In eigener Sache

Heute wendet sich der landsbergblog in eigener Sache an Sie. In zwei Tagen wird es diesen Blog nach sechs Jahren und 1.675 Beiträgen in seiner alten Form nicht mehr geben. Der Grund dafür ist die „General Data Protection Regulation“, die „Datenschutz-Grundverordnung“ der Europäischen Union, die am 24. Mai 2018 in Kraft tritt.

Zur Erklärung. Jeder Blog braucht einen Host. Dort werden die geschriebenen Texte und erstellten Bilder zum Abruf bereitgehalten. Dort findet die Aufbereitung der Inhalte für verschiedene (auch mobile) Plattformen statt. Von dort kommen Tools, zum Beispiel die Möglichkeit, neue Beiträge per E-Mail zu erhalten, was Viele von Ihnen nutzen.

Unser Host, der Dienst WordPress.com (nicht zu verwechseln mit WordPress.org und der Software) der US-Firma Automattic unterliegt dem neuen europäischen Datenschutzrecht nicht. Dummerweise aber wir.

Die Politik weiß, dass viele Dienste im Internet von amerikanischen Unternehmen angeboten werden. Google, Facebook, Amazon, WhatsApp, WordPress, Dropbox, Twitter und YouTube sind prominente Beispiele dafür. Europäische Inhalteanbieter haben sich vergleichbare Services im europäischen Raum gewünscht: Immer wieder haben sich die Gesetzgeber das auch vorgenommen: Wir brauchen „ein deutsches Google“, ein „europäisches Facebook“, hat es geheißen. Aber das ist nicht gelungen.

Europäer, die im Internet publizieren, können die Einhaltung der europäischen Normen durch amerikanische Unternehmen nicht garantieren. Genau dieser Anspruch ist aber Bestandteil der Grundverordnung. Sie unterstellt, jemand, der über WordPress, Google, YouTube oder Facebook Inhalte veröffentlicht, könnte diese Anbieter zu europäischer Normeinhaltung verpflichten.

Das wird nicht funktionieren. Wir fürchten uns daher nicht vor offiziellen Strafen der Behörden; sie wären grotesk. Wir fürchten uns vor Abmahn-Anwälten, die die neue Grundverordnung als Einnahmequelle entdeckt haben und schon mit den Hufen scharren. Der landsbergblog ist bereits einmal Opfer einer Abmahn-Abzocke geworden; ein zweites Mal wünschen wir uns das nicht.

Niemand, der Dienste amerikanischer Anbieter in Anspruch nimmt, kann die Datenschutz-Grundverordnung in ihrer neuen Form einhalten, weil er seinen Dienstleister aus Übersee dazu nicht zwingen kann. Das Thema wird noch enormen Sprengstoff entwickeln. 87 Prozent der deutschen Unternehmen, sagt DIE ZEIT, haben noch keine Ahnung davon, was auf sie zukommt.

Wir schon. Für uns gibt es daher nur eine Option: Wir schalten den auf WordPress.com basierenden landsbergblog am 24. Mai 2018 ab. Wir werden uns um eine Zwischenlösung bemühen. Und den landsbergblog dann neu aufsetzen, und zwar so, dass wir alle Parameter kontrollieren können, die der Gesetzgeber gerne kontrolliert sehen würde.

Sollte jemand von Ihnen erwähnt oder abgebildet sein und noch den ein oder anderen Artikel sichern wollen: Tun Sie’s jetzt. Das Archiv geht durch die Umstellung leider verloren.

Es ist schon ein Dilemma. Ja, wir wünschen uns eine einheitliche Rechtsordnung in der ganzen Welt. Ja, wir wünschen uns, dass internationale Konzerne nicht durch Geschäftssitze auf den Cayman-Inseln, in Irland oder in Luxemburg auf der Steuer-Klaviatur spielen können. Ja, wir wünschen uns, dass Verleumder und Lügner über Staatsgrenzen hinweg verfolgt werden können. Und, ja, wir wünschen uns dass weltweit Daten geschützt werden.

Nur: Wir und all die Anderen, die Inhalte erstellen, die außerhalb der EU vorgehalten werden, können das nicht bewirken. Das können nur Politik und Diplomatie. Die Grundverordnung macht sich die Sache zu einfach. Sie trifft die Falschen. Sie produziert Opfer. Sie ist eine Fiktion.

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Die Hälfte der Arbeit

„Recherche ist unverzichtbares Instrument journalistischer Sorgfalt“, steht im Kodex des Deutschen Presserats. Dazu gehört, vor dem Abdruck von Anschuldigungen zumindest zu versuchen, eine Stellungnahme der Betroffenen einzuholen. Im Artikel steht dann idealerweise Beides: die Anklage und die Verteidigung. Dies gilt umso mehr, wenn zwischen der Veröffentlichung des Vorwurfs und der Antwort mehrere Tage Zeit liegen müssten, so wie es an diesem Pfingstsamstag der Fall ist.

Konkret geht es um einen Artikel des Landsberger Tagblatts (LT) von heute. Darin referiert das LT eine E-Mail von Kreisbereitschaftsleiter Thomas Wagner, in der er dem Kreisverband Landsberg des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) vorwirft, der dort gepflegte Umgang mit den haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern entspreche in keiner Weise den Grundsätzen der Organisation. Daher träten er und acht weitere Ehrenamtler zurück.

Beim „Roten Kreuz“ sei „Feuer unterm Dach“, titelt das LT.

Angesichts Hunderter ehrenamtlich tätiger Mitarbeiter des BRK Landsberg ist diese Überschrift reichlich gewagt. Aber auch ansonsten ist der Beitrag journalistisch indiskutabel. Weder bekommen wir erklärt, worum es bei dem Streit eigentlich geht. Noch erfahren wir, was denn Vorstand und Geschäftsführung dazu sagen.

Letzteres kommt zwar schon mal vor. Dann liest man in Zeitungen Sätze wie „Vorstand und Geschäftsführung waren für eine Stellungnahme nicht zu erreichen“. Im vorliegenden Fall stand das aber nicht da und konnte auch nicht da stehen: Wie BRK-Kreisgeschäftsführer Andreas Lehner auf Nachfrage des landsbergblog erklärte, habe er keine Anfrage des LT erhalten. Das Pikante daran: Lehner hatte in anderer Angelegenheit gestern sogar noch mit der Redaktion des LT telefoniert.

Das LT hat offenbar auch den Vorstand nicht gefragt. Alex Dorow, Michael Vivell, Albert Thurner, Barbara Juchem, Michael Kießling, Christoph Wohlfahrt und weitere 21 Mitglieder hätten sicher Auskunft gegeben. Sie hätten dann wohl verdeutlicht, dass die Auseinandersetzung schon monatelang schwelt, der Vorstand darüber längst beraten hat, aber anderer Auffassung als Wagner ist, und das Thema bei Weitem nicht so hoch hängt, dass die Hütte brennt.

Es kommt immer wieder vor, dass in Organisationen unterschiedliche Meinungen bestehen. Die Presse tut in solchen Fällen gut daran, sich nicht einspannen zu lassen. Dazu gehört, sensibel nachzuhorchen: Worum geht es überhaupt? Und was sagen die Anderen dazu? Erst dann ist die Geschichte, wenn sie denn überhaupt die Schwelle zum öffentlichen Interesse überschreitet, druckfertig. Nur die Hälfte der Arbeit zu tun und anschließend Pfingsten zu feiern, das geht nicht.

Es bleibt immer etwas hängen

steht heute plakativ mit großen Lettern im Landsberger Tagblatt (LT). Wer den langen Artikel liest, in dem das LT gleich noch die Themen „Vertriebsstart“ und „Mobilität“ einfließen lässt, erfährt zwar, dass sowohl Projektentwickler ehret + klein wie auch Oberbürgermeister Mathias Neuner energisch darauf hinweisen, dass dieses Gerücht (von dem beide noch nie etwas gehört hatten) keinerlei Grundlage hat. Dennoch hielt die Redaktion an der Überschrift und dem „Lead“-Satz fest.

Dass eine ansonsten seriöse Zeitung ein dementiertes Gerücht durch Veröffentlichung verstärkt, kommt eigentlich nur in einem Fall vor: Wenn die Zeitung der Richtigstellung durch die handelnden Personen nicht glaubt.

Das wissen auch die Leser. Schon nach kurzer Zeit erhielten wir, wie zum Beweis, die erste Nachfrage: „Da ist ja scheinbar eine Krise. Die Verantwortlichen haben zwar alles abgestritten. Aber wenn das LT es trotzdem schreibt, muss ja was dran sein“. Das ist eine allgemeine Erfahrung. Chefredakteure zitieren gerne den lateinischen Spruch „Semper aliquid haeret“. Der heißt, im Zusammenhang übersetzt, auf deutsch: Verleumde nur dreist, es bleibt immer etwas hängen.

Auch wir vom landsbergblog haben von dem Gerücht, das das LT heute kolportiert hat, noch nie etwas gehört. Kollegen von uns auch nicht. Und der Kollege, der eigentlich immer alles weiß, auch der weiß hier von nichts. „Brodeln“ dürfte etwas Anderes sein.

Dabei hören wir eine Menge Gerüchte. Zuletzt wurde uns am Freitag eins zugespielt, über eine angebliche Schlechtleistung eines Auftragnehmers der Stadtverwaltung. Wir machen uns in solchen Fällen die Mühe, die Sache zu recherchieren. In diesem Fall wurde klar: Das war fake news; es war nichts dran. Wir haben dann den Informanten über das Ergebnis der Recherche informiert und die Sache „zu den Akten“ genommen. Für den Fall, dass das Gerücht nochmal aufkommt.

Wir hätten natürlich auch schreiben können: „Die Gerüchteküche um Auftragnehmer X brodelt. In Landsberg wird erzählt, dass der Auftragnehmer der Stadt an anderer Stelle schlechte Arbeit geleistet hat. Was der Auftragnehmer dazu sagt.“ Selbst wenn wir dann im Text geschrieben hätten, unsere eigene Recherche zeige, dass da nichts dran ist, hätten wir ein Stück Unsicherheit geschaffen. Oberflächliche Leser würden das Gerücht dennoch speichern. Es bleibt immer etwas hängen.

Im vorliegenden Fall übrigens wäre ein Verkauf des fraglichen Geländes rechtlich gar nicht möglich. Wir stellen das – aus detaillierter Kenntnis der abgeschlossenen städtebaulichen Verträge – ohne weitere Erläuterung in den Raum, weil wir bewusst nicht deutlicher werden wollen. Erfreulicherweise listet Google den Artikel des LT bislang nicht unter den Suchergebnissen; hoffen wir, dass es so bleibt. Daher haben wir in dieser Kritik darauf verzichtet, das Baugebiet, das Sie alle kennen, im durchsuchbaren Text zu benennen. Wir wollen nicht noch zur Verbreitung der Gerüchts beitragen.

Liebes LT, hört bitte auf, dementierte Gerüchte, an denen nichts dran ist, durch Veröffentlichung zu verstärken. Das ist Journalismus auf yellow press-Niveau. Und da steht Ihr weit drüber.

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Snowdance 2018: Das Landsberger Manifest

Erstmals hat Snowdance heute Abend die Beratungen in drei Festival-Foren in Form des Landsberger Manifests zusammengefasst. Es dürfte in der Filmwelt Aufsehen erregen.

I

Ein vielfältiges Angebot deutschsprachiger Filme ist, ähnlich wie ein vielfältiges Angebot von Presse und Rundfunk, für die Meinungsbildung und den Diskurs in einer pluralen Gesellschaft schlechthin konstitutiv.

Wir brauchen dazu nicht nur die Wiederholung erfolgreicher Formate und die gelegentliche Ausstrahlung von neuen Produktionen, sondern die nachhaltige Förderung innovativer Ideen, nicht etablierter Talente und ungewöhnlicher Sichtweisen.

Nur ein breites kreatives Angebot von unterschiedlichen Genres und Darreichungsformen schafft das Potential zur permanenten Selbsterneuerung der deutschen Filmwirtschaft.

Nur so ist auch gewährleistet, dass internationale Vorteile, die durch große Sprachräume und Konzernstrukturen entstehen, keine publizistische Monopolwirkung entfalten und weltweit ausstrahlbarer Mainstream die notwendige Ergänzung erhält.

II

Das setzt voraus, dass es für Filmemacher reale Chancen gibt, über die Kinos, die Sender und neue Plattformen Zuschauer zu erreichen.

Dazu ist die Tätigkeit der öffentlich-rechtlichen Anstalten, von Pay-TV-Sendern und neuen Plattformen unverzichtbar. Gerade dieses diversifizierte und nicht ohne Grund duale Mediensystem sollte in der Lage sein, viele Sendeplätze für unabhängige Filme zu bieten.

Die Digitalisierung bietet weitere Chancen zum Ausbau der Angebotsvielfalt. Sie führt zur Reduzierung der Herstellungskosten, schafft zusätzliche lineare Kanäle und öffnet insbesondere die Tür zu on demand Angeboten und damit zur Unabhängigkeit von klassischen Verbreitungsgebieten und festen Sendezeiten.

Bei Anstalten, Sendern und Plattformen ist punktuell Aufgeschlossenheit gegenüber unabhängig produzierten Inhalten zu erkennen. Die Bereitschaft zum Dialog ist aber stark sender- und personenabhängig.

Zudem gibt es ein Problem im System: Die Vorfilterung von Inhalten bereits im Entwurfsstadium ist mit dem Grundgedanken des unabhängigen Films zumindest dann inkompatibel, wenn solche frühen Absprachen als Stellschrauben der Einflussnahme verstanden werden. Independent heißt gerade nicht, um Erlaubnis fragen zu müssen.

Es darf nichts Ungewöhnliches sein, dass Sender und Plattformen Filme außerhalb großer Deals ankaufen. Unabhängige deutsche Filme sind sehr oft die günstigste Möglichkeit, Sendeplätze qualifiziert zu füllen.

Die Sender und Plattformen benötigen dazu allerdings klar definierte Angebote, die besonders ein etwaiges zeitaufwändiges Nachverhandeln von Rechten überflüssig machen. Es wird angeregt, dass die unabhängigen Filmemacher dazu gemeinsam mit den Sendern Standards entwickeln.

Außerdem sollten sich nach Meinung der Forumsteilnehmer unabhängige Filmemacher so organisieren, dass sie sich über die Ansprechpartner in den Anstalten, Sendern und Plattformen gegenseitig informieren. Im Forum 1 fiel dazu als Stichwort „Share and Care“.

Es bedarf allerdings auch noch eines weitergehenden Hinweises. Die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten sind in besonderem Maße zur Schaffung kultureller Vielfalt aufgerufen. Soweit diesem Anspruch das permanente Schielen auf die Quote entgegensteht, muss die Medienpolitik es in Frage stellen.

Die unabhängigen Filmemacher schlagen konkret vor, ähnlich wie im Fall der Drittsendeplätze bei Privatsendern, die zu Formaten wie SPIEGEL TV geführt haben, feste Sendeplätze für unabhängig produzierte Filme einzurichten, die ein Bewusstsein für und Lust auf inhaltliche Vielfalt schaffen.

Ziel der unabhängigen Filmemacher ist es allerdings nicht, dass für sie dauerhafte Sonderregelungen gelten. Sie setzen darauf, dass Anstalten, Sender und Plattformen schrittweise mehr Mut, mehr Risikobereitschaft und mehr Fantasie entwickeln, schon um der veränderten Mediennutzung Rechnung zu tragen.

III

Der unabhängige Film macht nur dann einen Schritt nach vorn, wenn die unverzichtbare Film- und Verleihförderung angepasst wird.

Ideal wäre, dass Produktionsförderung auch nach Fertigstellung eines Werks in Anspruch genommen werden kann. Eine Änderung der entgegenstehenden Rechtslage könnte aus haushalts- und subventionsrechtlichen Gründen aber schwierig sein.

Zwei Möglichkeiten, auch ohne eine bestehende Kooperation mit Anstalten oder Sendern Fördermittel zu erhalten, liegen in der Nachwuchsförderung und der Low Budget Produktion.

Die bayerische Filmförderung versteht „Nachwuchs“ allerdings auch altersmäßig und hat eine Höchstgrenze von 40 Jahren festgesetzt. Es gibt aber, das ist ein konkretes Ergebnis aus Forum 3, die Bereitschaft, mit Vertretern von Snowdance über eine Aufhebung dieser Grenze zu sprechen.

Die zweite Möglichkeit, die Low Budget-Produktion, erfordert einen Verleihvertrag. Als weiteres konkretes Ergebnis in Forum 3 hat sich die Möglichkeit herauskristallisiert, dass Snowdance auch einen eigenen Verleih gründen könnte, also einen Verleih freier Filmemacher. Auch darüber soll demnächst mit der Filmförderung gesprochen werden.

In jedem Fall ist die Möglichkeit der Verleihförderung für Filme, die keine Produktionsförderung erhalten haben, nicht nur rechtlich, sondern auch in der Praxis stärker anzuwenden.

In Sachen Förderung bedürfen Kurz- und Serien-Formate besonderer Aufmerksamkeit, ebenso die nachträgliche Marketingförderung.

Filmförderung ist regionale Wirtschaftsförderung. Zumindest bei der Verleihförderung sollten die Anforderungen ans Geldausgaben im Förderland aber gelockert werden. Vorbild könnte hier „Szene Tirol“ sein; Voraussetzung dort ist lediglich, dass im Film Bilder aus Tirol enthalten sind.

IV

In den Foren war auch das Interesse und die Bereitschaft der beim Snowdance-Festival vertretenen Filmemacher zu organisatorisch verfestigter gemeinsamer Arbeit zu erkennen, unter Einschluss von Öffentlichkeitsarbeit, Förderfragen und die gemeinsame Gesprächsführung nach außen.

Abschließend:

Der unabhängig von TV-Redaktionen und initialer Filmförderung produzierte deutsche Film ist überlebenswichtiger Impulsgeber für das deutsche Filmgeschäft. Maßnahmen zu seiner Förderung sind Maßnahmen zur Stärkung des deutschen Films.

Die Teilnehmer des Snowdance-Festivals leisten aus ihrer Sicht einen unverzichtbaren Beitrag zur Medienvielfalt. Sie bitten dazu um Unterstützung.

Landsberg am Lech, 3. Februar 2018

Herbergssuche in Landsberg

Lieber Leserinnen, liebe Leser,

die vergebliche Suche von Maria und Josef nach einer Unterkunft in Bethlehem vor der Geburt Jesu Christi wird uns jedes Jahr von Neuem vor Augen geführt, so auch am gestrigen Heiligen Abend.

Auch bei uns gibt es Herbergssuchen. Im Rahmen meiner Reihe „Spaziergänge“ habe ich den syrischen Flüchtling Omran Al Dairi, dessen Frau und zwei Kinder in einigen Wochen zu uns kommen, auf der Suche nach einer Wohnung begleitet.

Der Beitrag erscheint in der gedruckten Ausgabe des KREISBOTEN am Mittwoch. Ich würde mich freuen, wenn Sie sich die Zeit nähmen, die Reportage zu lesen. Einen Vorabdruck finden Sie hier, in der Online-Version.

Ich wünsche Ihnen ein frohes, geruhsames und friedvolles Weihnachtsfest!

Werner Lauff

@landsbergblog

Vielleicht haben Sie es irgendwo gelesen: Bei Twitter sind jetzt 280 Zeichen erlaubt; das ist doppelt so viel wie bisher. Für einen journalistischen und kommentierenden Blog wie unseren ist diese Erweiterung sinnvoll. Nur wenige Themen lassen sich in einem einzigen Satz vermitteln.

Daher twittern wir seit einigen Tagen wieder.

Wir twittern wieder, so wie wir es 2012 schon einmal gemacht haben. Unser Name „landsbergblog“ ist der gleiche wie damals. Wenn Sie also ab und zu, zwischen den Beiträgen, kleine Anmerkungen und Hinweise des landsbergblog lesen wollen, dann nehmen Sie doch eine der beiden Möglichkeiten wahr:

  • Sind Sie Twitter-Nutzer, folgen Sie in Twitter „landsbergblog“.
  • Sind Sie kein Twitter-Nutzer und wollen es auch nicht werden,
    gehen Sie auf die Seite https://twitter.com/landsbergblog.

Alle diejenigen, die sich mit Twitter schon auskennen oder gerade „Teufelszeug“ rufen, die verabschieden wir an dieser Stelle. Für diejenige, die mehr wissen wollen, haben wir ein kleines Tutorial geschrieben. Es richtet sich an alle, die nicht viel über Twitter wissen, aber vielleicht immer schon etwas mehr darüber wissen wollten. Sie finden das Tutorial, wenn Sie auf „weiterlesen“ klicken.

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Nachplappern ist eine Gefahr

Eine Anmerkung von Werner Lauff

Wer die 1.600 Beiträge des landsbergblog in den vergangenen fünfeinhalb Jahren verfolgt hat, der weiß, dass wir hohe Ansprüche an Recherche stellen – bei uns selbst wie auch bei anderen Medien. Sie erstrecken sich naturgemäß zunächst auf Tages- und Wochenzeitungen sowie Radio und Fernsehen in unserer Region; das ein oder andere hiesige Medium hat daher schon Manches einstecken müssen. Manchmal fallen uns allerdings auch Berichte überregionaler Medien auf, die wir für zweifelhaft halten.

Im konkreten Fall ging es um einen Bericht der Tagesthemen der ARD am 25. September 2017. Darin gab es einen Beitrag, der zu ergründen versuchte, warum Menschen im Landkreis Sächsische Schweiz / Osterzgebirge (dem Wahlkreis von Frauke Petry) die AfD gewählt haben. Zunächst formulierte eine ältere Passantin Unverständnis, wieso die Ausländerfragen nicht gelöst seien. Weiter hieß es: „Das Wahlergebnis wundert auch Doreen Lucius nicht.“ Eine junge Dame äußerte sich dann wie folgt:

„Auf der Straße wo ich wohne, da gibt es halt schon mehrere Fälle, stand auch in den Zeitungen, dass halt Frauen vergewaltigt wurden. … Klar gibt’s das auch in unserem Land. Dass es von uns welche sind. Sagt ja auch keiner. Aber es wird halt immer mehr.“

Das kam uns merkwürdig vor. In der gleichen Straße mehrere Vergewaltigungen, der Formulierung nach zudem von Ausländern? Also riefen wir am nächsten Morgen sehr früh bei der Pressestelle der zuständigen Polizeidirektion Dresden an. Die beiden Pressesprecher waren beide anwesend. Keiner von ihnen konnte sich an Vorkommnisse dieser Art erinnern.

Unmittelbar danach schrieben wir eine E-Mail an den Chef von „ARD aktuell“ (gleich Tagesschau und Tagesthemen), Kai Gniffke. „Uns würde interessieren, ob denn die Redaktion diese Behauptung der Dame einfach gesendet oder vorher geprüft hat“, formulierten wir – und bekamen erst einmal keine Antwort.

Die kam allerdings letztlich doch. Vierzehn Tage später erhielten wir eine verklausulierte E-Mail des Zweiten Chefredakteurs von „ARD aktuell“, Marcus Bornheim. Er berichtete, dass die Redaktion der Tagesschau unabhängig von unserer Mail am kommenden Tag darüber diskutiert habe, ob man das so stehen lassen kann.

Unabhängig von unserer Mail darüber diskutiert, ob man das so stehen lassen kann? Ja, war denn die Redaktion bereits darüber informiert, dass es gar keine Vergewaltigungen in der Straße gegeben hat, weder von Aus- noch von Inländern, und hat es trotzdem gesendet?

Aber egal: Die Diskussion (vielleicht doch unsere Mail?) habe dazu geführt, dass man das Thema am nächsten Tag erneut in den Tagesthemen aufgegriffen habe.

In diesem zweiten Beitrag stellt zunächst die Polizei dar, dass es gar keine Vergewaltigungen gegeben hat. Der Reporter – übrigens der gleiche wie am ersten Tag – sagt dann aus dem „Off“: „Also keine Vergewaltigungen.“

„Wie kam es dann zu diesem subjektiven Gefühl?“, fragt er weiter. Der Reporter befragt erneut Doreen Lucius, die dieses Gefühl damit erklärt, ihre Eltern hätten ihr schon früh eingeschärft, nicht mit fremden Männern mitzugehen; daher resultiere ihre Angst.

Das Fazit: Die ARD sendet eine völlig falsche Behauptung, offenbar ohne sie vorher zu prüfen, und versucht das am Tag danach mit einem Bericht über das subjektive Angstgefühl abzumildern. Das ist ein schlechter Versuch, die Falschmeldung zu kaschieren.

Auch in Landsberg haben viele Menschen die AfD gewählt (in einer Probeabstimmung übrigens auch zehn Prozent der Schüler). Viele machen dies, weil sie Falschmeldungen glauben. Die Medien haben eine große Verantwortung dafür, sie nicht zu verbreiten. Ob lokal oder national, dabei gilt kein zweierlei Maß. Das ist der Grund, warum wir Landsberg an dieser Stelle ausnahmsweise verlassen und grundsätzlich werden: Behauptungen nachplappern ist journalistisch unkorrekt – und eine reale Gefahr.

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Von Landsberg hab ich schon gehört

Die Stadt Landsberg hat sich bei der BR-Radltour glänzend präsentiert. Die Landsberger haben die Radler jubelnd begrüßt. Organisation und Sicherheit haben reibungslos geklappt. Oberbürgermeister Mathias Neuner hat begeisternd mitgemacht. Großartig!

Uns stört ein wenig der Satz „Das kostet aber auch“, der morgen in einer Zeitung zu lesen sein wird. Ja, das kostet die Stadt eine fünfstellige Summe. Aber zücken wir doch mal kurz den Taschenrechner. Wer Max Giesinger live sehen will, zahlt 32 Euro für ein Ticket. Gestern war sein Auftritt gratis. 15.000 Besucher, die meisten davon Landsberger, sparten zusammen 480.000 Euro.

1.100 Radler kamen nach Landsberg; manche kommen wieder. Wie viel Geld kostet es, per Stadtmarketing 1.100 Besuche und Folgebesuche zu generieren? Wir ersparen Ihnen den Rechenweg aus Reichweite und Streuverlust: Dafür müsste man eine Drittel-Seite der ADAC-Motorwelt buchen; Kostenpunkt 66.000 Euro.

Wie viel Geld kostet es, 30-, 60- oder 90-sekündig ins Fernsehen zu kommen? Das ist eher eine theoretische Frage, denn Sie kommen trotz Zahlungsbereitschaft gar nicht in den Werbeblock; er ist voll. Wenn doch, halten Sie bitte 100.000 Euro bereit. Tatsächlich kämen dann ein paar Leute in unsere Stadt und würden sagen: „Von Landsberg hab ich schon gehört“.

Schön war’s. Und nützlich ist’s. So sehen wir das.

Die Nachricht aus dem Nichts

Am 28. Juni überraschte das Landsberger Tagblatt (LT) mit der Mitteilung, die Bundeswehr erwäge, in Penzing dreizehn Airbus A400M zu stationieren. 

Wir kennen uns ein wenig mit den aktuellen Planungen zum Fliegerhorst Penzing aus. Unser Informationsstand ist: In Penzing war und ist eine „Stillstandswartung“ geplant, also bis auf Weiteres ein Fliegerhorst ohne Flugzeuge. Nicht ganz unwahrscheinlich ist, dass das Gelände doch noch alsbald einer zivilen Nachnutzung zugeführt werden kann; das steht allerdings noch nicht fest. Aber die Stationierung von A400M war unseres Wissens nach in Penzing nie geplant. Die Örtlichkeiten sind zu klein, die Infrastruktur ist nicht ausreichend. Und unter Vollast auf 600 Meter Höhe mit einem A400M auf der Penzinger Startbahn abzuheben, wäre sportlich.

Wir fragten uns einen Moment, ob wir die Geschichte des LT nachrecherchieren sollten. Die Telefonnummern der Pressestelle des Bundesverteidigungsministeriums und des Presse- und Informationszentrums der Luftwaffe sind in unseren Smartphones gespeichert. Sollen wir anrufen oder blamieren wir uns?

Wir riefen nicht an. Schon der Wortlaut des LT-Beitrags machte das deutlich. Da ist von „befassten Kreisen“ die Rede, die eine Information aus einer nichtöffentlichen Sitzung gegeben haben sollen, aus der hervorgehe, dass „offenbar“ eine „Weichenstellung“ erfolgt sei, die dazu führe, dass „offenbar“ auch der Fliegerhorst Penzing „im Gespräch“ sei. Zweimal „offenbar“, einmal irgendwelche „Kreise“, einmal „im Gespräch“ – das reicht nun wirklich aus, um den Verdacht auf eine Nullnummer aufkommen zu lassen.

Nicht-LT-Journalisten waren sich schnell einig: Das ist eine Nachricht aus dem Nichts. Und damit nichts für uns.

Heute löst das LT die Geschichte glücklicherweise auf.

Ach wie gut, dass sich in Berlin doch noch ein Militärexperte gefunden hat, der „unserer Zeitung“ etwas erläutert hat. Auch wenn er keinen Namen hat.

Nun haben wir recherchiert, wie es denn zu der Fehlmeldung des LT kommen konnte. Hier ist das Ergebnis unserer Nachforschungen:

Wie aus gut informierten Kreisen bekannt wurde, ist offenbar nach außen gedrungen, dass im Gespräch war, dass die erste Meldung des LT offenbar aufgrund der Weichenstellung erfolgt ist, die Achtung der Leser vor der Leistung des Blattes zu steigern. 

Das stimmt natürlich nicht. Wir machen gerade eine Satire draus. Kopf hoch, Kollegen, die Schmach ist nur temporär. Nächste Woche zitieren wir einen Medienexperten, der das alles richtigstellt.

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Fake News

Jetzt machen wir doch mal (wieder) eine kleine Gemeinheit. Seit Jahren ärgert uns Google damit, bei der Bilder-Suche Menschen zu zeigen, die mit den Gesuchten nicht die geringste Ähnlichkeit haben. Durchstöbern wir zum Beispiel das Netz nach Fotos von Christian Hettmer, finden wir auf der Ergebnisseite auch Portraits von Til Schweiger, Erich Püttner und Hubert von Herkomer, ohne dass dort auch nur Spuren von Hettmer zu finden sind. Verwandtschaftsverhältnisse wie beim Bürgermeister von Krün liegen soweit ersichtlich auch nicht vor.

Irgendwie scheint das mit den von der Kanzlerin entdeckten „Algorithmen“ zumindest bei Fotos nicht so recht zu klappen. Jetzt kommt eine kleine Rache des landsbergblog. Da Google uns immer nett durchsucht, wird es sicher nicht lange dauern, bis dieses Foto in den Suchergebnissen nach Oberbürgermeister Mathias Neuner oder Kommodore Oberst Daniel Draken erscheint:

 Oberbürgermeister Mathias Neuner (links) und Oberst Daniel Draken (rechts)

Oberbürgermeister Mathias Neuner (links) und Oberst Daniel Draken (rechts)

Und jeder, der das sieht, wird sagen: Google kann es immer noch nicht. Google verbreitet sogar Fake News. Niemand außerhalb Landsbergs wird glauben, dass der Herr links nicht der Kommodore und der Herr rechts nicht der Oberbürgermeister ist. Zumal der Herr links eindeutig wie ein Soldat aussieht und der Herr rechts eindeutig wie ein Oberbürgermeister. Der Herr links trägt ja auch eine Uniform mit dem Wappen des LTG 61. Und der Herr rechts hat ein Namensschild der Stadt Landsberg am Lech am Anzug und – natürlich – jetzt ist alles klar: Er trägt die Landsberg-Krawatte, ein untrügliches Zeichen, denn dieses geschmackvolle Arrangement trägt keiner ohne Grund. Links Neuner, rechts Draken? So ein Unsinn. Hat Google denn keine Menschenkenntnis?

Ha, das wird ein Spaß. Vielleicht findet das Bild ja sogar Eingang in die Trumpsche Dokumentation über falsche Darstellungen in den Medien. „Sie betrügen. Sie verfälschen. Sie erfinden. Look what happens at Google!“ Das wär doch mal was. We keep you informed.