Franz Xaver Rößle (70)

Der ehemalige langjährige Oberbürgermeister und jetzige Altoberbürgermeister Franz Xaver Rößle ist 70 Jahre alt geworden. Ehrensache, dass der landsbergblog da gratuliert, heute hier und morgen auch persönlich, bei einem eher kleinen aber feinen Empfang im Historischen Rathaus.

In seinen zwölf Jahren an der Spitze der Stadt stand Rößle für den Umbau Landsbergs in Richtung Industrie und Arbeitsplätze, für die Konversion von Kasernen zu Wohngebieten, für die Bewahrung und Erweiterung der Kultur, für die Ausweitung der Städtepartnerschaften und für eine mutige geschichtliche Erinnerungsarbeit. Durch ihn initiiert wurde Landsberg von der kaum beachteten Kleinstadt im Dornröschenschlaf zu einer der dynamischsten Großen Kreisstädte in ganz Bayern.

Im Rahmen der „Spaziergänge“ des KREISBOTEN bestand vor Kurzem Gelegenheit, mit Rößle einige Stunden Zeit zu verbringen. Den Text, der daraus entstanden ist, drucken wir mit freundlicher Genehmigung des KREISBOTEN im Folgenden noch einmal ab.

Herzlichen Glückwunsch, Franz Xaver Rößle!

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Augenhöhe war mein Ziel

KREISBOTEN-Serie: Spaziergang mit … –
Heute: Altoberbürgermeister Franz Xaver Rößle

Als wir telefonierten, lag die Frage auf der Hand: Können wir uns in Ihrem ehemaligen Amtszimmer im Schmalzturm treffen? Dort wo Sie von 1988 bis 2000 die Geschicke der Stadt gelenkt haben? So ein Eintauchen in die Vergangenheit würde Erinnerungen an seine Zeit als OB wecken, spekulierte ich. Nirgendwo sonst würde man so viel aus Franz Xaver Rößle herauslocken können wie dort. Doch da hatte ich die Rechnung ohne die Balken gemacht.

Tatsächlich kommt Rößle, der kürzlich den Titel „Altoberbürgermeister“ erhielt, sofort ins Erzählen, als wir sein ehemaliges Büro betreten. Nur nicht über sich. Mit einem raschen „Dann schauen wir mal“ lenkt er meinen Blick auf die Deckenbalken im Amtszimmer, wo die Namen vieler ehemaliger Bürgermeister und Oberbürgermeister der Stadt eingraviert sind. Rößle, der Jurist mit Hingabe zu Geschichte und Kultur, kann über jeden etwas referieren, über einige hat er selbst geforscht und publiziert.

Rößle spricht über Dr. Ottmar Baur, der nach mehrjährigem Planungsprozess 1931 den Bau der Neuen Bergstraße initiierte. Soghar in Schülerarbeiten werde zuweilen behauptet, die Ablösung der Alten Bergstraße sei von Adolf Hitler angeordnet worden, nachdem er dort im Stau gestanden habe; das sei reiner Unsinn. Die – im Stadtrat nicht vertretene – NSDAP sei vielmehr gegen die Maßnahme gewesen. Dr. Karl Linn, Hans Pfannenstiel, Hermann Überreiter, Ludwig Thoma, Dr. Rudolf Engelshuber und natürlich Hanns Hamberger sind die nächsten Themen. Über alle gibt es Berichtenswertes. Ich schöpfe Hoffnung: Nach Hamberger kommt in der Zeittafel Franz Xaver Rößle. Wir nähern uns dem Spaziergangszweck.

Buch und Masken

Dennoch sind die Balken ein guter Einstieg. Neben den Namen gibt es dort auch Symbole. Bei Rößle sind es das unter seiner Federführung entstandene Stadtlogo (das L, an dessen Fuß der Lech fließt) sowie ein geöffnetes Buch und drei Theatermasken. „Das steht für Kunst“, sage ich, „ja, aber auch für etwas Anderes“, antwortet Rößle und hofft, dass ich es errate. Nach kurzer Pause – ich errate es nicht – erklärt Rößle, das offene Buch stehe dafür, dass ihm jeder in die Bücher schauen konnte. Und die Masken, die stünden für Intrigen, die man als Oberbürgermeister so zu ertragen hat.

Das waren kurze Wege damals, stelle ich fest: Die Stadtverwaltung war nebenan, wo heute die Sparkasse ihren Sitz hat, das Historische Rathaus gegenüber. Das hatte Rößle von seinem Amtszimmer aus immer im Blick, ebenso wie den Hauptplatz. Der bereitete ihm freilich auch Kopfschmerzen: Sein erster Versuch, ihn umzubauen, scheiterte an einem Bürgerbegehren, das er gegen eine Dreiviertelmehrheit der Abstimmenden verlor – „ein Wermutstropfen“.

Dennoch klagte Rößle nicht; er gehörte selbst zur agilen Bürgerschaft. Gegen „Eli Lilly“, das geplante Chemiewerk im Industriegebiet, sammelte er in den 70er Jahren Unterschriften wegen der drohenden Industrie-Monokultur und des Flächenfraßes. In den 80ern war er Teil der Bewegung gegen die Nutzung des Lechwehrs als Wasserkraftwerk.

Ebenso wie Rainer Kuchinke (CSU), mit dem Rößle, wie es heißt, kongenial zusammenarbeitete. Kuchinke war es auch, der gemeinsam mit Norbert Kreuzer beim Geburtstag von Franz-Josef Strauß mit Finanzminister Max Streibl sprach und ihm das Zugeständnis abrang, es solle das Kraftwerk nicht gegen den Willen der Landsberger geben. Nachdem der Rechtsweg erschöpft war, hat Streibl, dann Ministerpräsident, als oberster Dienstherr der Bayerischen Wasserkraftwerke (BAWAG) Wort gehalten. Rößle wurde daraufhin zu Innenminister Gerold Tandler zitiert, der ihm die Entscheidung mitteilte, nicht ohne hinzuzufügen, er halte sie für falsch.

70 Prozent Wald

Die Landsberger Bürger wussten genau, was sie wollten, sagt Rößle und zählt Bürgerbegehren und -initiativen am Fließband auf. Schon vor seiner Zeit gab es die „Schutzgemeinschaft Landsberger Wälder“ gegen den geplanten Standortschießplatz im Oberen Stadtwald. Es gab das Bürgerbegehren für einen Kreisel an der Schwaighofkreuzung. Und es gab natürlich den Bürgerentscheid über die Nutzung des Frauenwalds für das Sägewerk Klausner, heute Ilim Timber. Bei der musste Rößle kämpfen; Tage vor der Abstimmung zeigte eine Umfrage, dass Stadtrat und Verwaltung verlieren würden. Erst mit einer eilig beschlossenen Plakataktion mit dem Versprechen „30 Prozent Gewerbe, 70 Prozent Wald“ kam das Vorhaben durch. Von dieser Formel ist man inzwischen weit weg; das Verhältnis hat sich fast umgekehrt.

„Auch der AKE-Kindergarten ist 1972 von engagierten Bürgern gegründet worden; das ist eine tolle Geschichte“, ergänzt Rößle. Ich muss aufpassen, nicht die Epochen zu verwechseln, sage ich. Sonst ordne ich Ihrer Amtszeit Themen zu, die zu anderer Zeit stattfanden. Rößle lacht und zeigt mir auf, wie schwierig die Abgrenzung ist. Das könne man gut an der B17 illustrieren. Als das Planfeststellungsverfahren 1988 begann und eine Trasse geplant war, die sehr nah an der Stadt war, habe es einen „berechtigten Bürgeraufstand“ gegeben. Stadtbaumeister Griesinger, Forstamtschef Dr. Gaudlitz und er hätten dann neue Schneisen gesucht und auch gefunden.

Dann aber kam das nächste Problem: Die Stadt hatte zum Schutz der westlichen Wohngebiete die Tieferlegung der Umgehung beschlossen und beantragt. 1999 erklärte das Bundesverkehrsministerium, auf dieser Basis nicht weiterarbeiten zu dürfen; die Immissionswerte reichten nicht aus. Rößle habe dann das Signal gegeben, die Planung ebenerdig fortzusetzen; die Forderung der Tieferlegung bleibe aber vorbehalten. Besser eine falsche Umgehungsplanung als gar keine Umgehungsplanung. Den Stadtrat habe er dabei nicht einbezogen; „er hätte das öffentlich so nicht beschließen können“. Rößle halte dieses Vorgehen nach wie vor für richtig. Sein Nachfolger habe die Tieferlegung auf der Grundlage der vorgenommenen Planung dann umsetzen können.

Die Stadt habe damals übrigens auch den großen Kreisel erfunden. Geplant war ein „vielblättriges Kleeblatt“ mit einer zusätzlichen Ausfahrt zum Krankenhaus, ein Konglomerat von Straßen, lauter Beton. „Ja muss das denn sein?“, habe Rößle den Stadtbaumeister gefragt. Letztlich sei mit Hilfe des städtischen Verkehrsgutachters Landbrecht die heutige Lösung entstanden.

19 Jahre von Planung bis Freigabe

„Es gibt offenbar wahrsinnig viele Dinge, die man in einer zweimal sechsjährigen Amtszeit nur auf den Weg bringt, aber nicht vollenden kann“, werfe ich ein. Tatsächlich seien in Sachen B17 vom Beschluss zur Planaufstellung 1988 bis zur Freigabe 2007 insgesamt 19 Jahre vergangen, sagt Rößle. Und mancher erinnere sich gar nicht mehr daran, wer eigentlich die Planungsarbeit gemacht habe. Als die B17 neu eröffnet wurde, habe man ihn noch nicht einmal als Teilnehmer begrüßt; „die Meisten hatten die Entstehungsgeschichte längst vergessen“.

Stadttheater, Neues Stadtmuseum, Herkomermuseum, Rathaussanierung, Stadtbücherei, VHS-Umzug, Jugendzentrum, Stadtbusse, Wasserentsorgung, Städtepartnerschaften, Fußgängerzone Ludwigstraße, Schloßberggarage, Übergabe des Krankenhauses an den Landkreis, Erwerb der Kasernengelände, Gewerbegebiet nördlich der A96, Anrufsammeltaxi, Todesmarsch-Denkmal, wir könnten noch über viele Maßnahmen sprechen, die Rößle initiiert und gemeinsam mit dem Stadtrat erreicht hat.

Warum sind Sie trotz all dieser Erfolge im Jahr 2000 nicht wiedergewählt worden? will ich wissen. „Diese Frage habe ich erwartet“, sagt Rößle. Das habe viele Gründe gehabt. Es sei damals die Zeit gewesen, als lange Amtszeiten öffentlich in Frage gestellt wurden. Daher kam dann auch der Slogan der SPD „Zwölf Jahre sind genug, 18 wären zu viel“. Aber es habe natürlich auch inhaltliche Gründe gegeben. „Der Hauptplatz hat mir sicher nicht genutzt. Mir hat auch nicht genutzt, dass ich mich so sehr um die Erinnerungsarbeit gekümmert habe. Und dass ich ein neues Verwaltungsgebäude bauen wollte.“ Das Poesiefestival mit dem Poesieautomaten von Hanns Magnus Enzensberger falle auch in diese Gruppe.

Außerdem: „Die Stadt war verschuldet, denn wir mussten dem Bund die frei werdenden Kasernen abkaufen.“ Rößle habe ehrlich gesagt: Die nächsten sechs Jahre müssen wir Ausgaben reduzieren. „Wissen Sie“, sagt Rößle, „wenn so viele Dinge zusammenkommen und zwei große Parteien, die CSU und die SPD, einen Kandidaten gemeinsam unterstützen, nämlich Ingo Lehmann, dann sind Sie als Unabhängiger immer in der Defensive.“

So ganz hat Rößle seinen Frieden damit noch nicht gemacht: Lehmann habe gegen das Fachmarktzentrum argumentiert und es dann gebaut, sagt er. Ähnlich verhalte es sich mit dem Verwaltungsgebäude. Nach der Verkündung des Ergebnisses der Stichwahl war sein Zorn jedenfalls spürbar: „Dieses Ergebnis entspricht nicht meinen Leistungen“, sagte er in die Kameras.

Nachverdichtung zum Siedlungsbrei

„Das hat Sie getroffen, aber nicht umgebracht“, sage ich. „Nein“, sagt Rößle, „die Entscheidung der Landsberger war für mich persönlich nicht falsch“. Die folgenden Jahre als Anwalt seien für ihn nochmal ein Stück beruflicher Erfüllung gewesen.

Wie sehen Sie Landsberg heute? „Es ist eine tolle Stadt. Aber wir müssen aufpassen, dass wir sie nicht durch blinde Nachverdichtung zum Siedlungsbrei machen.“ Rößle erinnert an den Vortrag von Dr. Busse, der im Stadtrat gegen die Aufhebung von Bebauungsplänen und Baugenehmigungen nach dem „Einpassungsgebot“ des Baugesetzbuchs plädiert hatte („Lassen Sie doch den Leuten ihr kleines Glück“). „Als ich das las, habe ich Hoffnung geschöpft: Vielleicht ist jetzt die größte Gefahr vorbei.“

Damit meinen Sie nicht die Pflugfabrik? frage ich vorsichtshalber. Rößle verneint. Er habe ja den ersten Wettbewerb zur Neugestaltung des Areals selbst initiiert, berichtet er. Aber die Gebrüder Pöttinger hätten damals noch nicht verkaufen wollen, weil sie keinen Pfeiler aus ihrer Unternehmensstruktur herausnehmen wollten – „sie brauchten einfach Zeit“.

Der Titel „Altoberbürgermeister“ – freut der Sie nun oder erinnert er sie eher daran, dass sie älter geworden sind? frage ich. „Ach, das Wort alt hat viele Bedeutungen. Mein alter Freund zum Beispiel. Nein, es ist ein im Kommunalrecht enthaltener Ehrentitel. Ich bin jetzt 17 Jahre aus dem Amt. Nach so einer Zeit sieht man, losgelöst von Wahlkämpfen und dem politischen Wettbewerb, ob jemand etwas geschafft, etwas bewegt hat oder nicht. Meine Zeit war die Zeit der Weichenstellung. Mein Vater war immer der Meinung: Landsberg ist zurückgeblieben. Das konnte man in der Tat mit den Händen greifen. Hanns Hamberger hat die Stadt schon aus dem Dornröschenschlaf erweckt; das war ein richtiger erster Schub. Aber im Jahr 2000, am Ende meiner Amtszeit, hatten wir Augenhöhe mit den anderen großen Kreisstädten. Und das war mein Ziel.“

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Das Gespräch führte Werner Lauff

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Ehrensache

Das Triple in Penzing steht bevor: 60 Jahre LTG 61, der Tag der Bundeswehr, der Abschied aus der Region. Heute gab es einen wunderbaren Anfang: Das ganze Geschwader war dabei, als die Transall, die zur Feier des 10. Juni 2017 eine Sonderlackierung bekam, den Hangar verließ. Sie sieht farbmäßig jetzt fast so aus wie vor 45 Jahren, als sie von VFW Fokker ans LTG ausgeliefert wurde. Silber, monochrom und wirklich majestätisch.

Die Feier hat begonnen. Und gefeiert wird zurecht. Das LTG 61 hat in den vergangenen 60 Jahren eine herausragende Leistung erbracht. Obwohl die Transall maximal für die Mittelstrecke gedacht war, war sie von Penzing aus in der halben Welt unterwegs. Manchmal zur Versorgung der Truppen in El Paso und Südafrika. Oft in humanitärer Funktion, zum Beispiel in Äthiopien. Später dann auch in militärischen Missionen, etwa in Afghanistan. Die Soldaten, die die Flugzeuge auf den Weg brachten, ob im Cockpit oder am Boden, haben dem LTG einen Teil ihres Lebens gewidmet. Sie sind Risiken eingegangen. Sie haben dem Frieden gedient.

Man hätte Verständnis für Resignation. Es ist ja nicht so, dass die Transall zugunsten eines shooting stars der Luftfahrttechnik aufgegeben wird. Werden die Soldaten und Mitarbeiter nicht zu früh in alle Winde zerstreut? Doch bei den Betroffenen ist vor allem konzentrierte Professionalität zu spüren; die Vorbereitung auf den 10. Juni dominiert. Danach geht es Schlag auf Schlag. Am 28. September ist der Flyout. Am 14. Dezember gibt es einen letzten Appell. Er findet auf dem Landsberger Hauptplatz statt. Dann ist Schluss.

Ähnlich professionell ist die Vorbereitung der Nachnutzung. Wieso Nachnutzung? Hat die Bundeswehr nicht beschlossen, den Fliegerhorst zu behalten und ihn der „Stillstandswartung“ zuzuführen? Inzwischen wissen wir, dass hierüber gerade eine Abwägung stattfindet. Was bringt es, den Fliegerhorst zu behalten? Welche Nachteile entstehen dadurch für die Gemeinden ringsum? Um es zu wiederholen: Kasernen ohne Soldaten sind das Schlimmste, was einer Gemeinde passieren kann. Aber es besteht Hoffnung. Wer in Kreisen des Ministeriums genau hinhört, spürt die Erkenntnis, dass der nicht expandierbare Fliegerhorst vielleicht doch besser anderweitig genutzt werden sollte. Oberst Daniel Draken, der Kommodore des LTG 61, stünde dieser zivilen Nutzung nicht im Weg. Ganz im Gegenteil. Sein Engagement über den militärischen Horizont hinaus ist vorbildlich.

Der 10. Juni 2017 ist ein Tag der offenen Tür auf dem Fliegerhorst. Es ist ein Tag, um Flugvorführungen mit der Transall und ihren Vorgängerinnen, Düsenjets (Sie hören sie schon proben) und Hubschraubern zu sehen. Es ist ein Tag, bei dem Sie die Vielfalt der Bundeswehr und der unterstützenden Unternehmen erkennen können. Es ist aber auch ein Tag, um mit Ihrer Teilnahme den Soldaten und Mitarbeitern des LTG 61 eine Ehre zu erweisen. Sagen Sie Dank und nehmen Sie Abschied. 10. Juni? Penzing. Ehrensache.

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Wenn Sie mehr über das Mega-Event am 10. Juni von 9 bis 17 Uhr im Fliegerhorst erfahren wollen, sollten Sie sich in den nächsten drei Wochen die gedruckten Ausgaben des KREISBOTEN besorgen oder das E-Paper online abrufen. Besonders würden wir Ihre Aufmerksamkeit gerne auf die Ausgabe von Mittwoch, dem 31. Mai, richten.

Veröffentlicht unter Danke

Werden Sie Stadtrat!

Sollte Landsberg demnächst wirklich 30.000 Einwohner haben, dann hat das zwei Konsequenzen. Erstens: Prostitution ist wieder zugelassen. Für die Bürgerversammlung am kommenden Montag um 19:30 Uhr im Sportzentrum ist daher der Antrag angekündigt, die Stadt möge alles tun, bei 29.999 Einwohnern abzuriegeln. „Obergrenze“ ist in Bayern ja ein bekanntes Wort.

Und zweitens: Bei der nächsten Kommunalwahl steigt die Zahl der zu wählenden Stadträte von 30 auf 40. Für die Parteien und Wählergruppen ist das keine gute Nachricht. Es ist ohnehin schwer, eine Liste zu füllen, selbst für die CSU. Von der BAL, der ÖDP und der SPD mal ganz zu schweigen. Für Sie ist das aber eine Chance: Wenn Sie mitmachen wollen, werden Sie wahrscheinlich herzlich willkommen geheißen.

Allerdings müssen Sie wissen, dass das bayerische Wahlsystem Prominenz belohnt. Selbst wer sein bisheriges Engagement nicht ganz so ernst nahm, wie man es hätte erwarten können, und dazu noch einige Male mit eher zweifelhaften Ideen in der Zeitung stand, wird mit großer Wahrscheinlichkeit wiedergewählt. Es gibt Beispiele dafür; wir nennen sie nur nicht. Sind Sie aus anderem Grund schon bekannt, etwa weil Autos mit Ihrem Namen herumfahren oder Sie eine Apotheke besitzen, haben Sie beste Chancen; beim erratischen Suchen auf dem Wahlzettel gilt für Sie der „Den kenn‘ ich“-Bonus.

Freilich sollten Sie vorher noch etwas Nettes über die Stadtverwaltung sagen: Die Damen und Herren dort sind zahlreich und gehen garantiert alle wählen, sofern sie denn hier wahlberechtigt sind. Wenn Sie diese Herausforderung auch noch bewältigen: Willkommen im Stadtrat!

Eines müssen Sie allerdings wissen. Von Montag bis Mittwoch dürfen Sie nichts anderes vorhaben. Gerade hat der Stadtrat sein neues Mitglied Franz Daschner begrüßt und der hat im KREISBOTEN-Gespräch gesagt, sein großer Vorteil sei, dass er Pensionär ist und Zeit hat. Daschner hat zwar noch andere Vorteile, aber egal: Was Sie zuerst brauchen, ist Zeit. Und die Möglichkeit, am Donnerstag auszuschlafen.

Zwar hat die Zahl der Nachtsitzungen abgenommen, aber diese Woche war wieder so eine, von sechs bis nach elf. Und das Spannende kommt bekanntlich immer zum Schluss. Es kündigt sich durch Anwälte an, die im Zuschauerraum warten, bis der öffentliche Teil beendet ist und das Spannende beginnen kann.

Was Sie dann noch brauchen, ist Lernbereitschaft. Sie tragen als Stadtrat eine Menge Verantwortung. Und egal ob Sie über Schulsprengel beraten oder Mittagsverpflegung, über Kindergartentarife oder Nachverdichtung, über 30er-Zonen oder die Verrentungsoption in Straßenausbaubeitragssatzungen – Sie müssen eine Menge Fakten kennen, eine Menge Interessen eruieren, eine Menge Wissen erwerben. Noch mehr ist all das gefordert, wenn Sie Beauftragter für irgendetwas sind oder einem Verwaltungsrat angehören. Ehrenamt? Profi müssen Sie sein.

Das hat seinen Preis. Zur letzten Sitzung gab es 400 Seiten Sitzungsunterlagen. Sonntagslektüre. Widmen Sie sich der, wenn Sie in vier Jahren im Stadtrat sind? Natürlich tun Sie das. Ansonsten fragen Sie nämlich genau das, was in der Unterlage schon auf Seite 237 steht. Und die Mitarbeiter der Verwaltung wissen genau, was da steht. „Steht doch in der Unterlage“, sagen sie dann gerne. Und Sie sind aufgeflogen.

Dann gilt es noch, das Wichtige vom Unwichtigen zu unterscheiden. Das, was der OB oder der Kämmerer oder einer der Abteilungsleiter so en passant sagen, zu registrieren, einzuordnen, zu bewerten und zum Thema zu machen. Da kann die Presse ein wenig helfen, aber letztlich ist die Gewichtung Ihre Sache.

Was brauchen Sie noch? Teilnahmewille an der Montagsrunde, Absprachewille mit anderen Fraktionen, Nachfragewille bei der Verwaltung und Zuhören-Wille gegenüber den Bürgern.

Alle Achtung, werden Sie jetzt sagen, dann machen die amtierenden Stadträte ja einen verdammt schweren Job. Stimmt. Wer dennoch sagt: „Das ist genau mein Ding“, der sollte sich beizeiten aufmachen, es ihnen gleich zu tun. Die Chance war noch nie so groß wie jetzt. Die 30.000er Grenze ergänzt vielleicht Tugend um Sünde. Sie könnte aber auch Ihr Durchbruch sein.

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Dies war, Sie haben es gemerkt, ein Kommentar. Der landsbergblog ist ein Kommentar-Medium. Detaillierte Berichte zur Stadtratssitzung finden Sie in der nächsten und übernächsten Ausgabe des KREISBOTEN. Sie können einzelne Beiträge unter www.kreisbote.de auch online lesen. Sollten Sie die gedruckte Ausgabe nicht erhalten (wollen), gibt es sie unter der gleiche Adresse online zum „Durchblättern“.

Statt eines Nachrufs

Nein, wir sprechen heute nicht übers Essen. Obwohl: Wir hatten Lachs nach aquitanischer Art, danach „weibliche Barbarie-Entenbrust an Petersilien-Kartoffelpüree und gebratenem Lauchgemüse auf Rotwein-Madeirasauce“ und zum Abschluss eine Auswahl französischer Käse vom Brett. Das kam perfekt aus dieser kleinen Küche, die Ente à point und butterweich, der Lachs mit Kapern würzig, die Käse grandios. Aber wir sprechen heute nicht über Essen. Wir sprechen über einen Champagner und acht französische Weine, jeder von ihnen beachtenswert und mit eigenem Charakter, sorgfältig ausgesucht und gelagert. Und wir sprechen vor allem über den Mann, der uns fünf Stunden lang, von acht am Abend bis eins in der Nacht, bestens informiert, instruiert und unterhalten hat: Medardus Wallner, Inhaber des „Artisan du Vin“.

Dass Wein und Käse Wallners Leidenschaften sind, weiß jeder, der ihn in seinem Geschäft in der Schulgasse besucht. Wer aber an einem seiner Abende teilnimmt, wie wir gestern an der „Weinreise durch Frankreich“, der lernt seine Begeisterung so richtig kennen. Sein „Restaurant“ im Obergeschoss des Altstadthauses bietet Platz für 35 Personen und so viel waren es dann auch, die sich gestern Abend einfanden. Ein bestens präparierter Chef – seine Vorbereitung auf vielen karierten Ringbuchblättern hatten wir schon bei „10 Käse, 10 Weine“ bewundert – mit einer kritischen Haltung zu allem, was im Weinanbau und beim Weingenuss degeneriert. Wobei die Winzer immer besser werden, die Konsumenten oft aber nicht. Gestern Abend war diese Gattung glücklicherweise nicht vertreten, jene Neureichen, die meinen, weil sie teuren Wein bestellen, seien sie auch Kenner. „Die denken: Wenn Du so einen Wein im Glas hast, dann bist halt oaner. Ohne zu wissen, dass koaner bist.“ Sagt Wallner.

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Wallners Spezialität ist, mit Weinen zu verblüffen. Der Wein, den er da gerade so rühmt, kann 8,95 Euro oder 250 Euro kosten – seiner Schilderung kann man das nicht entnehmen und den Preis verrät er sowieso erst auf Anfrage am Ende der Weinreise. Wir begannen sie, nach dem Glas aus der Champagne, im Elsass mit einem 2008er Clevner, die elsässische Bezeichnung für Weißburgunder. Endpunkte waren ein 1990er Chambolle-Musigny aus der Domaine Georges de Vogüe und ein 2003er L’Egrégore aus Bordeaux.

Zu allem gab Wallner kenntnisreiche Erläuterungen, ohne uns mit Details zu überfrachten. Vieles werden wir wieder vergessen, manches aber auch behalten, zum Beispiel dass ein Wein, der kurz im Barrique war, mehr nach Holz schmeckt als einer, der dort lange gereift ist. Wallner scheut sich auch nicht, konkrete Anleitungen zu geben, wie man das Glas hält, schwenkt und den Wein im Mund mit Luft anreichert. Denn er will, dass wir Wein nicht trinken, sondern genießen. Dass wir zwischen Wein und Wein unterscheiden können. Und dass wir ein Bewusstsein für Qualität entwickeln. „Sich Qualität zu leisten, ist der größte Luxus“, sagt Wallner zum Schluss. Die fünf Stunden Wissen, neun Gläser Wein und drei Gänge kosten 75 Euro. Eine lohnende Investition.

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Dieser Beitrag erschien in der der Reihe Essblog im landsbergblog vom 19. Mai 2012. Medardus Wallner ist am Dienstag im Alter von 69 Jahren verstorben.

Der Stadtrat, der Bauhof und wir

Liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bauhofs der Stadt Landsberg,

Sie sorgen zuverlässig für den Straßenunterhalt, die Straßenreinigung, den Winterdienst, die Pflege von Grün- und Parkanlagen und die Sauberkeit der Spielplätze. Sie kümmern sich um den Ausfall von Ampelanlagen, beseitigen Sturmschäden und bergen tote Tiere von der Fahrbahn. Das tun Sie 365 Tage im Jahr, 24 Stunden am Tag, manchmal auch mitten in der Nacht und am Wochenende. Das ist das, was wir Journalisten mitbekommen. Hinter den Kulissen erledigen Sie aber wahrscheinlich noch viel mehr. Wir sind für Ihre Arbeit dankbar und sehen sie mit Respekt.

Ihr Chef, Hans Huttenloher, hat uns heute Abend darauf aufmerksam gemacht, ein Ausdruck zum Thema „Radfahren an der Neuen Bergstraße“ könnte Sie möglicherweise verletzen. Es handelt sich um die Formulierung, der Bauhof sei (oder habe sich) blamiert. Hintergrund ist, dass der gesamte Stadtrat fest damit gerechnet hat, dass in den jetzt beginnenden Sommerferien der bergabwärts führende Fahrradstreifen vom Bauhof verlängert wird, um die dortige gefährliche Einfädelstelle zu entschärfen. Der Stadtrat hatte die Maßnahme einstimmig beschlossen, nicht zuletzt weil Notarzt Wolfgang Weisensee dafür vehement plädiert hatte. Und er weiß, warum.

Noch in der Vorlage für die Sitzung am heutigen Abend stand: Die Maßnahme wird in den Sommerferien 2016 vom Bauhof durchgeführt; die Kosten betragen 145.000 Euro. Offenbar war diese Angabe und Zusage aber voreilig; wie wir hören, hat die Regierung von Oberbayern mitgeteilt, dass der Bauhof die Arbeiten gar nicht ausführen darf. Nun ist die Maßnahme auszuschreiben und alle, die auf den Fahrradstreifen gehofft haben, müssen ein weiteres Jahr darauf warten, weil die Verlängerung aufgrund von Sperrungen in den großen Ferien stattfinden muss.

Das ist sehr unglücklich gelaufen, schmälert jedoch Ihre Arbeit in keiner Weise. „Schimpfen Sie mit mir, aber nicht auf meine Mitarbeiter“, hat Hans Huttenloher uns heute Abend gesagt. Das tun wir hiermit gerne und wiederholen: Sie, die Mitarbeiter des Bauhofs, waren nicht einmal ansatzweise gemeint. Lassen Sie sich bitte nicht irritieren!

P.S. Vielleicht nutzen wir die Gelegenheit noch, die Telefonnummer zu nennen, unter der der Bereitschaftsdienst des Bauhofs werktags ab 16 Uhr, am Freitag ab 12 Uhr sowie an den Wochenenden und in der Nacht erreichbar ist, beispielsweise wenn nach einem Sturm ein Baum auf der Straße liegt oder eine Ampel nicht mehr funktioniert. Die Nummer lautet 128-570.

Das ungeliebte Wesen

Genau betrachtet – von Werner Lauff

Genau betrachtet hat der Landsberger Stadtrat von seiner Amtseinführung bis heute doppelte Arbeit geleistet. Er hat große Vorhaben wie den Neubau der Mittelschule und die Umgestaltung des Pflugfabrik-Geländes auf den Weg gebracht. Er hat den Investitionsstau reduziert und die Herausforderung Asyl angenommen. Er hat mit zwei Haushalten aus der Fahrt ins Blaue einen klaren Kurs gemacht. Das und vieles mehr bildet den einen Teil. Wer die vollgepackten Tagesordnungen Revue passieren lässt, kommt nicht umhin, den 30 Stadträten von CSU, Grünen, UBV, Landsberger Mitte, SPD, BAL und ÖDP Respekt zu zollen. Das gilt insbesondere für diejenigen Mitglieder, die im Rechnungsprüfungsausschuss, in der „Lenkungsgruppe Papierbach“ oder bei den Stadtwerken Zusatzaufgaben übernommen haben.

Der andere Teil der Arbeit war hingegen vollkommen überflüssig. Der Stadtrat musste immer wieder dafür sorgen, dass er in seinen Rechten und Zuständigkeiten nicht beschränkt wird. Er musste oft Anwalt in eigener Sache sein. In den Sitzungen des Stadtrats und der Ausschüsse lag deswegen häufig Spannung in der Luft.

Differenzen

Dafür gibt es eine ganze Reihe von Beispielen. Der Stadtrat wollte eine „starke“ Stadtbaumeisterin mit umfassender Zuständigkeit; der Oberbürgermeister versuchte, zuvor Aufgabenbereiche abzutrennen. Der Stadtrat wollte das Organisationsgutachten genau auswerten, um den von ihm zu genehmigenden Stellenplan zu optimieren; der Oberbürgermeister pochte auf eigene Zuständigkeit. Der Bauausschuss beschloss, auf dem Hauptplatz ein Parkverbot zu erlassen; die Verwaltung stellte nach dem Ruethenfest aber die Schilder nicht mehr auf. Umgekehrt hob der Ausschuss ein Parkverbot auf, aber die Umsetzung erfolgte – zunächst mit Berufung auf „Ermessen“ – in einer Art, die man als kreativ bezeichnen kann.

Zeitweise hatte man den Eindruck, dass die Verwaltung bewusst Maßnahmen vornahm, um Dinge auf die Spitze zu treiben. Da waren plötzlich nicht mehr genug Mitarbeiter für den Winterdienst da, weil der Stadtrat das Thema zu später Stunde ja nicht mehr behandelt hatte. Da wurden bereits beschlossene Themen erneut auf die Tagesordnung gesetzt, weil die Verwaltung partout nicht damit leben wollte, dass das Hauptplatz-Pflaster nicht auf die Herzog-Ernst-Straße ausgedehnt wird. Da gab der Oberbürgermeister in einem Petitionsverfahren eine Stellungnahme ab und erweckte den Eindruck, als habe der Stadtrat begründungslos Beschlüsse gefasst – was dazu führte, dass die Regierung von Oberbayern dem Gremium vorwarf, „sich zum Rechtsbruch zu bekennen“.

Wiederholungsgefahr

Hinzu kamen Streitigkeiten um Beratungsunterlagen. Der Stadtrat hatte aufgrund eines Votums der Bürgerversammlung beschlossen, dass die Vorlagen zum öffentlichen Teil von Stadtratssitzungen über die Website der Stadt aufrufbar sein sollten. Die Verwaltung verweigerte die Ausführung monatelang, bis eine zusätzliche Halbtagsstelle für die datenschutzrechtliche Prüfung der Unterlagen genehmigt und besetzt war. Für den nichtöffentlichen Teil hatte der Stadtrat festgelegt, dass er dort nicht allein aufgrund mündlicher Schilderung oder kurzfristig ausgeteilter Papiere über Millionenbeträge entscheiden möchte, sondern ebenfalls Unterlagen erbittet. Die Verwaltung kam dem erst nach, als die Rechtsaufsicht den Oberbürgermeister anwies, dem Wunsch des Stadtrats Rechnung zu tragen.

Natürlich ist man bei einem Jahreswechsel geneigt, all das als Historie einzustufen: Schwamm drüber, das Jahr ist vorbei. Außerdem ist deutlich darauf hinzuweisen, dass es große Teile der Verwaltung gibt, die exzellent mit dem Stadtrat und seinen Ausschüssen zusammenarbeiten. Prototypisch dafür steht die Kämmerei. Einige Bereiche aber lassen erkennen, dass Wiederholungsgefahr besteht. Diese Teile der Verwaltung respektieren den Stadtrat und seine Zuständigkeiten immer noch nicht uneingeschränkt. Für sie ist er ein ungeliebtes Wesen, das man nicht akzeptieren mag.

Budgethoheit

Interessanterweise ist es umgekehrt anders. Der Stadtrat hat den Verwaltungsabteilungen bei den Haushaltsberatungen 2015 eine besondere Budgethoheit zugestanden; sie können innerhalb der „Deckungskreise“ Mittel selbständig umschichten. Dies gilt fort; auf eine von Kämmerer Peter Jung angebotene Grenzziehung hat das Gremium verzichtet. Der Stadtrat zieht sich auch schnell zurück, wenn er sich – wie im Fall der Stellplätze für Motorräder – einmal in den Bereich verirrt, den der Oberbürgermeister als wiederkehrende Angelegenheit der laufenden Verwaltung selbst regeln darf.

Glücklicherweise haben die Mitglieder des Stadtrats über Fraktionsgrenzen hinweg zu einem kollegialen Miteinander gefunden. Es gibt eine gemeinsame „Montagsrunde“, bei der Fragen zur Sitzung vom Mittwoch geklärt werden. Man trifft sich in den Lenkungsgruppen und Arbeitskreisen. Man respektiert sich.

Allerdings wäre es schön, wenn die Stadträte – selbst wenn sie sich explizit als „unabhängig“ bezeichnen – ihre ad-hoc-Anträge vorher wenigstens einmal in der eigenen Fraktion abstimmen würden. Zwar ist es bemerkenswert, wie wenig Isolationsfurcht manche Mitglieder haben; einigen scheint es egal zu sein, wenn sie bei einem Antrag mit fliegenden Fahnen untergehen. Aber so etwas kostet auch Zeit und führt zur Unstrukturiertheit der Sitzungen. Besonders negativ fiel dies bei der ersten Beratung zum Thema Pflugfabrik auf, als allerlei spontan wirkende Wünsche und Postulate vom Kern der Sache so sehr ablenkten, dass er fast aus dem Auge geriet.

Rede darüber!

Mehr Absprache, mehr gegenseitiges Hinterfragen, mehr Koordination, auch fraktionsübergreifend – wenn das 2016 gelänge, würde die Arbeit des Stadtrats noch mehr professionalisiert. Nicht in Vergessenheit geraten sollte auch das Motto „Tue Gutes und rede darüber“. Der Stadtrat hat in seiner bisherigen Amtszeit enorm viel bewirkt. Die Parteien und Fraktionen sprechen darüber aber zu wenig in und mit der Öffentlichkeit. Dieser Dialog ist mühsam, er bringt noch mehr Termine und stellt für die Stadträte, die ehrenamtlich tätig sind, eine weitere Belastung dar.

Aber angesichts der Leistungen des Stadtrats ist dabei auch eine Menge Ermutigung zu erwarten. Wer Landsbergs Bürger bei Gelegenheit befragt, was sie vom derzeitigen Stadtrat halten, bekommt fast ausnahmslos positive Antworten. Selten hat ein Gremium so gute Noten erhalten wie dieses. Und der Stadtrat schüttet ja nicht mit dem Füllhorn Wohltaten aus, ganz im Gegenteil. Aber die Bürger spüren: Er übt Verantwortung aus. Und das macht er beharrlich. Das ist für 2016 ein gutes Gefühl.

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Der Beitrag erscheint parallel in der heutigen Ausgabe des KREISBOTEN.

Trauer um Dieter Kolbe

Landsberg hat eines seiner Originale verloren. Von Harry Reitmeir *

Dieter Kolbe starb am vergangenen Freitag nach kurzer schwerer Erkrankung nur wenige Tage nach seinem 67. Geburtstag.

Er gehörte sicher zu den wohl bekanntesten Landsbergern. Gastwirt im Stadt München, danach fast 30 Jahre im Mohren und zuletzt in „Kolbe’s Wirtshaus am Spitalplatz“. Kaum eine Landsbergerin oder ein Landsberger war nicht zu Gast bei ihm. Seine alten Freunde trafen sich am Montag zum Stammtisch beim Kolbe, die Landsberger Bühne, die Musiker, die Sportler und die Kulturinteressierten – alle fanden sich bei Dieter Kolbe ein. Und die Politiker natürlich auch. Im Mohren gab es bereits in den 60er Jahren die sogenannte Ratsstube, in der man sich nach den Sitzungen des Stadtrats traf. Und als ich 2002 in den Stadtrat kam, erklärte man mir, dass man nach der Sitzung zum Dieter geht. Ziel sei die „Polithygiene“, denn wenn man sich mal gestritten hatte, dann sagte man spätestens nach dem zweiten Bier „samma wieder guat“. Und der amtierende Stadtrat war bis drei Tage vor Schließung seines Lokals im Oktober dieses Jahres noch zu Gast – Dieter selbst konnte aus gesundheitlichen Gründen aber nicht mehr da sein.

Dieter Kolbe war von 1990 bis 1996 im Stadtrat und dort hochengagiert – auch in seinem Resort. Als Referent für das Heilig-Geist-Spital setzte er sich mit viel Herzblut für die Belange der städtischen Alten- und Pflegeeinrichtung ein. Und auch nach seiner Stadtratstätigkeit blieb er immer irgendwie der 31. Ratsherr.

Dieter interessierte sich für alle Themen, die „sein Landsberg“ betrafen. Er ließ sein Wirtshaus offen, auch wenn der letzte Gast bereits gegangen war, denn er wartete auf die Stadträtinnen und Stadträte, die noch im Sitzungssaal diskutierten. Und auch wenn es spät war – Dieter stellte sofort etwas zum Knabbern oder eine kleine Brotzeit auf den Tisch – natürlich auf Kosten des Hauses. Dann brachte er Bier und war ganz Ohr, was denn in der Sitzung so entschieden wurde. Und er kannte auch das Meinungsbild der Menschen, denn die „Lufthoheit über den Stammtischen“ war ihm stets bekannt. Ob Hauptplatzumbau, Herzog-Ernst-Straße oder Lechsteg – Dieter diskutierte gerne mit und gab gute und fundierte Ratschläge.

Und wenn es dann im Rathaus mal so spät wurde, dass Dieter bereits zugesperrt hatte, dann war man fast a bisserl traurig, denn es fehlte etwas.

Er engagierte sich von Beginn an stark für die Städtepartnerschaft mit Waldheim und bald war der Sächsische Stammtisch mit Bürgen aus Waldheim und Landsberg Tradition in seinem Lokal. Als zweiter Vorsitzender des damaligen Verkehrsvereins nahm er gemeinsam mit Bürgermeister Norbert Kreuzer maßgeblichen Einfluss auf die positive Entwicklung des Landsberger Christkindlmarkts.

Für Dieter gab es aber nicht nur Politik, sondern auch den Sport. War es die große Zeit im Landsberger Eishockey – Dieter Kolbe war dabei. Sehr am Herzen lagen ihm auch die Handballer des TSV Landsberg und deren Jahrzehnte andauernde Freundschaft mit den Sportlern aus Gänserndorf in Niederösterreich. Und natürlich war auch die Kultur sein Element. Selbst leidenschaftlicher Musiker – er streichelte seinen Contrabass – da war es klar, dass sich Künstler jeden Genres bei ihm die Klinke in die Hand gaben und auftraten. Und die Landsberger Bühne war auch eine von Dieter hoch geschätzte Institution.

Sein Herz schlug aber auch für den Ruethenfestverein. Wer kennt ihn nicht als Landsknecht, wie er mit seinem Leiterwagen beim Festumzug dabei war. Den Wagen mit Getränken und Brotzeit bepackt, grüßte Dieter Kolbe mit einem herzlichen „Hussa“. Die Teilnahme am diesjährigen Ruethenfest war ihm nicht mehr möglich, wenngleich er noch in seinem Wirtshaus am Spitalplatz auf Gäste und Freunde wartete.

Dieter war ein lebensbejahender Mensch, einer der gern lachte und die Geselligkeit liebte.
Sein Herz schlug für vieles in „seinem Landsberg“. Am vergangenen Freitag hörte es für immer auf zu schlagen. Landsberg verliert eines seiner letzte Originale. Der Spitzname „Sonnenwirt“ passte perfekt zu ihm und als sonnigen Menschen und guten (Partei)freund werde ich ihn stets in bester Erinnerung behalten. Sein früher Tod macht nicht nur mich, sondern viele Landsbergerinnen und Landsberger betroffen und traurig.

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*Harry Reitmeir ist Stadtrat der CSU und war langjähriger Weggefährte von Dieter Kolbe. Er hat diesen Nachruf auf Bitte des landsbergblog geschrieben. Dafür bedanken wir uns. Die Red.

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Harry Reitmeir (links) mit Dieter Kolbe. Foto:privat

Sichtwechsel mit Überraschungen

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von links: Eiad Abugazzar, Palästina, Mahmoud Azzam, Syrien, Susi Wechsler, Landsberg, Mohammed Gamal, Palästina. Foto: Conny Kurz

Was machen ehrenamtliche Helfer eigentlich mit den Flüchtlingen und Asylbewerbern, die sie betreuen? Dies ist das Thema einer Ausstellung, die am kommenden Samstag um 17:30 Uhr, also eine halbe Stunde vor Beginn der Langen Kunstnacht, im Reisebüro Vivell eröffnet wird. Bildliche Antworten darauf gibt die Landsberger Profi-Fotografin Conny Kurz. Unter der Überschrift “Sichtwechsel – Wechselsicht” schildert sie “eine ganz besondere Beziehung”. Die Vernissage ist öffentlich – natürlich auch für die Abgebildeten selbst. Im vorliegenden Bild sehen Sie Ehrenamtlerin Susi Wechsler. Unsere Interpretation führt zu dem Ergebnis, dass die hier dokumentierte temporäre Liaison offenbar von Kochen auf Bayerisch und Landeskunde dominiert wird; das hätten wir so auch nicht gedacht. Und die anderen Partnerschaften auf Zeit? Schauen Sie am Samstag mal genau hin!

Bettenbau

BRK1

Am gestrigen Sonntag fuhr die „Schnelleinsatzgruppe (SEG) Betreuung“ des Kreisverbands Landsberg des Bayerischen Roten Kreuzes kurzfristig zu einem 12-stündigen Betreuungseinsatz nach München. Auf dem Messegelände baute sie gemeinsam mit anderen Hilfkräften mehrere tausend Schlafplätze für ankommende Flüchtlinge auf. Mit dabei waren SEG-Leiter Christian Hess und die Kreisbereitschaftsleitung  Markus Wegele und Thomas Wagner sowie neun weitere Helferinnen und Helfer. Foto: BRK

Menschlich und effizient

Die von uns, aus Landsberger Perspektive, gelegentlich kritisierte Regierung von Oberbayern hat in den vergangenen Tagen eine Glanzleistung vollbracht. Stellvertretend für Bund und EU hat sie die Maßnahmen zur Aufnahme und Erstunterbringung der Flüchtlinge in München menschlich und effizient koordiniert. Regierungspräsident Christoph Hillenbrand hat dabei die Kräfte der Stadt München, der Polizei, der Deutschen Bahn, der Ministerien und der Hilfsorganisationen gebündelt und so für eine nahezu reibungslose Bewältigung der Flüchtlingsflut in München gesorgt. Das hat dem Land, der Region und der Stadt europaweit Anerkennung gebracht. Durch die sachliche und engagierte Krisenbewältigung Hillenbrands, die sich vom Chaos in Ungarn und dem Wegducken in Österreich klar abgrenzt, bewirkt der Regierungspräsident nicht nur einen guten Einstieg in ein geordnetes Asylverfahren; er reduziert auch Ängste und generiert Hilfsbereitschaft. Danke dafür!