Ohne Maß

Eigentlich haben die Anwohner der Max-Friesenegger-Straße Glück. Die Stadt trägt 83 Prozent der Kosten der Erneuerung ihrer Straße, weil sie selbst die größte Anliegerin dort ist. Die restlichen 17 Prozent werden durch sehr viele Eigentümer geteilt. Finanziell ist das verkraftbar. Wenn nicht, gibt es die Möglichkeit der Ratenzahlung und der Verrentung.

Trotzdem waren die etwa 100 Eigentümer, die heute Abend bei der Anliegerversammlung im Sportzentrum waren, mit der Entwicklung nicht zufrieden. Die Stadt will, um Standards einzuhalten, die Gehwege verbreitern und die Fahrbahn verkleinern.

Die erste Konsequenz ist schon klar benannt: Sechs der 28 Parkplätze am Straßenrand sollen wegfallen, damit ausreichend Wartezonen bei Begegnungsverkehr entstehen. Schon das schmerzt, auch wenn der kostenlos nutzbare Parkplatz an der Rot-Kreuz-Straße eine Alternative ist und meist auch noch über freie Plätze verfügt.

Die zweite Konsequenz ist zunächst eine Fiktion. Die Fahrbahnverengung kann dazu führen, dass Fahrzeuge des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) die Katharinenstraße nur mit Verzögerung erreichen. In diesem Fall wäre es nur eine Frage von Stunden, bis das Ordnungsamt das Parken in der Max-Friesenegger-Straße gänzlich verbietet.

Nun gilt es, abzuwägen. Was spricht für breitere Gehwege und schmalere Fahrbahnen? Die vielen (vor allem die sich begegnenden) Fußgänger kommen besser aneinander vorbei. Und die Geschwindigkeit der Autos wird reduziert.

Viele Fußgänger-Begegnungen direkt neben ziemlich schnell fahrenden Autos haben wir vom landsbergblog jahrelang an der von-Kühlmann-Straße erlebt. Merkwürdig: Dort scheint ein schmaler einseitiger Gehweg auszureichen, obwohl es fast Glückssache ist, nicht vom rechten Außenspiegel eines beschleunigenden Stadtbusses zu Boden gerissen zu werden.

Aber an der Max-Friesenegger-Straße? Dort gibt es keine hohen Geschwindigkeiten. Dort sind bereits zwei Gehwege. Und vor allem: Dort sieht man kaum Fußgänger.

Egal: Wenn keine Rechte anderer entgegenstehen, kann man dem Standard ja Rechnung tragen, kein Problem.

Freilich: Als die Wohnungen in der Max-Friesenegger-Straße entstanden, waren die Anforderungen des Bauamts an Stellplätze auf privatem Grund unrealistisch niedrig. Es war Konsens, dass Eigentümer und Mieter, die keinen Einstellplatz haben, auf der Straße parken sollen.

„Parken können“ ist für den Wert des Eigentums relevant. Stellen Sie sich vor, Sie wollen Ihre Wohnung verkaufen und müssen sagen: „Parken können Sie nur dahinten auf dem großen Platz“. Da haben Sie schlechte Karten. Nun kann man sagen: Niemand hat das Recht auf Werterhalt seines Eigentums. Aber mutwillig reduzieren muss man es ja auch nicht gerade.

Klar, wir wünschen uns eine Stadt mit wenig Autoverkehr, einem tollen Bussystem, vielen Fahrradwegen und dem Arbeitsplatz gleich um die Ecke. Aber das bekommen wir jetzt nicht dadurch hin, dass wir an der Max-Friesenegger-Straße den Gehweg verbreitern.

Und dann ist da noch das BRK. Auf die Idee, ausgerechnet die Straße schmaler zu machen, von der aus Sankas starten, um Leben zu retten, auf diese Idee muss man erstmal kommen.

Die Anwohner jedenfalls haben ein klares Votum abgegeben. Für die Verbreiterung der Gehwege war kein einziger im Raum. Und das hat nichts mit Geld zu tun: Ob mehr oder weniger Gehweg, spielt in der Max-Friesenegger-Straße ausnahmsweise fast keine Rolle. Dies bestätigten Vertreter der Stadt ebenso wie der Anlieger.

Das Maß der Straße zu verändern, wäre Politik ohne Maß. Lasst es bitte sein!

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