-Hotel zu etablieren, hätte es mit Sälen, Konferenzräumen, einem Biergarten, einem Restaurant und einer Bar auch einen hohen Wert für die Menschen, die hier oder in der Nachbarschaft leben. Der Preis dafür ist aber offenbar ein weithin sichtbares „Nebengebäude“ der jetzigen Schlossbergschule. Sind wir bereit, diesen Preis zu bezahlen? Auch an anderer Stelle ist ein Hotel angedacht, am Ort des jetzigen Verwaltungsgebäudes der ehemaligen Pflugfabrik. Eines ist klar: Zwei neue Hotels rechnen sich auf keinen Fall.

Freilich gilt auch: Landsberg muss das bevorzugte Ziel der Menschen aus der Ammersee-Region bleiben – fürs Einkaufen, fürs Spazierengehen, fürs Eis essen, für Schweinshaxe und Weißbier. Die Wettbewerber heißen Weilheim, Buchloe und Kaufbeuren. Deswegen bemüht sich der Stadtrat auch darum, ein attraktives Marktkonzept zu erarbeiten. Der Süddeutsche Töpfermarkt scheint am neuen Standort einen guten Start hingelegt zu haben. Andere Ereignisse müssen folgen. Ein bisschen „Soundlaster“ und ein konsumorientiertes Stadtfest sind nicht attraktiv genug. Insofern ist die Grenze zwischen „Touristenziel“ und „Regionaler Mittelpunkt “ fließend. Auf das eine kann man vielleicht verzichten, auf das andere bestimmt nicht.

Die Händler, Dienstleister und Gastronomen der Landsberger Altstadt täten gut daran, daran stärker mitzuwirken. Sie machen zu wenig aus sich, praktizieren zu wenig Selbsthilfe. Bei Gesprächen mit Händlern hört man viele Klagen, erkennt aber kaum Bereitschaft, sich besser zu organisieren und auch Geld für gemeinsame Aktionen in die Hand zu nehmen. Neben den kürzlich beschlossenen erweiterten Zuschüssen für Marketingmaßnahmen und den Aktivitäten im Bereich „Märkte und Events“ sind seitens der Stadt aber zunächst keine Maßnahmen zur Förderung der Altstadt geplant. „Wir können keine Ladengrößen beeinflussen, keine Pachtzinsen senken und keine feuchten Keller renovieren“, heißt es dazu aus der Stadtverwaltung.

Der neue Hauptplatz verstärkt die Attraktivität der Innenstadt – das ist jedenfalls die absolut herrschende Meinung. Vielleicht gelingt es, das dort entstandene Ambiente mit einer Fußgängerzone Vorderanger und einem beruhigten Hinteranger zu ergänzen. Zu kurz denken darf man dabei nicht; „niemand verzichtet auf den Kauf von ein Paar Schuhen, weil er es anschließend in einer Tüte zum Auto tragen muss. Wer es nicht kauft, hat dafür einen ganz anderen Grund“, sagen Stadtplaner.

Altstadt, Denkmalschutz, Tourismus und Kunst gehören in Landsberg eng zusammen. Wir haben Talente wie Johannes Skudlik, Franz Lichtenstern, Charles Logan und Matthias Utz. Wir haben Ereignisse wie Snowdance und den Orgelsommer, die Rathauskonzerte und die Sommermusiken. Wir haben Institutionen wie das Stadttheater und die Stadtkapelle. Wir haben Denkmäler wie das Historische Rathaus, das Bayertor, die Stadttürme und die Kirchen. Das alles ist kulturelle Erbauung. Aber noch ist die Stadt bei ihrer Gestaltung allzu oft Lebenskünstlerin. „Unser kulturelles Leben darf nicht ausschließlich dem Diktat der Ökonomie unterworfen werden, denn eine Gesellschaft, die glaubt, Kultur sei erst dann an der Reihe, wenn alle finanziellen und baulichen Wünsche erfüllt sind, beginnt ihre Seele zu verlieren“, hat Bürgermeisterin a.D. Sigrid Knollmüller gesagt. Aber auch sie weiß: So schnell ist Abhilfe nicht in Sicht.