Verkehrskonzept, Schritt 1

Am Mittwoch trifft der Stadtrat eine wichtige Entscheidung: Leitet er – als Schritt 1 eines umfassenden Verkehrskonzepts – die Verkehrsentlastung von Vorder- und Hinteranger ein?

Die Möglichkeit dazu ergibt sich aus der Option, den Anwohnern und Berufstätigen mit einer Erweiterung der Lechgarage unter dem Jugendzentrum Dauerparkplätze zur Verfügung zu stellen (Dauerparker) und zugleich weitere Parkmöglichkeiten für diejenigen zu schaffen, die sich in der Altstadt mehr als nur zehn Minuten aufhalten wollen (Aufenthaltsparker). Nachdem die Garage fertig ist, die Plätze vergeben sind und die neuen Möglichkeiten bekannt gemacht wurden, können bestehende oberirdische Parkmöglichkeiten in der Altstadt für maximal zehnminütiges „Holen und Bringen“ (Hol- und Bring-Parker) reserviert werden.

Wir haben hier absichtlich neue Begriffe gewählt. Das Wort „Halten“ passt verkehrsrechtlich nicht – das wäre auf drei Minuten begrenzt; die „Landsberger Kulanz“ von zehn Minuten gibt es eigentlich nicht. Und das Wort „Kurzparken“ ist zu ambivalent. Darunter versteht jeder etwas anderes; rechtlich bezeichnet es irgendeine Parkdauer zwischen drei Minuten und mehreren Stunden.

Positive Wirkung

Welche Wirkungen hätte diese Kombination aus dem Bau der Parkgarage und der Reduzierung der oberirdischen Parkmöglichkeiten auf den Hol- und Bringverkehr? Sie würde den Parksuchverkehr von Dauer- und Aufenthaltsparkern komplett entfallen lassen. Die „Schleife“ Vorderer Anger / Schulgasse / Hinterer Anger würde nur noch von Hol- und Bring-Parkern befahren. Die Schloßberggarage und die erweiterte Lechgarage würden Dauer- und Aufenthaltsparker rechtzeitig „absaugen“.

Im Hinteranger würde der Verkehr ruhiger fließen, weil der Parksuchverkehr entfällt und seltener in Parkplätze rangiert werden muss. Damit reduziert sich die Umweltbelastung: Weniger Bremsvorgänge, weniger Stop and Go, kürzere Durchfahrtzeit. Gleichzeitig könnte man das Pflaster im Hinteranger ersetzen; nach dem Wegfall der Straßenausbaubeiträge geht dies auch ohne finanzielle Anwohnerbeteiligung.

Kleine Lösung

Dieses Konzept setzt allerdings voraus, dass man nicht darauf hofft, den Ost-West-Verkehr durch den Hinteranger komplett zu ersetzen. Alle dazu existierenden Möglichkeiten sind mit großen Nachteilen verbunden: Der Hauptplatz ist umwelttechnisch bereits grenzwertig belastet, der Tunnel kostet zu viel, die große Südumgehung ist Flächenfraß und der Weg durch die Krachenbergschlucht zerstört das Stadtbild. Schließlich: Die Annahme, Autofahrer davon überzeugen zu können, vom Bayertor zunächst anderthalb Kilometer über zwei Kreisel nach Osten zu fahren, um dann die Autobahn zu nehmen, ist absurd.

Damit bleibt in Sachen Hinteranger nur die am Mittwoch zur Debatte stehende „kleine Lösung“. Sie ist das mildeste Mittel des Eingriffs. Zwar können Händler oder Dienstleister, deren Geschäftsmodell auf einer längeren Aufenthaltsdauer basiert, nun nicht mehr sagen, man könne während des Besuchs bei ihnen vor der Tür parken. Aber das war ohnehin eine Fiktion. (Aufenthalts-) „Parken vor der Tür“ ist in den meisten Fällen ein Lockvogel-Angebot, denn bei langer Verweildauer glücklicher Parkplatznutzer ist selten etwas frei.

Gewinn für Vorderanger

Auch für den Vorderanger ist die Reduzierung des Parksuchverkehrs und die Begrenzung der Parkmöglichkeiten auf Hol- und Bringparker ein Gewinn. Zwar sieht die Stadtverwaltung, wie aus der Vorlage deutlich wird, in den Beschlüssen von Mittwoch eine Vorentscheidung in Sachen „Fußgängerzone Vorderanger“. Das ist aber nicht zwingend. Auch nach den Stadtratsbeschlüssen am Mittwoch gibt es für den Vorderanger noch alle Optionen. Sie sollten sorgfältig im Rahmen der Bürgerbeteiligung erörtert werden.

Es sprechen eine Reihe von Argumenten gegen eine Fußgängerzone. Wer den Vorderanger, vom klassischen Lieferverkehr abgesehen, für Autos schließt, muss sich auch über die Ersatzwege zum Hinteranger Gedanken machen. Wollen wir viele Linksabbieger vom Hauptplatz in die Schlossergasse hinnehmen? Riskieren wir, dass der Schleichweg „Roßmarkt / Vordere Mühlgasse / Schulgasse“ an Bedeutung gewinnt? Oder machen wir alle diese Routen zu, womit die Hol- und Bring-Parkplätze am Hinteranger nur noch von Osten erreichbar wären?

Außerdem: Es ist Händlern, Dienstleistern (zum Beispiel Friseuren) und Freiberuflern (zum Beispiel Ärzten und Anwälten) zuzumuten, Besucher für längere Verweildauern auf Parkgaragen zu verweisen. Aber ihnen die Möglichkeit zu nehmen, vor das Geschäft vorzufahren, um jemanden oder etwas abzuholen, könnte ein allzu abrupter Wechsel sein, ein Übermaß.

Handel im Wandel

Auf der anderen Seite: Viele Beobachter sind davon überzeugt, dass der Einzelhandel vor einem grundlegenden Wandel steht. Er hat in den kommenden Jahren ein doppeltes Problem. Es geht nicht nur darum, dass viele Käufer, zunehmend unterstützt und animiert durch neue Technologien wie Sprachassistenten, Waren online bestellen. Es geht auch darum, dass durch die Digitalisierung nach und nach Gründe zum Innenstadt-Besuch wegfallen. Schon jetzt ist der Weg in die Sparkassen-Filiale offenbar entbehrlich geworden. Viele Sprechstundenbesuche könnten demnächst durch Live-Gespräche mit Patienten und Diagnose-Tools überflüssig werden; das Fernbehandlungsverbot ist gerade gelockert worden. Die elektronische Verwaltung könnte das Bürgerbüro ersetzen; inzwischen gibt es sogar schon Versuche, Grundbuchsachen mit Blockchain-Technik abzuwickeln.

Die Innenstadt verliert ihre inhärente Magnetwirkung: Man muss da irgendwann nicht mehr hin. Deswegen gibt es für die Kommunen und den Handel nur eine Lösung: Wir brauchen einen neuen Magneten. Und das kann nur das „Erlebnis Innenstadt“ mit hoher Aufenthaltsqualität sein, mit vielen Restaurants, Cafés und Geschäften mit spannenden Angeboten. So etwas geht nicht, wenn man Autos breiten Raum einräumt und Kunden auf Gehwege reduziert. Insofern könnte die Stadt mit einer Fußgängerzone segensreich wirken.

Ein wichtiger Tag

Nun gilt es, nicht nur Vor- und Nachteile abzuwägen, sondern auch über Zwischenlösungen zu beraten. Vielleicht brauchen wir tatsächlich noch ein paar Jahre, bis die große Lösung Akzeptanz findet. Es wäre auch denkbar, erst einmal die Wirkungen von Schritt 1 abzuwarten. Zumal: Nach diesem ersten Schritt am Mittwoch kommen ja noch viele weitere Schritte, die zu „mehr Mobilität bei weniger Autoverkehr“ führen sollen: Bessere Radwege, Abstellplätze für Fahrräder und ein erneuertes Bussystem zum Beispiel.

Also: Mittwoch ist ein wichtiger Tag für Landsberg. Schon die Reduzierung des Parksuchverkehrs und die Beschränkung von Vorder- und Hinteranger auf Hol- und Bringparker wird, im Zusammenhang mit der Schaffung neuen Garagen-Parkraums, viel bewirken. Ob und wann Schritt 2 – die Fußgängerzone Vorderer Anger – folgen kann, muss aber zunächst offen bleiben. Das ist Gesprächs-, aber kein Beschlussgegenstand. Schritt 1 sollte so verstanden mehrheitsfähig sein.

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EIL: Räuber und Banditen

Der Stadtrat hat heute Abend einstimmig beschlossen, das seit Jahren aufgrund fehlenden Brandschutzes geschlossene „Neue Stadtmuseum“ im Jesuitenviertel zu sanieren und weiterzuentwickeln. Mehrere Machbarkeitsstudien hatten zuvor belegt, dass die Weiternutzung des historischen Gebäudes möglich ist – ob durch einen externen Fluchtturm oder ein innen liegendes druckbelüftetes Sicherheitstreppenhaus wird noch geprüft. Auch die Kosten der Sanierung stehen noch nicht fest.

Erste Ausstellung könnte im Jahr 2022 oder 2024 die sechsmonatige Landesausstellung „Räuber und Banditen in Bayern“ sein. Die Gelegenheit wäre günstig, weil das Museum dazu noch leer sein muss. Die Kosten der Stadt für die Ausstellung werden wohl mehrere Hunderttausende Euro betragen. Problematischer ist, dass sich der Stadtrat mit einer Bewerbung zum jetzigen Zeitpunkt in Sachen Museumssanierung selbst unter Druck setzt. Der Stadtrat beschloss dennoch mit großer Mehrheit, dass die Verwaltung einen Vertrag mit dem Haus der Bayerischen Geschichte aushandeln soll; die endgültige Entscheidung soll nach Vorliegen des Entwurfs getroffen werden.

Nichts wie hin

Der Blumenladen im Klostereck ist seit Weihnachten 2017 geschlossen. Die Fresken werden 2019 saniert. Bis dahin stehe der Raum im Rahmen „klassischer Förderung der Kultur“ zur Verfügung, als „Plattform für Kreative“, sagte Claudia Flörke, einem LT-Bericht zufolge, beim Pressetermin.

Uns fiel auf: Die Leiterin der Abteilung „Kultur und Bildung“ der Stadt holte dabei weit aus. Jedes zehnte Unternehmen in der Stadt Landsberg sei dem Bereich „Kultur- und Kreativwirtschaft“ zuzuordnen, berichtete sie. Bundesweit erbringe dieser Sektor eine Bruttowertschöpfung von jährlich 98,8 Milliarden Euro, doppelt so viel wie die chemische Industrie und fast so viel wie der Maschinenbau.

Da soll noch einer sagen, die Abteilung „Kultur und Bildung“ sei nur für das Kulturbüro, das Stadttheater, die Bücherei, die VHS, die Museen und das Tourismusbüro zuständig. Weit gefehlt: Hier ist ein riesiger ökonomischer Bereich verortet. Schafft man das denn mit dem vorhandenen Personal?

Aber egal: Das Klostereck ist nun eine Plattform für Kreative aus der Kultur- und Kreativwirtschaft. Dort werden wir künftig also auch Architekten, Designer, Verleger, öffentlich-rechtliche Rundfunkjournalisten, Schriftsteller, Radiomacher, Zeitungsleute, TV-Produzenten, Computerspiel-Entwickler, Filmverleiher, Public Relation Manager und Mitarbeiter von Werbeagenturen treffen.

Die werden sagen: Genau das brauchten wir. Auf ins Klostereck! Nichts wie hin!

Übrigens: Nicht zum Kreis der Kultur- und Kreativwirtschaft zählen Unternehmen oder Einrichtungen, „die sich weitgehend nicht über den Markt finanzieren, sondern durch öffentliche Finanzierung getragen und gefördert werden“, definiert die Bundesregierung. Die müssen leider draußen bleiben.

Veröffentlicht unter Kultur

Snowdance 2018: Das Landsberger Manifest

Erstmals hat Snowdance heute Abend die Beratungen in drei Festival-Foren in Form des Landsberger Manifests zusammengefasst. Es dürfte in der Filmwelt Aufsehen erregen.

I

Ein vielfältiges Angebot deutschsprachiger Filme ist, ähnlich wie ein vielfältiges Angebot von Presse und Rundfunk, für die Meinungsbildung und den Diskurs in einer pluralen Gesellschaft schlechthin konstitutiv.

Wir brauchen dazu nicht nur die Wiederholung erfolgreicher Formate und die gelegentliche Ausstrahlung von neuen Produktionen, sondern die nachhaltige Förderung innovativer Ideen, nicht etablierter Talente und ungewöhnlicher Sichtweisen.

Nur ein breites kreatives Angebot von unterschiedlichen Genres und Darreichungsformen schafft das Potential zur permanenten Selbsterneuerung der deutschen Filmwirtschaft.

Nur so ist auch gewährleistet, dass internationale Vorteile, die durch große Sprachräume und Konzernstrukturen entstehen, keine publizistische Monopolwirkung entfalten und weltweit ausstrahlbarer Mainstream die notwendige Ergänzung erhält.

II

Das setzt voraus, dass es für Filmemacher reale Chancen gibt, über die Kinos, die Sender und neue Plattformen Zuschauer zu erreichen.

Dazu ist die Tätigkeit der öffentlich-rechtlichen Anstalten, von Pay-TV-Sendern und neuen Plattformen unverzichtbar. Gerade dieses diversifizierte und nicht ohne Grund duale Mediensystem sollte in der Lage sein, viele Sendeplätze für unabhängige Filme zu bieten.

Die Digitalisierung bietet weitere Chancen zum Ausbau der Angebotsvielfalt. Sie führt zur Reduzierung der Herstellungskosten, schafft zusätzliche lineare Kanäle und öffnet insbesondere die Tür zu on demand Angeboten und damit zur Unabhängigkeit von klassischen Verbreitungsgebieten und festen Sendezeiten.

Bei Anstalten, Sendern und Plattformen ist punktuell Aufgeschlossenheit gegenüber unabhängig produzierten Inhalten zu erkennen. Die Bereitschaft zum Dialog ist aber stark sender- und personenabhängig.

Zudem gibt es ein Problem im System: Die Vorfilterung von Inhalten bereits im Entwurfsstadium ist mit dem Grundgedanken des unabhängigen Films zumindest dann inkompatibel, wenn solche frühen Absprachen als Stellschrauben der Einflussnahme verstanden werden. Independent heißt gerade nicht, um Erlaubnis fragen zu müssen.

Es darf nichts Ungewöhnliches sein, dass Sender und Plattformen Filme außerhalb großer Deals ankaufen. Unabhängige deutsche Filme sind sehr oft die günstigste Möglichkeit, Sendeplätze qualifiziert zu füllen.

Die Sender und Plattformen benötigen dazu allerdings klar definierte Angebote, die besonders ein etwaiges zeitaufwändiges Nachverhandeln von Rechten überflüssig machen. Es wird angeregt, dass die unabhängigen Filmemacher dazu gemeinsam mit den Sendern Standards entwickeln.

Außerdem sollten sich nach Meinung der Forumsteilnehmer unabhängige Filmemacher so organisieren, dass sie sich über die Ansprechpartner in den Anstalten, Sendern und Plattformen gegenseitig informieren. Im Forum 1 fiel dazu als Stichwort „Share and Care“.

Es bedarf allerdings auch noch eines weitergehenden Hinweises. Die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten sind in besonderem Maße zur Schaffung kultureller Vielfalt aufgerufen. Soweit diesem Anspruch das permanente Schielen auf die Quote entgegensteht, muss die Medienpolitik es in Frage stellen.

Die unabhängigen Filmemacher schlagen konkret vor, ähnlich wie im Fall der Drittsendeplätze bei Privatsendern, die zu Formaten wie SPIEGEL TV geführt haben, feste Sendeplätze für unabhängig produzierte Filme einzurichten, die ein Bewusstsein für und Lust auf inhaltliche Vielfalt schaffen.

Ziel der unabhängigen Filmemacher ist es allerdings nicht, dass für sie dauerhafte Sonderregelungen gelten. Sie setzen darauf, dass Anstalten, Sender und Plattformen schrittweise mehr Mut, mehr Risikobereitschaft und mehr Fantasie entwickeln, schon um der veränderten Mediennutzung Rechnung zu tragen.

III

Der unabhängige Film macht nur dann einen Schritt nach vorn, wenn die unverzichtbare Film- und Verleihförderung angepasst wird.

Ideal wäre, dass Produktionsförderung auch nach Fertigstellung eines Werks in Anspruch genommen werden kann. Eine Änderung der entgegenstehenden Rechtslage könnte aus haushalts- und subventionsrechtlichen Gründen aber schwierig sein.

Zwei Möglichkeiten, auch ohne eine bestehende Kooperation mit Anstalten oder Sendern Fördermittel zu erhalten, liegen in der Nachwuchsförderung und der Low Budget Produktion.

Die bayerische Filmförderung versteht „Nachwuchs“ allerdings auch altersmäßig und hat eine Höchstgrenze von 40 Jahren festgesetzt. Es gibt aber, das ist ein konkretes Ergebnis aus Forum 3, die Bereitschaft, mit Vertretern von Snowdance über eine Aufhebung dieser Grenze zu sprechen.

Die zweite Möglichkeit, die Low Budget-Produktion, erfordert einen Verleihvertrag. Als weiteres konkretes Ergebnis in Forum 3 hat sich die Möglichkeit herauskristallisiert, dass Snowdance auch einen eigenen Verleih gründen könnte, also einen Verleih freier Filmemacher. Auch darüber soll demnächst mit der Filmförderung gesprochen werden.

In jedem Fall ist die Möglichkeit der Verleihförderung für Filme, die keine Produktionsförderung erhalten haben, nicht nur rechtlich, sondern auch in der Praxis stärker anzuwenden.

In Sachen Förderung bedürfen Kurz- und Serien-Formate besonderer Aufmerksamkeit, ebenso die nachträgliche Marketingförderung.

Filmförderung ist regionale Wirtschaftsförderung. Zumindest bei der Verleihförderung sollten die Anforderungen ans Geldausgaben im Förderland aber gelockert werden. Vorbild könnte hier „Szene Tirol“ sein; Voraussetzung dort ist lediglich, dass im Film Bilder aus Tirol enthalten sind.

IV

In den Foren war auch das Interesse und die Bereitschaft der beim Snowdance-Festival vertretenen Filmemacher zu organisatorisch verfestigter gemeinsamer Arbeit zu erkennen, unter Einschluss von Öffentlichkeitsarbeit, Förderfragen und die gemeinsame Gesprächsführung nach außen.

Abschließend:

Der unabhängig von TV-Redaktionen und initialer Filmförderung produzierte deutsche Film ist überlebenswichtiger Impulsgeber für das deutsche Filmgeschäft. Maßnahmen zu seiner Förderung sind Maßnahmen zur Stärkung des deutschen Films.

Die Teilnehmer des Snowdance-Festivals leisten aus ihrer Sicht einen unverzichtbaren Beitrag zur Medienvielfalt. Sie bitten dazu um Unterstützung.

Landsberg am Lech, 3. Februar 2018

Franz Xaver Rößle (70)

Der ehemalige langjährige Oberbürgermeister und jetzige Altoberbürgermeister Franz Xaver Rößle ist 70 Jahre alt geworden. Ehrensache, dass der landsbergblog da gratuliert, heute hier und morgen auch persönlich, bei einem eher kleinen aber feinen Empfang im Historischen Rathaus.

In seinen zwölf Jahren an der Spitze der Stadt stand Rößle für den Umbau Landsbergs in Richtung Industrie und Arbeitsplätze, für die Konversion von Kasernen zu Wohngebieten, für die Bewahrung und Erweiterung der Kultur, für die Ausweitung der Städtepartnerschaften und für eine mutige geschichtliche Erinnerungsarbeit. Durch ihn initiiert wurde Landsberg von der kaum beachteten Kleinstadt im Dornröschenschlaf zu einer der dynamischsten Großen Kreisstädte in ganz Bayern.

Im Rahmen der „Spaziergänge“ des KREISBOTEN bestand vor Kurzem Gelegenheit, mit Rößle einige Stunden Zeit zu verbringen. Den Text, der daraus entstanden ist, drucken wir mit freundlicher Genehmigung des KREISBOTEN im Folgenden noch einmal ab.

Herzlichen Glückwunsch, Franz Xaver Rößle!

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Augenhöhe war mein Ziel

KREISBOTEN-Serie: Spaziergang mit … –
Heute: Altoberbürgermeister Franz Xaver Rößle

Als wir telefonierten, lag die Frage auf der Hand: Können wir uns in Ihrem ehemaligen Amtszimmer im Schmalzturm treffen? Dort wo Sie von 1988 bis 2000 die Geschicke der Stadt gelenkt haben? So ein Eintauchen in die Vergangenheit würde Erinnerungen an seine Zeit als OB wecken, spekulierte ich. Nirgendwo sonst würde man so viel aus Franz Xaver Rößle herauslocken können wie dort. Doch da hatte ich die Rechnung ohne die Balken gemacht.

Tatsächlich kommt Rößle, der kürzlich den Titel „Altoberbürgermeister“ erhielt, sofort ins Erzählen, als wir sein ehemaliges Büro betreten. Nur nicht über sich. Mit einem raschen „Dann schauen wir mal“ lenkt er meinen Blick auf die Deckenbalken im Amtszimmer, wo die Namen vieler ehemaliger Bürgermeister und Oberbürgermeister der Stadt eingraviert sind. Rößle, der Jurist mit Hingabe zu Geschichte und Kultur, kann über jeden etwas referieren, über einige hat er selbst geforscht und publiziert.

Rößle spricht über Dr. Ottmar Baur, der nach mehrjährigem Planungsprozess 1931 den Bau der Neuen Bergstraße initiierte. Soghar in Schülerarbeiten werde zuweilen behauptet, die Ablösung der Alten Bergstraße sei von Adolf Hitler angeordnet worden, nachdem er dort im Stau gestanden habe; das sei reiner Unsinn. Die – im Stadtrat nicht vertretene – NSDAP sei vielmehr gegen die Maßnahme gewesen. Dr. Karl Linn, Hans Pfannenstiel, Hermann Überreiter, Ludwig Thoma, Dr. Rudolf Engelshuber und natürlich Hanns Hamberger sind die nächsten Themen. Über alle gibt es Berichtenswertes. Ich schöpfe Hoffnung: Nach Hamberger kommt in der Zeittafel Franz Xaver Rößle. Wir nähern uns dem Spaziergangszweck.

Buch und Masken

Dennoch sind die Balken ein guter Einstieg. Neben den Namen gibt es dort auch Symbole. Bei Rößle sind es das unter seiner Federführung entstandene Stadtlogo (das L, an dessen Fuß der Lech fließt) sowie ein geöffnetes Buch und drei Theatermasken. „Das steht für Kunst“, sage ich, „ja, aber auch für etwas Anderes“, antwortet Rößle und hofft, dass ich es errate. Nach kurzer Pause – ich errate es nicht – erklärt Rößle, das offene Buch stehe dafür, dass ihm jeder in die Bücher schauen konnte. Und die Masken, die stünden für Intrigen, die man als Oberbürgermeister so zu ertragen hat.

Das waren kurze Wege damals, stelle ich fest: Die Stadtverwaltung war nebenan, wo heute die Sparkasse ihren Sitz hat, das Historische Rathaus gegenüber. Das hatte Rößle von seinem Amtszimmer aus immer im Blick, ebenso wie den Hauptplatz. Der bereitete ihm freilich auch Kopfschmerzen: Sein erster Versuch, ihn umzubauen, scheiterte an einem Bürgerbegehren, das er gegen eine Dreiviertelmehrheit der Abstimmenden verlor – „ein Wermutstropfen“.

Dennoch klagte Rößle nicht; er gehörte selbst zur agilen Bürgerschaft. Gegen „Eli Lilly“, das geplante Chemiewerk im Industriegebiet, sammelte er in den 70er Jahren Unterschriften wegen der drohenden Industrie-Monokultur und des Flächenfraßes. In den 80ern war er Teil der Bewegung gegen die Nutzung des Lechwehrs als Wasserkraftwerk.

Ebenso wie Rainer Kuchinke (CSU), mit dem Rößle, wie es heißt, kongenial zusammenarbeitete. Kuchinke war es auch, der gemeinsam mit Norbert Kreuzer beim Geburtstag von Franz-Josef Strauß mit Finanzminister Max Streibl sprach und ihm das Zugeständnis abrang, es solle das Kraftwerk nicht gegen den Willen der Landsberger geben. Nachdem der Rechtsweg erschöpft war, hat Streibl, dann Ministerpräsident, als oberster Dienstherr der Bayerischen Wasserkraftwerke (BAWAG) Wort gehalten. Rößle wurde daraufhin zu Innenminister Gerold Tandler zitiert, der ihm die Entscheidung mitteilte, nicht ohne hinzuzufügen, er halte sie für falsch.

70 Prozent Wald

Die Landsberger Bürger wussten genau, was sie wollten, sagt Rößle und zählt Bürgerbegehren und -initiativen am Fließband auf. Schon vor seiner Zeit gab es die „Schutzgemeinschaft Landsberger Wälder“ gegen den geplanten Standortschießplatz im Oberen Stadtwald. Es gab das Bürgerbegehren für einen Kreisel an der Schwaighofkreuzung. Und es gab natürlich den Bürgerentscheid über die Nutzung des Frauenwalds für das Sägewerk Klausner, heute Ilim Timber. Bei der musste Rößle kämpfen; Tage vor der Abstimmung zeigte eine Umfrage, dass Stadtrat und Verwaltung verlieren würden. Erst mit einer eilig beschlossenen Plakataktion mit dem Versprechen „30 Prozent Gewerbe, 70 Prozent Wald“ kam das Vorhaben durch. Von dieser Formel ist man inzwischen weit weg; das Verhältnis hat sich fast umgekehrt.

„Auch der AKE-Kindergarten ist 1972 von engagierten Bürgern gegründet worden; das ist eine tolle Geschichte“, ergänzt Rößle. Ich muss aufpassen, nicht die Epochen zu verwechseln, sage ich. Sonst ordne ich Ihrer Amtszeit Themen zu, die zu anderer Zeit stattfanden. Rößle lacht und zeigt mir auf, wie schwierig die Abgrenzung ist. Das könne man gut an der B17 illustrieren. Als das Planfeststellungsverfahren 1988 begann und eine Trasse geplant war, die sehr nah an der Stadt war, habe es einen „berechtigten Bürgeraufstand“ gegeben. Stadtbaumeister Griesinger, Forstamtschef Dr. Gaudlitz und er hätten dann neue Schneisen gesucht und auch gefunden.

Dann aber kam das nächste Problem: Die Stadt hatte zum Schutz der westlichen Wohngebiete die Tieferlegung der Umgehung beschlossen und beantragt. 1999 erklärte das Bundesverkehrsministerium, auf dieser Basis nicht weiterarbeiten zu dürfen; die Immissionswerte reichten nicht aus. Rößle habe dann das Signal gegeben, die Planung ebenerdig fortzusetzen; die Forderung der Tieferlegung bleibe aber vorbehalten. Besser eine falsche Umgehungsplanung als gar keine Umgehungsplanung. Den Stadtrat habe er dabei nicht einbezogen; „er hätte das öffentlich so nicht beschließen können“. Rößle halte dieses Vorgehen nach wie vor für richtig. Sein Nachfolger habe die Tieferlegung auf der Grundlage der vorgenommenen Planung dann umsetzen können.

Die Stadt habe damals übrigens auch den großen Kreisel erfunden. Geplant war ein „vielblättriges Kleeblatt“ mit einer zusätzlichen Ausfahrt zum Krankenhaus, ein Konglomerat von Straßen, lauter Beton. „Ja muss das denn sein?“, habe Rößle den Stadtbaumeister gefragt. Letztlich sei mit Hilfe des städtischen Verkehrsgutachters Landbrecht die heutige Lösung entstanden.

19 Jahre von Planung bis Freigabe

„Es gibt offenbar wahrsinnig viele Dinge, die man in einer zweimal sechsjährigen Amtszeit nur auf den Weg bringt, aber nicht vollenden kann“, werfe ich ein. Tatsächlich seien in Sachen B17 vom Beschluss zur Planaufstellung 1988 bis zur Freigabe 2007 insgesamt 19 Jahre vergangen, sagt Rößle. Und mancher erinnere sich gar nicht mehr daran, wer eigentlich die Planungsarbeit gemacht habe. Als die B17 neu eröffnet wurde, habe man ihn noch nicht einmal als Teilnehmer begrüßt; „die Meisten hatten die Entstehungsgeschichte längst vergessen“.

Stadttheater, Neues Stadtmuseum, Herkomermuseum, Rathaussanierung, Stadtbücherei, VHS-Umzug, Jugendzentrum, Stadtbusse, Wasserentsorgung, Städtepartnerschaften, Fußgängerzone Ludwigstraße, Schloßberggarage, Übergabe des Krankenhauses an den Landkreis, Erwerb der Kasernengelände, Gewerbegebiet nördlich der A96, Anrufsammeltaxi, Todesmarsch-Denkmal, wir könnten noch über viele Maßnahmen sprechen, die Rößle initiiert und gemeinsam mit dem Stadtrat erreicht hat.

Warum sind Sie trotz all dieser Erfolge im Jahr 2000 nicht wiedergewählt worden? will ich wissen. „Diese Frage habe ich erwartet“, sagt Rößle. Das habe viele Gründe gehabt. Es sei damals die Zeit gewesen, als lange Amtszeiten öffentlich in Frage gestellt wurden. Daher kam dann auch der Slogan der SPD „Zwölf Jahre sind genug, 18 wären zu viel“. Aber es habe natürlich auch inhaltliche Gründe gegeben. „Der Hauptplatz hat mir sicher nicht genutzt. Mir hat auch nicht genutzt, dass ich mich so sehr um die Erinnerungsarbeit gekümmert habe. Und dass ich ein neues Verwaltungsgebäude bauen wollte.“ Das Poesiefestival mit dem Poesieautomaten von Hanns Magnus Enzensberger falle auch in diese Gruppe.

Außerdem: „Die Stadt war verschuldet, denn wir mussten dem Bund die frei werdenden Kasernen abkaufen.“ Rößle habe ehrlich gesagt: Die nächsten sechs Jahre müssen wir Ausgaben reduzieren. „Wissen Sie“, sagt Rößle, „wenn so viele Dinge zusammenkommen und zwei große Parteien, die CSU und die SPD, einen Kandidaten gemeinsam unterstützen, nämlich Ingo Lehmann, dann sind Sie als Unabhängiger immer in der Defensive.“

So ganz hat Rößle seinen Frieden damit noch nicht gemacht: Lehmann habe gegen das Fachmarktzentrum argumentiert und es dann gebaut, sagt er. Ähnlich verhalte es sich mit dem Verwaltungsgebäude. Nach der Verkündung des Ergebnisses der Stichwahl war sein Zorn jedenfalls spürbar: „Dieses Ergebnis entspricht nicht meinen Leistungen“, sagte er in die Kameras.

Nachverdichtung zum Siedlungsbrei

„Das hat Sie getroffen, aber nicht umgebracht“, sage ich. „Nein“, sagt Rößle, „die Entscheidung der Landsberger war für mich persönlich nicht falsch“. Die folgenden Jahre als Anwalt seien für ihn nochmal ein Stück beruflicher Erfüllung gewesen.

Wie sehen Sie Landsberg heute? „Es ist eine tolle Stadt. Aber wir müssen aufpassen, dass wir sie nicht durch blinde Nachverdichtung zum Siedlungsbrei machen.“ Rößle erinnert an den Vortrag von Dr. Busse, der im Stadtrat gegen die Aufhebung von Bebauungsplänen und Baugenehmigungen nach dem „Einpassungsgebot“ des Baugesetzbuchs plädiert hatte („Lassen Sie doch den Leuten ihr kleines Glück“). „Als ich das las, habe ich Hoffnung geschöpft: Vielleicht ist jetzt die größte Gefahr vorbei.“

Damit meinen Sie nicht die Pflugfabrik? frage ich vorsichtshalber. Rößle verneint. Er habe ja den ersten Wettbewerb zur Neugestaltung des Areals selbst initiiert, berichtet er. Aber die Gebrüder Pöttinger hätten damals noch nicht verkaufen wollen, weil sie keinen Pfeiler aus ihrer Unternehmensstruktur herausnehmen wollten – „sie brauchten einfach Zeit“.

Der Titel „Altoberbürgermeister“ – freut der Sie nun oder erinnert er sie eher daran, dass sie älter geworden sind? frage ich. „Ach, das Wort alt hat viele Bedeutungen. Mein alter Freund zum Beispiel. Nein, es ist ein im Kommunalrecht enthaltener Ehrentitel. Ich bin jetzt 17 Jahre aus dem Amt. Nach so einer Zeit sieht man, losgelöst von Wahlkämpfen und dem politischen Wettbewerb, ob jemand etwas geschafft, etwas bewegt hat oder nicht. Meine Zeit war die Zeit der Weichenstellung. Mein Vater war immer der Meinung: Landsberg ist zurückgeblieben. Das konnte man in der Tat mit den Händen greifen. Hanns Hamberger hat die Stadt schon aus dem Dornröschenschlaf erweckt; das war ein richtiger erster Schub. Aber im Jahr 2000, am Ende meiner Amtszeit, hatten wir Augenhöhe mit den anderen großen Kreisstädten. Und das war mein Ziel.“

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Das Gespräch führte Werner Lauff

Landsberg trauert

Siegfried Meister ist tot. Der Ehrenbürger Landsbergs starb in der Nacht zum Freitag nach kurzer, schwerer Krankheit. Die Fahnen wehen auf Halbmast.

Meister erfand den Kombidämpfer und machte ihn zu einem traumhaften Erfolg. Sein Unternehmen „Rational“ ist heute Weltmarktführer für Gastronomie-Gargeräte. Es beschäftigt 1.800 Mitarbeiter, davon über 800 in Landsberg, ist hoch profitabel und hat in 16 Jahren seinen Wert verzwölffacht.

Rational ist Landsbergs größter Gewerbesteuerzahler. Ohne das Unternehmen, das Meister bis zuletzt als Vorsitzender des Aufsichtsrats geführt hat, wäre die Stadt ein Schatten ihrer selbst.

Sie verliert aber auch ihren größten Mäzen.

Meister unterstützte mit enormen Geldbeträgen, sowohl aus dem Firmen- wie auch dem Privatvermögen, unser kulturelles Leben. Er war maßgeblich an der Renovierung und Sanierung der Orgel in der Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt beteiligt. Er spendete erhebliche Summen für die Renovierung Landsberger Kirchen. Er engagierte sich für die Nächte der Musik, das Orgelfestival, die Konzerte in Werk 3.

Die Stadt Landsberg trauert um einen Mann, der einen festen Platz in ihrer Geschichte hat. Sie verneigt sich.

Sozial, nicht funktional

Der Stadtrat hat einen Tagesordnungspunkt weniger: Die Zusammenlegung der Stadtkapelle und der Stadtjugendkapelle wird zumindest am heutigen Mittwoch nicht mehr diskutiert. Dies verlautet aus der Stadtverwaltung.

Freilich ist das Thema damit noch nicht erledigt. Die Stadtkapelle braucht Verstärkung im tiefen Blech und einen neuen Dirigenten. Sie braucht eine Perspektive.

Durch die beantragte Zusammenlegung wäre sie aber nicht entstanden. Man hätte das Kind mit dem Bade ausgeschüttet, hätte nachhaltigen Qualitätsverlust riskiert. Es war der falsche Plan zur falschen Zeit.

Jetzt steht Schadensbegrenzung auf der Agenda. Die Stadtkapelle habe „ihren“ Antrag zurückgezogen, wird heute mitgeteilt. „Die Stadtverwaltung, die die Stadtkapelle gebeten hatte, den Antrag zu stellen, hat sie nun gebeten, den Antrag wieder zurückzuziehen“, müsste es eigentlich heißen. Aber Sie haben Recht: Der Satz wäre zu lang.

Auch der drohende Verlust des Dirigenten Hans-Günter Schwanzer wird nun in Abrede gestellt. Ganz im Gegenteil: Bürgermeister Axel Flörke habe Schwanzer doch die Leitung der neuen großen Kapelle angetragen und es habe nur noch ein vom Dirigenten erbetenes Gespräch zur neuen Struktur gefehlt. Das stand am Samstag im Landsberger Tagblatt.

Aha? Wie ist das vereinbar mit der fünf Tage zuvor erfolgten Äußerung Flörkes gegenüber der gleichen Zeitung, Hans-Günter Schwanzer „könnte sich ja ganz normal um den Posten bewerben“? Ging es plötzlich nicht mehr um einen „kompletten Neuanfang unter neuer musikalischer Leitung“, um die „Wiederzusammenführung der Kapellen unter einer neuen musikalischen Führung“, wie in den Stellungnahmen und Anträgen steht? „Die Dirigenten beider Kapellen werden von ihren Aufgaben entbunden“ hieß es im Antrag der Stadtverwaltung an den Stadtrat. War das eine Beförderung und keiner hat’s gemerkt?

Schwamm drüber; die Handelnden sind eh schon touchiert und die Sache wendet sich ja zum Positiven. Und wir wissen aus vielen Gesprächen: In dieser Angelegenheit ist nichts schwarz-weiß. Es gibt einen schmalen Grat zwischen Aufgabenerfüllung und Aufgabenübererfüllung.

Dass Kinder und Jugendliche allerdings an einem Dirigenten hängen, der sie fördert und motiviert, ist doch eher ein Glücksfall. Musische Bildung ist von enormem Wert. Musizieren in frühen Jahren wird das Leben der jungen Menschen nachhaltig prägen. Ein Kind, einen Jugendlichen oder einen Heranwachsenden interessiert es dabei kaum, welche Funktion die Stadt seiner oder einer anderen Kapelle beimisst. Sie sehen ihr Orchester nicht funktional, sondern sozial. Freude und Freunde sind das, was sie hält. Vorwerfbar ist das wohl nicht.

So, Thema erstmal beendet. Am heutigen Mittwoch Abend steht etwas ganz Wichtiges auf der Tagesordnung des Stadtrats: die Verabschiedung der Bauleitpläne zum „Urbanen Leben am Papierbach“. Ohne Streit, voraussichtlich einstimmig, ganz im Konsens. Durchatmen!

Plump

Dass Stadträte Sitzungen mit einer Portion Wut, jedenfalls verärgertem Kopfschütteln verlassen, kommt in Landsberg nicht mehr so häufig vor wie früher. Gute Absprachen in Montagsrunden und eine einfühlsamere Sitzungsleitung tragen dazu bei. Die heutige Beratung im Bildungs-, Sozial- und Kulturausschuss des Stadtrats zum Thema „Stadtmuseum“ hat uns aber leider wieder deutlich zurückgeworfen. Wir hätten nicht gedacht, dass es in einer Sitzung noch einmal so plump zugehen könnte.

Für alle, die das Wort nicht täglich benutzen: Laut Duden bedeutet „plump“ irgend etwas zwischen ungeschickt und dreist. Es gibt uns damit die Möglichkeit, die Feinbewertung des Sachverhalts der Leserschaft zu überlassen. Im vorliegenden Fall ging es um die Präsentation eines Gutachtens des Würzburger Kulturberaters FranKonzept zur Zukunft des Neuen Stadtmuseums. Den Beinamen „Neu“ erhielt es übrigens, weil es 1987, als es ins Jesuitengymnasium einzog, historische und künstlerische Exponate vereinigte. Urkunden und Gemälde, Pläne und Skulpturen, Möbel und Portraits. „Substanz“ gab es genug. 4.600 Inventarnummern vergab die Stadt. Die Hälfte davon sind Objekte, die die Geschichte Landsbergs verdeutlichten. Die andere Hälfte sind Kunstwerke.

Das von Bürgermeister Axel Flörke und Museumsleiterin Sonia Fischer explizit, teils überschwänglich begrüßte Konzept der Berater sieht vor, dass das Neue Stadtmuseum künftig „Landsberg Museum“ heißt und nur noch Geschichte zeigt. Nun könnte man meinen, dass damit ausgeklügelte, attraktive Ideen verbunden wären, so wie die Stadträte sie vor einem Jahr bei einer Museumsfahrt noch in anderen Museen präsentiert bekamen. Aber offenbar besteht das Konzept im Wesentlichen nur daraus, im zweiten Obergeschoss unter dem Titel „Landsberg zwischen Bayern und Europa“ die Stadtgeschichte vor 1800 zu zeigen (Salzhandel, Jesuiten, Barock) und im ersten Obergeschoss unter dem Titel „Landsberg zwischen Idyll und Schrecken“ die nach 1800 (Bayernidyll, Garnison, Zeitgeschichte). „Das hätten wir auch selbst gekonnt“, meinte ein Mitglied des Stadtrats im Anschluss trocken; „was hat dieses Gutachten eigentlich gekostet?“ Aber das ist noch nicht einmal der Punkt.

Richtig plump wurde es, als sich herausstellte, dass der Kulturbürgermeister und die Museumsleiterin im Einklang mit FranKonzept offenbar bereit sind, die Kunstwerke, die die Stadt besitzt, für viele Jahre ins Depot zu legen und nicht mehr auszustellen. Inclusive des Bestands an Scholle-Bildern, die alleine 400 Quadratmeter Ausstellungsfläche füllen würden. Wohlgemerkt: Axel Flörke verwies die Ausstellung dieser Kunstwerke „in ferne Zukunft“ – und das ist ein wörtliches Zitat. Die Stadträte sollten die Frage, wo denn die Kunst künftig ausgestellt wird, erst einmal wieder aus dem Gedächtnis streichen und im Januar oder Februar über das Konzept „Das Stadtmuseum bleibt wo es ist und wird zum Geschichtsmuseum“ entscheiden.

Ist Flörke plötzlich zum Kunstbanausen geworden? Ist er zum Historiker mutiert? Natürlich nicht. Flörke hat wahrscheinlich wohl nur eine recht einfache Vorstellung von Salamitaktik: Wir lassen die Kunst jetzt aus dem Stadtmuseum weg. Dann fragt jeder: Wo ist denn die ganze Kunst? Tja, dann müssen wir halt ein neues, ein zweites Museum bauen. Wo das sein könnte, deutete FranKonzept schon an. „Geschichte am Berg und Kunst am Fluss“ formulierte der Gutachter. Ganz in der Nähe von Herkomerpark und Papierbach, da würde doch so etwas hinpassen. Neu, stattlich, auch für Touristen attraktiv. Kosten? Ach, Kosten. Keine Ahnung, was das kostet. Aber wir reden doch nur über die „ferne Zukunft“.

Das ist, wiederholen wir’s, plump. Nun ist plump nicht nett, aber glücklicherweise durchschaubar. Der Stadtrat beschließt im Januar oder Februar, ohne Kenntnis der weiteren Gebäudenutzungen (Schlossberg? Spitalplatzschule? Ursulinenkloster?) dieses Konzept und legt die Kunst ins Lager? Herr Flörke, vergessen Sie’s. Streichen Sie es einfach aus Ihrem Gedächtnis. Und planen Sie bitte nicht „ferne Zukunft“, sondern unsere Stadt, wie sie heute und morgen sein soll.

Die erste Vernissage

Was verbinden Kinder, die eine der Kindertagesstätten des Kreisverband Landsbergs des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) besuchen, mit dem Begriff „Rotes Kreuz“? Die Antwort kann man seit dem gestrigen Abend im Landratsamt sehen. Betreutes Wohnen, Bergrettung, Wasserwacht, kein Thema fehlt auf den 40 farbenfrohen Kunstwerken, die jetzt vor dem großen Sitzungssaal ausgestellt sind. Das BRK verhalf den Kindern damit zur ersten Vernissage ihres Lebens – und den Besuchern zu der Erkenntnis, dass die Organisation mit Krippen, Kitas und Horten in Thaining, Hofstetten, Lengenfeld, Weil, Schwabhausen, Prittriching, Scheuring und Landsberg vertreten ist und dort derzeit 620 Kinder betreut. Man konnte also nicht nur staunen , sondern auch noch etwas lernen.

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Im Bild: Die jungen Künstler, deren Werke im Foyer des Landratsamts zu sehen sind, im Gespräch mit Marianne Asam vom Bayerischen Roten Kreuz. Foto: landsbergblog