Weder polnisch noch Konzern

Der KREISBOTE meldet, dass der Kreisausschuss gestern in nichtöffentlicher Sitzung das Landsberger Busunternehmen Waibel mit dem Stadtbusbetrieb ab Februar 2018 beauftragt hat, weil Waibel das beste Angebot abgegeben hat. Sie finden den Artikel hier.

Ohne dass wir zu leicht über einen solchen Wechsel hinweggehen wollen (immerhin geht es hier um Arbeitsplätze und die Ertragslage von Unternehmen), seien dazu zwei Anmerkungen erlaubt.

Erstens: Im Vorfeld hatten Verantwortliche aus dem Landratsamt und der Stadtverwaltung argumentiert: „Wenn wir die europaweite Ausschreibung nicht auf Eisele zuschneiden, kommt entweder ein internationaler Konzern oder ein polnischer Hasardeur und macht mit Billigkräften unser Stadtbussystem kaputt“. Nun, Waibel ist weder polnisch noch Konzern. Die Firma ist zwar seit 2008 Bestandteil eines größeren Unternehmens, aber selbst das ist noch Mittelständler und wird von deutschen Mittelständlern betrieben. In der Region ist Waibel übrigens bestens aufgestellt, zum Beispiel im Münchener Verkehrsverbund. Billigkräfte gibt es da nicht – im Gegenteil. Waibel zahlt den Stellenanzeigen zufolge übertariflich.

Zweitens: Ebenfalls im Vorfeld hatten Verantwortliche aus dem Landratsamt und der Stadtverwaltung davor gewarnt, drei Hybridbusse vorzuschreiben. Das erhöhe die Kosten exorbitant uns sei nicht mehr finanzierbar. Inzwischen wissen wir: Das hat kein interessiertes Unternehmen davon abgehalten, ein Angebot abzugeben. Mit der Angelegenheit Vertraute berichten uns sogar, dass der künftige Stadtbusbetrieb MIT Hybridbussen preiswerter sein soll als der derzeitige OHNE Hybridbusse.

So etwas muss man übrigens ziemlich kompliztiert herausbekommen, und zwar so, dass niemand gegen Recht verstößt. Wieso der Kreisausschuss eine Auftragsvergabe nach einer abgeschlossenen Ausschreibung als Geheimsache nichtöffentlich behandelt, bedarf daher auch noch der Erläuterung. Persönlichkeitsschutz? Datenschutz? Oder ist es dem Kreis einfach nur peinlich?

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