Es wird mir zugetragen

„Ich lese die Presse nicht“, sagte Reinhard Steuer (UBV) heute Abend im Verwaltungs- und Finanzausschuss des Landsberger Stadtrats, „aber der Inhalt wird mir zugetragen“.

Nach dieser Vorbemerkung bat Steuer um die Erläuterung zweier Zahlen, die der KREISBOTE in seiner Ausgabe vom Mittwoch und im Internet veröffentlicht hatte. Sie stammten aus dem Grußwort von Oberbürgermeister Mathias Neuner beim IHK-Empfang am Montag. Woher denn diese Angaben kämen, wollte Steuer von Neuner wissen. Aus einer Broschüre der Stadt, antwortete der OB. Deren Inhalt war Steuer offenbar nicht zugetragen worden. Der OB versprach aber, ihm die Broschüre zu übergeben. Besser gesagt: sie ihm zuzutragen.

Lieber Herr Dr. Steuer, danke für diese Offenbarung. Ehrlich gesagt hatten auch wir schon den Eindruck, dass Sie die Presse nicht lesen. Und auch sonst nicht so viel von ihr halten. Zurufe wie „Nochmal langsam für die Presse“ hatten uns schon auf diese Spur gebracht. Merkwürdig eigentlich: Als Anwalt würden Sie in einer Verhandlung  nicht erklären, Sie hätten die Schriftsätze nicht studiert; das Gericht fände das nicht systemkonform.

Im politischen Diskurs, als Stadtrat, kann man mit dem Axiom „Ignoranz“ aber ebenso wenig brillieren. Es mag ja sein, dass Sie manches Informationsdefizit mit hoher Intelligenz und 20jähriger Stadtratserfahrung ausgleichen. Aber was in dieser Stadt vorgeht, was Bürger denken, was andere sagen und was die Menschen bewegt, das erschließt sich nicht durch In-sich-Gehen. Da muss man tatsächlich mal in eine Tages- oder eine Wochenzeitung schauen und auch ein Blick in den landsbergblog kann dazu nicht schaden. Medien sind für eine Demokratie „schlechthin konstitutiv“ hat das Bundesverfassungsgericht formuliert. Das war nicht abstrakt gemeint. Die Richter dachten dabei auch an Kommunalpolitiker wie Sie.

Dies gilt um so mehr, als wir so gerne mit Ihnen über Linien, Konzepte, Ideen und Visionen diskutieren würden. Heute Abend haben Sie doch wieder gezeigt, dass Sie eine Million Zahlen gut auf ein paar Grundsätze reduzieren können. Als andere das Detail sezierten, bewiesen Sie den Überblick. Das ist auch unser Anspruch. Lassen Sie uns doch gegenseitig ergänzen. Wir, die Journalisten, recherchieren und reportieren, analysieren und illustrieren. Und Sie machen was daraus. Das wäre eine Symbiose, die uns wohl gefiele. Deswegen appellieren wir: Bitte lassen Sie nicht lesen, bitte lesen Sie!

Aber wie erreichen wir Sie? Hallo, Zuträger, könnten Sie mal eben tätig werden? Wir wären dankbar dafür.

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