Strategisch, aber stufenweise

Den landsbergblog erreicht derzeit öfters die Frage, was es denn mit den viel zitierten Neubaugebieten „Reischer Talweg“, „Pfettenstraße“ und „Ahornallee“ auf sich hat. Anlass war zuletzt der Bürgerbrief von Oberbürgermeister Mathias Neuner vom November 2017, in dem der OB erneut auf zwei dieser Gebiete Bezug nimmt. Wir haben im letzten Jour fixe mit dem Verwaltungschef noch einmal nachgefragt. Die Antwort ist eindeutig:

Bei keinem der drei Baugebiete wird noch in dieser Amtsperiode des Stadtrats mit der Planung begonnen.

Es bleibt bei den beiden großen Projekten „Papierbach“ (5,7 Hektar) und „Staufenstraße“ (3,7 Hektar). Beim Papierbach-Projekt beginnt die Vermarktung  Anfang Dezember, bei der Staufenstraße hat die Stadt gerade die Unterlagen für den Realisierungswettbewerb verschickt. Beide Bauvorhaben dürften frühestens 2023 abgeschlossen werden.

Ob und wie die bestehenden Baumöglichkeiten am Reischer Talweg, der Pfettenstraße und der Ahornallee genutzt werden, entscheidet der ab 1. Mai 2020 im Amt befindliche neue Stadtrat.

Voraussetzung dafür ist, dass zunächst drei Grundlagen beraten und beschlossen sind:

  • die Strategiedefinition „Landsberg 2035“,
  • der neue Flächennutzungsplan und Landschaftsplan
  • sowie der Verkehrsentwicklungsplan.

Alle drei Themen sind angestoßen. Im Fall „Landsberg 2035“ arbeitet ein Projektteam daran, die beiden Pläne werden derzeit von Kling Consult aus Krumbach erstellt.

Bis entsprechende Papiere diskussionsreif sind, wird aber noch Zeit vergehen, im Fall Flächennutzung und Verkehr dürfte eine sachverständige Beratung nicht vor Mitte 2019 erfolgen können. Im Verkehrsentwicklungsplan geht es neben dem Individualverkehr auch um das Thema einer zukunftsfähigen Gestaltung des öffentlichen Nahverkehrs.

In die Festlegungen zu allen drei Grundlagen sollen jeweils mehrstufige Bürgerbeteiligungsverfahren einfließen

  • die Bürgerbeteiligung zum Flächennutzungsplan,
  • eine Bürgerbeteiligung zur Strategie Landsberg 2035,
  • eine dreistufige Bürgerbeteiligung zur Staufenstraße
  • und eine frühe Bürgerbeteiligung zum Thema Vorder- und Hinteranger.

Der städtebauliche und landschaftsplanerische Realisierungswettbewerb zur Staufenstraße („Wohnen mit Vielfalt – für alle Lebensphasen“) hat zwar am 15. November begonnen. Das Projekt steht aber noch unter dem Vorbehalt, dass es mit den drei genannten Planungsgrundlagen kompatibel ist.

In diese Gesamtplanung muss sich nach dem Beschluss des Stadtrats auch die etwaige Errichtung eines Landratsamts am Penzinger Feld einordnen. Wer bei Baugebieten keinen Schnellschuss will, kann ihm beim Landratsamt auch nicht wollen.

Von den großen Projekten sind vergleichsweise kleinere Vorhaben zu trennen, die schon 2017 und 2018 konkreter werden. An der Rosenstraße steht die Erteilung der Baugenehmigung bevor. Die Erweiterung des Komplexes „Am Ziegelanger“ kann demnächst beginnen. An der Schongauer Straße entstehen Sozialwohnungen der Stadt. Hinzu kommen drei Wohnkomplexe an verschiedenen Stellen in der Katharinenstraße. Einfamilien- und Doppelhäuser sind neben dem Klinikum geplant.

Am „Reischer Talweg“ ist die Stadt übrigens noch dabei, Grundstücke zu erwerben (so wie sie es an der Staufenstraße zuvor auch getan hat), um überhaupt ein zusammenhängendes Baugebiet entstehen zu lassen. Die bezahlt sie aus der Liquidität, zumal zu viel Geld auf einem (Sparkassen-) Konto zu Negativzinsen führt. Dieser Prozess ist noch nicht abgeschlossen; einzelne kleinere Grundstücke fehlen noch. Da noch keine Erschließung erfolgt und auch kein Kaufpreis auf Baurechtsbasis gezahlt wird, ist das Vorgehen finanzwirtschaftlich unproblematisch; es handelt sich um einen Aktivtausch, der nicht zur Baurechtsschaffung zwingt, wenngleich der Kämmerer Spaß daran hätte (in solchen Fällen gehen in der Regel ein Drittel des Zugewinns aufs Konto der Stadt).

Das Fazit: Es geht zwar voran; Landsberg erfüllt stetig das politische strategische Ziel, Wohnraum über den Markt wieder erschwinglicher zu machen. Aber das geschieht stufenweise und nicht bevor übergeordnete planungsrechtliche Grundlagen wie ein Flächennutzungsplan und ein Verkehrsentwicklungsplan vorliegen, die das gesamte Stadtgebiet neu überplanen und die Verkehrsströme im Fall der Bebauung beschreiben. Das ist auch die Forderung, die sehr viele Landsberger immer wieder stellen.

Vielleicht wäre hilfreicher, die Stadt würde diese Abfolgen und Einordnungen offensiver darstellen und würde das nicht den Medien überlassen. Wenn erst einmal ein Dissens entsteht, ist er schwer wieder wegzubekommen. Zu viel Perspektive und zu viel Blick in die Zukunft schadet manchmal auch.

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