Frei aufgehängt

Landsberg hat eine neue Webcam, gab der Pressesprecher der Stadtverwaltung, Andreas Létang, über Facebook bekannt.

Die Kamera, deren Bild kostenfrei im Internet abrufbar ist, erfasst in einem 60-sekündigen 360-Grad-Schwenk praktisch die ganze Stadt. Lechwehr, Altstadt, Hauptplatz, Stadtpfarrkirche, Heilig-Geist-Spital, Bayertor, Heilig Kreuz, das Stadtmuseum – alles ist in dieser einen Minute aus der Vogelperspektive detailliert betrachtbar. Danach startet sie von vorn. Die Ausstrahlung erfolgt zwischen 6 und 21 Uhr, während des Ruethenfestes länger.

Leider geizt Létang mit Details. Wo ist die Kamera, die in großer Höhe angebracht sein muss, genau positioniert? Wurde sie am gleichen Tag wie der Christbaum installiert? Wird sie vom städtischen Bauhof gewartet? Gab es Zuschüsse aus der Breitbandförderung? Ist die Auflösung bereits 5K und so gut, dass man überprüfen kann, ob der Gatte tatsächlich nochmal ins Büro fährt oder doch woanders hin? Wenn ja, braucht man dazu einen 72-Zoll-Fernseher? Das alles bekommen wir noch heraus und informieren Sie dann zeitnah.

Eines ist schon klar: Die Kamera wird wegen ihrer freien Aufhängung Tausende chinesischer Ingenieure nach Landsberg locken, die Ähnliches in Chongqing, Shenyang und Guangzhou verwirklichen wollen. Millionen von Touristen werden sie mit Ferngläsern ins Visier nehmen, um ihre Drehung zu betrachten. Wir brauchen daher dringend ein neues Parkhaus und etwa acht Hotels.

Vielleicht ist es gut, dass Manches im Leben nur ein Fake ist. Wie diese Webcam. Die Bilder stammen von einer Drohne, die die Verwaltung immer öfter einsetzt. Und die landet nach ein paar Minuten wieder. Dabei hat sie tatsächlich einen stationären ruckelfreien 360-Grad-Schwenk über Landsberg hinbekommen – schauen Sie sich das Video an. Bleibt festzuhalten: Die Verwaltung besitzt inzwischen eine Drohne. Und immer schon Humor.

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