@landsbergblog

Vielleicht haben Sie es irgendwo gelesen: Bei Twitter sind jetzt 280 Zeichen erlaubt; das ist doppelt so viel wie bisher. Für einen journalistischen und kommentierenden Blog wie unseren ist diese Erweiterung sinnvoll. Nur wenige Themen lassen sich in einem einzigen Satz vermitteln.

Daher twittern wir seit einigen Tagen wieder.

Wir twittern wieder, so wie wir es 2012 schon einmal gemacht haben. Unser Name „landsbergblog“ ist der gleiche wie damals. Wenn Sie also ab und zu, zwischen den Beiträgen, kleine Anmerkungen und Hinweise des landsbergblog lesen wollen, dann nehmen Sie doch eine der beiden Möglichkeiten wahr:

  • Sind Sie Twitter-Nutzer, folgen Sie in Twitter „landsbergblog“.
  • Sind Sie kein Twitter-Nutzer und wollen es auch nicht werden,
    gehen Sie auf die Seite https://twitter.com/landsbergblog.

Alle diejenigen, die sich mit Twitter schon auskennen oder gerade „Teufelszeug“ rufen, die verabschieden wir an dieser Stelle. Für diejenige, die mehr wissen wollen, haben wir ein kleines Tutorial geschrieben. Es richtet sich an alle, die nicht viel über Twitter wissen, aber vielleicht immer schon etwas mehr darüber wissen wollten. Sie finden das Tutorial, wenn Sie auf „weiterlesen“ klicken.

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Frei aufgehängt

Landsberg hat eine neue Webcam, gab der Pressesprecher der Stadtverwaltung, Andreas Létang, über Facebook bekannt.

Die Kamera, deren Bild kostenfrei im Internet abrufbar ist, erfasst in einem 60-sekündigen 360-Grad-Schwenk praktisch die ganze Stadt. Lechwehr, Altstadt, Hauptplatz, Stadtpfarrkirche, Heilig-Geist-Spital, Bayertor, Heilig Kreuz, das Stadtmuseum – alles ist in dieser einen Minute aus der Vogelperspektive detailliert betrachtbar. Danach startet sie von vorn. Die Ausstrahlung erfolgt zwischen 6 und 21 Uhr, während des Ruethenfestes länger.

Leider geizt Létang mit Details. Wo ist die Kamera, die in großer Höhe angebracht sein muss, genau positioniert? Wurde sie am gleichen Tag wie der Christbaum installiert? Wird sie vom städtischen Bauhof gewartet? Gab es Zuschüsse aus der Breitbandförderung? Ist die Auflösung bereits 5K und so gut, dass man überprüfen kann, ob der Gatte tatsächlich nochmal ins Büro fährt oder doch woanders hin? Wenn ja, braucht man dazu einen 72-Zoll-Fernseher? Das alles bekommen wir noch heraus und informieren Sie dann zeitnah.

Eines ist schon klar: Die Kamera wird wegen ihrer freien Aufhängung Tausende chinesischer Ingenieure nach Landsberg locken, die Ähnliches in Chongqing, Shenyang und Guangzhou verwirklichen wollen. Millionen von Touristen werden sie mit Ferngläsern ins Visier nehmen, um ihre Drehung zu betrachten. Wir brauchen daher dringend ein neues Parkhaus und etwa acht Hotels.

Vielleicht ist es gut, dass Manches im Leben nur ein Fake ist. Wie diese Webcam. Die Bilder stammen von einer Drohne, die die Verwaltung immer öfter einsetzt. Und die landet nach ein paar Minuten wieder. Dabei hat sie tatsächlich einen stationären ruckelfreien 360-Grad-Schwenk über Landsberg hinbekommen – schauen Sie sich das Video an. Bleibt festzuhalten: Die Verwaltung besitzt inzwischen eine Drohne. Und immer schon Humor.

Nachhilfe für die IHK (mit Update)

UPDATE: Die IHK hatte kurz nach Veröffentlichung dieses Blogbeitrags zunächst die im ersten Absatz genannten Fehler beseitigt, an der Beschränkung auf vier Kandidaten (weitere Absätze und Screenshot) aber festgehalten. Inzwischen hat die IHK die Seite komplett deaktiviert. Die Red.

Die Industrie- und Handelskammer München und Oberbayern (IHK) stellt auf ihrer Website „Direktkandidaten aus dem Wahlkreis Landsberg – Starnberg“ zur Bundestagswahl 2017 vor. Die Seite ist nicht sonderlich gelungen. Kerstin Täubner-Benicke (Bündnis 90 / Die Grünen) und Britta Hundesrügge (FDP) sind so verzerrt abgebildet, dass man sie nicht mehr erkennt. Und bei CSU-Kandidat Michael Kießling (CSU) ist das „scharfe s“ abhanden gekommen, weil die IHK seinen Namen und den von Christian Winklmeier (SPD) durchgängig in Versalien schreibt, die anderen Namen aber nicht. Das ist ziemlich hingehudelt. Vielleicht sollten die Verantwortlichen der IHK einmal ihren eigenen „Do it yourself Workshop Website-Erstellung“ besuchen; da lernt man was.

ihkGROSS

Noch merkwürdiger aber ist dies: Die IHK beschränkt die Liste der Direktkandidaten auf die vier gerade genannten Personen. Es gibt aber insgesamt elf Bewerber. Zusätzlich sind dies Martin Hebner (AfD), Bernhard Feilzer (DIE LINKE), Dr. Harald von Herget (Freie Wähler), Tobias McFadden (Piraten), Karin Boolzen (ÖDP), Heinz Thannheiser (Bayernpartei) und Claudia Ruthner (parteilos).

Die IHK weiß das auch. Sie titelt nämlich „Hier finden Sie die Kandidaten der aussichtsreichsten Parteien.“ Das lässt uns das erste Mal aufhorchen: Darf eine durch Pflichtmitgliedschaft begründete und damit an Neutralität gebundene Körperschaft des öffentlichen Rechts überhaupt danach differenzieren, wer ihrer Meinung nach mehr oder weniger Erfolgsaussicht hat? Mal abgesehen davon, dass es wohl eher IHK-Wunschdenken ist, dass die AfD und die Linke nicht „aussichtsreich“ sind. Ob Allensbach oder Emnid, Forsa oder die Forschungsgruppe Wahlen, Infratest DIMAP oder INSA – sie alle sehen auch die AfD und die Linken im nächsten Deutschen Bundestag.

Besonders fragwürdig ist es aber, Kandidaten und Parteien so miteinander zu verknüpfen, wie die IHK das macht. Die elf Personen im Wahlkreis 224 Landsberg – Starnberg bewerben sich um das Direktmandat, das diesem Wahlkreis zugeordnet ist. Einige von ihnen gehören etablierten Parteien an, die im Parlament vertreten sein werden. Andere sind Mitglied in Parteien, die es wohl nicht in den Bundestag schaffen. Eine Kandidatin ist sogar parteilos. All das spielt aber keine Rolle. Ein Direktmandat erwirbt man mit der Erststimme, und zwar unabhängig davon, ob es überhaupt eine entsprechende Partei gibt oder diese die Fünf-Prozent-Hürde überschreiten wird. Einzige Voraussetzung für die Wahl in den Deutschen Bundestag ist es, mehr Erststimmen zu bekommen als die anderen Direktkandidaten im gleichen Wahlkreis.

Deswegen ist es abwegig, die aufgrund der Zweitstimme zu ermittelnde voraussichtliche Stärke der Parteien heranzuziehen, um Kandidaten, die sich um die Erststimme bewerben, zu bevorzugen und außen vor zu lassen. Die IHK sollte eigentlich wissen, dass es immer wieder vorkommt, dass in einem Wahlkreis eine beliebte oder bekannte Person die meisten Erststimmen bekommt, obwohl eine andere Partei die meisten Zweitstimmen erhält. Diese Diskrepanz führt (wenn sie aufs Bundesgebiet hochgerechnet Relevanz erhält) zu Überhangmandaten, die spät am Wahlabend durch Erhöhung der Sitzzahl ausgeglichen werden. Auch den Fall „Kandidat wird gewählt, seine Partei scheitert aber an der Fünf-Prozent-Hürde“ hat es schon gegeben; der Kandidat ist dann rechtmäßiger Bundestagsabgeordneter, wenn er sich im Parlament auch ein wenig einsam fühlen wird.

Die IHK ist nicht verpflichtet, überhaupt die Namen von Direktkandidaten zum Deutschen Bundestag abzudrucken; die Liste findet sich schließlich auf der Website des Bundeswahlleiters. Wenn sie aber die Namen nennt und mit weiteren Informationen hinterlegt, muss sie neutral bleiben und darf nicht voraussichtliche Parteien-Stärken (Zweitstimme) zur Ausgrenzung einiger Kandidaten (Erststimme) verwenden. Einen Workshop im IHK-Bildungsprogramm mit dem Titel „Erst- und Zweitstimme richtig verstehen“ bieten wir dazu auf Wunsch gerne an.

Dankbar, kritisch, analytisch

Ein Kommentar von Werner Lauff

Wenn Journalisten am Ende eines Jahres Bilanz ziehen, neigen sie dazu, das Geschehen chronologisch zu repetieren. Das mag Erinnerungen auslösen und Geschichtsschreibung vereinfachen. Es wird aber selten dem gerecht, was sich verändert hat.

Welche Aufgaben haben wir nicht gelöst? Auf welche Herausforderungen haben wir keine Antwort? Welche Antworten sind nur Polemik? Und welches Ende nimmt gerade jetzt seinen Anfang? Dies sind die vier wichtigsten Fragen, die zu besprechen sind.

Bei allem Lichterglanz: Wir sollten, Tage nach dem Anschlag von Berlin, auch in Landsberg den Jahreswechsel nutzen, über diese Fragen nachzudenken und in der Familie und im Freundeskreis darüber zu diskutieren. Wer das nicht tut, riskiert, dass immer mehr Menschen den Verführern folgen und Personen wählen, die Trittbrettfahrer sind. Zu denen, die das riskieren, gehört leider auch der bayerische Ministerpräsident.

Bei dieser Debatte ist Differenzierung Pflicht. Es gilt zu unterscheiden: Zwischen Menschen, die Terror ausüben, und solchen, die Asyl suchen. Zwischen der Absicht des Staates, Taten zu verhindern, und seiner Unfähigkeit, das auch zu tun. Zwischen notwendigem Verwaltungshandeln und kontraproduktivem Verwaltungsgestrüpp.

Nur so kann man eine Agenda entwickeln. Ihre Verwirklichung ist übrigens nicht Sache ferner Organisationen in Europa oder der Bundeshauptstadt. Für die Umsetzung von Bundesgesetzen sind fast immer die Länder zuständig. Manchmal entsteht der Eindruck, Bayern sei bundesweit gesehen in der Opposition. In Wirklichkeit steht Bayern vollständig in der Verantwortung; es ist nicht zuletzt Bayerns Sache, ob und wie unser Staat funktioniert.

Zu der Diskussion über die Fragen, die uns in diesen Tagen bewegen, gehört auch die perspektivische Betrachtung, wie wir mit Menschen umgehen wollen, denen wir das Recht auf ein Leben in Deutschland rechtswirksam attestiert haben. Nehmen wir das ernst oder unterlaufen wir es? Setzen wir uns genug für den Spracherwerb, für berufliche Integration, für Teilhabe ein, oder schaffen wir das Ghetto im Kopf? Unterstützen wir diejenigen hinreichend, die ehrenamtlich helfen? Wir haben – auch im Landkreis Landsberg – Zweifel. Wir hätten sie 2017 gerne ausgeräumt.

Auch in Landsberg können wir die Chronologie des Jahres 2016 getrost einmal beiseiteschieben. Viel wichtiger ist dies: Die Stadt hat sich den Problemen in den vergangenen Jahren mit bemerkenswerter Akribie gestellt. Die Finanzen sind in Ordnung gebracht. Die Weichen für mehr Wohnungen, auch Sozialwohnungen, sind gestellt. Die Umwidmung der Pflugfabrik geschieht konzentriert und behutsam. Die Stadt erarbeitet sich Zukunftsdaten und entwickelt eine Zukunftsstrategie.

Dabei hat sich die Methode geändert. Der Stadtrat ist inzwischen so intensiv involviert, dass er fast überlastet ist. In Montagsrunden finden interfraktionelle Gespräche statt. Mehrheitliches Durchsetzen von Interessen gehört der Vergangenheit an. Oberbürgermeister Mathias Neuner wird immer stärker zum Moderator. Der Dialog mit den Medien klappt exzellent. Das Camouflieren und Taktieren ist auf ein Minimum reduziert. Die Zufriedenheit der Landsberger, geborener wie zugezogener, wie sie in der Umfrage „Landsberg 2035“ zum Ausdruck kommt, spricht Bände. Sie ist berechtigt. Es macht Spaß, in dieser Stadt zu leben.

Auch dies darf und sollte in diesen ruhigen Tagen Gesprächsthema sein. „Count your blessings“, sagt man in englisch und meint: Freue Dich an dem, was Du hast. Wir Deutschen zählen oft nur die Blessuren. Wir vom landsbergblog werden auch 2017 kritisch bleiben und wachsam sein. Aber wir werden auch hervorheben, was erreicht und was gelungen ist.

In diesem Sinne: Seien Sie an diesen Feiertagen dankbar, kritisch und analytisch! Wir wünschen Ihnen alles Gute dazu.

Statt eines Nachrufs

Nein, wir sprechen heute nicht übers Essen. Obwohl: Wir hatten Lachs nach aquitanischer Art, danach „weibliche Barbarie-Entenbrust an Petersilien-Kartoffelpüree und gebratenem Lauchgemüse auf Rotwein-Madeirasauce“ und zum Abschluss eine Auswahl französischer Käse vom Brett. Das kam perfekt aus dieser kleinen Küche, die Ente à point und butterweich, der Lachs mit Kapern würzig, die Käse grandios. Aber wir sprechen heute nicht über Essen. Wir sprechen über einen Champagner und acht französische Weine, jeder von ihnen beachtenswert und mit eigenem Charakter, sorgfältig ausgesucht und gelagert. Und wir sprechen vor allem über den Mann, der uns fünf Stunden lang, von acht am Abend bis eins in der Nacht, bestens informiert, instruiert und unterhalten hat: Medardus Wallner, Inhaber des „Artisan du Vin“.

Dass Wein und Käse Wallners Leidenschaften sind, weiß jeder, der ihn in seinem Geschäft in der Schulgasse besucht. Wer aber an einem seiner Abende teilnimmt, wie wir gestern an der „Weinreise durch Frankreich“, der lernt seine Begeisterung so richtig kennen. Sein „Restaurant“ im Obergeschoss des Altstadthauses bietet Platz für 35 Personen und so viel waren es dann auch, die sich gestern Abend einfanden. Ein bestens präparierter Chef – seine Vorbereitung auf vielen karierten Ringbuchblättern hatten wir schon bei „10 Käse, 10 Weine“ bewundert – mit einer kritischen Haltung zu allem, was im Weinanbau und beim Weingenuss degeneriert. Wobei die Winzer immer besser werden, die Konsumenten oft aber nicht. Gestern Abend war diese Gattung glücklicherweise nicht vertreten, jene Neureichen, die meinen, weil sie teuren Wein bestellen, seien sie auch Kenner. „Die denken: Wenn Du so einen Wein im Glas hast, dann bist halt oaner. Ohne zu wissen, dass koaner bist.“ Sagt Wallner.

Wallner2

Wallners Spezialität ist, mit Weinen zu verblüffen. Der Wein, den er da gerade so rühmt, kann 8,95 Euro oder 250 Euro kosten – seiner Schilderung kann man das nicht entnehmen und den Preis verrät er sowieso erst auf Anfrage am Ende der Weinreise. Wir begannen sie, nach dem Glas aus der Champagne, im Elsass mit einem 2008er Clevner, die elsässische Bezeichnung für Weißburgunder. Endpunkte waren ein 1990er Chambolle-Musigny aus der Domaine Georges de Vogüe und ein 2003er L’Egrégore aus Bordeaux.

Zu allem gab Wallner kenntnisreiche Erläuterungen, ohne uns mit Details zu überfrachten. Vieles werden wir wieder vergessen, manches aber auch behalten, zum Beispiel dass ein Wein, der kurz im Barrique war, mehr nach Holz schmeckt als einer, der dort lange gereift ist. Wallner scheut sich auch nicht, konkrete Anleitungen zu geben, wie man das Glas hält, schwenkt und den Wein im Mund mit Luft anreichert. Denn er will, dass wir Wein nicht trinken, sondern genießen. Dass wir zwischen Wein und Wein unterscheiden können. Und dass wir ein Bewusstsein für Qualität entwickeln. „Sich Qualität zu leisten, ist der größte Luxus“, sagt Wallner zum Schluss. Die fünf Stunden Wissen, neun Gläser Wein und drei Gänge kosten 75 Euro. Eine lohnende Investition.

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Dieser Beitrag erschien in der der Reihe Essblog im landsbergblog vom 19. Mai 2012. Medardus Wallner ist am Dienstag im Alter von 69 Jahren verstorben.

Jetzt red i aus Landsberg

Tilmann Schöberl und Franziska Storz diskutieren mit Ihnen in der Sendung Jetzt red i am Mittwoch, dem 13. Juli, in der Eissporthalle am Hungerbachweg über das Thema: Frust in Europa: Was muss sich ändern? Gast ist unter anderem der ehemalige Bundesfinanzminister Theo Waigel (CSU). 

Der Brexit hat dramatische Folgen – nicht nur für die Wirtschaft. Die Unzufriedenheit mit den Politikern in Brüssel wird in den einzelnen EU-Staaten immer lauter. Klar ist: So kann es nicht weitergehen, schreibt der Bayerische Rundfunk dazu in einer Pressemitteilung. Die Liste der EU-Frustrierten sei lang. Abstruse Verordnungen wie Glühbirnenverbot oder Ölfläschchenparagraph – die EU mische sich in beinahe sämtliche Alltagsbelange ein. Ob Handwerksbetriebe oder Gemeinden, beim Beantragen von Fördergeldern kämpften viele mit dem Bürokratiemonster. Bei wichtigen politischen Themen wie der Flüchtlingsfrage oder der Agrarpolitik versage die EU hingegen. Nach einer aktuellen Emnid-Umfrage sprächen sich 62 Prozent der Deutschen dafür aus, dass die EU Zuständigkeiten an die Mitgliedsstaaten zurückgeben solle. Das werde auch in anderen Ländern so gesehen. „Das Vertrauen in Brüssel und Straßburg ist tief erschüttert.“

Der Euro-Vater Theo Waigel (CSU) habe dazu kürzlich gesagt: „Bei diesen unaufhörlichen Konferenzen in Brüssel haben die Menschen den Eindruck, dass das Kerosin-Vernichtungsveranstaltungen sind. Da muss man auch mal etwas delegieren statt einen Sondergipfel nach dem anderen einzuberufen, bei denen dann nichts rauskommt. Das hat zur Missstimmung gegenüber Europa geführt.“

Was erwarten die Bürger von einer funktionierenden EU? Hat der Geist von Europa noch eine Chance? Oder siegt Egoismus über Wertegemeinschaft? Was müssen unsere Abgeordneten aus dem Brexit lernen? Denn eines ist klar: Weitermachen wie bisher geht jedenfalls nicht, meint der BR.

Einlass: 19.15 Uhr, Sendungsbeginn: 20.15 Uhr. Kostenlose Karten reservieren Sie via E-Mail an jetztredi@br.de oder unter 089/5900-25299 (Montag – Freitag von 9:00 bis 17:00). Sie können sich auch online an der Diskussion beteiligen. Sagen Sie dem BR Ihre Meinung unter www.facebook.com/BR24 oder schreiben Sie eine Mail an jetztredi@br.de.

Klare Kante

350 Landsberger nehmen an der Kundgebung auf dem Hauptplatz teil, 150 demonstrieren vor dem Sportzentrum. Landsbergs Bürger, darunter viele junge Menschen, haben gestern eindrucksvoll gezeigt, dass sie rechte Radikalität nicht akzeptieren. Besonders beeindruckt hat uns der stille, friedliche und kluge Protest parallel zur AfD-Veranstaltung, in der der „Wahl-Thüringer“ Björn Höcke düstere und diffuse Thesen verbreitete. Was für ein Gegensatz: Drinnen droht jemand mit Umwälzung, die von rechten Kräften in östlichen Bundesländern ausgehen soll; draußen zeichnen Demokraten ein erfrischendes Bild von wehrhaftem Engagement. Und auf dem Hauptplatz nehmen Herbert Kränzlein, Moritz Hartmann, Ludwig Hartmann, Detlev Möller, Hasan Coskun und Oliver Wild klar und differenziert Stellung: Wir halten die Politik der AfD für falsch und die Hetze Höckes für fatal. So wurde aus einem düsteren ein guter Tag. Bravo, Landsberg: Das war klare Kante.

Noteinsatz für Dummies

Diese Pressemeldung der Landsberger Polizei verdient weitere Verbreitung:

Am 25.05.16 um 13:20 Uhr ging bei der Integrierten Leitstelle FFB ein Notruf von der Rettungszentrale von BMW ein. Neue Fahrzeuge dieser Marke können im Unfallfall über das sogenannten „E-Call-System“ selbstständig Hilfe alarmieren. In diesem Fall soll in Landsberg im Bereich der Otto-Lilienthal-Straße ein Fahrzeug besetzt mit vier Personen verunfallt sein, wobei die Airbags auslösten und die Insassen nicht ansprechbar sind. Es wurde daher eine umfangreichere Rettungskette ausgelöst – die Feuerwehr Landsberg fuhr mit drei Fahrzeugen und das BRK mit zwei Rettungswagen, einem Notarzt und einem Einsatzleiter an. Von der Polizei wurde ebenfalls ein Streifenwagen zur Unfallstelle geschickt.

Es war dort tatsächlich auch ein BMW vom Typ X1 frontal mit einem anderen Fahrzeug zusammengestoßen. Die vier Insassen waren auch nicht ansprechbar. Zu Helfen war diesen aber nicht mehr – es handelte sich um vier Crash-Test-Dummies, die mit dem Klein-SUV einen Frontalcrash in der ADAC eigenen Crashanlage simulierten.

Für die Rettungskräfte war die Fahrt somit umsonst. Ein Gutes hatte dieser Fall jedoch – die in neuere Fahrzeuge integrierten Sicherheits- und Rettungssysteme haben hier pflichtbewusst, man möchte fast sagen, übereifrig, funktioniert.

Zum Fauxpas kam es vermutlich aufgrund eines Verständigungsproblems. Die ADAC-Versuchsingenieure geben in der Rettungszentrale von BMW Bescheid, wenn eines der Fahrzeuge getestet wird, sodass einem Notruf dieses Fahrzeuges überhaupt nicht nachgegangen wird. Diese Benachrichtigung muss jedoch bei BMW untergegangen sein.

Autolos

Da hat die Pressestelle der Stadt mitgedacht. Das Foto vom aufgerissenen Torbogen am Schmalzturm – ein Containerlaster hat dort heute früh seinen Greifarm nicht richtig eingefahren – steht ohnehin schon auf den Online-Seiten der Zeitungen, zum Beispiel im KREISBOTEN. Die Pressemitteilung der Polizei zu dem Unfall ist soeben hereingekommen – Sie finden sie unten. Was aber fotografiert dann Pressesprecher Andreas Létang? Mit dem gezielten Blick füs Ungewöhnliche den gesperrten, autolosen Hauptplatz. Das gefällt uns. Ob da ein wenig Sehnsucht mitschwingt?

Leere

Am Freitagfrüh, gegen 06.30 Uhr, befuhr ein 62jähriger mit seinem Mülllaster die Neue Bergstraße in Richtung Hauptplatz. Im Tor unter dem Schmalzturm blieb er jedoch mit seiner Ladevorrichtung hängen, so dass der Torbogen stark beschädigt wurde. Die Durchfahrtshöhe für das Schmalztor ist auf 3,40 Meter beschränkt. Inklusive der Ladevorrichtung überschritt der Müll-Lkw jedoch diese Höhe, so dass in die abgehängte Decke des Schmalztores ein Loch gerissen wurde. Ein zu Rate gezogener Statiker stellte jedoch keinen erheblichen Schaden am Schmalzturm selbst fest, da es sich bei dem Torbogen um eine abgehängte Decke handelt. Die Decke wird nun soweit abgetragen, dass keine Gefahr durch herabfallende Teile mehr besteht. Eine langfristige Sperrung der Durchfahrt durch das Schmaltor ist nach momentanem Stand glücklicherweise nicht notwendig. Der Verkehr dürfte im Laufe des Nachmittages wieder normal fließen. Der entstandene Schaden am Schmalturm wird nach ersten Einschätzungen mit ca. 50 000 Euro beziffert.

Foto: Stadt Landsberg

Aprilscherz erkannt

Die Reaktionen reichten von „Gar keine schlechte Idee“ bis „Welch absurde Vorstellung“. Eines hatten diejenigen, die uns gestern schrieben, aber gemeinsam: Alle hatte den Aprilscherz erkannt. Die „Suche Anschluss“- und „Biete Anschluss“-Buttons gibt es nicht. Dies bedeutet freilich auch, dass der Besuch von Markus Söder in Landsberg so wirklich Spannendes nicht generiert hat. Aber er war ja auch nur auf der Durchreise.