So geht Politik

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Jennifer Lübcke nach der Stadtratssitzung mit Oberbürgermeister Mathias Neuner. (Handy-) Foto: landsbergblog

Junge Erwachsene protestieren gegen das Gastspiel eines Zirkusses mit Wildtierdressur. Der aus elf gewählten Mitgliedern bestehende Jugendbeirat der Stadt greift diesen Protest auf. Er recherchiert, sammelt Fakten, erstellt eine Argumentation. Dann beschließt er einen Antrag an den Stadtrat: Die Widmung der öffentlichen Veranstaltungsplätze „Waitzinger  Wiese“ und „Schlüsselanger“ wird dahingehend geändert, dass Gastspiele von Zirkussen, welche Wildtiere mitführen und/oder zur Schau stellen, aus Gründen des Tierschutzes, künftig nicht mehr zugelassen werden.

Mitglieder des Jugendbeirats nehmen an der Stadtratssitzung teil. Sie warten fast zwei Stunden geduldig, bis ihr Thema, ganz zum Schluss, aufgerufen wird. Unter ihnen ist Jennifer Lübcke, die neben Ernst Müller, dem Ordnungsamtschef, Platz nehmen muss. Das ist der Mann, der gegen ihren Vorschlag ist. Das sind schon mal erschwerte Bedingungen.

Aber dann begründet sie den Antrag souverän. Und erntet damit nicht nur großen Respekt, sondern erreicht auch das Ziel. 14 von 21 anwesenden Stadträten stimmen zu. Das „Wildtierverbot“ ist beschlossen.

Lübcke und die anderen Mitglieder des Jugendbeirats zeigen damit allen: Nicht ärgern, nicht klagen, nicht resignieren: Von den Möglichkeiten Gebrauch machen, die die Demokratie bietet. So geht Politik. Klasse gemacht. Bitte mehr davon.

Dabei lagen sogar noch ein paar Steine auf dem Weg. Die Vorlage der Stadtverwaltung war nicht gerade durch Neutralität geprägt; dies kritisierten auch Stadträte in der Sitzung, ebenso wie zuvor der landsbergblog. Ernst Müller muss man freilich zugute halten, dass er heute das gesamte Beamtentum, das ihm sonst innewohnt, für eine halbe Stunde ad acta gelegt hat. Obwohl er nicht dafür sei, könne mit dem beantragten Beschluss durchaus leben – notfalls werde man auch eine Klage überstehen.

Bei diesem Punkt war das Klima im Sitzungssaal gegenüber den vorangegangenen Thema „Neuer Flächennutzungsplan“ übrigens komplett verändert. Die Stadträte hörten konzentriert zu, fragten sorgfältig nach und legten ihre Argumente respektvoll dar. Jeder erkannte die Bedeutung des Augenblicks. Es war ein würdiger Moment.

Jennifer Lübcke und die anderen Mitglieder des Beirats haben einem langen Tag ganz zum Schluss eine tolle Wendung gegeben. Die Stadträte jedenfalls verließen den Sitzungssaal an diesem Abend mit einem richtig guten Gefühl.

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