E = V² + W

14 Tage ruht die Stadtpolitik, jedenfalls soweit sie sich in Sitzungen ermessen lässt. Diese Woche sind eh Ferien und nächste Woche fällt der Verwaltungs- und Finanzausschuss aus. Der Kämmerer ist mit dem Haushalt noch nicht so weit, dass frühe Beratungen möglich wären; dazu ist in Sachen „Papierbach“ noch zu viel im Fluss. Dieses Mal wird der Haushalt wohl erst im Januar verabschiedet, was aber gemessen an anderen Kommunen ausnahmsweise auch mal ausreicht.

In der vergangenen Woche rechneten wir eigentlich mit einer Mammutsitzung. Aber zum einen spielte Bayern München im Pokal gegen Augsburg, was eine gewisse Eile auslöste. Zum anderen war die Montagsrunde diesmal offenbar besonders effektiv. Dort konnte man beim strittigen Thema „Straßenausbaubeiträge“ einvernehmlich die Option „wiederkehrende Beiträge“ abschichten. Zu regeln ist nun nur noch, wie die „Verrentung“ konkret aussehen soll; dazu wird es eine Arbeitsgruppe geben und bis zur Beschlussfassung gilt ein Moratorium: Die Stadt verlangt in der Johann-Arnold-, der Ummendorfer und der Altöttinger Straße keine Vorauszahlungen. Den Bericht im KREISBOTEN dazu finden Sie hier.

Es zeigt sich eben doch: Im Stadtrat hängt das Einvernehmen E zwar stark vom Einigungswillen W ab. Dazu gehört insbesondere die Bereitschaft, im Sinne der gemeinsamen Sache auf Fensterreden zu verzichten. Viel wichtiger ist aber die gute Vorbereitung V eines Tagesordnungspunkts. Sie umfasst mehr als nur eine Fragestunde; sie umschließt zwingend klare Absprachen zum effektiven Procedere. Das schafft der Stadtrat im Dialog mit der Verwaltung tatsächlich immer dann, wenn es um wirklich heikle Themen geht – und das Kassieren von Straßenausbaubeiträgen gehört ohne Zweifel dazu. Ebenso erfolgreich gelang diese Vorbereitung (die wir wegen ihrer Wichtigkeit in der Formel-Überschrift ins Quadrat setzen) bei der Entscheidung über die Asylunterkünfte.

Besonders gefreut hat alle Beteiligten das in der vergangenen Woche veröffentlichte Ergebnis der Umfrage zu Landsberg 2035 (Sie erinnern sich: die gelben Fragebögen). Die wichtigsten Resultate finden Sie hier. Es ist schon spannend und beeindruckend: Nur 26 Prozent der Teilnehmer sind in Landsberg geboren; 74 Prozent sind zugezogen. Und: 45 Prozent der Teilnehmer arbeiten nicht in der Stadt und nicht im Kreis Landsberg, ein Drittel davon fährt sogar zur Arbeit nach München. Obwohl also an der Umfrage viele Bürger teilnahmen, deren Bindung zur Lechstadt noch gar nicht so lange besteht und vielleicht wegen des Arbeitsplatzes außerhalb der Stadt gar nicht so intensiv ist, sind 90 Prozent mit der Lebensqualität in Landsberg zufrieden. Und 83 Prozent sagen: „Ich verstehe mich als Landsberger“. Das muss eine Stadt erstmal schaffen. Das Gleiche gilt für die Zufriedenheit der Bürger in ihrem Wohngebiet oder Ortsteil. 76 Prozent „identifizieren sich“ damit, 85 Prozent halten die dortige Lebensqualität für „sehr gut“. Erste Ergebnisse der Befragung als PDF finden Sie hier.

Aber die Agenda konkretisiert sich: Den Landsbergern machen die Lage im Wohnungsmarkt und die Fahrrad-Mobilität große Sorge. Offene Themen sind, ohne dass sie im Fragebogen eine große Rolle spielten, auch Verkehrsfluss und Verkehrsbelastung. Beim Wohnungsbau ist schon eine Menge in die Wege geleitet; das Verkehrskonzept muss nun in Angriff genommen werden. Ein ganz wesentlicher Aspekt: 91 Prozent der Landsberger erwarten, dass die Bürger an der Entscheidungsfindung in all diesen Bereichen beteiligt werden. Gut so!

Das Fazit: Zufriedene Bürger, (diesmal erneut) gut kooperierende Stadträte, eine Stadtverwaltung, die – Stichwort: Verzicht auf Vorschüsse – „mitzieht“. Es war eine gute Woche für Landsberg; der Urlaub ist verdient. Allerdings ist er für Manchen am 7. November morgens um sechs radikal beendet: Dann geht es in Sachen „Derivate“ nach München zur ersten mündlichen Verhandlung beim Oberlandesgericht.

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