Auf der Suche nach Bekanntschaft

Ein Kommentar von Werner Lauff

Wie funktioniert eigentlich Politik? Gemeint ist Politik, die Ideen umsetzt, Missstände beseitigt, Synergien schafft und das Bessere verwirklicht. Nun, gibt es keine unterschiedlichen Interessen, ist Politik einfach. Man formuliert einen Beschluss, verabschiedet ein Budget, erlässt eine Regelung und setzt das Gewollte um; das kann eigentlich jeder.

Zur Kunst wird Politik, wenn diese Voraussetzungen nicht vorliegen. Wenn man Interessen ausgleichen muss. Wenn es darum geht, dass jemand auf Rechte verzichtet. Wenn man etwas will, das in die Kompetenz eines anderen fällt. Wenn Konsens notwendig wird und Rücksichtnahme angebracht ist. Dann wird Politik zur Arbeit. Arbeit ist mehr als Präsenz. Und Politik ist mehr als ein Amt. Man muss ein Amt komplettieren: Mit Allianzen, Visionen und Zielen, mit Engagement, Herzblut, Persönlichkeit und Charisma. Mit Leistung. Was Du ererbt von Deinen Vätern, erwirb es, um es zu besitzen.

Seit gestern Abend, seit der Sitzung des Landsberger Stadtrats, nach der es kaum noch Chancen für ein Landratsamt am Penzinger Feld gibt, darf man die Frage stellen: Was ist eigentlich der Grund, dass Thomas Eichinger in seinem Amt als Landrat scheitert?

Die Antwort ist wohl die: Obwohl Eichinger nicht aus der Verwaltung kommt, verhält er sich institutionell.

Dafür gibt es viele Belege. Einige Themen haben wir im landsbergblog aufgegriffen. Die Anzeige gegen das Kinderbüro. Die misslungene Ausschreibung in Sachen Asylbetreuung. Die absichtliche Trennung von der Kinderkrippe Wichtelgarten. Zuletzt haben wir uns der Behauptung Eichingers gewidmet, Familiennachzügler von Flüchtlingen mit Bleiberecht seien Obdachlose und von den Gemeinden zu versorgen – das ist absurd.

Gelernt hat er wenig. Spricht man ihn auf das wichtigste Recht einer Gemeinde an, ihr Planungsrecht, zeigt er keine Sensibilität: Außenbereich, Landwirtschaft, Flächenfraß, Folgekosten, Nebenzentrum? Ach Gott, diese Stadt Landsberg. Ich will bauen. Und zwar genau da hin. Zuletzt, am Montag, verschreckte er die letzten Gutwilligen, indem er die Umlagenfinanzierung des neuen Landratsamts ankündigte, so als sei die Abgabe an den Kreis für die Stadt und die Gemeinden eine quantité négligeable – die zahlen wir so nebenbei. Merkwürdig: Nach der letzten Ablehnung einer Erhöhung hatte Eichinger mit Nichtwiederantreten gedroht. Hat das funktioniert? Hat es nicht.

Um es klar zu sagen: Den CSU-Mann Thomas Eichinger kennen wir inzwischen sehr gut. Den Landrat Thomas Eichinger, den Politiker, den haben wir bislang noch nicht kennengelernt. Wir hätten gerne seine Bekanntschaft gemacht.

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