Es bleibt immer etwas hängen

steht heute plakativ mit großen Lettern im Landsberger Tagblatt (LT). Wer den langen Artikel liest, in dem das LT gleich noch die Themen „Vertriebsstart“ und „Mobilität“ einfließen lässt, erfährt zwar, dass sowohl Projektentwickler ehret + klein wie auch Oberbürgermeister Mathias Neuner energisch darauf hinweisen, dass dieses Gerücht (von dem beide noch nie etwas gehört hatten) keinerlei Grundlage hat. Dennoch hielt die Redaktion an der Überschrift und dem „Lead“-Satz fest.

Dass eine ansonsten seriöse Zeitung ein dementiertes Gerücht durch Veröffentlichung verstärkt, kommt eigentlich nur in einem Fall vor: Wenn die Zeitung der Richtigstellung durch die handelnden Personen nicht glaubt.

Das wissen auch die Leser. Schon nach kurzer Zeit erhielten wir, wie zum Beweis, die erste Nachfrage: „Da ist ja scheinbar eine Krise. Die Verantwortlichen haben zwar alles abgestritten. Aber wenn das LT es trotzdem schreibt, muss ja was dran sein“. Das ist eine allgemeine Erfahrung. Chefredakteure zitieren gerne den lateinischen Spruch „Semper aliquid haeret“. Der heißt, im Zusammenhang übersetzt, auf deutsch: Verleumde nur dreist, es bleibt immer etwas hängen.

Auch wir vom landsbergblog haben von dem Gerücht, das das LT heute kolportiert hat, noch nie etwas gehört. Kollegen von uns auch nicht. Und der Kollege, der eigentlich immer alles weiß, auch der weiß hier von nichts. „Brodeln“ dürfte etwas Anderes sein.

Dabei hören wir eine Menge Gerüchte. Zuletzt wurde uns am Freitag eins zugespielt, über eine angebliche Schlechtleistung eines Auftragnehmers der Stadtverwaltung. Wir machen uns in solchen Fällen die Mühe, die Sache zu recherchieren. In diesem Fall wurde klar: Das war fake news; es war nichts dran. Wir haben dann den Informanten über das Ergebnis der Recherche informiert und die Sache „zu den Akten“ genommen. Für den Fall, dass das Gerücht nochmal aufkommt.

Wir hätten natürlich auch schreiben können: „Die Gerüchteküche um Auftragnehmer X brodelt. In Landsberg wird erzählt, dass der Auftragnehmer der Stadt an anderer Stelle schlechte Arbeit geleistet hat. Was der Auftragnehmer dazu sagt.“ Selbst wenn wir dann im Text geschrieben hätten, unsere eigene Recherche zeige, dass da nichts dran ist, hätten wir ein Stück Unsicherheit geschaffen. Oberflächliche Leser würden das Gerücht dennoch speichern. Es bleibt immer etwas hängen.

Im vorliegenden Fall übrigens wäre ein Verkauf des fraglichen Geländes rechtlich gar nicht möglich. Wir stellen das – aus detaillierter Kenntnis der abgeschlossenen städtebaulichen Verträge – ohne weitere Erläuterung in den Raum, weil wir bewusst nicht deutlicher werden wollen. Erfreulicherweise listet Google den Artikel des LT bislang nicht unter den Suchergebnissen; hoffen wir, dass es so bleibt. Daher haben wir in dieser Kritik darauf verzichtet, das Baugebiet, das Sie alle kennen, im durchsuchbaren Text zu benennen. Wir wollen nicht noch zur Verbreitung der Gerüchts beitragen.

Liebes LT, hört bitte auf, dementierte Gerüchte, an denen nichts dran ist, durch Veröffentlichung zu verstärken. Das ist Journalismus auf yellow press-Niveau. Und da steht Ihr weit drüber.

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