Fake News

Jetzt machen wir doch mal (wieder) eine kleine Gemeinheit. Seit Jahren ärgert uns Google damit, bei der Bilder-Suche Menschen zu zeigen, die mit den Gesuchten nicht die geringste Ähnlichkeit haben. Durchstöbern wir zum Beispiel das Netz nach Fotos von Christian Hettmer, finden wir auf der Ergebnisseite auch Portraits von Til Schweiger, Erich Püttner und Hubert von Herkomer, ohne dass dort auch nur Spuren von Hettmer zu finden sind. Verwandtschaftsverhältnisse wie beim Bürgermeister von Krün liegen soweit ersichtlich auch nicht vor.

Irgendwie scheint das mit den von der Kanzlerin entdeckten „Algorithmen“ zumindest bei Fotos nicht so recht zu klappen. Jetzt kommt eine kleine Rache des landsbergblog. Da Google uns immer nett durchsucht, wird es sicher nicht lange dauern, bis dieses Foto in den Suchergebnissen nach Oberbürgermeister Mathias Neuner oder Kommodore Oberst Daniel Draken erscheint:

 Oberbürgermeister Mathias Neuner (links) und Oberst Daniel Draken (rechts)

Oberbürgermeister Mathias Neuner (links) und Oberst Daniel Draken (rechts)

Und jeder, der das sieht, wird sagen: Google kann es immer noch nicht. Google verbreitet sogar Fake News. Niemand außerhalb Landsbergs wird glauben, dass der Herr links nicht der Kommodore und der Herr rechts nicht der Oberbürgermeister ist. Zumal der Herr links eindeutig wie ein Soldat aussieht und der Herr rechts eindeutig wie ein Oberbürgermeister. Der Herr links trägt ja auch eine Uniform mit dem Wappen des LTG 61. Und der Herr rechts hat ein Namensschild der Stadt Landsberg am Lech am Anzug und – natürlich – jetzt ist alles klar: Er trägt die Landsberg-Krawatte, ein untrügliches Zeichen, denn dieses geschmackvolle Arrangement trägt keiner ohne Grund. Links Neuner, rechts Draken? So ein Unsinn. Hat Google denn keine Menschenkenntnis?

Ha, das wird ein Spaß. Vielleicht findet das Bild ja sogar Eingang in die Trumpsche Dokumentation über falsche Darstellungen in den Medien. „Sie betrügen. Sie verfälschen. Sie erfinden. Look what happens at Google!“ Das wär doch mal was. We keep you informed.

Es wird mir zugetragen

„Ich lese die Presse nicht“, sagte Reinhard Steuer (UBV) heute Abend im Verwaltungs- und Finanzausschuss des Landsberger Stadtrats, „aber der Inhalt wird mir zugetragen“.

Nach dieser Vorbemerkung bat Steuer um die Erläuterung zweier Zahlen, die der KREISBOTE in seiner Ausgabe vom Mittwoch und im Internet veröffentlicht hatte. Sie stammten aus dem Grußwort von Oberbürgermeister Mathias Neuner beim IHK-Empfang am Montag. Woher denn diese Angaben kämen, wollte Steuer von Neuner wissen. Aus einer Broschüre der Stadt, antwortete der OB. Deren Inhalt war Steuer offenbar nicht zugetragen worden. Der OB versprach aber, ihm die Broschüre zu übergeben. Besser gesagt: sie ihm zuzutragen.

Lieber Herr Dr. Steuer, danke für diese Offenbarung. Ehrlich gesagt hatten auch wir schon den Eindruck, dass Sie die Presse nicht lesen. Und auch sonst nicht so viel von ihr halten. Zurufe wie „Nochmal langsam für die Presse“ hatten uns schon auf diese Spur gebracht. Merkwürdig eigentlich: Als Anwalt würden Sie in einer Verhandlung  nicht erklären, Sie hätten die Schriftsätze nicht studiert; das Gericht fände das nicht systemkonform.

Im politischen Diskurs, als Stadtrat, kann man mit dem Axiom „Ignoranz“ aber ebenso wenig brillieren. Es mag ja sein, dass Sie manches Informationsdefizit mit hoher Intelligenz und 20jähriger Stadtratserfahrung ausgleichen. Aber was in dieser Stadt vorgeht, was Bürger denken, was andere sagen und was die Menschen bewegt, das erschließt sich nicht durch In-sich-Gehen. Da muss man tatsächlich mal in eine Tages- oder eine Wochenzeitung schauen und auch ein Blick in den landsbergblog kann dazu nicht schaden. Medien sind für eine Demokratie „schlechthin konstitutiv“ hat das Bundesverfassungsgericht formuliert. Das war nicht abstrakt gemeint. Die Richter dachten dabei auch an Kommunalpolitiker wie Sie.

Dies gilt um so mehr, als wir so gerne mit Ihnen über Linien, Konzepte, Ideen und Visionen diskutieren würden. Heute Abend haben Sie doch wieder gezeigt, dass Sie eine Million Zahlen gut auf ein paar Grundsätze reduzieren können. Als andere das Detail sezierten, bewiesen Sie den Überblick. Das ist auch unser Anspruch. Lassen Sie uns doch gegenseitig ergänzen. Wir, die Journalisten, recherchieren und reportieren, analysieren und illustrieren. Und Sie machen was daraus. Das wäre eine Symbiose, die uns wohl gefiele. Deswegen appellieren wir: Bitte lassen Sie nicht lesen, bitte lesen Sie!

Aber wie erreichen wir Sie? Hallo, Zuträger, könnten Sie mal eben tätig werden? Wir wären dankbar dafür.

So geht Politik

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Jennifer Lübcke nach der Stadtratssitzung mit Oberbürgermeister Mathias Neuner. (Handy-) Foto: landsbergblog

Junge Erwachsene protestieren gegen das Gastspiel eines Zirkusses mit Wildtierdressur. Der aus elf gewählten Mitgliedern bestehende Jugendbeirat der Stadt greift diesen Protest auf. Er recherchiert, sammelt Fakten, erstellt eine Argumentation. Dann beschließt er einen Antrag an den Stadtrat: Die Widmung der öffentlichen Veranstaltungsplätze „Waitzinger  Wiese“ und „Schlüsselanger“ wird dahingehend geändert, dass Gastspiele von Zirkussen, welche Wildtiere mitführen und/oder zur Schau stellen, aus Gründen des Tierschutzes, künftig nicht mehr zugelassen werden.

Mitglieder des Jugendbeirats nehmen an der Stadtratssitzung teil. Sie warten fast zwei Stunden geduldig, bis ihr Thema, ganz zum Schluss, aufgerufen wird. Unter ihnen ist Jennifer Lübcke, die neben Ernst Müller, dem Ordnungsamtschef, Platz nehmen muss. Das ist der Mann, der gegen ihren Vorschlag ist. Das sind schon mal erschwerte Bedingungen.

Aber dann begründet sie den Antrag souverän. Und erntet damit nicht nur großen Respekt, sondern erreicht auch das Ziel. 14 von 21 anwesenden Stadträten stimmen zu. Das „Wildtierverbot“ ist beschlossen.

Lübcke und die anderen Mitglieder des Jugendbeirats zeigen damit allen: Nicht ärgern, nicht klagen, nicht resignieren: Von den Möglichkeiten Gebrauch machen, die die Demokratie bietet. So geht Politik. Klasse gemacht. Bitte mehr davon.

Dabei lagen sogar noch ein paar Steine auf dem Weg. Die Vorlage der Stadtverwaltung war nicht gerade durch Neutralität geprägt; dies kritisierten auch Stadträte in der Sitzung, ebenso wie zuvor der landsbergblog. Ernst Müller muss man freilich zugute halten, dass er heute das gesamte Beamtentum, das ihm sonst innewohnt, für eine halbe Stunde ad acta gelegt hat. Obwohl er nicht dafür sei, könne mit dem beantragten Beschluss durchaus leben – notfalls werde man auch eine Klage überstehen.

Bei diesem Punkt war das Klima im Sitzungssaal gegenüber den vorangegangenen Thema „Neuer Flächennutzungsplan“ übrigens komplett verändert. Die Stadträte hörten konzentriert zu, fragten sorgfältig nach und legten ihre Argumente respektvoll dar. Jeder erkannte die Bedeutung des Augenblicks. Es war ein würdiger Moment.

Jennifer Lübcke und die anderen Mitglieder des Beirats haben einem langen Tag ganz zum Schluss eine tolle Wendung gegeben. Die Stadträte jedenfalls verließen den Sitzungssaal an diesem Abend mit einem richtig guten Gefühl.

Die Versuchung „Schlagzeile“

In Zeiten des Internet hat sich der Kampf der Medien um Aufmerksamkeit verschärft. Das betrifft auch die Süddeutsche Zeitung (SZ), die in den letzten fünf Jahren 12,5 Prozent ihrer Auflage verloren hat (Q1/11 zu Q1/16, Quelle: Statista). Plakative Schlagzeilen sind da eine nahe liegende Versuchung. Davon machte die SZ auch in ihrer gestrigen Online-Ausgabe Gebrauch:

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Ausgangspunkt war die Verhandlung vor dem Oberlandesgericht München, die am Montag damit endete, dass der Senat zwar für den 28. November ein Urteil ankündigte, aber dringend einen Vergleich der beiden Parteien empfahl. Einen Bericht dazu finden Sie hier; mit einer Kommentierung lassen wir uns noch ein wenig Zeit.

Dass die Aussage „Landsberg hat sich verzockt“ nur Spekulation ist, hätte der Autor des Beitrags wissen können. Wer bei Google „Landsberg“ und „Derivate“ eingibt, stößt nahezu zwangsläufig auf den Beitrag „Ausreißer Doppelswap“ des landsbergblog vom 30. März 2016. Kurzgefasst stand dort: Ein Gutachten für die Staatsanwaltschaft Augsburg hat feststellt, dass die Zusammenarbeit zwischen dem Bankhaus Hauck und Aufhäuser und der Stadt jahrelang regelkonform war, bis die Beratungstochter der Bank völlig überraschend – als Ausreißer – einen gefährlichen „Doppelswap“ vorschlug.

Bis dato hatte die Stadt normale Zinsabsicherenungen vorgenommen, die von der Politik und der kommunalen Rechtsaufsicht generell als zulässig und sogar wünschbar angesehen wurden. Derivative Finanzierungsinstrumente „gestatten es, die Unwägbarkeiten bestimmter Zinsvereinbarungen anfänglich oder nachträglich einzugrenzen oder auch umgekehrt langfristige Bindungen im wirtschaftlichen Ergebnis kurzfristig anzunähern“, heißt es in einem Erlass des Bayerischen Innenministeriums aus dem Jahr 1999.

Allerdings ergäben sich klare rechtliche Schranken aus dem Spekulationsverbot. So sei den Kommunen untersagt, als Anbieter oder Nachfrager von Instrumenten aufzutreten, die von zugrunde liegenden Kreditgeschäften losgelöst sind. Derivate seien auch keine Geldanlageform – sie dürften nicht dazu dienen, unter Inkaufnahme von spekulativen Verlustrisiken Gewinne zu erzielen.

Legt man diese beiden Maßstäbe an die Vereinbarungen zwischen der Stadt und der Bank an, stellt man fest, dass die meisten Abschlüsse unproblematisch waren; die Voraussetzungen des Bayerischen Innenministeriums wurden dabei eingehalten. Die Verträge dienten tatsächlich der Absicherung der Zinsen konkreter Kreditgeschäfte. Allerdings versäumte die Kämmerei zuweilen, Absicherungen aufzulösen, wenn sie nicht mehr notwendig waren, so dass sie sich ab diesem Zeitpunkt wie Wetten auf steigende Zinsen auswirkten und in den Bereich der spekulativen Instrumente abglitten. Das ist aber nicht der Kern der Vorwürfe.

Wirklich problematisch waren nur sehr wenige Geschäfte und die kamen erst auf die Tagesordnung, nachdem die beiden Vertragspartner bereits drei Jahre zusammengearbeitet hatten. Ein einziger Vertrag im Juni 2008 brachte das größte Unheil für die Stadt; er führte zu einem Einzelverlust von rund fünf Millionen Euro.

Betrachtet man das Zustandekommen dieses Vertrages, erkennt man dabei viele ungewöhnliche Umstände. Die Stadt argumentiert, der Doppelswap sei „überfallartig“ verkauft worden; zwischen Angebot und Annahme hätten nur zwei Tage gelegen. Außerdem habe die Bank das Geschäft bewusst kompliziert konstruiert. Die Mitarbeiter der Bank hätten wohl verschleiern wollten, dass hier der doppelte Abschluss ein und desselben Geschäfts angestrebt werde, was das Risiko extrem erhöhe.

Informierte Kreise berichten, dass das Gutachten für die Staatsanwaltschaft Augsburg die Einschätzung des spekulativen, aber auch des singulären Charakters dieses Konstrukts bestätigt. Es sei „vollkommen aus dem Rahmen gefallen“, heißt es.

Dass die Bank bei diesem Doppelswap-Deal so aufs Tempo drückte, hat sie offenbar damit begründet, dass sie ein korrespondierendes Gegengeschäft mit einem anderen Geschäftspartner abgeschlossen hat, der Nutznießer der städtischen Verluste war. Ob die Kämmerei in diesen zwei Tagen einfach unaufmerksam war oder tatsächlich, wie die Bank unterstellt, nach dreijährigem „normalen“ Einsatz von Derivaten plötzlich auf „Hochrisiko“ umgeschaltet hat, ist ungeklärt.

Genau das wird gerade von der Staatsanwaltschaft geprüft. Sie ermittelt mit anderen Worten, ob sich der Kämmerer bei diesem Ausreißer Doppelswap „verzockt“ hat oder ob er nicht gewusst hat, was er in diesem konkreten Fall tat. Darauf kann auch die Süddeutsche Zeitung keine hellseherische Antwort haben. Deswegen ist die Überschrift reißerisch, vorverurteilend und fahrlässig. Man könnte auch sagen: Schlechter, boulevardesquer Journalismus. Auflagensteigernd ist das sicher nicht.

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Breitband (fast) überall

Es wird zwar wie ein großes Geheimnis behandelt. Aber es sieht so aus, als würde Landsberg in Sachen „Breitband-Internet“ einen Sprung nach vorne machen. Im Rahmen einer offiziellen „Markterkundung“ hat die Deutsche Telekom angekündigt, in der Kernstadt einen „eigenwirtschaftlichen Ausbau“ durchzuführen. Das würde bedeuten, dass dort, wo bisher sechs bis 16 Megabit pro Sekunde über die Kupferdoppelader ankommen, künftig mindestens 30 Megabit angeboten werden. Und zwar nach Angaben von Mitgliedern des Stadtrats, die (anders als wir) die Unterlagen einsehen durften, auch im Gewerbegebiet Lechwiesen, wo schnelles Internet sehnlichst erwartet wird. Das ist für heute Abend erst einmal eine gute Nachricht. Freilich bedarf das nun der Manifestierung. Darüber hat der Stadtrat in nichtöffentlicher Sitzung beraten; das Ergebnis ist uns zur Stunde nicht bekant.

Bei allen Maßnahmen zum Thema Breitband gibt es allerdings „Einödlagen“, die auf der Strecke bleiben. Meist sind dabei „Deckungslücken“ im Millionenbereich zu verzeichnen. Zwar würde die Stadt Landsberg 60 Prozent dieser Kosten erstattet bekommen. Allerdings müsste sie für wenige Haushalte tief in die Tasche greifen. Das hat der Stadtrat in nichtöffentlicher Sitzung heute Abend mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit abgelehnt. Wer durchs Rost gefallen ist, dem sei eine Suche nach Internet über Satellit empfohlen. Das funktioniert tatsächlich gar nicht schlecht, wenn man nicht gerade online spielen und den gegnerischen Panzer als erster treffen will.

Für alle anderen gilt: Wer keinen Kabelanschluss hat und auf die Telekom angewiesen ist, darf Hoffnung schöpfen. Der Fortschritt zieht auch in Landsberg ein.

Heit zahl i

Das Bayerische Fernsehen war heute Abend in Landsberg und hat aus der Eissporthalle live eine Folge von „Jetzt red i“ ausgestrahlt. Gäste waren Theo Waigel (CSU), Roland Tichy (früher: WirtschaftsWoche) und – zugeschaltet über Satellit – Alexander Graf Lambsdorff (FDP), der stellvertretende Präsident des Europäischen Parlaments.

jetztredi

Dass uns die Sendung bei den angerissenen Themen Milchquote, europaweite Ausschreibungen, Asylpolitik, Bankenkrise, EU-Kulturzuschüsse oder Engagement für die politische Notwendigkeit der Staatengemeinschaft weitergebracht hat, darf bezweifelt werden. 45 Minuten sind schnell vorbei, einige Fragen wirkten einstudiert und wurden aufgerufen, Nachfragen und Gegenargumente waren bis auf eine Ausnahme nicht möglich und so richtig umfassend antworten konnte niemand: Das Medium fordert seinen Tribut.

Vielen Zuschauern – übermäßigen Andrang gab es übrigens nicht – mag es Spaß gemacht haben, einmal an einer Live-Sendung des Fernsehens teilzunehmen. Diese Erfahrung wollen wir nicht trüben. Dennoch waren wir, obwohl in Sachen Fernsehen nicht ganz unerfahren, einigermaßen entsetzt darüber, was für einen Aufwand der Bayerische Rundfunk für eine Dreiviertelstunden-Sendung mit einstelliger Einschaltquote betreibt. Allein mit dem Aufbau des Rondells in der Eishalle müssen ziemlich viele Bühnenbauer beschäftigt gewesen sein. Rund um diese Arena waren Dutzende – wirklich Dutzende – von Mitarbeitern im Einsatz. Draußen vor der Halle standen zwei riesige Übertragungswagen, ein SNG (Satellite News Gathering-Fahrzeug), mehrere LKW und Kombis, die Tonnen von Equipment nach Landsberg gebracht haben müssen. Mehrere Kameras, Licht, Ton, Maske, Assistenz, Aufnahmeleitung – wir haben Berufe wiederentdeckt, die wir im Fernsehen seit 1980 ausgestorben glaubten.

Redi2

Rund neun Euro Rundfunkbeitrag erhält der Bayerische Rundfunk pro Monat von jedem bayerischen Fernsehhaushalt. Das summiert sich auf eine Milliarde Euro pro Jahr. Wenn der BR für solche Sendungen mit begrenztem Nutzen und programmierter Oberflächlichkeit derartig viel Aufwand betreibt, wundert es uns nicht, wenn die Anstalten behaupten, das Geld reiche nicht. Uns jedenfalls fiel während „Jetzt red i“ immer wieder „heit zahl i“ ein. Dieser begrenzte Fernsehgenuss hat richtig Geld gekostet.

Und noch etwas zum Schluss, aber das ist jetzt wirklich so was von kleinlich: Angesichts des enormen redaktionellen Aufwands, den der BR im Vorfeld betrieben hatte, hätte man doch eigentlich feststellen können, dass Landsberg nicht 20.000 Einwohner hat. Aber: Ist das nicht deutlich zu viel verlangt?

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Jetzt red i aus Landsberg

Tilmann Schöberl und Franziska Storz diskutieren mit Ihnen in der Sendung Jetzt red i am Mittwoch, dem 13. Juli, in der Eissporthalle am Hungerbachweg über das Thema: Frust in Europa: Was muss sich ändern? Gast ist unter anderem der ehemalige Bundesfinanzminister Theo Waigel (CSU). 

Der Brexit hat dramatische Folgen – nicht nur für die Wirtschaft. Die Unzufriedenheit mit den Politikern in Brüssel wird in den einzelnen EU-Staaten immer lauter. Klar ist: So kann es nicht weitergehen, schreibt der Bayerische Rundfunk dazu in einer Pressemitteilung. Die Liste der EU-Frustrierten sei lang. Abstruse Verordnungen wie Glühbirnenverbot oder Ölfläschchenparagraph – die EU mische sich in beinahe sämtliche Alltagsbelange ein. Ob Handwerksbetriebe oder Gemeinden, beim Beantragen von Fördergeldern kämpften viele mit dem Bürokratiemonster. Bei wichtigen politischen Themen wie der Flüchtlingsfrage oder der Agrarpolitik versage die EU hingegen. Nach einer aktuellen Emnid-Umfrage sprächen sich 62 Prozent der Deutschen dafür aus, dass die EU Zuständigkeiten an die Mitgliedsstaaten zurückgeben solle. Das werde auch in anderen Ländern so gesehen. „Das Vertrauen in Brüssel und Straßburg ist tief erschüttert.“

Der Euro-Vater Theo Waigel (CSU) habe dazu kürzlich gesagt: „Bei diesen unaufhörlichen Konferenzen in Brüssel haben die Menschen den Eindruck, dass das Kerosin-Vernichtungsveranstaltungen sind. Da muss man auch mal etwas delegieren statt einen Sondergipfel nach dem anderen einzuberufen, bei denen dann nichts rauskommt. Das hat zur Missstimmung gegenüber Europa geführt.“

Was erwarten die Bürger von einer funktionierenden EU? Hat der Geist von Europa noch eine Chance? Oder siegt Egoismus über Wertegemeinschaft? Was müssen unsere Abgeordneten aus dem Brexit lernen? Denn eines ist klar: Weitermachen wie bisher geht jedenfalls nicht, meint der BR.

Einlass: 19.15 Uhr, Sendungsbeginn: 20.15 Uhr. Kostenlose Karten reservieren Sie via E-Mail an jetztredi@br.de oder unter 089/5900-25299 (Montag – Freitag von 9:00 bis 17:00). Sie können sich auch online an der Diskussion beteiligen. Sagen Sie dem BR Ihre Meinung unter www.facebook.com/BR24 oder schreiben Sie eine Mail an jetztredi@br.de.

Mafiosi in Landsberg

Ab morgen dreht die Goldkind Filmproduktion aus München in Landsberg den Kinofilm „Maria Mafiosi“. Drehbuch und Regie verantwortet Jule Ronstedt (45), die sich als Schauspielerin vor allem in Krminalserien von BR, RTL und ZDF einen Namen gemacht hat. Die Hauptrolle der Komödie, die vom Bayerischen FilmFernsehFonds gefördert wird, spielt Lisa Maria Potthoff („Dampfnudelblues“. „Wer’s glaubt, wird selig“, „Männer wie wir“, „Sommer der Gaukler“).

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Schauspielerin Lisa Maria Potthoff. Foto: Monic Schmidtheiny

Maria Moosandl ist Polizistin in Landsberg am Lech, genau wie ihr Vater. Rocco ist Mafioso, zwar widerwillig, aber auch wie sein Vater. Manchmal fällt die Liebe genau dahin, wo´s kompliziert wird. Hier sind Probleme in der Familienzusammenführung vorprogrammiert, zumal Maria bereits hochschwanger ist und erst langsam erahnt, welches Doppelleben ihr Rocco eigentlich führt. Das Vertrauen ist getrübt. Zwei Leichen säumen den schwierigen Weg zueinander, während die Schwiegerväter bereits mehr verbindet, als nur das gemeinsame Enkelkind. Eine skurrile, bayerische Mafia-Komödie, in der familiäre Verwicklungen, verflochten mit lokalpolitischen Interessen und kriminellen Machenschaften, auf die Spitze getrieben werden.

Drehorte sind die Alte Bergstraße, der Parkplatz am Mutterturm (südliche Hälfte), die Von-Kühlmann-Straße (südlicher Teil) und die Karolinenbrücke. Außerdem die Straßen Vorderer Anger (nördlicher Teil), die Alte Bergstraße vor dem Bayertor, die Malteserstraße (nördlicher Teil beidseitig und vor Agrarbildungszentrum), die Von-Helfenstein-Gasse mit der Westseite des Heilig-Geist-Spitals, der Hintere Anger (nördlicher Bereich) und der Hauptplatz (nördlicher Bereich).

Bitte hier unterschreiben!

Die Stadtwerke Landsberg verlegen nach und nach Glasfaserkabel, um die an vielen Stellen unbefriedigende Versorgung mit schnellem Internet zu verbessern. Aktuelles Projekt ist die Erschließung der Altöttinger Straße, wo ohnehin Kanalarbeiten stattfinden. Allerdings geht das Kommunalunternehmen dabei nicht sehr überzeugend vor – ein Anschreiben an die Anwohner mit kurzer Fristsetzung enthält nur einen einzigen Satz, warum sie zwischen 600 und 1.300 Euro für ein leeres Kabel ausgeben sollen.

Da sind sich weltweit alle Experten einig: Wer einen Glasfaseranschluss im Haus hat, ist für die Zukunft optimal gerüstet. Der Lichtwellenleiter ermöglicht nicht nur rasend schnelles Internet, sondern trägt auch der Tatsache Rechnung, dass immer mehr Menschen Fernsehen und Videos individuell abrufen. Netflix, Amazon Prime, die Mediatheken von ARD oder RTL und Dienste wie Sky on demand sind schon heute unübersehbare Vorboten einer veränderten Mediennutzung.

Auch die Verbände der Wohnungswirtschaft raten Bauträgern und Eigenheimbesitzern dazu, zuzugreifen, wenn die Landkreise oder Städte einen Glasfaseranschluss in den Varianten FTTB (fibre to the building) oder FTTH (fibre to the home) anbieten. Dies gilt insbesondere, wenn die Kommunen oder Stadtwerke wie in Landsberg die Netze selbst bauen und an das jeweils günstigste Telekommunikations-Unternehmen verpachten. Bei einem Verkauf oder einer Vermietung des Wohnobjekts ist dadurch sichergestellt, dass die Anforderungen an die „Konnektivität“ der Wohnung oder des Hauses erfüllt sind, selbst wenn sich Nutzer im konkreten Fall für einen anderen Internet-Provider in einem anderen Netz entscheiden. „Abgehängt werden“ kann dieses Objekt jedenfalls nicht mehr.

Nachhaltige Aufwertung

Wer all das nicht weiß, ist in Landsberg allerdings auf den einen Satz angewiesen, mit dem die Stadtwerke hoffen, 40 Prozent der Haushalte in der Altöttinger Straße für den Lichtwellenleiter begeistern zu können. Er lautet: „Der Anschluss an das Glasfasernetz wertet Ihr Gebäude nachhaltig auf und rüstet Sie für die multimediale Zukunft“.
Solch reduzierte Erklärungen wären ja noch hinnehmbar, wenn die Stadtwerke mit Broschüren oder Info-Ständen für das „Gemeinschaftsprojekt Glasfaser“ werben würden. Doch das Schreiben enthält außer einer Ermutigung, persönlich im Kundencenter in der Epfenhauser Straße vorzusprechen, keinen Hinweis darauf. Im Gegenteil: Bis Ende Mai erwartet das Kommunalunternehmen bereits den schriftlichen und verbindlichen Auftrag der Hauseigentümer oder Eigentümergemeinschaften. Und es lässt keinen Zweifel daran: Wenn die 40 Prozent „Anschlussgrad“ nicht erreicht werden, findet das Projekt insgesamt nicht statt. Also: Bitte hier unterschreiben, und zwar schnell.

60 Megabit, 60 Euro

Die Erfolgsaussicht dieses Vorgehen wird noch dadurch vermindert, dass die Stadtwerke nicht nur das Netz (die „unbeschaltete“ Glasfaser), sondern zugleich auch die Nutzung (den Internetzugang) anbieten, obwohl der Netzanschluss auch ohne aktuelle Nutzung bestellt werden kann. Dazu übermitteln die Stadtwerke in ihrem Schreiben ein Angebot des Providers SmartONE aus dem Markt Wiggensbach im Landkreis Oberallgäu, der die Leitungen der Stadtwerke offenbar für eine gewisse Zeit nutzen darf.

So begrüßenswert es ist, dass hier ein regionaler Anbieter aus der Nachbarschaft im Boot ist – die erklärungslose Kopplung der beiden Angebote verleitet Hausbesitzer und Eigentümer zu dem Gedanken: Ich habe bereits einen Internet-Zugang, ich brauche daher keine Glasfaser.

Begünstigt wird dieser Gedanke durch die Tarife von SmartONE. Wer einen 30 Megabit-Anschluss über den Provider buchen möchte, zahlt mit Telefonie monatlich 50 Euro. Für 60 Megabit ruft SmartOne 60 Euro auf. Hinzu kommt noch eine einmalige Anschlussgebühr in Höhe von 50 Euro; dafür gibt es dann keine Mindestlaufzeit.

Kabel ist günstiger

Für solche Tarife muss der bisherige Leidensdruck ziemlich hoch sein. Er ist sicher dort gegeben, wo es noch überhaupt kein schnelles Internet gibt, etwa im ländlichen Raum. In der Altöttinger Straße bietet die Telekom aber immerhin DSL mit 16 Megabit für etwas über 30 Euro an. Zwar ist das nur ein nomineller Wert; eine Messung in einem Mehrfamilienhaus ergab, dass nur acht Megabit erzielbar waren. Dennoch wird zumindest einigen bisherigen Telekom-Kunden der bestehende Vertrag reichen.

Vergleicht man das SmartOne-Angebot mit dem von Vodafone Kabel Deutschland, sieht es sogar noch ungünstiger aus. Ignoriert man alle Neukundenvorteile, sind dort für 200 Megabit monatlich nur 40 Euro zu zahlen. Allerdings gibt es auch in der Altöttinger Straße einige Häuser, in denen Bauträger oder Bauherren den Kabel-Fernsehanschluss abgelehnt haben, so dass er jetzt als Kabel-Internetanschluss fehlt. Außerdem wird das von Kabel Deutschland genutzte Kupferkoaxialkabel langfristig durch die Glasfaser abgelöst. Wer garantiert, dass der Konzern dann den Internet-Zugang in der Altöttinger Straße zu ähnlichen Tarifen weiterführt?

Nur eine Chance

Branchenexperten sagen: Wenn sich eine Investition in ein Gebäude lohnt, dann ist es die Glasfaser – selbst wenn man aktuell keinen Bedarf nach mehr Bandbreite hat und mit seinem derzeitigen Anbieter zufrieden ist. Im Verhältnis zu den Kosten einer Dämmung oder einer anderen Modernisierung bekommt man die Glasfaser auch zu einem sehr niedrigen Preis.

Die Stadtwerke machen sich die Sache unnötig schwer, wenn sie die Vorteile nicht deutlich beim Namen nennen und glauben, Briefe an die Eigentümer reichten aus. Außerdem sollten sie stärker auf die Trennung von Netz und Nutzung hinweisen. Auch wenn man momentan keinen Bedarf nach mehr Bandbreite hat, es gibt nur ein einziges Mal die Chance, den Lichtwellenleiter der Stadtwerke ins Haus zu bekommen – und das ist genau jetzt.

Der Beitrag erscheint auch im KREISBOTEN.

Aprilscherz erkannt

Die Reaktionen reichten von „Gar keine schlechte Idee“ bis „Welch absurde Vorstellung“. Eines hatten diejenigen, die uns gestern schrieben, aber gemeinsam: Alle hatte den Aprilscherz erkannt. Die „Suche Anschluss“- und „Biete Anschluss“-Buttons gibt es nicht. Dies bedeutet freilich auch, dass der Besuch von Markus Söder in Landsberg so wirklich Spannendes nicht generiert hat. Aber er war ja auch nur auf der Durchreise.