12. Mai 2018

Eine Satire

Samstag, 12. Mai 2018. Heute früh waren wir mal wieder in Landsberg. Wie immer erst durch die Geschäfte, dann eine Kleinigkeit essen, anschließend noch auf ein Glas Wein an den Lech – dachten wir uns. Aber dann kam die Überraschung: Alle Läden waren geschlossen. Wie viele andere Besucher rüttelten wir an den Türen. Aber hier wie dort was es das Gleiche – die Eingänge waren zugesperrt, die Schaufenster verstaubt, die Waren vergilbt.

Aus einem Geschäft kam gerade der Inhaber heraus. Wir kannten ihn; da hatten wir vor Weihnachten noch eine Jacke gekauft. Doch auch er winkte ab. Ich hab‘ hier nur gelüftet, sagte er. Warum er denn den Laden nicht öffne? fragten wir erstaunt. Das lohne sich dieses Jahr nicht, antwortete er. Die Schloßberggarage werde nämlich saniert. Da könnten die Leute nicht mehr in Landsberg parken. Und daher kämen sie eben auch nicht mehr in die Innenstadt.

Man habe die Stadtverwaltung und die Stadtwerke rechtzeitig gewarnt, sagte der Händler. Damals, im November 2017, habe man dem Landsberger Tagblatt alles vorausgesagt. Man habe es ihm geradezu in den Block diktiert.

Mit 600 Parkplätzen auf der Waitzinger Wiese haben sie uns ködern wollen. Mit Fotos von einem bislang ungenutzten „Überlauf“. Mit 50 Cent Parkgebühr für vier Stunden und zwei Euro pro Tag. Mit üppigen Ausschilderungen an den Ortseingängen und in der ganzen Stadt. So ein Schmarrn! Für uns war sofort klar: Niemand geht 450 Meter bis zur Innenstadt – das sind sechs Minuten zu Fuß bis zum Vorderanger! Vielleicht noch bei Regen! Deswegen haben wir damals gesagt: Dann können wir ja gleich schließen!

Auch sie selbst wüssten ja nicht, wohin mit ihren Autos. Natürlich könnten auch sie auf der Waitzinger Wiese parken. Aber morgens zehn Minuten früher los, abends zehn Minuten später zu Hause, summieren Sie das mal übers Jahr hinweg! rief der Händler aus; das funktioniere einfach nicht. Und erst am Mittag: Wir haben doch nur eine Stunde geschlossen. Wie kommen wir da zu unserem Mittagessen?

Auch das Verfahren kritisierte er: Die Stadt habe das einfach mitgeteilt. Es habe nicht mal Sondierungsgespräche gegeben. Die hätte man wenigstens noch empört verlassen und die Sommermode abbestellen können, klagte er, jetzt habe er einen echten Verlust. Die Händler hätten dann noch über die Zeitung vorgeschlagen: Macht den Hauptplatz zum Parkplatz! Da bekommt man doch noch locker 50 Autos hin! Oder baut erst ein neues Parkhaus unter dem Jugendzentrum! Aber das habe die Stadt leider abgelehnt.

So sei es also zur großen Schließung gekommen. Schönen Tag noch in Landsberg, sagte er. Fahren Sie mal nach Buchloe, da parkt man direkt vor der Tür. Buchloe, fragten wir neugierig, ja ist denn das so sehenswert? Aber die Antwort war nicht mehr zu verstehen. Wegen des klingelnden Weckers. Er setzte dem Alptraum ein Ende.

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