Moderne Schnitzeljagd

Von wem stammen die rätselhaften Mosaike, die jemand in den vergangenen zwölf Monaten an öffentlichen Gebäuden in Landsberg angebracht hat? Was sollen sie ausdrücken? Worauf spielen sie an? Klare Antworten auf diese Fragen konnte uns noch niemand geben. Dennoch haben wir viele E-Mails zu diesem Thema und insbesondere zu der Frage bekommen, wie die Stadt denn nun mit den Mosaik-Fliesen umgehen soll. Wir hatten dabei mit einigen Statements nach dem Muster „Wo kämen wir hin, wenn …“ gerechnet. Doch sie blieben aus. Einhellige Meinung aller, die uns – teils namentlich, teils anonym – kontaktiert haben, war: Bloß nicht entfernen. Viele Leser hatten aber auch interessante Informationen für uns, die zu neuen Erkenntnissen führten. 

Die erste Reaktion erreichte uns Minuten nach unserer Veröffentlichung und sie ließ an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig, „Kunstwerke im öffentlichen Raum sind Geschenke an die Stadt und ihre Einwohner.“ definierte der Autor. „Solche Geschenke abzulehnen wäre völlig daneben.“

„Dranlassen“ meinte auch „Bachstelze“ in seinem / ihrem Kommentar, der uns kurz darauf erreichte: „Natürlich müssen diese kleinen, aufwändig installierten Kunstwerke erhalten bleiben! Immer wieder schön beim Schlendern durch Landsberg neue zu entdecken…..vor allem die Auswahl der teilweise echt schwierigen “Örtlichkeiten” verdient Respekt!“

Ein anderer Landsberger Bürger wies darauf hin, dass der Kreisbote das Thema unter der Überschrift Künstlerisches Rätselraten bereits im Januar 2012 aufgegriffen habe; zu dieser Zeit waren von Redaktion und Lesern gemeinsam elf Mosaike eindeutig entdeckt – anderen Angaben zufolge sollen es zwölf sein. Anhaltspunkte auf den oder die Urheber gab es damals keine. Die Meinung dieses Bürgers ist auch eindeutig. „P.S: Selbstverständlich hängenlassen!“, schreibt er am Ende seiner E-Mail.

Fliesen als Straßenkunst seien nicht neu, schrieb uns Marita Schauerte. Sie machte uns auf den französischen StreetArt-Künstler „Invader“ aufmerksam, der Mosaike in großen Städten auf der ganzen Welt angebracht hat. Es sind stets abgewandelte Motive aus dem frühen Computerspiel „Space Invader“.

Auch Bad Oldesloe, die Kreisstadt des Kreises Stormarn in Schleswig-Holstein, hat Mosaike geschenkt bekommen. Dort verziere ein Unbekannter seit Mai 2011 Wände, teilte ein mit Straßenkunst Vertrauter dem landsbergblog mit. Mosaike aus kleinen Fliesen tauchen dort an immer mehr Orten wie Eisenbahnbrücken, Gartenmauern, Geschäften, Pfeilern und in der zentralen Schützenstraße auf. 26 Mosaike seien bisher schon gezählt worden, zwei wurden – ebenfalls von Unbekannten – wieder entfernt.

Dass es sich um die gleiche Person wie in Landsberg handelt, ist freilich unwahrscheinlich. Die dortigen Fliesen haben farbige Untergründe und farbige Linienführungen und sind unterschiedlich groß. Auch sind die Motive eindeutiger und unterschiedlicher; am Bahnhofsvorplatz ist das Mosaik beispielsweise ein stilisierter Koffer.

Die Stadt Bad Oldesloe weist etwas naiv darauf hin, dass „die Eigentümer der ausgesuchten Orte selbstverständlich um Erlaubnis gebeten werden müssen, bevor ein Fliesenmosaik angebracht wird. Ansonsten ist es eine Sachbeschädigung.” Entfernen will man die Werke aber dennoch nicht: „Für die Stadt ist die moderne Schnitzeljagd echtes Guerilla Marketing, denn das positive öffentliche Interesse ist so groß, dass Bad Oldesloe überregional mit einem unterhaltsamen Thema in Verbindung gebracht wird.“ Vielleicht ließen sich sogar Flächen in der Stadt finden, denen eine offizielle Verschönerung mit den Mosaiken gut stehen würde.

Die Stadt bat die Bürger von Bad Oldesloe, neue Fliesen zu melden. Die örtlichen Grünen wandten sich sogar direkt an den Unbekannten und forderten ihn in der örtlichen Presse auf, weiter zu machen; die nächste Fliese möge bitte an der Hauswand der Grünen-Politikerin Karin Hoffmann angebracht werden. Das geschah dann auch; die ausgelobten 200 Euro Prämie konnten die Grünen aber nicht auszahlen, weil sie auch nach der Aktion nicht wussten, an wen.

Kurz vor Abschluss dieses Artikels erreicht uns noch ein freundliches Angebot der in Frankfurt am Main ansässigen Deutschen Organisation für Mosaikkunst e.V. Deren stellvertretende Vorsitzende Sabine Stellrecht-Schmidt zeigte sich in einem Telefonat mit dem landsbergblog „ganz elektrisiert“ und fragte, wie sie denn bei der Recherche helfen könne. Sie bot an, dass wir einen kleinen Artikel in der Mitgliederzeitschrift der Organisation veröffentlichen. So könne man alle Mitglieder erreichen und schauen, wer von ihnen etwas zu diesem Thema beitragen könne. Den Artikel haben wir natürlich gleich erstellt. Wir sind gespannt auf die Reaktion.

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3 Gedanken zu „Moderne Schnitzeljagd

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