Von denen, die selbstlos sind

Ein Kommentar von Werner Lauff

Die ehrenamtlich Tätigen, die sich in ihrer Freizeit um Asylbewerber und Flüchtlinge mit Bleiberecht kümmern, leisten eine unverzichtbare Arbeit für uns alle. Sie initiieren Verständigung und Teilhabe, sie schaffen erste Pfade in Richtung Integration. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Umso trauriger ist es, dass man ihr Engagement immer wieder unnötig erschwert.

Falsche Fürsprecher sind da noch das geringste Problem. Dennoch: Es hat viel zu lange gedauert, bis auch das Landratsamt erkannt hat, dass lautes Auftreten und gut klingende Vereinsnamen in die Irre führen können. Es musste erst lernen, Selbstverwirklicher und Trittbrettfahrer von uneigennützigen Helfern zu unterscheiden.

Völlig unnötig war auch die von falschem Sparwillen getriebene restriktive Ausschreibung der Betreuung der Asylbewerber, die dazu führte, dass niemand mehr ein Angebot abgab und das Bayerische Rote Kreuz seine anerkannt gute Arbeit einstellen musste. Der Landkreis hat sich und vielen anderen das Leben damit schwer gemacht – von der politischen Blamage mal ganz abgesehen.

Seit einiger Zeit operiert das Landratsamt, das insoferen als „Staat“ agiert und der Kontrolle durch die Gremien entzogen ist, nun auch noch mit dem Instrument der „Verlegung“. Flüchtlinge werden kurzfristig und ohne vorherige Beratung mit den Helferkreisen in andere Orte gebracht. Funktionierende Betreuungsstrukturen werden so auf einen Schlag zerstört. Im Grunde fängt dann alles wieder von vorne an.

Der Landrat entspricht damit ohne Zweifel der aktuellen politischen Diktion im Freistaat Bayern. In fast jedem Satz zum Thema Asyl lassen CSU-Politiker ihre Abneigung gegen die Menschen durchblicken, die bei uns Schutz und Chance suchen. Sicher wäre es besser gewesen, die Politik hätte die Fluchtauslöser Krieg, Korruption und Gewaltherrschaft vor Ort gelöst. Aber das hat sie nicht getan.

Ehrenamtler stehen aufgrund dieser stetigen unterschwelligen Agitation immer wieder unter Rechtfertigungsdruck. Manchmal hat man den Eindruck, die Politik wünscht sich überall ehrenamtliche Betätigung. Aber beim Thema Asyl hätte sie es lieber nicht.

Stattdessen demonstriert unsere Verwaltung, vom BAMF bis zu den Landratsämtern, wie hilflos unser Staat ist, wenn es um unvorhergesehene Herausforderungen geht. Lange Wartezeiten auf Integrationskurse, Verhinderung von kostenlosem Internet-Zugang, umständliche und zeitraubende Antragswege, unsensible Belegung von Unterkünften. Das sind nur einige von vielen Beispielen. Die Verwaltung blamiert sich, aber es macht ihr nichts aus.

Das ist der Widerspruch am heutigen Samstag: Tatsächlich gäbe es Vieles zum Thema Ehrenamt zu sagen. Aber bitte von den Richtigen – von denen, die selbstlos sind.

Advertisements