Delete, Escape und Close

Es ist eine heftige Diskussion, die sich der Landsberger Stadtrat am Abend liefert. Nein, wir sollten jetzt keinen Architektenwettbewerb für die Staufenstraße ausschreiben, meinen UBV, Landsberger Mitte und Grüne, gegen CSU und SPD.

  • Doris Baumgartl (UBV): Die Planungsziele sind zu unbestimmt. Wir dürfen uns nicht am Geschosswohnungsbau orientieren.
  • Wolfgang Neumeier (UBV): Wir müssen reinschreiben, dass wir unterhalb der Größenvorgaben der Baunutzungsverordnung bleiben wollen.
  • Moritz Hartmann (Grüne): Wir wollen diese Projekt zurückstellen, bis die Bebauung am Wiesengrund steht.
  • Christoph Jell (UBV): Die Planer sollten mehr Vorgaben bekommen, insbesondere eine Begrenzung der Geschossflächenzahl.
  • Hans-Jürgen Schulmeister (Landsberger Mitte): Wir sollten kein neues Baurecht schaffen, bevor die geplanten Projekte nicht realisiert sind.

Jetzt wissen wir, was ein Stadtrat der Grünen meinte, als er uns vor der Sitzung zuraunte: „Passen Sie bei der Staufenstraße gut auf!“ Wir ahnen: Oberbürgermeister Mathias Neuner und Stadtbaumeisterin Birgit Weber werden ihren Plan, an der Staufenstraße „bezahlbaren Wohnraum für alle Lebenslagen“ zu schaffen, nicht durchsetzen.

Die Meldung steht da schon im landsbergblog-Notebook: EIL: Stadtrat kippt Bauvorhaben Staufenstraße.

Es ist nur noch die Senden-Taste zu drücken. Denn es ist bald klar: Nachdem der Fraktionsvorsitzende der CSU den Saal verlassen hat, steht es höchstens 12 zu 12. Ergo: Ablehnung des Antrags, Staufenstraße tot.

Doch dann passiert etwas, mit dem nicht zu rechnen war. Bei der Abstimmung, bei dem keines der gerade wiedergegeben Argumente Berücksichtigung findet, stimmen alle Gegner des Projekts plötzlich allesamt dafür.

Jetzt in schneller Abfolge Delete, Escape und Close oder sonst etwas Nützliches drücken und vielleicht vorsichtshalber auch mal den Netzschalter des Notebooks betätigen, um die Fake News in letzter Sekunde noch zu stoppen. Es bildet sich Schweiß auf der Stirn.

Etwa zur gleichen Zeit ruft der OB aus: „Einstimmig! Da haben wir also die ganze Zeit nur für Herrn Schöndorfer und Herrn Lauff diskutiert.“ Das findet die Opposition des Abends gar nicht lustig. „Man wird ja wohl noch mal diskutieren dürfen“, sagt Traudl Lüßmann (Grüne).

Was den Schwenk bewirkt hat, ist unklar. Irgendein neues Gegenargument war es nicht. Dass die Stadt die Grundstücke bereits gekauft und bezahlt hat, war ja keine neue Information. Und dass wir mehr Wohnungen brauchen, auch nicht.

Vielleicht haben wir aber auch irgendetwas nicht mitbekommen. Eine kurzfristige Ohnmacht? Ein unterzuckerungsbedingter Blackout? War die Presse am Ende kurz weggenickt? Und hat man das gehört?

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