Die Dinge in Angriff nehmen

Die Sanierung der Schloßberggarage braucht flankierende Maßnahmen

Ein Kommentar von Susanne Greiner und Werner Lauff
(aus der gedruckten Ausgabe des heutigen KREISBOTEN)


Die Schloßberggarage muss saniert werden. Das ist für niemanden eine gute Nachricht. Nicht für die Stadtwerke, die alte Parkdecks abschreiben, Sanierungskosten tragen und Einnahmeausfälle verkraften müssen. Nicht für die Besucher, von denen man verlangt, sich umzuorientieren und längere Wege zurückzulegen. Nicht für die Angestellten, die in der Altstadt ihren Arbeitsplatz haben und nun schauen müssen, wie sie dorthin kommen. Und nicht für die Altstadtbewohner, die ihr Auto ein Jahr lang im Landsberger Osten abstellen sollen, womit es nur noch eingeschränkt nutzbar ist.

Die Maßnahme selbst ist unaufschiebbar. Die angedachte Alternative, die Sanierung in zwei Jahren durchzuführen, um wenigstens 30 bis 40 der insgesamt rund 350 Parkplätze erhalten zu können, ist unverhältnismäßig und auch nicht ganz ungefährlich. Das hat der Verwaltungsrat der Stadtwerke unter Einbeziehung der externen Mitglieder geprüft und bestätigt.

Hidden champion

In Sachen „Besucher“ ist man schon recht weit. Die Stadt öffnet den „Überlauf“ der Waitzinger Wiese und schafft damit dreimal so viel Parkplätze für Kurzparker wie durch die Schließung der Schloßberggarage wegfallen. Die Stadtwerke beauftragen eine Agentur, um die neuen Wege zum Parken rechtzeitig und großräumig bekanntzumachen.

Einzelhändlerin Monika Bigus (siehe Artikel auf dieser Seite) hat Recht: Auch allgemein vertretbare Wege können für manche Besucher beschwerlich sein. Zur Waitzinger Wiese etwas zu transportieren macht Mühe. Und dort, im Freien, werden Schnee und Eis wieder zum Thema. Dennoch spricht Bigus von einer „zumutbaren Zumutung“. Wenn denn die Kampagne eher positiv ausfällt (also nicht verkündet: Achtung, Sperrung!) und man sich zudem Marketingaktionen einfallen lässt, könnten sich die Folgen in Grenzen halten.

Am Ende wird die Waitzinger Wiese vielleicht sogar vom „hidden champion“ zu einer ersten Adresse: 500 Meter von der Altstadt entfernt gibt es einen großen Parkplatz, auf dem man nur 50 Cent für vier Stunden Parken bezahlt – das macht viele Besuche in Landsberg möglich und lässt längere Verweildauern zu.

Die Prozesse ermitteln

Auch für die 116 Nachtparker ist inzwischen gesorgt; sie können Stellplätze in der Lechgarage nutzen. Der Zeitverzug zwischen der Bekanntgabe der Sperrung und der Präsentation dieser Lösung weist aber bereits auf ein tiefgreifendes Problem hin.

Wenn Unternehmen, Behörden oder soziale Einrichtungen vor einem solchen Bauvorhaben stehen, analysieren sie zunächst sämtliche „Prozesse“. Sie fragen, wer zu welchem Zeitpunkt und aus welchem Grund normalerweise ein Fahrzeug benutzt, und versuchen, dieses alltägliche Leben so gut wie möglich auch in der Sondersituation „Garagensperrung“ abzubilden. Dass die Stadtverwaltung und die Stadtwerke ähnlich vorgegangen sind, ist nicht erkennbar.

Welche „Prozesse“ finden beispielsweise bei den Altstadtbewohnern statt? Wie bringen sie ihre Kinder in die Kita? Wie holen sie sich einen Kasten Wasser? Wie kommen sie zu einem Biomarkt? Wer da 2017 und 2018 vergleicht, erkennt erhebliche Probleme. Sollen Bewohner künftig tatsächlich mit einem Bus zum Parkplatz im Osten fahren, dort in ihr Auto steigen, einkaufen, die Waren zu ihrer Wohnung bringen, dann wieder in den Osten fahren und den Bus zurück nehmen? Und überhaupt: Was ist das für ein Bus? Was kostet er? Wie lange und wie oft wird er im Einsatz sein?

Für solche Fälle und die vielen anderen Wege, die bei einer Sperrung der Garage zu Problemen führen, könnten Vertreter der Stadt, der Stadtwerke und der Anwohner gemeinsame Lösungen, flankierende Maßnahmen finden. Warum macht man nicht für ein Jahr einen Rahmenvertrag mit einem Getränkehändler, der die Altstadtbewohner ohne Aufpreis beliefert? Wie wäre es mit einem Bestell- und Abholdienst für Lebensmittel? Kommt nicht vielleicht ein Abkommen mit den Taxiunternehmen in Frage, eine Art Anrufsondertaxi für Altstadtbewohner, die schnell zu einem Ziel müssen? Nachfragen des KREISBOTEN zeigen: So etwas ließe sich durchaus organisieren, man muss die Dinge nur in Angriff nehmen.

Miteinander reden

Die Stadtwerke Landsberg wären daher zunächst einmal gut beraten, eine Mieterversammlung durchzuführen – sie kennen ja alle 291 natürliche und juristische Personen, die die Garage als Dauerparker nutzen. Hier könnten Informationen aus erster Hand gegeben werden. Aus dieser Versammlung heraus könnte man dann ein kleineres Gremium bilden, in dem Einzelhändler, Ärzte, Apotheker, freie Berufe, Dienstleister und Anwohner repräsentiert sind.

Beim Dialog mit den Einzelhändlern und ihren Kunden in Sachen „Kurzparken“ wird die Sache schwieriger. Eine Kundenorganisation gibt es naturgemäß nicht. Aber auch die Einzelhändler haben es bislang nicht geschafft, ein Sprechergremium zu bilden.

Das wäre aber dringend erforderlich. Als der Stadtrat vor wenigen Wochen beschloss, Vorschläge zur Form einer Bürgerbeteiligung zum Thema Vorder- und Hinteranger einzuholen, reagierten viele Händler alarmiert und unterstellten, die Stadt würde ihnen Konzepte vorenthalten, einige drohten bereits mit Geschäftsaufgabe. Auch jetzt hat sich offenbar wieder viel angestaut, wie man aus Reaktionen ablesen kann. Viele Händler sehen die Stadtverwaltung als Hindernis. Das will sie aber nicht sein.

Auch mit Einzelhändlern sollten die Stadtwerke zwar eine Informationsveranstaltung durchführen. Letztlich muss es aber dem Stadtrat und der Stadtverwaltung darum gehen, langfristig Vertrauen aufzubauen und kurze Wege zu schaffen, damit es nicht, wenn etwas zu besprechen ist, immer gleich zur Explosion kommt. Es wäre gut, wenn der Stadtrat dieses Ziel auf seine Agenda setzt.


 

Advertisements

Wieder süddeutsch

Es war ein Wochenende der Extraklasse. Ein Stadtfest (auf dem Hauptplatz unter der Regie der Stadt Landsberg), das so gut besucht war, dass es an seine Grenzen stieß. Eine Gospel-Performance (in der Montessori-Schule unter Regie von Charles Logan), die manifestierte, dass die Kraft der Musik von Jugend an lebensbegleitend sein kann. Vor allem aber: Ein Töpfermarkt (unter der Regie von Stadtrat Hans-Jürgen Schulmeister, Berater Harald Busse und Marktleiter Christoph Zerle), der künstlerisch so überragende Qualität bot, dass man sich um seine Zukunft nicht sorgen muss.

Er ist wirklich wieder „süddeutsch“, dieser Töpfermarkt; er setzt Maßstäbe. Der Stadt und ihren Beratern ist es gelungen, hochwertige, anspruchsvolle und künstlerisch bedeutsame Exponate nach Landsberg zu holen. „Exponate“ ist natürlich das falsche Wort, ebenso wie „Aussteller“ nicht stimmig ist. Es ist ein Markt; uns haben Fieranten besucht; es kamen Verkäufer in die Stadt. Aber die vielfach registrierte Wortwahl zeigt: Wir haben ein Niveau erreicht, um das sich andere Städte vergeblich bemühen.

Dazu kam die Leichtigkeit des Seins; die Stadt hat die Fieranten zurecht hofiert. „Man hat uns zum Frühstück mit Brezen versorgt“, hörten wir. „Abends saßen wir noch am Lech zusammen“. „Die Stadt hat tolle Musik bestellt“. „Die Werbung für den Markt war hervorragend“. „Der Töpfermarkt ist sehr gut organisiert“. Ähnlich Positives hätte man vor einigen Jahren nicht gehört. Fast alle, die 2017 einen Stand gemietet haben, wollen wiederkommen. Fast alle werden den Markt weiterempfehlen. Sie fahren in ihre Ateliers und Werkstätten mit einer guten Erinnerung an Landsberg am Lech zurück.

Vor dem Hintergrund des Lechwehrs, am Eingang zur Altstadt, ist der Töpfermarkt inzwischen auch an der richtigen Stelle angekommen. Es war ein kurzer Weg für die Fieranten, aber ein wichtiger Weg für den Erfolg.

Märkte schaffen Miteinander. Sie generieren eine gemeinsame Agenda. Die Stadt ist dazu auf dem richtigen Weg. Der Töpfermarkt 2017 war ein Meilenstein. Bitte weiter so!

Landsberg unter der Lupe

In der fünfteiligen KREISBOTEN-Serie „Landsberg unter der Lupe“ hat Werner Lauff in den vergangenen Wochen analysiert, welche aktuellen Herausforderungen der Stadtrat und die Stadtverwaltung in Landsberg bewältigt haben und welche noch zu lösen sind. Im Fokus standen dabei die Stadt- und Regionalplanung (Folge 1 in der Internet-Fassung des KREISBOTEN), Wirtschaft und Finanzen (Folge 2), die Infrastruktur (Folge 3), Soziales (Folge 4) sowie Altstadt, Tourismus und Kultur (Folge 5). Der letzte Beitrag erscheint in der morgigen Printausgabe. Wenn Sie etwas davon verpasst haben: Hier finden Sie alle fünf Folgen am Stück.


Stadt- und Regionalplanung


Da mag man Wachstum mögen oder nicht – es ist in Landsberg unvermeidlich. Viele Unternehmen in der Lechstadt und dem Landkreis haben Erfolg und expandieren. Und mit der Konversion des Fliegerhorstes Penzing ergibt sich die Chance für ein neues wirtschaftliches Aktionsfeld, das viele weitere Arbeitsplätze schafft. Folglich muss in Landsberg immer mehr Wohnraum entstehen. Doch damit nicht genug: Ist dieser Wohnraum auf der Skala von „einfach“ bis „Luxus“ aufgefächert genug, ist er auch für Münchener attraktiv, die sich die Landeshauptstadt nicht mehr leisten wollen. Damit schaukelt sich Landsberg einwohnermäßig in den nächsten Jahren hoch. Eine Herausforderung, auf die die Politik jetzt reagiert.

Im Juni 2013 war es noch ein Schock: Landsberg rutschte aufgrund des „Zensus 2011“ kurzzeitig unter 27.000 Einwohner. Die Broschüren, in denen von 28.000 Einwohnern die Rede war, mussten wieder in die Setzerei. Das ist längst Schnee von gestern: Seit einigen Tagen hat die Große Kreisstadt die Marke von 29.000 Einwohnern überschritten. Das ist ein Plus von über 2.000 Einwohnern in fünf Jahren. Rechnet man das hoch, werden 2026 mindestens 33.000 Menschen in der Lechstadt beheimatet sein.

Diese Entwicklung zeichnete sich bereits ab, als der derzeitige Stadtrat im Jahr 2014 in sein Amt kam. Wohnungsbau war da eine vordringliche Angelegenheit. Stark steigende Immobilienpreise verdeutlichten den Mangel ebenso wie lange Wartelisten auf Sozialwohnungen. Hinzu kam, dass der Markt für Kaufimmobilien aufgrund der Finanzkrise kaum noch existent war. Der einzige Ausweg schien die Verdichtung zu sein, das Hineinpressen von Wohnraum in vorhandene planerische Strukturen. Allerdings können sich weder der Stadtrat noch die Verwaltung damit wirklich anfreunden. Zuletzt lehnte der Bau-, Planungs- und Umweltausschuss des Gremiums das „übermäßige“ Füllen einer Baulücke am Hopfengarten einstimmig ab. Das war mehr als eine Einzelfallentscheidung; es war ein Signal.

Inzwischen hat der Stadtrat – teils öffentlich durch Aufstellungsbeschlüsse für Bebauungspläne, teils nichtöffentlich durch vorbereitende Maßnahmen wie Grundstückskäufe – neun neue Wohnquartiere konzipiert, die insgesamt bis zu 5.000 zusätzliche Wohnungen schaffen. Grundlage dafür sind die spezifisch für Landsberg erstellten Prognosen des Nürnberger Büros für Stadtentwicklung „Planwerk“. Dessen neueste Studien liegen gerade auf dem Schreibtisch von Oberbürgermeister Mathias Neuner; sie sollen nach der Sommerpause dem Stadtrat vorgestellt werden. Die Gutachten umfassen zum einen Berechnungen über die Schülerzahlen in den Grund- und Mittelschulen, enthalten in einem zweiten Papier aber auch Angaben zum Wohnbedarf. Wie viele Wohnungen werden benötigt? Welchen Zuschnitt sollten sie haben? Welcher Flächenbedarf besteht jetzt und in Zukunft pro Person?

ll_wl_stadtplanung

Stadtrat und Verwaltung orientieren sich an solchen Prognosen, weil sie weder zu wenig noch zu viel Wohnraum schaffen wollen. Beides hätte negative Auswirkungen. Zu wenig Wohnraum führt zu hohen Preisen. Zu viel Wohnraum führt zum Preisverfall und dann zum Ausbluten weniger attraktiver Gebiete innerhalb der Stadt.

Von den neuen Projekten ist das inzwischen auch überregional Aufmerksamkeit erregende „Urbane Leben am Papierbach“ auf dem Gelände der ehemaligen Pflugfabrik am weitesten fortgeschritten. Es ist für die Stadt in dreifacher Hinsicht ein Glücksfall. Zum einen ist es Pflugfabrik-Besitzer Heinz Pöttinger gelungen, einen Projektentwickler zu finden, der nicht einfach kommt, baut, verkauft und wieder geht, sondern nachhaltig plant und in Landsberg bleibt. Im Grunde ist ehret + klein aus Starnberg keine Immobilienfirma, sondern ein Unternehmen zur Verwaltung großer Vermögen. Zwar werden Michael Ehret und Stefan Klein viele Grundstücke und Gebäude weiterveräußern; sie behalten aber auch Teile und sind damit dauerhaft auf dem Areal präsent.

Der zweite Glücksfall besteht darin, dass ehret + klein die Zeichen der Zeit erkannt hat. Dazu gehört es, nicht erneut Wohngebiete ohne Einkaufsmöglichkeit, ohne Kultur, ohne Achse und ohne Identität zu bauen, wie die Stadt Landsberg es an den Oberen Wiesen getan hat. Dazu gehört auch, Bürger und ihre Interessen, aber auch ihre Sprachrohre, ernst zu nehmen. Insofern hat die Pflugfabrik für Landsberg Maßstäbe gesetzt – die Gefahr des Rückfalls in die Reißbrett-Zeit ist eher gering.

Dritter Punkt: Mit dem „urbanen Leben“ kam auch SoBoN in die Stadt, die soziale Bodennutzung. Wenn ein Nicht-Baugebiet zum Baugebiet wird, müssen dort „auch“ Sozialwohnungen entstehen. Wohlgemerkt: Nicht „nur“ Sozialwohnungen, denn das würde zu Effekten wie in den Vororten von Paris führen – Ziel ist die Durchmischung. An der von-Kühlmann-Straße wird es sündhaft teure Penthouses mit Dachterrassen geben, aber eben auch erschwingliche Wohnungen mit eher bescheidenem Balkon. SoBoN ist seit der Pflugfabrik für Landsberg Maßstab und Konzept – inzwischen wird die Richtlinie sogar schon dort angewendet, wo sie gar nicht greift (zum Beispiel am Schongauer Dreieck, also dem Danziger Platz). Der zweite Effekt von SoBoN besteht in der geregelten Abschöpfung. Unter Abschöpfung versteht man die Beteiligung der Stadt an den Gewinnen, die das Baurecht mit sich bringt. Die ist nun einerseits gerichtsfest legitimiert, gleichzeitig aber auch begrenzt und kanalisiert. Die Zeit des Kuhhandels ist damit vorbei.

Kaum jemand hat damit gerechnet, dass die Pflugfabrik in absehbarer Zeit zum Wohnquartier werden würde. Ebenso wenig schien eine Lösung für die Freistaat-Enklaven in Landsberg in Sicht: Bayern besaß nördlich der Justizvollzugsanstalt und westlich der Ahornallee, also jeweils in guter Lage, große Grundstücke und ließ sie brachliegen.

Dass die Pfettenstraße nun überplant wird (dort ist ein Anteil von 40 Prozent Sozialwohnungen ins Auge gefasst) und die Konzeption des Bereichs Ahornallee bald beginnen kann, ist auf zwei Einflüsse zurückzuführen. Zum einen hat Oberbürgermeister Mathias Neuner bei einer der regelmäßigen Konferenzen des bayerischen Ministerpräsidenten mit den Stadtchefs deutlich auf die Brache hingewiesen. Zum anderen war der Freistaat mit seiner Baugesellschaft IMBY plötzlich drauf und dran, auf den beiden Arealen Asylunterkünfte zu errichten und sie somit für die langfristige Nutzung der Landsberger Bürger zu „sperren“. Die Stadt hat dagegen protestiert und eine Einigung erzielt. Nun werden die Gebiete bebaut und stehen allen Wohnungssuchenden zur Verfügung.

Acht von den neun Wohngebieten unterschiedlicher Größe finden sich im Landsberger Westen; dies wird bei der Diskussion darüber, wo Krippenplätze entstehen sollen, noch eine Rolle spielen. Ein umfangreicheres Gebiet ist für den Osten geplant: Dort vereint die Stadt zurzeit eigene und private Grundstücke, um das Baugebiet „Reischer Talweg“ entstehen zu lassen. Auch dabei ist eine Durchmischung geplant – „Eigenheimnutzer“ und Bewohner von Mehrfamilienhäusern sollen nah beieinander wohnen. Freilich geht die Tendenz eher in Richtung „Eigenheim“, ebenso wie an der Bürgermeister-Dr.-Hartmann-Straße südlich des Krankenhauses und an der Erpftinger Straße gegenüber der Firma Dittel. Letztlich kommt es Stadtrat und Verwaltung darauf an, alle Segmente des Wohnens abzudecken. Ein Geschosswohnungsbau (Ulrichswerk, wbl, Sozialwohnungen der Stadt) an der Schongauer Straße erlaubt dann eben auch mal den Neubau von Einfamilienhäusern anderswo.

So logisch diese Politik sein mag; sie ist auch ein Chamäleon. Sie befriedigt Nachfrage aus der Stadt und schafft gleichzeitig Nachfrage von außen. Manch anderer Ort in der Metropolregion München hat vor dem zweiten Aspekt Angst, tritt auf die Bremse und lehnt neue Bauvorhaben ab. In Landsberg ist die Sache anders: Der Großteil des Wachstums kommt aus der Stadt selbst. Immerhin ist Landsberg eine Einpendlerstadt – es kommen morgens mehr Menschen in die Stadt hinein als aus der Stadt herausfahren. Oberbürgermeister Mathias Neuner formulierte es so: „Wir bauen nicht, um Menschen aus München anzulocken; wir wollen keine Bettenburg der Landeshauptstadt werden. Wir halten aber mit den Unternehmen Schritt und sagen neuen Firmen: Landsberg hat die Infrastruktur, die Sie brauchen“.

Es gibt aber auch noch völlig unklare Baustellen: Was geschieht mit der Bosse-Wiese? Wie kann man das Schulgebäude an der Pössinger Straße erweitern – da sind doch eingewachsene Kleingärten? Was geschieht mit der Schlossbergschule? Dabei hängt alles mit allem zusammen: Die Finanzlage der Stadt mit der Kreisumlage, die Kreisumlage mit den Plänen zum Neubau eines Gebäudes des Landratsamtes und die Neubaupläne mit der Nutzung des bislang unbefestigten Parkplatzes am Schlüsselanger. Die Erweiterung der Grundschulen hängt von der Nutzungsänderung des Schlossbergs ab und der Frage, ob dort ein Hotel entsteht. Wer heute Mitglied im Stadtrat ist, der muss Visionen haben, muss mit Gebäuden und Nutzungen im Kopf jonglieren. Wie sieht künftig unser Stadtmuseum aus und wo gehört es hin? Hat die Volkshochschule genug Entwicklungspotential? Wo ist demnächst unser Stadtarchiv, wo das Museumsdepot?

Aber es wird noch komplizierter als bisher erkennbar war: Keine der Bevölkerungsprognosen berücksichtigt die wohnungspolitischen Effekte der Arbeitsplätze, die in Penzing auf dem Gelände des Fliegerhorstes entstehen könnten. Zwar wird nicht jeder, der dort eine Tätigkeit ausübt, nach Landsberg ziehen; aber ein großer Teil wird die Vorteile des Oberzentrums mit seinen kulturellen Einrichtungen, seinen Geschäften und seiner Gastronomie, seiner Verkehrs-Infrastruktur und seinem Freizeitwert gerne in Anspruch nehmen.

Was kommt nach Penzing? Fest steht bislang nur: Die Gemeinde Penzing und die Stadt müssen sich darauf verständigen, denn Teile des Gebiets gehören Landsberg. In Landsberg gibt es klare Visionen: Moderne forschende Industrie könnte sich dort niederlassen und die Infrastruktur, auch das Flugfeld, nutzen. Nicht zuletzt für den shooting star „3C Carbon“ wäre das eine Option – ist man dort nicht gerade auf der Suche nach einer Produktionsstätte für das Mega-Motorrad „Horex“? Es ist eine Floskel, aber: Auf die Entwicklung in Penzing darf man wirklich gespannt sein.

Der Stadtrat wird also in den nächsten Jahren noch eine Menge in Sachen „Stadt- und Regionalplanung“ zu tun haben. Es gilt, Wachstum zu planen und gleichzeitig den Charakter Landsbergs zu erhalten. Geht es mit dem Zuzug so weiter, dann kommt allerdings bald Verstärkung. Nach der Bayerischen Gemeindeordnung hat der nächste Stadtrat dann zehn Mitglieder mehr.


Wirtschaft und Finanzen


Über die Wirtschaft gibt es in der Lechstadt fast nur positive Nachrichten. Ob Rational, 3C Carbon oder SIP Scootershop: Viele Unternehmen wachsen beständig, vergrößern ihre Produktionsstätten und schaffen neue Arbeitsplätze. Landsbergs Arbeitslosenquote liegt aktuell 17 Prozent unter der Bayerns und 54 Prozent unter der des Bundes. Die Zufriedenheit der Mittelständler ist groß. Nur die öffentliche Hand hält da nicht mit. Trotz hoher Gewerbesteuereinnahmen und beträchtlicher Erlöse aus Grundstücksverkäufen ist die Lechstadt finanziell noch immer auf Reformkurs. Nun gerät auch der Kreis stärker in die Diskussion.

Fragt man Landsbergs Gewerbetreibende nach Wünschen an die Stadt oder den Kreis, gibt es aktuell kaum substantielle Antworten. Fast immer wird die gute Zusammenarbeit mit den Verwaltungen der beiden Gebietskörperschaften gelobt. Strukturell heben Unternehmer die gute Erschließung über die Autobahn und die inzwischen ausgebaute B17, die beeindruckende Lage und die hohe Lebensqualität Landsbergs hervor.

Allerdings weisen nicht nur Rational und 3C Carbon auf steigenden Flächenbedarf hin, der mittelfristig wohl nicht mehr in den bisherigen Industrie- und Gewerbegebieten erfüllt werden kann. Einige Firmen haben sogar signalisiert, an der Teilnutzung des Fliegerhorsts Penzing nach seiner Räumung im Jahr 2018 interessiert zu sein. Allerdings gehören 90 Prozent der Fläche zum Gemeindegebiet Penzing und die Stadt Landsberg wird ihre Unternehmen nicht einfach dorthin weiterreichen. Zu diesem Thema sind zuvor politische Lösungen erforderlich.

Ein offenes Thema, vor allem bei kleineren Gewerbebetrieben, ist die Anbindung ans Internet. Sie ist bei niedrigen Preisen zu langsam und bei dedizierten Leitungen zu teuer. Kein klassischer Internet-Provider wie die Deutsche Telekom oder Kabel Deutschland sah an den Lechwiesen bislang genug Potential, um zusätzliche Kabelverzweiger oder Kupferkoaxialnetze zu bauen. Das ändert sich nun. Die Deutsche Telekom wird die Stadt innerhalb der nächsten vier Jahre unter Einschluss der Gewerbegebiete komplett mit VDSL versorgen und damit Bandbreiten von 30 bis 50 Megabit ermöglichen.

Mit dieser Verpflichtung zum „eigenwirtschaftlichen Ausbau“ ist die Deutsche Telekom einer Ausschreibung und anschließenden Beauftragung von Wettbewerbern zuvorgekommen. Gleichzeitig hat sie die Stadtfinanzen entlastet, denn bereits eingeplante Zuschüsse entfallen dadurch. Freilich ist das für Landsberg Kleinunternehmen und Freiberufler nur vorübergehend eine gute Nachricht. VDSL ist eine alte Technologie, die auf den letzten Metern doch wieder die klassische Kupfer-Doppelader nutzt. Deren Kapazität ist aber begrenzt. Der Bandbreitenbedarf nimmt so zu, dass fast jedes Unternehmen in absehbarer Zeit Glasfaseranschlüsse benötigt. Das „Hineingrätschen“ der Telekom in die Breitbandförderung verzögert diese Infrastruktur um geschätzte zehn Jahre.

Kostengünstig Abhilfe könnten die Stadtwerke schaffen, die im Rahmen ihrer Kanalsanierungen am Hauptplatz, an den Oberen Wiesen und in anderen Straßen Glasfaserstränge bis ins Grundstück gelegt haben. Allerdings handelt es sich noch um eine „dark fibre“, eine unbeschaltete Glasfaser ohne Anbindung an einen Internet-Backbone. Das derzeitige Angebot eines Dienstleisters zur Beschaltung ist für viele Haushalte unattraktiv, weil sie entweder bereits hohe Bandbreite von Vodafone (Kabel Deutschland) erhalten oder mit der niedrigen Bandbreite der Telekom zufrieden sind. Die technische Aktivierung der Stadtwerke-Glasfaser ist daher eine noch zu lösende Herausforderung.

Generell sieht es so aus, dass die Stadtwerke auf einem guten Weg sind. In den Jahren 2006 bis 2013 hatte das Kommunalunternehmen insgesamt 11,8 Millionen Euro Verlust gemacht. Etwa die Hälfte davon hat die Stadt finanziell ausgeglichen; dafür musste sie teilweise Kredite aufnehmen. Das Jahresergebnis 2014 war dann mit 1,25 Millionen Euro positiv. 2015 betrug der Gewinn 248.000 Euro.

Allerdings erfordern die Stadtwerke weiterhin die volle Aufmerksamkeit des Verwaltungsrats, der zwischenzeitlich verkleinert und durch externe Experten ergänzt wurde. Zwar hat das Kommunalunternehmen seine Verbindlichkeiten auf 32 Millionen Euro gesenkt und die Eigenkapitalquote auf 39 Prozent erhöht. Aber diese Quote ist noch unterdurchschnittlich und das Plus im Jahr 2015 ist im Wesentlichen durch Entgelte für die Wasserversorgung und Entwässerung entstanden – die dürfen aber nur kostendeckend sein. Die Stadtwerke werden in Form einer Preissenkung nachregulieren. „Wasser wird wieder günstiger“ ist eine gute Nachricht für die Landsberger Haushalte, aber eine Hypothek für die Stadtwerke.

2016 schlägt der zweite Abschnitt der Sanierung der Lechgarage zu Buche; er kostet 765.000 Euro. Die dritte Phase folgt 2017. In diesem Jahr wird dann wohl auch das Inselbad anstehen – hier geht es um eine beträchtliche Summe, jedenfalls, wenn man die bisherigen Angaben zum erwarteten Aufwand summiert. Hätte das Kommunalunternehmen von der Stadt nicht die beiden Verlustbringer Inselbad und Parkgaragen aufs Auge gedrückt bekommen, läge der Gewinn 2014 bei 1,9 Millionen und 2015 bei 1,1 Millionen Euro.

Unter Druck ist auch das zweite große Unternehmen, an dem die Stadt (neben dem Kreis und dem Markt Dießen) als Gewährträger beteiligt ist: die Sparkasse Landsberg-Dießen. Zwar erfüllt sie die gesetzlich vorgeschriebene Eigenkapitalquote quasi spielend; auch lassen die für den Sparkassenvergleich (2014: Platz 202 von 416) relevanten Indikatoren Bilanzsumme, Kundeneinlagen und Kundenkredite leichtes Wachstum erkennen. Angesichts der niedrigen Zinsen und der steigenden gesetzlichen Anforderungen stehen die Zeichen der Zeit aber weiterhin auf Thesaurierung, also der Zuführung von Mitteln zur Rücklage. Die für die Kunden guten Zeiten der kostenlosen Girokonten und EC-Karten sind bei der Sparkasse Landsberg-Dießen inzwischen auch vorbei. Nach wie vor war die Sparkasse im Jahr 2015 allerdings in der Lage, das Kapital der Sparkassenstiftung um 500.000 Euro zu erhöhen und knapp 400.000 Euro zu spenden.

Mit der Übernahme des Betriebs des Heilig-Geist-Spitals durch die Caritas fällt für die Heilig-Geist-Spitalstiftung, die derzeit als nichtrechtsfähige Stiftung der Stadt geführt wird, ein Verlustbringer weg; außerdem wird das bisherige Spitalgebäude für unterschiedliche Nutzungen, auch Vermietungen, frei. Damit ist ein wichtiger Schritt erreicht: Der Gedanke, dass die öffentliche Hand selbst Alten- und Pflegeheim betreiben muss, stammt aus dem Mittelalter. Heute gibt es freie Träger und Unternehmen wie die Pichlmayr-Gruppe, außerdem erfordern Gesetzgebung und Sozialsystem mittlerweile größere Einheiten und ein spezialisiertes Management.

Der Wegfall des Spitals ist gleichzeitig auch eine Herausforderung. Die Stiftung muss sich nun neu aufstellen, denn ihre Einnahmen, vor allem aus Waldbesitz, müssen dem Stiftungszweck entsprechend verwendet werden. Nur: wofür? Gleichzeitig wäre es an der Zeit, die Rechtsnatur der Stiftung zu ermitteln: Ist sie nun eigentlich rechtsfähig oder nicht?

Ein früherer Klärungsversuch über das Landratsamt versandete, offenbar weil seitens eines Teils der Stadtverwaltung kein Interesse an einer Änderung bestand. Im Laufe der Jahre war man mit der finanziellen Gemengelage wohl ganz zufrieden; das Kapital der Stiftung diente zuweilen als Reserve, um anstehende städtische Maßnahmen zu bezahlen. „Beim Heiligen Geist vorbeischauen“ habe man diese Inanspruchnahmen damals in der Verwaltung genannt.

Heute ist die Kapital-Trennung weitgehend abgeschlossen. Die Bitte, nun auch rechtlich Klarheit zu schaffen, richtet sich an die staatlichen Stellen in Bayern. Dabei wird auch zu beurteilen sein, welche Wirkungen ein nationalsozialistischer Auflösungsbeschluss und ein in der Nachkriegszeit gefasster Wiederherstellungsbeschluss gespielt haben.

Der Stadt Landsberg selbst geht es inzwischen deutlich besser als noch vor einigen Jahren. Als Oberbürgermeister Mathias Neuner (CSU) im Jahr 2012 sein Amt antrat, war sie finanziell in desolatem Zustand. „Die Lage der Stadt ist sehr angespannt … Die Leistung des Schuldendienstes ist nicht mehr gewährleistet … Die Stadt hat eine negative Liquidität … Alle Investitionen und Aufwendungen aus dem Nachtragshaushalt müssen über Kredite finanziert werden.“ hieß es in Unterlagen im September 2012. Nach und nach wurde klar: Die Verwaltung hatte Jahresabschlüsse verschleppt, hohe Kassenkredite aufgenommen, den Wechsel von der Kameralistik zur Doppik nicht abgeschlossen und zudem noch Geld bei Derivatgeschäften verspekuliert. Der damalige Stadtrat hat das Meiste davon nicht mitbekommen.

Inzwischen hat Kämmerer Peter Jung mit Unterstützung der Gremien die Jahresabschlüsse nachgeholt, die Doppik fest verankert, die Kassenkredite praktisch auf Null reduziert und einen Teil der Schulden vorzeitig getilgt. Jetzt herrscht Transparenz; jedes Mitglied des Stadtrats kennt die finanzielle Lage der Stadt. Sie gibt nach wie vor etwas zu viel Geld aus; die eigentliche Herausforderung aber ist die Liquiditätssteuerung. Allerdings bewegt sich Landsberg damit bereits auf hohem Controlling-Niveau. Der Kämmerer, Haushaltsreferent Christian Hettmer (CSU) und der Vorsitzende des Rechnungsprüfungsausschusses Stefan Meiser (ÖDP) haben das gleiche Ziel: „Wir wollen nicht mehr über unsere Verhältnisse leben“.

Diesen Maßstab legen die Landsberger Stadträte und Oberbürgermeister Mathias Neuner nun auch an den Landkreis an, der die Kreisumlage für 2016 erhöht hat und dessen geplante Ausgaben für die nächsten Jahre nichts Gutes verheißen. Erstmalig gab es kürzlich ein Krisengespräch zwischen dem Oberbürgermeister, dem Kämmerer der Stadt sowie dem Landrat. Zwar betonte Thomas Eichinger (CSU) anschließend, zu irgendwelchen Versprechungen gar nicht befugt zu sein; dennoch dürfte das Gespräch Wellen geschlagen haben. Mitglieder des Kreistags stellen beantragte Maßnahmen der Schulen in Frage und sind auch dagegen, mit einer Kreditaufnahme für einen Neubau des Landratsamts den finanziellen Spielraum für die nächsten Jahre zu verengen.

Das Fazit: Der Stadt geht es viel besser, der Wirtschaft richtig gut – wer in Landsberg lebt, hat keinen Grund, zu hadern. In den letzten vier Jahren hat sich viel verändert und die Herausforderungen der kommenden Jahre lassen sich bewältigen.


Infrastruktur


Analysiert man, was Stadtrat und Verwaltung in den vergangenen vier Jahren in Landsberg erreicht haben, kommt man bei den Themen Wohnen sowie Wirtschaft und Finanzen zu positiven Ergebnissen. In Sachen Infrastruktur bleibt dagegen noch viel zu wünschen übrig. Das Megathema der nächsten Jahre ist die Neuordnung des Landsberger Westens.

Landsberg ist infrastrukturell gesehen eine Autofahrerstadt und dafür auch gut gerüstet. Wer hier oder hierhin auf vier Rädern unterwegs ist, profitiert von der A96 und der ausgebauten B17 sowie von innenstadtnahen Parkmöglichkeiten – unter anderem in zwei Tiefgaragen, die in Sachen Kapazität und Zentralität Maßstäbe setzen.

Zwar war die Erhöhung der Parkgebühren, die zur Minderung des Defizits erforderlich war, umstritten; der Stadtrat musste eine erste Gebührenneuordnung sogar korrigieren. Inzwischen gibt es aber kaum noch Kritik, zumal jeder selbst entscheiden kann, wieviel ihm Bequemlichkeit Wert ist. Oberirdisch oder unterirdisch, kurzer oder längerer Fußweg – die Staffelung vom teuren Parken am Vorder- oder Hinteranger über die Parkgaragen und die Waitzinger Wiese bis hin zum kostenlosen Parkplatz an der Max-Friesenegger-Straße ist vielfältig. Hinzu kommen die großzügige Landsberger Auslegung der Verweildauer im eingeschränkten Halteverbot und Kurzparkzonen auf Parkscheibenbasis.

Am Thema „Parken“ lässt sich illustrieren, wie stark Stadtrat und Stadtverwaltung bei der Verkehrspolitik Interessen ausgleichen müssen. Ein aktuelles Beispiel ist die Nutzung der Schwaighof- und der Altöttinger Straße durch Mitarbeiter des Landsberger Einzelhandels. Die Benutzer dieser entgeltfreien Ausweichmöglichkeiten argumentieren, es sei ihnen nicht zuzumuten, jeden Tag die maximale Tagesgebühr von zwei Euro für die Waitzinger Wiese auszugeben. Die Anwohner hingegen verweisen auf die Lärmbelastung und die Tatsache, dass sie für ihre Fahrzeuge keine Stellplätze auf öffentlichem Grund mehr finden.

Kommunalpolitiker, die den Einzelhändlern Recht geben, treffen im Grunde eine Subventionsentscheidung; faktisch befürworten sie, dass die Kommune das Parken von Händlern und ihrer Mitarbeiter begünstigt. Wer mehr auf der Seite der Anwohner ist, muss sich vorhalten lassen, dass er eine private Aufgabe kommunalisiert, denn Bauherren sollen ja eigentlich Stellplätze auf ihren Grundstücken schaffen. Wie man es macht, macht man es verkehrt; manchmal ist es dann einfacher, sich auf das Thema gar nicht einzulassen.

Die Erfahrung der letzten Jahre zeigt: Letztlich können einfache Lösungen wie eine Anwohnerparkzone oder ein Tempolimit nur Symptome lindern. Sie bekämpfen die Krankheit nicht und schaffen oft neue Probleme. Verkehr lässt sich nur durch wirklich gute Maßnahmen lenken. Schlechte führen nicht zu verändertem Fahrverhalten, sondern erschweren die Mobilität auf gleich gebliebenem Weg. Wer wie an der Iglinger Straße Parkplätze auf der Fahrbahn ausweist, so dass Begegnungsverkehr nur möglich ist, wenn eines der beiden fahrenden Fahrzeuge anhält, produziert eine Schikane, veranlasst aber niemanden zum Wechsel der Route und trägt wohl auch kaum zur Lärmreduzierung oder Umweltschonung bei.

Daher besteht inzwischen in den Stadtratsfraktionen weitgehende Einigkeit: Die Verkehrsprobleme im Landsberger Westen lassen sich nur lösen, wenn man Ahornallee, Iglinger Straße, Lechwiesenstraße und Augsburger Straße gemeinsam betrachtet und zusätzlich die Bauprojekte „Ahornallee“ und „Pfettenstraße“ einbezieht: „Wir brauchen einen großen Wurf“. Hinter den Kulissen entwickeln Verkehrsplaner derzeit eine Lösung, die Jahre, bis zur Perfektion Jahrzehnte braucht. Teile davon sind bereits bekannt geworden, weil sie zum Projekt „Soziale Stadt“ gehören; andere Teile werden noch als Ideenskizze behandelt.

Die Gewerbebebauung auf der Ostseite der Augsburger Straße soll zum Straßenrand hin vorgezogen werden. Dadurch kann eine weitere Straße parallel zu den Bahngleisen entstehen. Sie entlastet die Augsburger Straße; da der Abbiegeverkehr wegfällt, verbessert sich der Verkehrsfluss zusätzlich. Die Kreuzung mit der Carl-Friedrích-Benz-Straße wird als Kreisverkehr gestaltet. So wird die Route über die Augsburger Straße ins Gewerbegebiet attraktiver. Die Ausweichroute über die Iglinger und die Lechwiesenstraße verliert ihren Reiz.

Freilich entsteht dann ein neues Problem an der ohnehin stark frequentierten Kreuzung der Carl-Friedrich-Benz- mit der Lechwiesenstraße. Das legt eine weitere Überlegung nahe: Wenn man die Lechwiesenstraße auf der Höhe des Zebrastreifens abriegelt, würde man nicht nur diese Kreuzung entlasten – damit würden faktisch die Route Augsburger Straße – Iglinger Straße – Lechwiesenstraße sowie Ahornallee – Iglinger Straße – Lechwiesenstraße obsolet.

Die Iglinger Straße würde damit wieder zur Verbindungsstraße für die reduzierte Zahl von Verkehrsteilnehmern, die aus der Innenstadt heraus nach Igling oder in den Frauenwald wollen. Tempo 30 sowie „rechts vor links“ könnten entfallen. Gleichzeitig würden sämtliche breite Straßen des Gewerbegebiets endlich ihrer Bestimmung als Hauptverkehrswege im Gewerbegebiet zugeführt. Schon am Danziger Platz würden sich Autofahrer für die Route Hindenburgring / Augsburger Straße statt für die Wegführung Breslauer Straße / Ahornallee entscheiden.

Für die Ahornallee ist diese Entlastung nur eine von zwei angedachten Maßnahmen. Durch das Wohngebiet Pfettenstraße, das wohl von der Akazienstraße und damit von der Ahornallee aus erschlossen wird, nimmt der Verkehr wieder zu. Gleichzeitig entsteht auf dem Gelände des Freistaats westlich der Ahornallee, praktisch in Verlängerung der Birkenstraße, ein weiteres großes Wohngebiet. Denkbar wäre daher, einen Bypass zur Ahornallee zu bauen, vom Klinikum zu Rational mit einer Abbiegemöglichkeit nördlich der Birkenstraße. Erste Überlegungen dazu gibt es bereits.

Das zweite große Thema ist die Erweiterung der Fußgängerzone in der Altstadt. Prämisse ist, dass die Verkehrsführung Neue Bergstraße / Schlossergasse / Hinteranger / Sandauer Tor ebenso bleibt wie der Durchgangsverkehr über den Hauptplatz – Gedankenspiele für eine neue Ost-West-Verbindung sind definitiv ad acta gelegt. Als dringende Aufgabe sehen es die Verantwortlichen aber an, den Vorder- und Hinteranger zu beleben sowie die Lärmbelastung im Hinteranger zu reduzieren.

Auch hier geht es wieder um ein Maßnahmenbündel. Erwogen wird, den Vorderanger zur Fußgängerzone zu machen; er soll nur noch zu bestimmten Zeiten befahrbar sein. Einzelhändler aus anderen Städten würden gerne nach Landsberg kommen, ist zu hören; sie setzen aber ein Ladenlokal in der Fußgängerzone voraus. Gleichzeitig ist beabsichtigt, das Parken am Hinteranger einzuschränken (nur das Halten sowie Be- und Entladen soll möglich sein) und das Pflaster auszutauschen. Viele Läden im Hinteranger würden inzwischen von Dienstleistungsanbietern genutzt. Doch zu viel Haarschnitt, Massage oder Maniküre führen, so die Experten, letztlich zu einer Spirale in Richtung „Randnutzung“ und damit auch zu einer geringeren Besucherfrequenz. Mit beiden Maßnahmen sollen auch der Parksuchverkehr in diesem Bereich reduziert und die Schulgasse entlastet werden.

Nicht aufgegeben haben Landsbergs Stadtplaner die Idee, die Ost-West-Verbindung für Fußgänger und Radler zu verbessern. Auch die Verwirklichung dieses Projekts hängt allerdings wieder mit anderen Überlegungen zusammen, nämlich mit der künftigen Nutzung der Spitalplatzschule. Wird sie für kulturelle Zwecke verwendet, könnte ein „Schrägaufzug“ vom ehemaligen Schulhof zum Heilig-Geist-Spital machbar werden.

Nach sukzessiver Fertigstellung des Projekts „Urbanes Leben am Papierbach“ wird die Verkehrssituation rund um die ehemalige Pflugfabrik kritisch geprüft werden müssen. Die dortigen Probleme werden sich verstärken: Die Schwaighofkreuzung ist ohnehin stark belastet und unfallträchtig, die Anbindung der Spöttinger Straße an den Hindenburgring schon immer problematisch. Zudem wird der Schlüsselanger (die Bosse-Wiese) überplant und neu genutzt werden, möglicherweise für das Zweitgebäude des Landratsamts. Erwogen wird nur noch eine Zufahrt vom Hindenburgring, verbunden mit einem weiteren „Kreisel“. Letztlich hängt auch hier wieder alles zusammen: Wer sich zum Schutz der Altstadthändler bemüht, größeren Einzelhandel vom Papierbach fernzuhalten, produziert mehr Autoverkehr, den er dann wieder kanalisieren muss.

Eine weitere Herausforderung der nächsten Jahre besteht darin, die Stadt deutlich fahrradtauglicher zu machen als sie es bisher ist. Am Papierbach haben die Planer durch die Breite des neuen Lechstegs, die Erreichbarkeit des Bahnhofs „Landsberg Schule“, die direkte Zufahrt zum Landratsamt und einige bauliche Vorschriften die Radfahrer häufig „auf dem Radarschirm“ gehabt. Bei der Verkehrsführung auf der Augsburger Straße (kreuzende Autofahrer) oder der Iglinger Straße (gemeinsamer Geh- und Radweg ohne Vorfahrt an Kreuzungen) wird aber deutlich, wie stark die Interessen von Anwohnern und Gewerbetreibenden mit denen von Radlern kollidieren können.

Letztes großes Thema aus dem Bereich Infrastruktur ist die künftige Erhebung der Straßenausbaubeiträge. Hier gibt es zwei Optionen, von denen eine in Landsberg praktisch schon ausgeschieden ist: Keine Fraktion und kein Mitarbeiter der Verwaltung will auf das System der „wiederkehrenden Beiträge“ umsteigen, bei dem Straßenerneuerungen von jedem Bürger (auch „Nichtbetroffenen“) bezahlt werden. Gründe sind der hohe Verwaltungsaufwand und die fehlende Rechtssicherheit. Außerdem ist fraglich, was mit den Haus- und Wohnungseigentümern geschieht, die bereits individuelle Zahlungen für „ihre“ Straße geleistet haben. Erfolgversprechend ist hingegen die Verrentung der Beiträge, also die Möglichkeit, die Zahlungen in teils fünfstelliger Höhe auf zehn Jahre zu strecken. Problematisch ist noch die Frage der Absicherung: Muss dieser faktische Kredit der Stadt wirklich kostenpflichtig ins Grundbuch eingetragen werden?

Das Fazit: Vom Hauptplatz abgesehen ist in den zurückliegenden Jahren infrastrukturell in Landsberg nicht viel geschehen. Die Herausforderungen stehen noch bevor. Dabei ist Bürgerbeteiligung unumgänglich; Bürgerbegehren sind nicht ausgeschlossen. Denn beim Thema Infrastruktur kann jeder mitreden. Und es ist anzunehmen: Jeder macht es auch.


Soziales


Ob es um Kindergärten oder Kinderkrippen geht, um preisgünstige Wohnungen, Obdachlosigkeit, Asyl oder Pflege – der Bereich „Soziales“ steht im Stadtrat immer öfter auf der Tagesordnung. Dabei bedient sich die Politik unterschiedlicher Instrumente; teils handelt sie selbst, teils machen das private Investoren und sogar der Freistaat Bayern für sie. Nur so sind, angesichts geringer Liquidität in der Stadtkasse, die Herausforderungen im Sozialbereich finanzierbar.

Das beste Beispiel für dieses Spiel mit verteilten Rollen ist die vor einem Jahr erfolgte Einführung der Sozialen Bodennutzung (SoBoN). Wird ein größeres Grundstück durch die Entscheidung der Stadt erstmals bebaubar, gewinnt es an Wert. Projektentwickler und Bauträger, die davon profitieren, müssen in Landsberg seit Kurzem nicht nur die notwendigen städtischen Infrastrukturmaßnahmen erstatten, sondern auch 30 Prozent der Wohnflächen für Sozialen Wohnungsbau reservieren. Die hohen Gewinne werden damit für öffentliche Zwecke „abgeschöpft“. Freilich geht auch der jeweilige Investor nicht leer aus: Mindestens ein Drittel des Bruttowertzuwachses des Bodenwertes verbleibt garantiert bei ihm.

Oberbürgermeister Mathias Neuner (CSU) hat diese Form der Sozialpolitik aus München abgeschaut und an Landsberg angepasst. Stadtbaumeisterin Birgit Weber, die zuvor in der Landeshauptstadt tätig war, fand bei ihrem Amtsantritt daher ein vertrautes Thema vor. Beim ersten großen Anwendungsfall „Urbanes Leben am Papierbach“ – dort geht es um 82.000 Quadratmeter Geschossfläche mit einem Endwert von rund 40 Millionen Euro – hat die SoBoN-Richtlinie gut funktioniert. Kurz vor der Zustimmung zum Städtebaulichen Vertrag zwischen der Stadt und Investor ehret + klein konnten sich Stadträte durch Einsicht in Prüfungsunterlagen davon überzeugen, dass die Planer das Optimum realisiert haben – die Drittel-Regelung war in diesem Fall fast erreicht. Das ist eher Zufall, denn die Stadt darf nicht auf eine maximale Abschöpfung „hinsteuern“; insbesondere die infrastrukturellen Maßnahmen müssen in jedem einzelnen Fall erforderlich sein.

In Kürze entstehen daher in Landsberg jede Menge Sozialwohnungen, neben dem Papierbach-Quartier (Bauherr: Privatwirtschaft) unter anderem auch an der Pfettenstraße (Bauherr: IMBY, also Freistaat Bayern) und an der Schongauer Straße (Bauherr: Kommune, also Stadt Landsberg). Außerdem haben sich einzelne Bauträger zur freiwilligen Anwendung der SoBoN-Richtlinie verpflichtet, zum Beispiel am Danziger Platz. Die Stadt legt Wert auf soziale Durchmischung; die vereinzelt im Stadtrat erhobene Forderung, Sozialwohnungen an einer Stelle zu konzentrieren, ist nicht mehrheitsfähig.

Der Nachholbedarf an Sozialwohnungen – zurzeit stehen in Landsberg 200 Personen auf der Warteliste – resultiert vor allem aus der Bundespolitik, die steuerliche Anreize aus früheren Jahren abgebaut hat. Im Zuge der Anerkennung und Duldung von Flüchtlingen wird der Bedarf noch viel größer. Asylbewerber werden dann in den staatlichen oder Landkreis-Unterkünften zu Fehlbelegern und müssen von der Stadt in Wohnungen untergebracht werden. Zwar übernimmt der Bund auf Initiative Bayerns die städtischen Unterbringungskosten für drei Jahre komplett und entlastet die Kommunen dadurch. 2016 werden nach dem Königsteiner Schlüssel über die Bundesländer 400 Millionen Euro verteilt, 2017 sind es 900 Millionen, 2018 wohl weitere 1,3 Milliarden. Aber was nützt diese Unterstützung, wenn keine Wohnungen verfügbar sind? Landsberg hat also spät, aber wohl gerade noch rechtzeitig gehandelt, nicht zuletzt aufgrund dringender Appelle im Stadtrat.

In der Sache „Asyl“ ist Landsberg mit den Standorten Hochbauamt, Münchener Straße, Iglinger Straße und dem Tauscher-Gebäude im Gewerbegebiet Lechwiesen aufgrund des stagnierenden Stroms der Flüchtlinge derzeit gut aufgestellt. Die vom Stadtrat einstimmig getroffenen Entscheidungen zur Schaffung weiterer Unterkünfte – unter anderem am Penzinger Feld und an der alten Schule in Pitzling – sind zu Vorratsbeschlüssen geworden. Nicht viele Städte und Gemeinden haben es geschafft, ein heikles Thema so gut und sozialverträglich zu lösen wie Landsberg, zumal hier mit dem Freistaat Bayern als Grundstückseigentümer noch ein dritter Spieler beteiligt war. Der Asylbeauftragte des Stadtrats, Jost Handtrack (Grüne), und der Oberbürgermeister haben hier gute Arbeit geleistet.

Sobald allerdings die eigentlichen staatlichen oder städtischen Pflichtaufgaben beendet sind, nimmt das finanzielle und organisatorische Engagement der Gebietskörperschaften deutlich ab. Die Integration anerkannter Flüchtlinge, die Asylbetreuung und die Asylsozialberatung sind derzeit noch nicht zufriedenstellend organisiert. Das gilt auch für die Koordination des Ehrenamts. Wer die Ausgrenzung der Neu-Ausländer in Form eigener sozialer Strukturen und Subkulturen verhindern will, muss deutlich mehr tun, als zurzeit in
Landsberg geschieht.

Nächstes Thema im Stadtrat wird die Auswertung von zwei Gutachten von „Planwerk“ zur Bevölkerungsentwicklung in der Stadt sein. Schon jetzt ist klar: Landsberg braucht sieben weitere Krippengruppen; eine entsprechende Bestätigung des für die Bedarfsermittlung zuständigen Landratsamts liegt vor. Die Stadt deckt bislang nur 30 Prozent des theoretischen Bedarfs ab. Das entspricht zwar in etwa dem Bundesdurchschnitt. In mit Landsberg vergleichbaren bayerischen Städten sind es aber 50 Prozent.

Oberbürgermeister Mathias Neuner plädiert dafür, den Bedarf nicht nur durch die Schaffung weiterer Kapazitäten bei freien Trägern, etwa beim Heilig-Kreuz-Kindergarten in der Malteserstraße, sondern auch durch eine bauliche Aufstockung des Kinderhauses an den Römerauterrassen zu decken. Im Stadtrat ist das umstritten: Mehrere Mitglieder sehen den Bedarf eher im Osten; allerdings spricht die Neubaugebietskarte („Landsberg unter der Lupe“, Teil 1) mehr für zusätzlichen Bedarf im Westen.

Im Hintergrund scheint die Stadtverwaltung ihre Haltung zur Kinderkrippen-Alternative „Tagespflege“ geändert zu haben. Bislang wurde die Arbeit der Tagesmütter eher zurückhaltend betrachtet. Nun hebt die Verwaltung hervor, dass die durch die Tagespflege erbrachte Betreuung zeitlich besonders flexibel ist. Der Bedarf soll daher künftig zum Teil auch in Form der Großtagespflege gedeckt werden.

Auch bei Kindergärten fehlen offenbar Plätze, wenn auch nicht in einem solchen Umfang wie im Bereich der Krippen. Rechnerisch reichen die über 800 Kindergartenplätze eigentlich aus. Aber offenbar gibt es Unwägbarkeiten, die derzeit besonders stark wirksam werden. Man weiß nie, wie viele Menschen zuziehen und wegziehen, wie viele Kinder von Einpendlern aus dem Umkreis in einen Landsberger Kindergärten gehen und wie viele Landsberger Kinder morgens von ihren Eltern in Nachbargemeinden mitgenommen werden; außerdem variiert das Eintritts- und das Austrittsalter.

Zusätzlichen Bedarf gibt es wohl auch bereits jetzt bei den Grundschulen. Die Plat
anenschule ist aber nicht mehr ausbaubar und die Spitalplatzschule ist auf zwei Gebäude verteilt. Das Schulhaus auf dem Krachenberg an der Pössinger Straße wäre zwar erweiterbar, dann müssten aber Kleingärten weichen. Deswegen böte es sich an, mit der Nutzung der frei werdenden Schlossbergschule die Raumprobleme zu lösen. Dann könnte die Spitalplatzschule anders genutzt werden; Interesse aus den Bereichen Volkshochschule und Museen gibt es bereits. Aus Reihen der CSU-Fraktion ist aber die Überlegung eingebracht worden, auf dem Schlossberg ein „Schlosshotel“ zu errichten.

Ein langjähriges Problem im sozialen Bereich hat die Stadt bereits vor geraumer Zeit gelöst: Mit der Übergabe des Betriebs des Heilig-Geist-Spitals in die Hände der CAB Caritas Augsburg entfällt der Verlustbringer „Spital“. Gleichzeitig werden dadurch Räume für die kulturelle Nutzung und die Volkshochschule frei; andere Teile des Gebäudes werden vermietet. Auch die Landsberger „Tafel“ wird künftig dort untergebracht sein. Sie muss an ihrem derzeitigen Standort an der von-Kühlmann-Straße weichen.

Das ist nicht die einzige Veränderung, die das Projekt „Urbanes Leben am Papierbach“ mit sich bringt. Das Jugendzentrum wird in der Lechstraße auf Kosten des Investors neu errichtet. Im Areal der Pflugfabrik entstehen zwei Kindertageseinrichtungen, eine größere an Stelle des jetzigen Jugendzentrums, eine kleinere im nordöstliche Bereich an der von-Kühlmann-Straße.

Über die Trägerschaft beider Einrichtungen wollte Investor ehret + klein eigentlich nach Beratung mit der Stadt selbst entscheiden. Eine knappe Mehrheit im Stadtrat hat dieses Verhandlungsergebnis aber aufgehoben. Nun baut der Investor die Gebäude und übereignet sie anschließend kostenlos an die Stadt. Damit ist Landsberg ein Grundstückserlös entgangen; in Sachen SoBoN ging die Sache aber offenbar noch einmal gut. Der Investor zahlt außerdem eine festgelegte Summe an die Stadt, die ebenfalls auf SoBoN angerechnet wird, um weitere Grundschulplätze zu bauen; wenn 1.500 Menschen in 800 Wohnungen einziehen, sind eine Menge Grundschulkinder dabei und weitere werden im Laufe der Zeit auf die Welt kommen.

Zieht man in sozialer Hinsicht Bilanz, kann man durchaus der Meinung sein, dass Landsberg auf die Herausforderungen spät reagiert hat. Bei der Kinderbetreuung hat die Abstimmung zwischen Stadt und Kreis sowie der Stadt und den freien Trägern nicht gut funktioniert; erst jetzt bahnt sich die Anwendung eines einheitlichen EDV-Systems an. Auch im sozialen Wohnungsbau handelte die Stadt in letzter Minute, was auch auf ihre finanzielle Lage zu Beginn dieses Jahrzehnts zurückzuführen ist. Manches hätte man schon früher angehen können; dazu zählt auch der Neubau der Obdachlosenunterkünfte.

Im Ergebnis aber wird die Stadt in wenigen Jahren hinsichtlich ihrer sozialen Einrichtungen gut aufgestellt sein: Sie hat dann eine neue Mittelschule unter einem Dach, Grundschulen mit ausreichend Plätzen, genug Kinderkrippen und Kindergärten sowie Tagespflegeplätze und ein neues Jugendzentrum. Nun muss sie es noch schaffen, den Bereich der sozialen Arbeit besser zu fördern, der nichts mit Einrichtungen und Organisationen zu tun hat – die soziale und unbürokratische ehrenamtliche Hilfeleistung der Menschen untereinander; denn auch das ist Sozialpolitik.


Altstadt, Tourismus und Kultur


In kultureller Hinsicht ist die Stadt Landsberg eine Lebenskünstlerin: Aus ungünstigen Voraussetzungen macht sie immer irgendwie das Beste. Das gilt für ihre Museen wie für ihre Konzerte, für ihre Denkmäler wie für ihre Events. Freilich wäre in Sachen Tourismus noch mehr drin; die Frage ist nur: Wollen wir das überhaupt? Und die Altstadt hat ein grundsätzliches Problem: Sie macht zu wenig aus sich.

Das beste Beispiel dafür, dass Landsberg kulturell gesehen eine Lebenskünstlerin ist, bietet das Neue Stadtmuseum. Mit welch intelligentem Trotz die Museumsleitung auf die Schließung der Dauerausstellung in den Obergeschossen reagiert hat, ist beachtlich. Im Erdgeschoss mit Ausstellungs-Highlights wie „So ein Lech“, „Don’t take your guns to town“, „Typisch Landsberg“ sowie „Landsberg und das Salz“ immer wieder von sich reden zu machen und neue Ereignisse zu schaffen, die den Horizont der Besucher, nicht zuletzt vieler Schüler, erweitern – das ist schon eine besondere Kunst bei der Präsentation von Geschichte und Kultur.

Jetzt müsste es der Stadt nur noch gelingen, diesen Ideenreichtum bei der Planung des „neuen Neuen Stadtmuseums“ aufrecht zu erhalten. Viele Landsberger machen keinen Hehl daraus: Manchmal ist die behördliche Anordnung der Schließung eines Gebäudeteils wegen Brandschutzes auch eine Chance. Es darf bezweifelt werden, dass das überladene und angestaubte Sammelsurium, das man im alten Neuen Stadtmuseum betrachten konnte, in absehbarer Zeit ohne einen solchen Impuls in Frage gestellt worden wäre. Nun aber ergibt sich die Möglichkeit, ganz neu an die Sache heranzugehen.

Wie erfrischend ein Museum sein kann, lässt sich am Herkomerpark erkennen. Man hätte die Besucher bei der Neugestaltung, die vor allem aus baulichen Gründen notwendig war, auch nur mit Gemälden und ein paar Utensilien des „fin de siècle“ versorgen können. Aber Herkomer war ja in der Tat, wie der Ausstellungstitel sagt, „a man of many parts“, ein Mann mit vielen Talenten. Die Macher haben sich daher konsequent gegen den oberflächlichen Blick auf ein Lebensambiente und für den konsequenten Blick auf eine Lebensleistung entschieden. Wer das Herkomer Museum jetzt besucht, lernt das Denken und Handeln einen Menschen kennen und hätte, wenn man ihn denn persönlich im Park auf einer Bank anträfe, mit ihm Gesprächsstoff für einen ganzen Tag.

Das umgestaltete Herkomer Museum ist auch deshalb eine Errungenschaft der Landsberger Kultur, weil es in einer Zeit entstanden ist, als in der Lechstadt nicht daran zu denken war, Kulturausgaben aus der Stadtkasse zu finanzieren. Die Neugestaltung des Museums beruht ganz wesentlich auf privaten Spenden. Das macht es noch wertvoller. Umso erstaunlicher ist es, dass viele Landsberger das Museum noch nicht kennen. Selbst viele Mitarbeiter des schräg gegenüber liegenden Landratsamts haben es noch nicht geschafft, einen Blick hineinzuwerfen. Ein wenig mehr Öffentlichkeitsarbeit täte dem Museum sicher gut.

Nebenbei: Auch dem derzeit laufenden zweiten Projekt der Bürgerfinanzierung ist Erfolg zu wünschen. Die Rathauskonzerte im Festsaal des Historischen Rathauses sind wesentlicher Bestandteil des kulturellen Lebens der Stadt; allein es fehlt ein Flügel, der hohen künstlerischen Maßstäben genügt. Der von Bürgermeister Axel Flörke gegründete „Förderverein Rathauskonzerte Landsberg“ sammelt derzeit Spenden, um ein neues Instrument zu erwerben.

Wer auf Ideensuche für das „neue Neue Stadtmuseum“ ist, sollte einen kurzen Ausflug ins Büro von Oberbürgermeister Mathias Neuner machen, in dem mehrere Bilder der Künstlervereinigung „Scholle“ zu sehen sind. Weitere Werke im Besitz der Stadt gibt es im für die Öffentlichkeit nicht zugänglichen Museumsdepot in der Lechrain-Kaserne. Die Stadt Landsberg hat nach wie vor die Möglichkeit, der zentrale Ausstellungsort für die verstreuten Werke der im November 1899 gebildeten Gruppierung zu werden – angemessene Räumlichkeiten vorausgesetzt.

Und noch ein weiteres Thema ist bei der Konzeption des neuen Stadtmuseums zu beachten. „Landsberg hat wie keine andere Stadt Aufstieg, Schrecken und Fall des Nationalsozialismus hautnah erlebt. Den Aufstieg mit der Festungshaft Hitlers, den Schrecken mit den Außenlagern, den Fall mit den Displaced Persons und den Todesurteilen gegen NS-Verbrecher“, hat Oberbürgermeister Mathias Neuner vor einem Jahr gesagt. Wie und wo machen wir diese Epoche anschaulich? Punktuell an den Tonröhrenbauten an der Erpftinger Straße, in der Welfenkaserne und am Spöttinger Friedhof? So verdienstvoll die dortigen Arbeiten und Führungen auch sind und so wichtig es ist, die verstreuten „Kauferinger“ Außenlager in Beziehung zu setzen, so wenig kann man diesen Teil der Geschichte aus dem Stadtmuseum ausblenden.
Deswegen wünschen sich viele Stadträte, die bei von der Verwaltung organisierten Museumsbesuchen in anderen Städten dabei waren, ein Museum, das „keine Fossilien zeigt, kein Mobiliar präsentiert und keine Münzen zur Schau stellt“, sondern neue Zeitgeschichte erlebbar macht. Dies wird eine der anstehenden kulturellen Herausforderungen in Landsberg sein.

Zur Kultur gehört auch, die historische Bausubstanz Landsbergs zu erhalten. Vorübergehend sah es so aus, als würde dies nicht gelingen – die finanziellen Mittel für den Erhalt der Denkmäler waren dezimiert. Inzwischen ist mit der Restaurierung des Bayertors ein Anfang gemacht. Auch hier sind Spenden im Spiel. Noch steht Vieles auf der Wunschliste, beispielsweise die Fassade des Historischen Rathauses.

Attraktive Museen und gepflegte Denkmäler sind auch Voraussetzungen für den Tourismus. Bürgermeister Flörke überraschte in einer Sitzung des Stadtrats mit der Mitteilung, der Tourismus sei in der großen Kreisstadt leicht zurückgegangen. Das hat einige Stadträte nachdenklich gemacht. Andere allerdings sagen, sie wünschen sich keine Zunahme des Tourismus in der Stadt. Zwar seien Besucher gut für den Einzelhandel und die Gastronomie. Gleichzeitig verursache der Tourismus aber Infrastrukturkosten, belaste die Straßen und führe möglicherweise zu einer Überfüllung der Innenstadt.

Im Rahmen seiner Strategiediskussion wird der Stadtrat auch über dieses Thema in den nächsten zwölf bis 18 Monaten eine Entscheidung treffen müssen. Die Positionen treffen aufeinander: „Tourismus ist als Wirtschaftsfaktor zu vernachlässigen“, sagen die einen, „viel wichtiger ist es, dass wir ein Wirtschaftsstandort sind“. Andere meinen: „Tourismus schafft Arbeitsplätze und ist ein Türöffner für Investitionen. Wer Landsberg nicht kennenlernt, wird Stadt und Region als Standort nicht erwägen“.

Bei der Frage der Nutzung des Schlossberges wird man so grundsätzlich nicht diskutieren müssen. Gelänge es, dort ein „Vier Sterne plus“-Hotel zu etablieren, hätte es mit Sälen, Konferenzräumen, einem Biergarten, einem Restaurant und einer Bar auch einen hohen Wert für die Menschen, die hier oder in der Nachbarschaft leben. Der Preis dafür ist aber offenbar ein weithin sichtbares „Nebengebäude“ der jetzigen Schlossbergschule. Sind wir bereit, diesen Preis zu bezahlen? Auch an anderer Stelle ist ein Hotel angedacht, am Ort des jetzigen Verwaltungsgebäudes der ehemaligen Pflugfabrik. Eines ist klar: Zwei neue Hotels rechnen sich auf keinen Fall.

Freilich gilt auch: Landsberg muss das bevorzugte Ziel der Menschen aus der Ammersee-Region bleiben – fürs Einkaufen, fürs Spazierengehen, fürs Eis essen, für Schweinshaxe und Weißbier. Die Wettbewerber heißen Weilheim, Buchloe und Kaufbeuren. Deswegen bemüht sich der Stadtrat auch darum, ein attraktives Marktkonzept zu erarbeiten. Der Süddeutsche Töpfermarkt scheint am neuen Standort einen guten Start hingelegt zu haben. Andere Ereignisse müssen folgen. Ein bisschen „Soundlaster“ und ein konsumorientiertes Stadtfest sind nicht attraktiv genug. Insofern ist die Grenze zwischen „Touristenziel“ und „Regionaler Mittelpunkt “ fließend. Auf das eine kann man vielleicht verzichten, auf das andere bestimmt nicht.

Die Händler, Dienstleister und Gastronomen der Landsberger Altstadt täten gut daran, daran stärker mitzuwirken. Sie machen zu wenig aus sich, praktizieren zu wenig Selbsthilfe. Bei Gesprächen mit Händlern hört man viele Klagen, erkennt aber kaum Bereitschaft, sich besser zu organisieren und auch Geld für gemeinsame Aktionen in die Hand zu nehmen. Neben den kürzlich beschlossenen erweiterten Zuschüssen für Marketingmaßnahmen und den Aktivitäten im Bereich „Märkte und Events“ sind seitens der Stadt aber zunächst keine Maßnahmen zur Förderung der Altstadt geplant. „Wir können keine Ladengrößen beeinflussen, keine Pachtzinsen senken und keine feuchten Keller renovieren“, heißt es dazu aus der Stadtverwaltung.

Der neue Hauptplatz verstärkt die Attraktivität der Innenstadt – das ist jedenfalls die absolut herrschende Meinung. Vielleicht gelingt es, das dort entstandene Ambiente mit einer Fußgängerzone Vorderanger und einem beruhigten Hinteranger zu ergänzen. Zu kurz denken darf man dabei nicht; „niemand verzichtet auf den Kauf von ein Paar Schuhen, weil er es anschließend in einer Tüte zum Auto tragen muss. Wer es nicht kauft, hat dafür einen ganz anderen Grund“, sagen Stadtplaner.

Altstadt, Denkmalschutz, Tourismus und Kunst gehören in Landsberg eng zusammen. Wir haben Talente wie Johannes Skudlik, Franz Lichtenstern, Charles Logan und Matthias Utz. Wir haben Ereignisse wie Snowdance und den Orgelsommer, die Rathauskonzerte und die Sommermusiken. Wir haben Institutionen wie das Stadttheater und die Stadtkapelle. Wir haben Denkmäler wie das Historische Rathaus, das Bayertor, die Stadttürme und die Kirchen. Das alles ist kulturelle Erbauung. Aber noch ist die Stadt bei ihrer Gestaltung allzu oft Lebenskünstlerin. „Unser kulturelles Leben darf nicht ausschließlich dem Diktat der Ökonomie unterworfen werden, denn eine Gesellschaft, die glaubt, Kultur sei erst dann an der Reihe, wenn alle finanziellen und baulichen Wünsche erfüllt sind, beginnt ihre Seele zu verlieren“, hat Bürgermeisterin a.D. Sigrid Knollmüller gesagt. Aber auch sie weiß: So schnell ist Abhilfe nicht in Sicht.

Einstimmig unwürdig

Nach siebenstündiger Sitzung billigt der Stadtrat gegen halb eins in der Nacht einstimmig das Vorhaben „Am Papierbach“. Die dritte Planungsphase kann beginnen. Lediglich der städtebauliche Vertrag muss nachverhandelt werden. Die von Egoismen und Kleinteiligkeit geprägte Diskussion hinterlässt allerdings einen schalen Beigeschmack: Viele Stadträte verspielen während der Debatte das Vertrauen in ihre Kompetenz.

Ein Kommentar von Werner Lauff

Der Berg kreißt und gebiert ein Mäuslein. Sieben Stunden lang reden Stadträte vor allem aus Reihen der UBV, der Landsberger Mitte und der Grünen nahezu ununterbrochen auf Stadtbaumeisterin Birgit Weber ein. Die einen stört das im nordwestlichen Baufeld geplante zurückspringende fünfte Stockwerk. Die nächsten halten die um sieben Prozent erweiterte Wohnbebauung für einen Sündenfall. Wieder andere wollen den Prozentanteil für Gewerbe grundsätzlich reduzieren. Dann schlägt einer vor, die Bahnlinie durch eine Tiefgarage zu untertunneln.

Nichts von dem findet Mehrheiten; meist geht das so etwa „fünf gegen alle“ aus. Kindergartenreferentin Doris Baumgartl stellt sogar den bislang von ihrem UBV-Kollegen Wolfgang Neumeier gehaltenen Rekord ein, für einen Antrag null Stimmen zu bekommen. Trotzdem: Alle diese Kapriolen kosten Zeit und gehen an die Nerven. Irgendwann steht Morphologic-Geschäftsführer Michael Gebhard auf und ruft im Gehen in den Saal: „Ich sehe mir nicht länger an, wie Sie die Dinge hier zerpflücken.“

Wohlgemerkt: Das darf er nicht. Er hat ebenso wenig Rederecht wie die verbal protestierenden empörten Bürger, die um 18:15 Uhr aus dem Saal geschickt werden, weil die Vorberatung gezeigt hat, dass eine Stadtratsmehrheit den städtebaulichen Vertrag zu kippen droht. Als Oberbürgermeister Mathias Neuner die Änderung der Tagesordnung beantragt und der Stadtrat ihr folgt, rechnet er freilich nur mit „einem guten Stündchen“ Wartezeit. In Wirklichkeit ist es etwa 21 Uhr, als die Öffentlichkeit wieder hergestellt wird. Worum es im Wesentlichen geht, ist nachher leicht zu ermitteln.

Der Stadtrat hat tatsächlich nahezu endlos über die Trägerschaft der beiden Einrichtungen der Kinderbetreuung diskutiert, die im Nordosten und Südwesten des Baugebiets entstehen sollen. Darüber muss nun nach kontroverser Mehrheitsentscheidung neu verhandelt werden. Das Thema ist aber kein Showstopper: Kerngeschäft des Investors ist nicht die Kinderbetreuung. Und letztlich verschieben sich durch das Aufbegehren nur ein paar Zahlen in der Excel-Tabelle. Ob der Stadtrat in Bebauungsplanverfahren über soziale Trägerschaft entscheiden darf, lassen wir hier mal ungeklärt.

Wir hatten das schon mal im landsbergblog: John Northcote Parkinson hat brillant analysiert, dass die Dauer einer (Detail-) Diskussion umgekehrt proportional zur Relevanz des behandelten (Detail-) Themas ist. Wir kennen seit gestern auch den Grund. Viele Stadträte gehen an Jahrhundertprojekte wie die Entwicklung eines neuen Stadtquartiers heran, indem sie Maßstäbe ihres früheren Handelns auf diese Herausforderung übertragen. Wollten wir nicht immer schon Fahrradfahren fördern? Dann sind jetzt aber nachdrücklich viele überdachte Stellplätze zu fordern, unbedingt! Wollten wir nicht immer schon die Innenstadt beleben – dann darf im Nordwesten des Bebauungsgebiets auf keinen Fall ein Drogeriemarkt entstehen, selbstredend! Solche Wenn-Dann-Schlüsse münden in Interessengruppen-geprägtem Aufplustern, das jegliche Vision vermissen lässt. Gestern waren wir Zeugen davon.

Und noch etwas ist fatal: Die Stadtratsmehrheit aus UBV, Landsberger Mitte und Grünen redet Landsberg schlecht. Wollen Sie ein paar Beispiele hören? „Die Landsberger Innenstadt ist schon lange kaputt“, sagt UBV-Stadtrat Medardus Wallner, selbst Einzelhändler. Der Drogeriemarkt Müller in der Innenstadt wird „keinen Bestand mehr haben“, wenn man am Papierbach ebenfalls Drogerieartikel kaufen kann; „dann muss Müller schließen“, sagt Henrik Lüssmann, der kein Einzelhändler ist, aber offenbar Müllers Bilanzen kennt. Hallo Herr Wallner, Herr Lüssmann: Haben Sie schon mal etwas von einer self-fulfilling prophecy gehört? Sagen Sie es noch ein wenig lauter, dann haben Sie am Hinteranger den fünften Leerstand und den elften Friseur. Entsteht da nicht gerade am Papierbach ein neues Gebiet mit Wohnungen und Arbeitsplätzen, das 1.500 Bewohnern und nochmal zig Mitarbeitern von Anwälten, Ärzten und Gewerbetreibenden den Weg via Lechsteg in die Altstadt ebnet? Zerredet doch diesen Umsatz nicht!

Trotzdem beschließt der Stadtrat mit 16 zu 11 Stimmen den Zwangsbesuch der Papierbach-Mieter bei Müller in der Hubert-von-Herkomer-Straße. Das macht die Stadtratsmehrheit mit dem zweifelhaften städtebaulichen Trick, die vorgesehenen 700 Quadratmeter für einen Drogeriemarkt oder eine Apotheke auf 300 Quadratmeter zu reduzieren. Weil sie weiß, dass sich ein so kleiner Drogeriemarkt nicht rechnet. Ihr Kalkül: Brauchen die Bewohner am Papierbach eine Zahnbürste, gehen sie mangels Einkaufsmöglichkeit in der Nachbarschaft über den Lechsteg zu Müller in der Altstadt und kehren dann mit einer Tüte mit Müller-Aufdruck in der Hand zurück.

Liebe Vertreter von UBV, Landsberger Mitte und Grünen: Nein, das tun sie nicht. Sie tun es genau so wenig wie Zahnbürstenkäufer vom Hauptplatz zahnbürstenbedingt zum Spöttinger Kreisel wandern. Sie setzen sich, wenn sie vor Ort nicht kaufen dürfen, einfach in ihr Auto und fahren zur Kombi Rewe/Müller und Aldi/DM an der Augsburger Straße. Und da kaufen sie alles auf einen Schlag. Da haben die Grünen dann genau die Verkehrsbewegung, die sie eigentlich vermeiden wollten.

Natürlich wissen auch diejenigen, die jetzt aus 700 qm Gewerbefläche 300 gemacht haben, dass diese Entscheidung die Auswahl des Lebensmittelmarkt-Betreibers reduziert: Viele Märkte scheuen die Einzelhandels-Diaspora. Und natürlich wissen sie auch, dass sie hier eine Bevormundung vornehmen. Liebe Interessenten für den Papierbach: Schaut wie schön es hier ist! Aber wo Ihr einkauft, das bestimmen wir!

Schon der Bebauungsplan sah vor: Antiquitäten, Kunstgegenstände, Devotionalien, medizinische und orthopädische Produkte, Baby- und Kinderartikel, Bekleidung, Blumen, Brillen und Zubehör, optische Erzeugnisse, Bücher, Zeitungen, Zeitschriften, Drogerie- und Parfümeriewaren, Elektronikartikel, Computer und Zubehör, Foto, Film, Glas, Porzellan, Keramik, Geschenkartikel, Haushaltswaren, Haus- und Heimtextilien, Bettwaren, Lederwaren, Musikinstrumente, Musikalien, Papier- und Schreibwaren, Bürobedarf, Schuhe, Spielwaren, Sport- und Campingartikel, Uhren und Schmuck, Jagdbedarf und Waffen dürfen AUF GAR KEINEN FALL westlich des Lechs am Papierbach verkauft werden. Außer durch Begutachtung wäre die Zentrenverträglichkeit und städtebauliche Verträglichkeit im Einzelfall nachgewiesen und es stünden keine öffentlichen und privaten Belange entgegen.

Das war hier der Fall: Die Stadt hat ein Gutachten in Auftrag gegeben und es sagt, dass ein Drogeriemarkt am Spöttinger Kreisel für die Innenstadt nicht schädlich ist. Aber das zählt nicht, das ist nicht genug. Auch als Birgit Weber sagt „Wir wollen doch ein lebendiges Viertel“ erkennt man bei der Mehrheit keine Regung. Stattdessen bemüht Reinhard Steuer (UBV) die Statistik, pro Einwohner sei durchschnittlich ein Quadratmeter Einzelhandelsfläche völlig ausreichend, Lebensmittel- und Drogeriemarkt seien quasi overkill. Ach ja? Laut statistischem Bundesamt sind es 1,46 Quadratmeter (siehe Screenshot) und „Durchschnitt“, Herr Steuer, ergibt sich aus der Summe von Ballungsraum und Einödhof. Aber Sie wissen ja eh schon, wo die Leute einkaufen: „Auf dem Weg nach München“.

statista

Ach, was soll die ganze Aufregung. Es hat am gestrigen Abend zwar niemand gesagt: Danke Lenkungsgruppe, danke Bürgergruppe, danke Stadtbaumeisterin, danke Bauamt, danke OB. Fürs Verhandeln, fürs Abwägen, fürs Anbahnen, fürs Planen. Es hat auch keiner gesagt: Eigentlich freuen wir uns aufs „urbane Leben am Papierbach“. Wahrscheinlich haben die Stadträte das zu Hause zu ihren Frauen und Kindern gesagt und sind dann in die Schlacht gezogen. Weil man doch zeigen muss, dass man kämpferisch ist. Und an den Waffen brillant agiert.

Deswegen lasst uns doch einfach feststellen: Es war einstimmig. Zwar unwürdig. Aber einstimmig. Zwar nervenaufreibend. Aber einstimmig. Zwar fast unerträglich. Aber einstimmig. Was kümmert uns das Geschwätz von gestern, könnte man in Anlehnung an Konrad Adenauer sagen. Wir machen jetzt einfach weiter und freuen uns!

Aprilscherz erkannt

Die Reaktionen reichten von „Gar keine schlechte Idee“ bis „Welch absurde Vorstellung“. Eines hatten diejenigen, die uns gestern schrieben, aber gemeinsam: Alle hatte den Aprilscherz erkannt. Die „Suche Anschluss“- und „Biete Anschluss“-Buttons gibt es nicht. Dies bedeutet freilich auch, dass der Besuch von Markus Söder in Landsberg so wirklich Spannendes nicht generiert hat. Aber er war ja auch nur auf der Durchreise.

Biete Anschluss

Die gestrige Freischaltung des ersten öffentlichen Landsberger WLAN-Hotspots durch Staatsminister Markus Söder ist zwar ein Meilenstein, ermöglicht er doch in unmittelbarer Nähe des Amts für Digitalisierung, Breitband und Vermessung am Roßmarkt kostenfreies Surfen im Internet. Allerdings ist die Reichweite des Hotspots begrenzt, die Bandbreite mit zu teilenden 100 Megabit nicht gerade enorm und das versorgte Gebiet nur ein minimaler Teil der Stadt. Daher erhält die in der Tagespresse nicht aufgegriffene zweite Initiative des Ministers besondere Relevanz. Söder hat nämlich gleichzeitig – einen Tag vor dem offiziellen Start am 1. April – die Aktion „Net42“ gestartet, die der Tatsache Rechnung trägt, dass die meisten Datenverträge im Mobilfunkbereich für jeweils eine einzige Person Bandbreiten von 20 bis 50 Megabit bieten, die bei Weitem nicht ausgenutzt werden. Durch „Net42“ – sprich: „Net for two“ – besteht nun die Möglichkeit, diese Bandbreite spontan mit anderen Personen zu teilen, beispielsweise im Bus, im Café, im Inselbad oder auch beim Spaziergang in der Altstadt. Technisch ist dieser Service heute bei jedem iPhone oder Android-Smartphone unter dem Menupunkt „Mobiler WLAN-Hotspot“ oder „Tethering“ verfügbar und kann mit ein paar Eingaben aktiviert werden.

Söders Ministerium stellt hierzu blaue und ockergelbe magnetische Buttons zur Verfügung, die flexibel an der Kleidung (auch Badebekleidung) befestigt werden können; sie werden über das Landratsamt erhältlich sein. Wer sich für den blauen Button mit der Aufschrift „Biete Anschluss“ entscheidet, erklärt damit die Bereitschaft, auf seinem Smartphone einen Mini-Hotspot aufzubauen, in den sich ein anderer Nutzer nach kurzer Absprache einloggen kann. Erforderlich ist, dass dieser potentielle Nutzer den ockergelben Button mit der Aufschrift „Suche Anschluss“ trägt. Beide Buttons sind kostenlos; vor dem ersten Einsatz sind allerdings einige Formulare auszufüllen. Die Regeln sehen vor, dass der Anschluss-Gewährende keinerlei Entgelt für den Anschluss verlangen darf. Aufgrund der immer noch bestehenden Störerhaftung hat er das Recht, das Surfverhalten des Anschluss-Suchenden zu überprüfen und einzuschränken. Im Landratsamt wird hierzu ein Film gezeigt (siehe Screenshot), der einen Dialog zwischen den beiden Partnern durchspielt, von der ersten Kontaktaufnahme („Ich sehe, Sie suchen Anschluss“) über den Aufbau der Verbindung („Ich habe den Hotspot jetzt aufgebaut“) bis hin zur höflichen Beanstandung von unangemessenem Surfverhalten („Meinen Sie wirklich, dass Sie dieses Video jetzt ansehen müssen?“).

Net42

Söders Initiative führt nicht nur dazu, dass Landsberger, die an der Aktion teilnehmen, überall und ohne Pause Internet-Zugang erhalten. Sie kommen auch an vielen Orten miteinander ins Gespräch und legen sogar Wege gemeinsam zurück, etwa beim Einkaufen auf dem Markt oder einer Radtour am Lech. Allerdings bricht die Internetverbindung ab, wenn zwischen dem Anschlussgeber und dem Anschlussnehmer ein Abstand von mehr als zwei Metern entsteht. Um Ortsfremden zu erklären, warum in dieser Stadt wildfremde Menschen klettenartig aneinanderhängen, sich synchron bewegen und wegen der geringen Körperentfernung gelegentlich kollidieren, empfiehlt sich am Ortseingang neben dem Hinweis „Fair Trade Town“ die Warnung „Net42-Gebiet. Mit Merkwürdigkeiten ist zu rechnen.“

Trauer um Dieter Kolbe

Landsberg hat eines seiner Originale verloren. Von Harry Reitmeir *

Dieter Kolbe starb am vergangenen Freitag nach kurzer schwerer Erkrankung nur wenige Tage nach seinem 67. Geburtstag.

Er gehörte sicher zu den wohl bekanntesten Landsbergern. Gastwirt im Stadt München, danach fast 30 Jahre im Mohren und zuletzt in „Kolbe’s Wirtshaus am Spitalplatz“. Kaum eine Landsbergerin oder ein Landsberger war nicht zu Gast bei ihm. Seine alten Freunde trafen sich am Montag zum Stammtisch beim Kolbe, die Landsberger Bühne, die Musiker, die Sportler und die Kulturinteressierten – alle fanden sich bei Dieter Kolbe ein. Und die Politiker natürlich auch. Im Mohren gab es bereits in den 60er Jahren die sogenannte Ratsstube, in der man sich nach den Sitzungen des Stadtrats traf. Und als ich 2002 in den Stadtrat kam, erklärte man mir, dass man nach der Sitzung zum Dieter geht. Ziel sei die „Polithygiene“, denn wenn man sich mal gestritten hatte, dann sagte man spätestens nach dem zweiten Bier „samma wieder guat“. Und der amtierende Stadtrat war bis drei Tage vor Schließung seines Lokals im Oktober dieses Jahres noch zu Gast – Dieter selbst konnte aus gesundheitlichen Gründen aber nicht mehr da sein.

Dieter Kolbe war von 1990 bis 1996 im Stadtrat und dort hochengagiert – auch in seinem Resort. Als Referent für das Heilig-Geist-Spital setzte er sich mit viel Herzblut für die Belange der städtischen Alten- und Pflegeeinrichtung ein. Und auch nach seiner Stadtratstätigkeit blieb er immer irgendwie der 31. Ratsherr.

Dieter interessierte sich für alle Themen, die „sein Landsberg“ betrafen. Er ließ sein Wirtshaus offen, auch wenn der letzte Gast bereits gegangen war, denn er wartete auf die Stadträtinnen und Stadträte, die noch im Sitzungssaal diskutierten. Und auch wenn es spät war – Dieter stellte sofort etwas zum Knabbern oder eine kleine Brotzeit auf den Tisch – natürlich auf Kosten des Hauses. Dann brachte er Bier und war ganz Ohr, was denn in der Sitzung so entschieden wurde. Und er kannte auch das Meinungsbild der Menschen, denn die „Lufthoheit über den Stammtischen“ war ihm stets bekannt. Ob Hauptplatzumbau, Herzog-Ernst-Straße oder Lechsteg – Dieter diskutierte gerne mit und gab gute und fundierte Ratschläge.

Und wenn es dann im Rathaus mal so spät wurde, dass Dieter bereits zugesperrt hatte, dann war man fast a bisserl traurig, denn es fehlte etwas.

Er engagierte sich von Beginn an stark für die Städtepartnerschaft mit Waldheim und bald war der Sächsische Stammtisch mit Bürgen aus Waldheim und Landsberg Tradition in seinem Lokal. Als zweiter Vorsitzender des damaligen Verkehrsvereins nahm er gemeinsam mit Bürgermeister Norbert Kreuzer maßgeblichen Einfluss auf die positive Entwicklung des Landsberger Christkindlmarkts.

Für Dieter gab es aber nicht nur Politik, sondern auch den Sport. War es die große Zeit im Landsberger Eishockey – Dieter Kolbe war dabei. Sehr am Herzen lagen ihm auch die Handballer des TSV Landsberg und deren Jahrzehnte andauernde Freundschaft mit den Sportlern aus Gänserndorf in Niederösterreich. Und natürlich war auch die Kultur sein Element. Selbst leidenschaftlicher Musiker – er streichelte seinen Contrabass – da war es klar, dass sich Künstler jeden Genres bei ihm die Klinke in die Hand gaben und auftraten. Und die Landsberger Bühne war auch eine von Dieter hoch geschätzte Institution.

Sein Herz schlug aber auch für den Ruethenfestverein. Wer kennt ihn nicht als Landsknecht, wie er mit seinem Leiterwagen beim Festumzug dabei war. Den Wagen mit Getränken und Brotzeit bepackt, grüßte Dieter Kolbe mit einem herzlichen „Hussa“. Die Teilnahme am diesjährigen Ruethenfest war ihm nicht mehr möglich, wenngleich er noch in seinem Wirtshaus am Spitalplatz auf Gäste und Freunde wartete.

Dieter war ein lebensbejahender Mensch, einer der gern lachte und die Geselligkeit liebte.
Sein Herz schlug für vieles in „seinem Landsberg“. Am vergangenen Freitag hörte es für immer auf zu schlagen. Landsberg verliert eines seiner letzte Originale. Der Spitzname „Sonnenwirt“ passte perfekt zu ihm und als sonnigen Menschen und guten (Partei)freund werde ich ihn stets in bester Erinnerung behalten. Sein früher Tod macht nicht nur mich, sondern viele Landsbergerinnen und Landsberger betroffen und traurig.

____

*Harry Reitmeir ist Stadtrat der CSU und war langjähriger Weggefährte von Dieter Kolbe. Er hat diesen Nachruf auf Bitte des landsbergblog geschrieben. Dafür bedanken wir uns. Die Red.

DKolbe

Harry Reitmeir (links) mit Dieter Kolbe. Foto:privat

376 Wies’npoints

Wer bewirtschaftet das Festzelt der Landsberger Wies’n 2016? Bis jetzt war das viele Jahre lang die Lanzl Gastronomie aus Ingolstadt. Nun hat „Zelte Rachinger“ aus Pappenheim den Zuschlag erhalten. Und zwar aufgrund einer Ausarbeitung der Stadtverwaltung, die wie eine mathematische Examensarbeit anmutet. Sie hatte nämlich einen detaillierten Kriterienkatalog erstellt und ein Punkteverfahren zur Bewertung der Erfüllung dieser Kriterien entwickelt. Dazu wurden zunächst Schulnoten vergeben und gegenläufig in Punkte umgesetzt (Note 1 = 5 Punkte, Note 5 = 1 Punkt). Anschließend bekam jedes Kriterium einen Multiplikator, der seiner Relevanz aus Sicht der Verwaltung entsprach. Daraus resultierte ein dreiseitiges Anforderungspapier mit einer anschließenden zweiseitigen Musterrechnung. Die Bewertung der Angebote nahmen unabhängig voneinander drei Teams aus der Stadtverwaltung vor. Deren Punktvergaben wurden addiert.

Das Interessante daran: Drei der fünf Bewerber lagen so dicht beieinander, dass bereits eine nuanciert andere Bewertung bei nur einem einzigen der elf Kriterien – ein einziges „gut“ statt „sehr gut“ – zu einem völlig anderen Ergebnis geführt hätte. In der Musterrechnung ging man noch von deutlichen Abständen der Bewerber aus. Das tatsächliche Resultat spiegelte diese Erwartung nicht wider. Rachinger an Platz 1 erreichte 376 Punkte, die Festzeltbetriebe 2 und 3 erzielten jeweils 371 Punkte. Knapper konnte das Rennen wohl kaum ausgehen. Die maximale Punktzahl lag bei 450.

Der Verwaltungs- und Finanzausschuss des Stadtrats hatte gestern daher auch Nachfragen zum Kriterienkatalog. Dazu wurde der Punkt kurzfristig vom öffentlichen in den nichtöffentlichen Teil der Sitzung verschoben. Dort berieten die Stadträte noch etwa eine Stunde über das Verfahren. An den Kriterien, der Gewichtung und dem Ergebnis wurde nach Angaben von Verwaltungssprecher Andreas Létang aber nichts mehr geändert. Aus gut informierten Kreisen verlautet, dass die Stadtverwaltung zudem bei Städten angefragt hat, in denen Rachinger bisher Festzelte errichtet und betrieben hat – von dort seien sehr positive Rückmeldungen gekommen.

Mit dem Verfahren hat die Stadt gleichzeitig ihre Einnahmen erhöht. Bisher erhielt sie eine pauschale Standgebühr von 1.000 Euro; künftig werden Erlöse in Höhe von 7.000 bis 8.000 Euro erzielt.

Hier die Kriterien der Stadt:

  • Bierpreis pro Hektoliter (Faktor 4)
  • Vielfalt der Speisen und Getränke (Faktor 2)
  • Beschaffenheit der Speisen (frisch, hausgemacht; Faktor 3)
  • Aktionen (z.B. verbilligter Mittagstisch, Familiennachmittag; Faktor 1)
  • Festzelt-Optik (Faktor 2)
  • Festzelt-Dekoration (Faktor 2)
  • Festzeit-Technik (Faktor 2)
  • Öffnungszeiten (Faktor 3)
  • Möglichkeit der Tischreservierung bei Veranstaltungen der Stadt (Faktor 1)
  • abends namhafte Band (Faktor 5)
  • Samstag und Sonntag ab 14:00 Uhr Programm (z.B. Wettsägen, Boxen; Faktor 4)

Töpfermarkt am Mutterturm

Toepfermarkt

42 Töpfer, Keramiker und Künstler stellen am Wochenende beim Süddeutschen Töpfermarkt – letztmalig rund um den Mutterturm – ihre Produkte aus Ton vor. Das Angebot umfasst Gefäße, Geschirr, Dekorationsgegenstände und Schmuck in verschiedenen Formen, Bemalungen und Glasierungen. Die Öffnungszeiten sind Freitag von 14.00 bis 18.00 Uhr und Samstag und Sonntag von 10.00 bis 18:00 Uhr. Das Programm als PDF gibt’s hier. Zum Thema der Märkte empfehlen wir den Beitrag des landsbergblog vom 14. Mai 2015.

Nicht mehr „Stadt der Märkte“

Die Stadt Landsberg muss endlich ihre Märkte attraktiver machen.

Das fordert die Landsberger Mitte unter Vorsitz von Hans-Jürgen Schulmeister, der zugleich Referent des Stadtrats für Stadtmarketing, Märkte, Einzelhandel und Innenstadt ist. Dazu soll eine auf Stadtmarketing spezialisierte Agentur ein neues Markt-Konzept ausarbeiten. Den Auftrag dazu soll der Stadtrat in seiner Sitzung vom 10. Juni erteilen. Aus Mitteln der Städtebauförderung können 60 Prozent der Kosten bezuschusst werden.

Wir meinen: Schulmeisters Initiative ist überfällig.

Töpfermarkt: „Ein echtes Problem“

Wer an diesem Wochenende den Diessener Töpfermarkt 2015 besucht, kann sich selbst ein Bild davon machen, wie ein erfolgreiches Marktkonzept aussieht. 150 Fieranten aus 12 Ländern sind da. Fast alle kommen wieder, buchen meist die gleichen Plätze wie im Vorjahr. 500 Antragsteller stehen auf der Warteliste. Zwischen 48.000 (2013) und 55.000 Besucher (2014) kommen zum Teil von weit her, auch aus der Schweiz und Österreich. Wer sich erst am letzten Tag zur Fahrt nach Diessen entschließt, trifft manchmal gar nicht mehr alle Töpfer an – „ausverkauft – es war wieder schön – bis zum nächsten Jahr!“. Die ganze Stadt profitiert von den vier Tagen, die stets an Christ Himmelfahrt beginnen; auch viele Einzelhandelsgeschäfte haben geöffnet und machen guten Umsatz. Die Organisation klappt perfekt. Es sind Sonderparkplätze zum Pauschalpreis von vier Euro und ein kostenloser Bustransfer eingerichtet.

Auch in Landsberg hatte der schon vom Namen her groß angelegte „Süddeutsche Töpfermarkt“ mal eine ähnliche Dimension. „Mehr als 100 Aussteller aus ganz Europa und darüber hinaus“ stellten – einem Prospekt der Stadt aus dem Jahr 2002 zufolge – „Töpferwaren auf höchstem handwerklichen und künstlerischen Niveau zum Verkauf“. Auch von einem umfangreichen Rahmenprogramm ist in der Broschüre unter dem Titel „Landsberg am Lech – Stadt der Märkte und Feste“ die Rede.

Töpfermarkt2

Doch seitdem ging es rapide bergab. Obwohl die Stadtverwaltung auf ihrer Website von erwarteten „60 Ausstellern“ beim Töpfermarkt 2015 spricht, liegen zur Zeit nur „38 Bewerbungen“ vor – und die Erfahrung lehrt, dass auch der ein oder andere Trittbrett fahrende Händler ohne eigene handwerkliche oder künstlerische Tätigkeit dabei sein dürfte. Fieranten, die wir im Laufe der vergangenen Jahre befragt haben (der landsbergblog hatte sein Büro genau gegenüber vom Herkomer-Park) gaben immer wieder zwei Dinge an: Zu hohe Standgebühren (tatsächlich machte die Stadt selbst 2014 mit dem Töpfermarkt noch Gewinn) und eine nicht ausreichende Infrastruktur. Besonders problematisch war für die Fieranten, dass das Marktgelände bei Regen nur noch schwer begehbar war. Teilweisen haben die Anwohner des benachbarten Hauses mit Matten und Kartons ausgeholfen, um ein Einsinken der Stände zu verhindern.

„Der Töpfermarkt ist meiner Meinung nach ein echtes Problem“, gibt daher auch Hans-Jürgen Schulmeister zu Protokoll. „Unter dem Namen Süddeutscher Töpfermarkt erwarte ich einen großen Markt auf hohem Niveau.“

Christkindlmarkt: „Kein Selbstläufer“

Seine Gestaltung als „kleine Budenstadt“ mit „liebevoll zusammengestelltem, absolut weihnachtsbezogenem Warenangebot“ machte den Landsberger Christkindlmarkt zu einem der „schönsten Weihnachtsmärkte unseres Landes“ – jedenfalls dem Prospekt der Stadt aus dem Jahr 2002 zufolge.

Christkm

Aber auch hier ist im Laufe der Zeit möglicherweise etwas erodiert. „Der Christkindlmarkt hat an Qualität verloren“, meint Schulmeister, dessen Frau selbst zu den Fieranten gehört. „Er ist halt kein Selbstläufer und muss immer weiter entwickelt werden“. Die Ausweitung auf den Hauptplatz sei prinzipiell zu begrüßen, aber nicht sehr gut gelungen. „Meter große Werbetafeln“ an den Verkaufswagen hätten „eher an das Tollwoodfest als an einen Christkindlmarkt“ erinnert. Und durch das Gefälle seien die massiv unterlegten Stände mit einer folglich extrem hohen Verkaufstheke „nicht mehr einladend“ gewesen, sondern „unpersönlich und teils abstoßend“.

Wochenmärkte: „Aus dem Wagen heraus“

Auch die Wochenmärkte können aus Sicht von Schulmeister attraktiver werden. Die Fieranten böten ihre Waren vorwiegend aus ihren Autos heraus an, was besonders deutlich werde, wenn man über den Hauptplatz bergab fahre; außer Autos und Anhängern sei dann vom Markt nichts zu sehen. „Besser wäre, wenn aus schönen Marktständen mit einheitlichen Planen (in den Stadtfarbe) der Großteil der Waren angeboten werden könnte. Große einheitliche Marktschirme auf dieser Fläche, die entweder die Waren überspannen oder evtl. sogar den Besuchern einen Unterstand bieten, könnte ich mir dort auch vorstellen. Zudem würde eine kleine dauerhafte niedrige Bühne (Veranstaltungspodest) für Belebung sorgen“, meint Schulmeister.

Ruethenfestmarkt: „Gehört aktiviert“

Auch was die begleitenden Märkte zum Ruethenfest betrifft, ist Schulmeister enttäuscht. 2011 gab es, dem Landsberger Tagblatt zufolge, noch 60 Fieranten, die sich am mittelalterlichen Ruethenfestmarkt beteiligten, womit sogar „die Grenzen der Kapazität erreicht wurden“. 2015 fällt der Markt völlig flach. Die das Ruethenfest begleitenden Märkte seien Besuchermagnete gewesen. Sie gehörten unbedingt wieder aktiviert, sagt Schulmeister.

Frundsbergfest

Bestandteil des Frundsbergfests in Mindelheim: Historischer Handwerksmarkt. Foto: Balk

Fazit: Handlungsbedarf

Aus unserer Sicht ist die Initiative von Hans-Jürgen Schulmeister uneingeschränkt zu begrüßen. Selbst wer nicht jede seiner Einschätzungen teilt, wird erkennen müssen, dass Landsberg schon lange nicht mehr die „Stadt der Märkte“ ist, die sie einmal war. „Märkte stellen einen potenziellen Ausflugs- und Reiseanlass dar und generieren weitere volkswirtschaftliche Effekte für den örtlichen Einzelhandel, Gastronomie und Hotellerie. Kurzum: Volksfeste und Märkte können wichtige Impulse zur Sicherung der Lebens- und Standortqualität liefern“, sagt der Tourismusberater Matthias Holzmann. Deswegen sollten wir die Zeit nach dem Ruethenfest in der Tat nutzen, eine „Zukunftsplanung Märkte“ vorzunehmen.