Ein Traum von Projekt

Investor und Stadt verständigen sich in Rekordzeit auf einen professionellen städtebaulichen Vertrag zum „Urbanen Leben am Papierbach“. So langsam wird klar: Dieses Vorhaben wird ein Erfolg.

Ein Kommentar von Werner Lauff

NEK

Am 3. Februar 2015 standen Michael Ehret (Mitte) und Stefan Klein zusammen mit Oberbürgermeister Mathias Neuner und Vertretern der Presse in der „Alten Schmiede“ der Pflugfabrik und kündigten das an, was man inzwischen unter dem Namen „Urbanes Leben am Papierbach“ zusammenfasst. Heute, nur 18 Monate später, unterzeichneten Ehret und Neuner nach Änderungen in letzter Minute den städtebaulichen Vertrag, der die Grundlage für das Mammutprojekt bildet. Alle Einzelheiten dazu finden Sie in einem aktuellen Bericht des KREISBOTEN.

Unterzeichnung

Zum Schluss gab es noch einmal gute Nachrichten: Das Thema „Lechsteg“ ist gelöst; die „Deckelung“ der Kostenbeteiligung des Investors ist vom Tisch. Die Verlagerung der Kindereinrichtungen hat sich als zumindest finanziell unschädlich erwiesen; Stadträte haben sich am Montag davon überzeugt, dass das „SoBoN-Konto“ noch nicht „überläuft“. Daher stand der Unterzeichnung des Vertrags nichts mehr im Weg. 

Am 3. Februar 2015 hatte der landsbergblog geschrieben:

Heinz Pöttinger verabschiedet sich aus Landsberg mit einem Geschenk an die Stadt. Seine Entscheidung gegen internationale Bauträger, die schnell bauen und verkaufen wollen, und für ein regionales Unternehmen, dem es schon aufgrund seines Kerngeschäfts „Vermögensverwaltung“ auf langfristige Wertschöpfung ankommt, ist für das Areal der Pflugfabrik eine exzellente Lösung. Wenn das, was der Starnberger Investor ehret + klein heute versprochen hat, wirklich eintritt, dann ist dieser Tag ein Glückstag für uns. (…) Unsere Stadt bekommt nach vielen Jahren des Wartens ein neues Gesicht. Statt der Pflugfabrik entsteht den Ankündigungen zufolge ein vielfältiges unelitäres Wohngebiet mit enger Anbindung an die Altstadt. Landsberg gewinnt dadurch erneut an Attraktivität. Der sensible Ort, wie Mathias Neuner es formuliert hat, wird sensibel überplant. Man darf nicht nur gespannt sein, wie der Prozess jetzt – in anspruchsvoller Geschwindigkeit – weiter geht. Man darf sich auf ihn sogar freuen.

Wir können die Sätze von damals heute unverändert wiederholen.

Michael Ehret und Stefan Klein haben in den letzten anderthalb Jahren bewiesen, dass für sie Transparenz und Bürgerbeteiligung ebenso wenig Fremdworte sind wie Sozialbindung und verantwortungsvoller Städtebau. Unser Eindruck von Anfang 2015 war richtig: Wir haben mit diesen Investoren Glück gehabt.

Natürlich entsteht an der ehemaligen Pflugfabrik ein Quartier, das durch Fülle gekennzeichnet ist. Es gab Zeiten, da hätte man in einem Gebiet dieser Größe statt 600 Wohnungen 60 Einfamilienhäuser gebaut und sich gefreut, wenn sich jemand dort niederlässt und einen Garten anlegt. Die Zeiten haben sich geändert. Heute ist Wohnraum, vor allem in zentraler Lage, so wertvoll, dass man ihn nicht mehr in dieser Weise verschenken darf.

Dennoch könnte man eine Industriebrache wie die Pflugfabrik auch unverträglich überplanen. Man könnte höher bauen, auf soziale Durchmischung verzichten, über das spätere Leben vor Ort weniger nachdenken. Dann käme eine Schlafstadt heraus. Die bekommen wir nicht. Wohnungen, Büros, Einzelhandel, Praxen, Gastronomie und Kultur werden sich gegenseitig ergänzen. Und mit dem neuen Lechsteg ist die Anbindung an die Altstadt komfortabel gesichert.

Das Projekt Pflugfabrik wird ein Erfolg. Das hat einen einfachen Grund: ehret + klein sind Investoren von heute. Wenn sie über Bürgerbeteiligung sprechen, dann nicht als Lippenbekenntnis; sie meinen das ernst. Wenn sie über die mediale Begleitung des Projekts sprechen, dann nicht mit Berührungsangst. Michael Ehret hat heute bei der Unterzeichnung des Vertrages spontan gesagt, die Berichterstattung des landsbergblog sei für das Projekt förderlich gewesen, egal ob wir nun (wie überwiegend) positiv oder (manchmal) negativ kommentiert hätten. Solche Medien müsse man nutzen; „sie führen nur zur Aufklärung. Das ist das Beste, was einem so großen und komplexen Projekt passieren kann“.

Und: Wenn ehret + klein über die Führungsrolle der Stadt sprechen, dann nicht als Lippenbekenntnis. Immer wieder haben sie betont: Die Stadt bestimmt die Gutachter. Andere hätten versucht, Buddies dort zu platzieren, deren Ergebnis investorenfreundlich ist. ehret + klein aber hat gezahlt, ohne Einfluss zu nehmen.

Das ist auch der Grund, warum die Mitarbeiter der Stadtverwaltung zur Höchstform aufliefen. Sie konnten gestalten. Hinzu kommt, dass Oberbürgermeister Mathias Neuner in Sachen Pflugfabrik der ideale Manager ist. Er weiß, wie Projektentwickler denken. Und er weiß auch, was in Stadtrat und Verwaltung an konträren Meinungen aufkommen kann.

Bislang ist dieses Projekt ein Traum von Projekt. Journalisten neigen zu letzten Sätzen wie „Ob es so bleibt, wird sich zeigen“. Unser letzter Satz lautet: Wir sind ziemlich zuversichtlich, dass es so bleibt. Ein bisschen Mut muss nämlich sein.

Fotos: Lauff, Létang.

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