Landsberger Boden wird unbezahlbar

Die Preise für Grundstücke sind in Landsberg in den vergangenen zwei Jahren um bis zu 40 Prozent gestiegen. Das ermittelte der Gutachterausschuss beim Landratsamt, der aufgrund der Marktentwicklung alle zwei Jahre die „Bodenrichtwerte“ festsetzt. Eine entsprechende Tabelle verteilte Oberbürgermeister Mathias Neuner am Ende des öffentlichen Teils der Stadtratssitzung am heutigen Abend. 

In der Kernstadt Landsberg (ohne Altstadt) beträgt der Quadratmeter-Preis nun 600 Euro. Zwei Jahre zuvor lag er noch bei 450 Euro; das ist eine Steigerung um 33 Prozent. Wer im Landsberger Westen oder Osten ein 500 Quadratmeter großes Grundstück besitzt, konnte vor zwei Jahren mit einem Verkaufserlös von 225.000 Euro rechnen; nun kann er problemlos 300.000 Euro aufrufen. Etwaige Besonderheiten (Gebäudebestand, Lage) sind dabei noch nicht berücksichtigt.

In den Ortsteilen sind die Preise gemäßigter, aber dennoch hoch. Ein Grundstück in Erpfting kostet nun auch bereits 350 Euro pro Quadratmeter, 40 Prozent mehr als vor zwei Jahren. In Reisch sind ebenfalls 350 Euro zu zahlen (plus 27 Prozent), in Pitzling 280 Euro (plus 17 Prozent) und in Ellighofen 200 Euro (plus 14 Prozent). In der Landsberger Altstadt waren die Quadratmeter-Preise immer schon um ein Vielfaches höher; sie liegen zwischen 2.500 und 3.500 Euro. Auch dort sind trotz des bereits sehr hohen Niveaus Steigerungen ab sieben Prozent zu verzeichnen.

Die Preisentwicklung ist vor allem eine Konsequenz aus den niedrigen Sparzinsen. Wer sein Geld in Landsberg in Grund und Boden investiert hat, verzeichnet eine jährliche Rendite von 16,5 Prozent. Wer vor sechs Jahren gekauft hat, kann sich sogar über eine Verdoppelung seines Vermögens freuen. Das sind gute Nachrichten für Hauseigentümer, aber ganz schlechte für potentielle Hauskäufer oder Haus- und Wohnungsmieter. Bauträger, die jetzt Grundstücke erwerben, um Mietwohnungen zu errichten, müssen höhere Preise zahlen und die Mieten nach oben anpassen, damit sich die Investition lohnt. Dazu kommt, dass die Anforderungen an die Art des Bauens ebenfalls gestiegen sind.

Im Grunde ist Landsberger Boden im Moment unbezahlbar. Trotz niedriger Kreditzinsen ist die Refinanzierbarkeit der Aufwendungen höchst fraglich, zumal Bodenrichtwerte (also Grundstückspreise) auch sinken können.

Wirksame Gegenmaßnahmen gibt es im Grunde nicht. Zwar könnte die Stadt darauf spekulieren, dass Grundstückspreise und Mieten durch zahlreiche Neubauten sinken, weil das Angebot erhöht wird. Fraglich ist aber, ob dieser Mechanismus im Münchener Speckgürtel überhaupt greift. Es gibt zigtausende Münchener Eigentümer und Mieter, die ihren Wunsch nach Haus und Garten oder die größere Wohnung außerhalb der Landeshauptstadt erfüllen wollen; insofern könnte eine angebotsorientierte Wohnungspolitik ein Fass ohne Boden sein. Schon jetzt ist eine deutliche Überzeichnung der Objekte beim „Urbanen Leben am Papierbach“ erkennbar – warum sollte es am Reischer Talweg, der Staufenstraße oder der Ahornallee anders sein?

Die heute bekannt gewordenen Zahlen verdeutlichen vor allem eines: Die Stadt muss mit geeigneten Maßnahmen bezahlbaren Wohnraum schaffen, der sich in gewissem Maße den Marktgegebenheiten entzieht. Dieses Ziel ist in der Agenda des Stadtrats auch verankert. Wie es erreicht werden kann, ist aber zurzeit völlig unklar.

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