Kommunikationsfähig und resistent

Eine fiktive Stellenausschreibung

Noch prüft das Landratsamt den Haushalt der Stadt für das Jahr 2018. Erst wenn er samt Stellenplan genehmigt ist, kann die Verwaltung die vom Stadtrat beschlossene Stelle eines Wirtschaftsförderers ausschreiben. Er oder sie soll zugleich „Kümmerer“ für die Altstadt und den Einzelhandel sein.

Das Aufgabenspektrum ist noch nicht festgelegt. Was sich Geschäftsleute, Ärzte, Anwälte, Dienstleister und Bewohner der Altstadt wünschen würden, ist kürzlich erneut deutlich geworden, als Stadtverwaltung und Stadtwerke in Sachen „Sanierung der Schloßberggarage“ nicht besonders vorausschauend vorgingen. Was sich die Unternehmen erhoffen, ist seit der Befragung von Gewerbetreibenden und Freiberuflern im Rahmen des Projekts „Landsberg 2035“ bekannt. Und die Ideen der Stadtverwaltung für die Innenstadt, weitere Gewerbegebiete und den Wohnungsbau sind teils bereits konkretisiert, teils zumindest angedeutet.

Heute basteln wir aus all dem mal eine fiktive Stellenausschreibung.

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Die Stadt Landsberg am Lech sucht zum nächstmöglichen Zeitpunkt in Vollzeit

einen Innenstadt- und Wirtschaftsförderer (m/w),

gerne mit Erfahrung in den Themenbereichen Raumordnung, Unternehmensansiedlung und/oder Einzelhandelskonzeption.

Die Stelle ist als Stabsstelle eingerichtet. Die Dienst- und Fachaufsicht obliegt dem Oberbürgermeister.

Die Stadt Landsberg am Lech als oberbayerische Große Kreisstadt im Bereich der Europäischen Metropolregion München ist ein prosperierendes Mittelzentrum mit rund 29.000 Einwohnern. Die Stadt ist Standort zahlreicher Unternehmen; einige von ihnen sind auf ihrem Gebiet Weltmarktführer und koordinieren von hier aus europaweite und globale Aktivitäten. Viele Betriebe prognostizieren für die nächsten Jahre internes Wachstum mit erweitertem Raum- und Infrastrukturbedarf sowie wachsenden Mitarbeiterzahlen. Daneben ist die verkehrsgünstig an A96 und B17 liegende Stadt ein Ort mit hoher Lebensqualität, zahlreichen weiterführenden Schulen, kulturellen Angeboten auf hohem Niveau, modernem Wohnungsbau und einer malerischen Altstadt in reizvoller Lage am Lech.

Der/die Stelleninhaber/in soll durch Information, Koordination, Beratung und Ideengebung einen maßgeblichen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung der Landsberger Innenstadt, insbesondere eines attraktiven Einzelhandels, leisten. Außerdem bemüht er/sie sich darum, dass ansässige Unternehmen entsprechend den Marktchancen und -erfordernissen ihre Tätigkeit auf geeigneten Grundstücken im Rahmen der Flächennutzungsplanung fortsetzen und erweitern können. Für Unternehmen, die an einer Ansiedlung in Landsberg interessiert sind, fungiert er/sie als Ansprechpartner/in.

Der Schwerpunkt der Tätigkeit soll zunächst darauf liegen, langjährige Defizite in der Innenstadtförderung abzubauen.

Der/die Stelleninhaber/in soll in dieser Zeit vor allem die Gesprächskultur zwischen Stadtrat, Stadtverwaltung sowie Stadtwerken einerseits und den in der Innenstadt angesiedelten Einzelhändlern, Dienstleistern, Freiberuflern und Gastronomen andererseits deutlich verbessern; dazu gehört die frühzeitige Information und Abstimmung über relevante Themen.

Der/die Stelleninhaber/in soll auch eine informelle Gesprächsschiene zu Haus- und Grundstückseigentümern und gewerblichen Vermittlern in der Innenstadt aufbauen, mit dem Langzeitziel, dass Raumqualität und Konditionen ein vielfältiges, modernes und vor allem durch lokale Anbieter geprägtes Spektrum an Waren und Dienstleistungen ermöglichen.

Der/die Stelleninhaber/in soll eine häufigere Belebung der Innenstadt durch Veranstaltungen, Märkte und Events anstreben; dazu gehört auch, Anreize zu Besuchen zu schaffen, beispielsweise mit kostenlosem Parken an Samstagen und gleichzeitiger unentgeltlicher Nutzung der Stadtbusse.

Der/die Stelleninhaber/in ist angehalten, eine grundlegende Verständigung über das Parken in der Altstadt und der Innenstadt im weiteren Sinne anzuvisieren; dazu gehören Verabredungen über Parkmöglichkeiten für die Inhaber und Angestellten von Einzelhandelsgeschäften, Dienstleistern sowie Praxen und Kanzleien unter Berücksichtigung eines angemessenen Eigenanteils der jeweiligen Unternehmen bzw. Betriebe.

Der/die Stelleninhaber/in berücksichtigt in besonderem Maße die Interessen der Landsberger, die in der Altstadt wohnen. Hierzu gehört auch, praktische Fragen des täglichen Lebens wie Einkaufsmöglichkeiten, Parken und Abfallentsorgung besonders zu prüfen und entsprechende Vorschläge zu erarbeiten.

Weiterer Schwerpunkt der Tätigkeit ist, die sich abzeichnenden strukturellen Veränderungen in Bezug auf die Altstadt vermittelnd zu begleiten.

Die Tätigkeit des/der Stelleninhaber/in fällt in eine Zeit, in der im Zuge der Neuordnung der Flächennutzung im Jahr 2019 aus Umweltgründen und zur Stauvermeidung Maßnahmen zur Reduzierung des PKW- und LKW-Verkehrs getroffen werden sollen. Insbesondere ist geplant, eine unnötige Nutzung des bereits erheblich belasteten Hauptplatzes bzw. des Hinteren Angers zu vermeiden. Außerdem sind die von-Kühlmann-Straße, die Spöttinger Straße und die Kreuzungen an den Enden beider Straßen zu entlasten.

Generelles Ziel der Stadt Landsberg ist es, einen Teil des Individualverkehrs durch Nahversorgung überflüssig zu machen. Im Zuge dieser Bemühungen wird die Fortgeltung der „Landsberger Liste“, die das Angebot bestimmter Waren außerhalb der Altstadt untersagt, zu überdenken sein. Insbesondere im Landsberger Osten ist der Verzicht auf einen Drogerie- und einen Biomarkt nicht länger aufrecht zu erhalten; Gleiches gilt für einen Drogeriemarkt im Papierbach-Areal.

Zu den Verkehrsmaßnahmen gehört nach dem Konzept der Stadt auch, den öffentlichen Nahverkehr attraktiver zu machen. Hierbei wird eine neue Linienführung und ein neues Tarifsystem erwogen. Die strategischen Fragen umfassen die Diskussion darüber, ob es sinnvoll ist, die Aufenthaltsqualität am Vorderen und Hinteren Anger durch eine Reduzierung des Parksuchverkehrs und die Sperrung des Vorderangers, vorbehaltlich Anwohner- und Lieferverkehr, zu erhöhen.

Der/die Stelleninhaber/in soll auch die Thematik der Gefährdung des Einzelhandels durch E-Commerce begleiten. Dazu gehören Überlegungen, zentrale Anlieferstellen im Stadtgebiet und an der Peripherie zu schaffen, zu denen Paketdienstleister wie lokale Einzelhändler Waren gleichermaßen zuliefern können. Bei seiner/ihrer Tätigkeit bezieht der/die Stelleninhaber/in neue technologische Entwicklungen ein, insbesondere die Elektromobilität.

Im Bereich der allgemeinen Wirtschaftsförderung organisiert der/die Stelleninhaber/in einen regelmäßigen Dialog zwischen den Landsberger Unternehmen sowie dem Stadtrat und der Stadtverwaltung.

Er/sie ist Ansprechpartner/in für neue Unternehmen, die sich in Landsberg ansiedeln wollen.

Der/die Stelleninhaber/in soll den Ausbau der Internet-Bandbreiten über 50 MBit/s hinaus unterstützen; Ziel der Stadt ist es, jedem Unternehmen die Möglichkeit zu bieten, zu angemessenen Preisen einen Glasfaser-Anschluss nach dem FTTH (Fibre to the home)-Standard mit einer Bandbreite von einem Gigabit und schnellem Upload zu erhalten.

Der/die Stelleninhaber/in konkretisiert im Zusammenarbeit mit dem Landratsamt im Hinblick auf die Verabschiedung des Flächennutzungsplans im Herbst 2019 Art, Umfang und Grenzen der Nutzung des vom Landratsamt erworbenen Areals am Fachmarktzentrum.

Zu den Aufgabenbereichen des/der Stelleinhaber/in gehört auch, an der Ausweisung und Erschließung neuer Gewerbeflächen im Landsberger Norden und im Nord-Osten mitzuwirken. Sein besonderes Augenmerk richtet der/die Stelleninhaber/in auf die Nutzung der Flächen östlich des Lechs und nördlich der A96. An der weiteren Diskussion über die Nutzung des Fliegerhorsts Landsberg wirkt der/die Stelleninhaber/in im Sinne eines Interessenausgleiches zwischen der Stadt Landsberg und der Gemeinde Penzing konstruktiv mit.

Bewerber zeichnen sich durch Überzeugungskraft und Entscheidungsfähigkeit, Robustheit, Verhandlungsgeschick, sicheres Auftreten, hohe Kommunikationsfähigkeit, Kreativität, Einsatzfreude und Resistenz gegen mangelnden Veränderungswillen aus.

Bewerbungen unter Beifügung aussagekräftiger Unterlagen bitte an Oberbürgermeister Mathias Neuner, Stadt Landsberg am Lech, Katharinenstraße 1, 86899 Landsberg am Lech.

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