Stadtwerke auf gutem Weg (II)

Am 28. September 2013, vor knapp drei Jahren, hatte der landsbergblog in einem Beitrag mit der Überschrift „Stadtwerke auf gutem Weg“ eine positive Prognose der Entwicklung des Kommunalunternehmens gegeben. Heute verwenden wir die gleiche Überschrift nochmal.

Im September 2013 zu sagen, die Stadtwerke seien auf gutem Weg, war allerdings ziemlich mutig – wir waren damals allein auf weiter Flur. Wie könne man denn, so wurden wir gefragt, von einem „guten Weg“ sprechen? Die Fakten sprächen doch dagegen. In den Jahren 2006 bis 2010 hatten die Stadtwerke 4,7 Millionen Euro Verlust gemacht. Da es keine Perspektive auf einen Abbau des Verlustvortrags aus eigener Kraft gab, musste die Stadt Landsberg den Verlust in bar ausgleichen und dafür Kredite aufnehmen.

Doch es kam noch schlimmer: Im Jahr 2011, als die Stadtwerke das Stromnetz der LEW übernommen hatten, fiel ein Verlust von 4,2 Millionen Euro an. 2012 kamen 1,7 Millionen hinzu. Für 2013 ging der Vorstand von einem Minus von 1,2 Millionen aus. Es standen also erneut 7,1 Millionen Euro in roten Zahlen in den Büchern.

Selbst Oberbürgermeister Mathias Neuner mochte zum Zeitpunkt unseres damaligen Beitrags keinen Gewinn für 2014 versprechen. Und Stadtkämmerer Peter Jung sprach einen Monat danach sogar von einer „ernsten Lage“ bei den Stadtwerken und befürchtete, dass die Stadt die insgesamt 7,1 Millionen erneut aus dem Haushalt ausgleichen müsse. Es schien, als lägen wir ziemlich daneben.

In den folgenden drei Monaten änderte sich die Einschätzung aber. Genau betrachtet war der Verlust des Jahres 2013 um 600.000 Euro niedriger als zu Jahresbeginn angenommen; außerdem entfielen zwei Drittel der Verlustsumme auf eine einzige außerplanmäßige Abschreibung. Im Übrigen zeichnete sich für 2014 schon seit Längerem ein Gewinn ab.

Im Dezember 2013 fasste der Stadtrat daher auf Vorschlag von Peter Jung lediglich einen sektoralen Ausgleichsbeschluss und überwies an die Stadtwerke nicht 7,1, sondern nur 1,4 Millionen Euro. Nach der Vereinbarung zahlt die Stadt (erstens) nur dann, wenn das Gesamtergebnis der Stadtwerke negativ ist, und trägt (zweitens) nur die Verluste des Inselbades und der Tiefgaragen, letztere aber lediglich, soweit sie 900.000 Euro überschreiten (den fiktiven Abschreibungsbetrag).

Damit erhielt die Stadt also bereits Ende 2013 Gewissheit: Den vollen Verlust wird sie in Zukunft wohl nicht mehr ausgleichen müssen. Die zweite Erkenntnis folgte dann einige Monate später. Das Jahresergebnis 2014 war mit 1,25 Millionen Euro positiv. Und für 2015 wurde ebenfalls ein Gewinn erhofft. Daher sollten 2014 und 2015 Nulljahre für die Stadt sein. Das Zwischenfazit: Die Wendung vom „guten Weg“ war berechtigt.

Zu Aussagen mit mehr Euphorie lassen wir uns allerdings auch heute nicht hinreißen. Der Gewinn des Jahres 2015 beträgt, wie wir inzwischen wissen, gerade mal 248.000 Euro. Zwar haben die Stadtwerke ihre Verbindlichkeiten gesenkt (sie haben jetzt „nur“ noch 32 Millionen Euro Schulden) und ihre Eigenkapitalquote auf (unterdurchschnittliche!) 38,7 Prozent erhöht. Aber das Plus unter dem Strich ist im Wesentlichen durch Entgelte für die Wasserversorgung und Entwässerung entstanden. Die dürfen aber nur kostendeckend sein; die Stadtwerke müssen in Form einer Preissenkung nachregulieren. Im Grunde ist dieser Gewinn ein Vorschuss der Kunden.

Außerdem schieben die Stadtwerke Investitionen vor sich her. In 2016 schlägt der zweite Abschnitt der Sanierung der Lechgarage zu Buche; er kostet 765.000 Euro. Die dritte Phase folgt 2017. In diesem Jahr wird dann wohl auch das Inselbad anstehen – hier geht es um eine beträchtliche Summe, jedenfalls wenn man die bisherigen Angaben zum erwarteten Aufwand summiert.

Dennoch: Dass die Stadtwerke auf gutem Weg sind, bleibt richtig. Und eines ist auch klar: Hätte das Kommunalunternehmen von der Stadt nicht die beiden Verlustbringer Inselbad und Parkgaragen aufs Auge gedrückt bekommen, läge der Gewinn 2014 bei 1,9 Millionen und 2015 bei 1,1 Millionen Euro. So muss man das auch mal rechnen. Diese Kalkulation machen der Herr Köhler und der Herr Lange wahrscheinlich hin und wieder ganz gerne mal beim Bier. Wenn niemand zuhört.

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