Plump

Dass Stadträte Sitzungen mit einer Portion Wut, jedenfalls verärgertem Kopfschütteln verlassen, kommt in Landsberg nicht mehr so häufig vor wie früher. Gute Absprachen in Montagsrunden und eine einfühlsamere Sitzungsleitung tragen dazu bei. Die heutige Beratung im Bildungs-, Sozial- und Kulturausschuss des Stadtrats zum Thema „Stadtmuseum“ hat uns aber leider wieder deutlich zurückgeworfen. Wir hätten nicht gedacht, dass es in einer Sitzung noch einmal so plump zugehen könnte.

Für alle, die das Wort nicht täglich benutzen: Laut Duden bedeutet „plump“ irgend etwas zwischen ungeschickt und dreist. Es gibt uns damit die Möglichkeit, die Feinbewertung des Sachverhalts der Leserschaft zu überlassen. Im vorliegenden Fall ging es um die Präsentation eines Gutachtens des Würzburger Kulturberaters FranKonzept zur Zukunft des Neuen Stadtmuseums. Den Beinamen „Neu“ erhielt es übrigens, weil es 1987, als es ins Jesuitengymnasium einzog, historische und künstlerische Exponate vereinigte. Urkunden und Gemälde, Pläne und Skulpturen, Möbel und Portraits. „Substanz“ gab es genug. 4.600 Inventarnummern vergab die Stadt. Die Hälfte davon sind Objekte, die die Geschichte Landsbergs verdeutlichten. Die andere Hälfte sind Kunstwerke.

Das von Bürgermeister Axel Flörke und Museumsleiterin Sonia Fischer explizit, teils überschwänglich begrüßte Konzept der Berater sieht vor, dass das Neue Stadtmuseum künftig „Landsberg Museum“ heißt und nur noch Geschichte zeigt. Nun könnte man meinen, dass damit ausgeklügelte, attraktive Ideen verbunden wären, so wie die Stadträte sie vor einem Jahr bei einer Museumsfahrt noch in anderen Museen präsentiert bekamen. Aber offenbar besteht das Konzept im Wesentlichen nur daraus, im zweiten Obergeschoss unter dem Titel „Landsberg zwischen Bayern und Europa“ die Stadtgeschichte vor 1800 zu zeigen (Salzhandel, Jesuiten, Barock) und im ersten Obergeschoss unter dem Titel „Landsberg zwischen Idyll und Schrecken“ die nach 1800 (Bayernidyll, Garnison, Zeitgeschichte). „Das hätten wir auch selbst gekonnt“, meinte ein Mitglied des Stadtrats im Anschluss trocken; „was hat dieses Gutachten eigentlich gekostet?“ Aber das ist noch nicht einmal der Punkt.

Richtig plump wurde es, als sich herausstellte, dass der Kulturbürgermeister und die Museumsleiterin im Einklang mit FranKonzept offenbar bereit sind, die Kunstwerke, die die Stadt besitzt, für viele Jahre ins Depot zu legen und nicht mehr auszustellen. Inclusive des Bestands an Scholle-Bildern, die alleine 400 Quadratmeter Ausstellungsfläche füllen würden. Wohlgemerkt: Axel Flörke verwies die Ausstellung dieser Kunstwerke „in ferne Zukunft“ – und das ist ein wörtliches Zitat. Die Stadträte sollten die Frage, wo denn die Kunst künftig ausgestellt wird, erst einmal wieder aus dem Gedächtnis streichen und im Januar oder Februar über das Konzept „Das Stadtmuseum bleibt wo es ist und wird zum Geschichtsmuseum“ entscheiden.

Ist Flörke plötzlich zum Kunstbanausen geworden? Ist er zum Historiker mutiert? Natürlich nicht. Flörke hat wahrscheinlich wohl nur eine recht einfache Vorstellung von Salamitaktik: Wir lassen die Kunst jetzt aus dem Stadtmuseum weg. Dann fragt jeder: Wo ist denn die ganze Kunst? Tja, dann müssen wir halt ein neues, ein zweites Museum bauen. Wo das sein könnte, deutete FranKonzept schon an. „Geschichte am Berg und Kunst am Fluss“ formulierte der Gutachter. Ganz in der Nähe von Herkomerpark und Papierbach, da würde doch so etwas hinpassen. Neu, stattlich, auch für Touristen attraktiv. Kosten? Ach, Kosten. Keine Ahnung, was das kostet. Aber wir reden doch nur über die „ferne Zukunft“.

Das ist, wiederholen wir’s, plump. Nun ist plump nicht nett, aber glücklicherweise durchschaubar. Der Stadtrat beschließt im Januar oder Februar, ohne Kenntnis der weiteren Gebäudenutzungen (Schlossberg? Spitalplatzschule? Ursulinenkloster?) dieses Konzept und legt die Kunst ins Lager? Herr Flörke, vergessen Sie’s. Streichen Sie es einfach aus Ihrem Gedächtnis. Und planen Sie bitte nicht „ferne Zukunft“, sondern unsere Stadt, wie sie heute und morgen sein soll.

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