Dankbar, kritisch, analytisch

Ein Kommentar von Werner Lauff

Wenn Journalisten am Ende eines Jahres Bilanz ziehen, neigen sie dazu, das Geschehen chronologisch zu repetieren. Das mag Erinnerungen auslösen und Geschichtsschreibung vereinfachen. Es wird aber selten dem gerecht, was sich verändert hat.

Welche Aufgaben haben wir nicht gelöst? Auf welche Herausforderungen haben wir keine Antwort? Welche Antworten sind nur Polemik? Und welches Ende nimmt gerade jetzt seinen Anfang? Dies sind die vier wichtigsten Fragen, die zu besprechen sind.

Bei allem Lichterglanz: Wir sollten, Tage nach dem Anschlag von Berlin, auch in Landsberg den Jahreswechsel nutzen, über diese Fragen nachzudenken und in der Familie und im Freundeskreis darüber zu diskutieren. Wer das nicht tut, riskiert, dass immer mehr Menschen den Verführern folgen und Personen wählen, die Trittbrettfahrer sind. Zu denen, die das riskieren, gehört leider auch der bayerische Ministerpräsident.

Bei dieser Debatte ist Differenzierung Pflicht. Es gilt zu unterscheiden: Zwischen Menschen, die Terror ausüben, und solchen, die Asyl suchen. Zwischen der Absicht des Staates, Taten zu verhindern, und seiner Unfähigkeit, das auch zu tun. Zwischen notwendigem Verwaltungshandeln und kontraproduktivem Verwaltungsgestrüpp.

Nur so kann man eine Agenda entwickeln. Ihre Verwirklichung ist übrigens nicht Sache ferner Organisationen in Europa oder der Bundeshauptstadt. Für die Umsetzung von Bundesgesetzen sind fast immer die Länder zuständig. Manchmal entsteht der Eindruck, Bayern sei bundesweit gesehen in der Opposition. In Wirklichkeit steht Bayern vollständig in der Verantwortung; es ist nicht zuletzt Bayerns Sache, ob und wie unser Staat funktioniert.

Zu der Diskussion über die Fragen, die uns in diesen Tagen bewegen, gehört auch die perspektivische Betrachtung, wie wir mit Menschen umgehen wollen, denen wir das Recht auf ein Leben in Deutschland rechtswirksam attestiert haben. Nehmen wir das ernst oder unterlaufen wir es? Setzen wir uns genug für den Spracherwerb, für berufliche Integration, für Teilhabe ein, oder schaffen wir das Ghetto im Kopf? Unterstützen wir diejenigen hinreichend, die ehrenamtlich helfen? Wir haben – auch im Landkreis Landsberg – Zweifel. Wir hätten sie 2017 gerne ausgeräumt.

Auch in Landsberg können wir die Chronologie des Jahres 2016 getrost einmal beiseiteschieben. Viel wichtiger ist dies: Die Stadt hat sich den Problemen in den vergangenen Jahren mit bemerkenswerter Akribie gestellt. Die Finanzen sind in Ordnung gebracht. Die Weichen für mehr Wohnungen, auch Sozialwohnungen, sind gestellt. Die Umwidmung der Pflugfabrik geschieht konzentriert und behutsam. Die Stadt erarbeitet sich Zukunftsdaten und entwickelt eine Zukunftsstrategie.

Dabei hat sich die Methode geändert. Der Stadtrat ist inzwischen so intensiv involviert, dass er fast überlastet ist. In Montagsrunden finden interfraktionelle Gespräche statt. Mehrheitliches Durchsetzen von Interessen gehört der Vergangenheit an. Oberbürgermeister Mathias Neuner wird immer stärker zum Moderator. Der Dialog mit den Medien klappt exzellent. Das Camouflieren und Taktieren ist auf ein Minimum reduziert. Die Zufriedenheit der Landsberger, geborener wie zugezogener, wie sie in der Umfrage „Landsberg 2035“ zum Ausdruck kommt, spricht Bände. Sie ist berechtigt. Es macht Spaß, in dieser Stadt zu leben.

Auch dies darf und sollte in diesen ruhigen Tagen Gesprächsthema sein. „Count your blessings“, sagt man in englisch und meint: Freue Dich an dem, was Du hast. Wir Deutschen zählen oft nur die Blessuren. Wir vom landsbergblog werden auch 2017 kritisch bleiben und wachsam sein. Aber wir werden auch hervorheben, was erreicht und was gelungen ist.

In diesem Sinne: Seien Sie an diesen Feiertagen dankbar, kritisch und analytisch! Wir wünschen Ihnen alles Gute dazu.

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